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Judas Iskariot, der Verräter Christi

Nach dem Werk «Der Gottmensch» von Maria Valtorta
 

«Immer, wenn ich beim Lesen der Gottmensch-Bücher auf Stellen stoße, in denen Judas Iskariot vorkommt, möchte ich diese am liebsten überblättern, so unangenehm sind sie mir.» So sagt eine Leserin der Gottmensch-Bücher und sie ist mit ihrem Empfinden nicht allein ...
Einer der 7 Gründe, warum Jesus Maria Valtorta die Gottmensch-Bände diktiert hat, ist, Licht auf das Geheimnis des Judas Iskariot zu werfen (Band 12-289). Seine Entwicklung zum Bösen, seine Argumente, sein Irrtum, sind so aktuell, dass ich mich entschlossen habe, diesen Artikel zu schreiben. Die Informationen dazu entnehme ich aus den Gottmensch-Bänden, aus denen ich über 600 Schriftstellen zu Iskariot exzerpiert habe.

In der österlichen Zeit, wenn die Kirche das Leiden und die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus betrachtet, fällt unweigerlich auch der Name des Verräters Jesu – Judas Iskariot.
Im Laufe der Kirchengeschichte wurde über das Wesen des Iskariot viel diskutiert und theologisch interpretiert. Viele Fragen wurden in diesem Zusammenhang aufgeworfen und zu beantworten versucht, zum Beispiel:
– War Iskariots Verrat für die Erlösung der Menschheit notwendig bzw. von Gott gewollt?
– Ist Iskariot verdammt oder wurde ihm verzeihen?
– Hat er mit seinem Verrat nur seine «Pflicht» getan?
Für viele Betrachter der Passion Christi stellen sich weitere Fragen:
– Wer war Iskariot, wie kam er zu Jesus?
– Warum hat Jesus, der in die Herzen sieht, Iskariot zum Apostel berufen?
– Wie war der Charakter Iskariots und wie hat er sich entwickelt?
– Wie kann ein Apostel zum Verräter werden?
– Warum duldete Jesus einen Verräter in seiner Nähe?
– Wie haben die anderen Apostel Iskariot ertragen?
– Wie war das Verhältnis zwischen Jesus und Iskariot?
– Wie stand die Gottesmutter zu Iskariot?
– Warum hat Gott diesen Verrat nicht verhindert?
– usw.
Je länger man über dieses Thema nachdenkt, je mehr Fragen tauchen auf. Ich möchte auf diese Fragen mit Hilfe der Gottmensch-Bücher von Maria Valtorta, die das Leben und Leiden Jesu in 12 Bänden beschreiben hat, eingehen – das heißt, die in den Büchern enthaltenen Beschreibungen wiedergeben.
Zunächst ist folgendes über die Herkunft Iskariots nach Valtorta festzuhalten:
Iskariot gehört zusammen mit Thomas und Johannes zu den jüngeren unter den Aposteln. Sein Elternhaus steht in Kerioth (daher der Name: Judas von Kerioth = Iskariot) in Judäa. Sein Vater war begütert und hat sich bemüht, Judas eine gute religiöse Bildung angedeihen zu lassen und ihn zur Ausbildung und Erziehung in den Tempel gegeben. Daher ist Iskariot im Tempel bestens bekannt.
Die Mutter Iskariots ist eine fromme Frau und leidet unter der Bösartigkeit ihres Sohnes. Nach dem Verrat Iskariots wird sie in Kerioth als Mutter des Gottesmörders geächtet. Jesus hat so viel Mitleid mit ihr, dass er ihr nach seiner Auferstehung auch persönlich erscheint und sie tröstet. An dieser Stelle sieht man Jesus zum ersten Mal nach seiner Auferstehung weinen (Band 12-125). Iskariots Mutter wird als Märtyrerin und Heilige und als meist bedauernswerte Mutter der Welt sterben (Band 7-147).
Iskariot hört Jesus zum ersten Mal im Tempel sprechen und geht gemeinsam mit Thomas, der Jesus ebenfalls hört, mit der Bitte zu Jesus, ihm als Jünger nachfolgen zu dürfen. Nach einer kurzen Befragung und einer Belehrung über die Anforderungen an einen Jünger Christi schickt Jesus beide mit dem Auftrag, sich selbst noch einmal zu prüfen, wieder weg.
Iskariot ist sich sicher, den Anforderungen einer Jüngerschaft Christi gewachsen zu sein, während der demütigere Thomas unsicher wird ...  Wegen dieser Demut nimmt Jesus Thomas als ersten von beiden als Jünger an.
Etwas später trifft Jesus wieder auf Iskariot. In dieser Begegnung ist Jesus sehr traurig und sagt unter anderem zu Iskariot: «Ich habe dich nicht gesucht.» (Band 2-36). Auf Iskariots Drängen hin nimmt ihn Jesus als Jünger an, wobei schon an dieser Stelle das Ende Iskariots angedeutet wird (Band 2-38).
Bei der Annahme des Iskariots als Jünger fallen zwei Wesenszüge Christi auf: Zum einen sagt Jesus: «Ich weise niemanden ab.» und zum anderen «Ich habe dich nicht gerufen.» Jesus weiß alles und mutet niemandem Aufgaben zu, die er nicht meistern kann. Es wird später des Öfteren passieren, dass Iskariot so versagt, dass Jesus ihm empfiehlt, die Apostelgruppe wieder zu verlassen. Iskariot will aber wegen der «Schande» und wegen der «Leute» nicht gehen, diese Demütigung würde er nicht verkraften (Band 2-108).
Sofort mit der Annahme Iskariots beginnt die Auseinandersetzung zwischen Iskariot und dem einfachen und etwas rauen Petrus, der den frechen und feinen Tempelschüler gar nicht leiden kann. Noch bevor Iskariot von Jesus als Jünger angenommen wird, sagt Petrus über Iskariot: «Ich halte nichts von ihm. Er ist ein nettes Herrchen. Ich ziehe mich selbst ihm vor.» Alle Apostel lachen über die Aufrichtigkeit des Petrus (Band 1-317).
Vor allem kann es Petrus nicht ertragen, wenn Iskariot Jesus kritisiert. So explodiert Petrus bereits beim ersten gemeinsamen Tag mit Iskariot und nennt ihn «feines Herrchen ohne Ehrfurcht» (Band 2-188) und bietet ihm bei der nächsten Gelegenheit an, die Apostelgruppe wieder zu verlassen, wenn ihm etwas nicht passt (Band 2-220). Kurz danach streiten Petrus und Iskariot am See Genezareth, als sie das erste Mal Maria Magdalena begegnen (Band 2-226). Und als Iskariot sich etwas später über den Schmerz der Brüder Judas und Jakobus wegen dem zornigen und ablehnenden Vater Alphäus lustig macht, setzt ihn Petrus an die frische Luft und würde ihn am liebsten verprügeln...
Bei diesen Auseinandersetzungen ermahnt Jesus immer wieder Petrus, mehr Geduld mit Iskariot zu haben und ihn zu bemitleiden, ja - ihn zu lieben. Die anderen Apostel sind meist auf der Seite des Petrus und ermahnen Iskariot, mehr Ehrfurcht vor Petrus zu haben, den Jesus von Anfang an als Oberhaupt der Apostelgruppe eingesetzt hat.
Durch diese Ermahnungen und Bitten Jesu ermuntert, bemüht sich Petrus, mit Iskariot auszukommen. Als er sieht, wie sehr Jesus wegen Iskariot leidet, möchte er sich für Iskariot aufopfern. Es kommt so weit, dass er sich bei einer Wanderung ein großes Bündel Holz auflädt (Band 7-182) und es bis zur nächsten Rast trägt, und sogar die Zähne zusammenbeißt, als er von Iskariot deswegen verlacht wird.
Jesus versucht von Anfang an, Iskariot in die Gemeinschaft der Aposteln einzugliedern und ermuntert die Apostel, Nachsicht und Mitleid mit ihm zu haben, ganz besonders Johannes, den er gleich nach der Annahme des Iskariot bittet, dessen Freund zu sein (Band 2-57).
Nachdem Jesus die Apostel erwählt hat, führt er sie nach Nazareth und befragt auch seine Mutter um ihre Meinung zu den Jüngern.
Die Gottesmutter beurteilt Iskariot folgendermaßen (Band 2-247): «Iskariots Auge ist nicht klar, noch weniger sein Herz. Ich habe Angst vor ihm. ... Er ist ehrgeizig, habsüchtig, voller Sinnlichkeit und eher dazu geneigt, Höfling eines irdischen Herrschers zu sein als dein Apostel, Jesus.»
Jesus sagt dazu: «Die Reine, die Demütige, die von allen Reichtümern der Welt Losgelöste, konnte nicht anders, sie musste Abscheu vor dieser Schlange empfinden.» (Band 2-248)
Auch Kinder, denen die Apostelgruppe des Öfteren begegnet, beurteilen Iskariot, zum Beispiel der kleine Benjamin aus Magdala. Er sagt zu Iskariot: «Du gefällst mir nicht. Meine Mutter sagt, was man nicht mag, soll man nicht anfassen. Man lässt es auf dem Tisch, damit es die anderen nehmen können, die es vielleicht gut finden...» Iskariot will dem Kleinen eine Münze geben, damit er gut beurteilt wird. Das Kind aber sagt: «Was soll ich damit? Was kaufe ich mir mit einer Lüge? Die Mutter sagt, dass das Geld, das man durch Betrug gewinnt, zu Stroh wird...»
Auf dem Weg nach Gamala begegnet die Apostelgruppe wieder einem Kind, welches Iskariot als böse beurteilt.
Der Knabe Benjamin begegnet Jesus noch einmal (Band 9-24) und fragt ob der «Bösewicht» immer noch bei ihm sei. Jesus bittet das Kind, für Iskariot zu beten, damit er sich bessere ...
Jesus behält Iskariot trotz all dieser Vorfälle bei sich und wendet seine ganze Kraft auf, um Iskariot zu gewinnen und ihn zur Umkehr zu bewegen. Er leidet unsäglich unter der Verstocktheit Iskariots und weint und betet oft ganze Nächte zum Vater um dessen Bekehrung (Bände 2-145, 9-295, 9-331, 10-312, 10-360).
Wie oben angedeutet, sind beim Verhalten Jesu gegenüber Iskariot folgende Grundzüge zu beobachten:
– Jesus sagt und tut bezüglich Iskariot immer die Wahrheit. Es gibt kein falsches Vorspielen von Tatsachen, z.B. hinsichtlich Fehler des Iskariot oder der anderen Apostel. Wohl ist Jesus immer gütig und verzeiht jeden Fehler, sei er noch so groß, aber er hebt auch immer die Tatsachen und die Wahrheit hervor.
– Jesus lässt jedem Menschen den freien Willen, auch Iskariot. Iskariot wollte nicht weggehen, Jesus hat ihn nicht fortgeschickt.
– Iskariot wollte nicht umdenken, Jesus hat ihn nicht dazu gezwungen. Jesus tut in allem zuerst den Willen des Vaters, er wendet keinerlei Gewalt an, auch nicht an der Seele des Judas Iskariot.
Jesus bittet die Apostel inständig, Iskariot nicht zu verachten, sondern für ihn zu beten. In einer Erklärung (Band 9-219) sagt Jesus, dass die Jünger in Zukunft noch vielen Iskariots begegnen werden und dass er selbst das Beispiel gibt, wie man diese lieben und bemitleiden muss.
Was ist so verschieden am Charakter Iskariots als bei den anderen Aposteln?
Zum Unterschied von den anderen wollte er Apostel sein. Er drängt sich trotz der Belehrungen und Ermahnungen Jesu auf. Er ist doppelzüngig, schlau, habsüchtig, lasterhaft, diebisch und verschlagen und dabei gescheiter und gebildeter als der Durchschnitt der Menschen. Er weiß sich überall durchzusetzen. Er ebnet Jesus kühn den Weg, auch wenn es schwierig ist. Es gefällt ihm, unter den anderen Aposteln hervorzuragen und auf seinen Vertrauensposten bei Jesus hinzuweisen. Er ist nicht aus natürlichem Instinkt hilfsbereit, sondern aus Wichtigtuerei. Das befähigt ihn, das Geld zu verwalten und sich Frauen zu nähern ...
Durch sein Verhalten trägt Iskariot immer wieder Streit und Unruhe in die Apostelgruppe hinein. Er ist zumeist der erste, der seine Stimme gegen Jesus erhebt - und wenn die Situation schwierig ist, stimmen ihm die Apostel oft zu, weil sie nicht durchschauen, welcher geistige Kampf gerade ausgetragen wird. Iskariot verdreht mit Schlauheit die Worte Jesu zu seinem Zweck. Er sagt zum Beispiel zu Jesus (Band 8-382): «Ich besitze nicht die Einfalt der Tauben, sondern die Klugheit der Schlangen. Du bist die Taube, ich die Schlange, und zusammen sind wir so vollkommen, wie du uns gelehrt hast...» Und er zitiert Jesus in perfekter Nachahmung. So erobert Iskariot alle Apostel mit seinen Reden. Er ist wirklich der Menschenverführer...
Aber auch die anderen Apostel haben ihre Fehler und Neigungen. Petrus ist z.B. außerordentlich neugierig und hat Vorurteile gegen Ausländer. Während aber Petrus und die anderen Apostel ihre Fehler einsehen (Petrus sagt oft: Ich bin ein Esel!) und Jesus um Verzeihung bitten und sich ernsthaft ändern wollen, bleibt Iskariot, wie er ist – ja – er verstärkt seine schlechten Neigungen.
Iskariot denkt nicht um, sondern er verhandelt und diskutiert mit Jesus (Band 2-59). Er versteift sich immer wieder; er hält an seiner Idee des Messias fest; er verlässt sich auf sich und seine eigenen Fähigkeiten; er bereut seine Fehler nicht wirklich; er sucht weltlichen Ruhm und Ehren; er ist Jesus ungehorsam und kritisiert ihn.
Dabei sind viele seiner Meinungen und Vorstellungen auch heute weit verbreitet. Ich möchte einige davon wiedergeben, auch um beispielhaft zu zeigen, welche Wurzel des Denkens Iskariot hatte, die ihn ins Verderben geführt haben:
«Alles ist der Wille Gottes, alles ist gut!» (Band 6-256)
«Beichten ist ein unangenehmes Suchen nach Sünden!» (Band 8-80)
«Die Gottesmutter ist eine dumme Taube!» (Band 8-60)
«Die Welt muss man mit Täuschungen regieren.» (Band 2-77)
«Du bist ungerecht, Jesus!» (Bände 2-187, 2-365, 9-86, 9-330)
«Eine Frau (Gottesmutter) anerkenne ich nicht als Miterlöserin.» (Band 9-158)
«Es gibt auch eine Weisheit der Welt neben Gott.» (Band 11-86)
«Gott kann man nicht töten!» (Band 5-91)
«Ich liebe und peinige!» (Band 2-365)
«Ich unterstütze Jesus, obwohl er mich nicht lobt.» (Band 10-89)
«Ich werde aus eigener Kraft handeln!» (Band 10-312)
«Ich werde mich selbst erlösen!» (Band 10-259)
«Ich will wie Johannes behandelt werden!» (Band 7-315)
«Jesus ist unklug und verrückt geworden!» (Band 5-82)
«Jesus, du bist Schuld an meiner Falschheit!» (Bd 10-248)
«Jesus, du hast Angst vor mir!» (10-248)
«Jesus, ich habe dich bei einem Fehler ertappt!» Band 7-243)
«Mein Gewissen meldet sich nicht!» (Band 9-282)
«Satan gibt es nicht, ich spüre ihn nicht!» (Band 6-257)
«Schöne Dinge (=Frauen) gefallen jeden!»(Band 2-225)
«Wann lässt du uns Wunder wirken, Jesus?» (Band 2-356)
«Wenn Jesus fällt, fallen wir alle mit ihm!» (Band 2-332)
«Widersprich mir nicht, Jesus!» Band 2-107)
«Zuviel Milde ist nicht gut!» (Band 8-92)
«Zwinge mir den guten Willen auf, Jesus!» (Band 10-308)
Wie entwickelt sich die Situation hin zur Passion Christi?
Die Apostel - Petrus allen voran, bemühen sich Iskariot zu ertragen (Bände 10-124, 10-357) und in ihm das Gute (Band 9-218) zu sehen. Petrus bittet Iskariot des Öfteren um Entschuldigung (Band 11-85) und knapp vor der Passion sind viele der Meinung, dass Iskariot mit seinen Beziehungen zum Tempel das Meiste für die Rettung Jesu leistet, während Jesus seine Bemühungen um die Rettung der Seele des Iskariot verstärkt.
Iskariot will aber den Weg des Verderbens gehen. Noch vor dem Palmsonntag willigt er im Synedrium (Versammlung der Schriftgelehrten) ein, Jesus zu verraten und auszuliefern (Band 11-33).
Ich möchte jetzt erklären, warum es notwendig war, Jesus zu verraten, da Jesus sowieso täglich in der Öffentlichkeit lehrte und die Schriftgelehrten ihn jederzeit finden konnten:
Jesus war beim Volk im höchsten Maße beliebt. Er wirkte viele Wunder, predigte wunderbar und zeigte sich wahrhaft als Freund der Armen. Auch die römischen Soldaten bewunderten den Rabbi Jesus als großen Gelehrten und Wundertäter und hätten ihn auf jedem Fall beschützt. Deshalb war es den Schriftgelehrten nicht leicht möglich, Jesus in der Öffentlichkeit gefangen zu nehmen. Sie versuchten, Ihn allein oder im engsten Kreis seiner Jünger zu erwischen.
Ab der Karwoche suchte Iskariot eine Gelegenheit, ihn auszuliefern. Aber Jesus gab dem Iskariot nicht zu erkennen, wo Er sich in den jeweiligen Nächten aufhalten würde. So sind auch die «kryptischen» Anweisungen Jesu für die Apostel in dieser Zeit zu verstehen, z. B.: «Geht in die Stadt. Dort werdet ihr einen Mann begegnen. Folgt ihm und geht in das Haus, wo er hingeht und sagt: Der Meister lässt sagen,...»
Iskariot sollte also vor der rechten Zeit nicht wissen, wo Jesus sich aufhielt.
Ich möchte auch noch die Argumente beschreiben, mit denen die Pharisäer Iskariot überzeugten, dass der Verrat an Jesu eine Heldentat, «ein heiliges Werk für das Vaterland»,  sei, «das ihn in Ewigkeit berühmt machen werde». (Band 11-34). Sie versprechen Iskariot einen Sitz bei ihnen im Synedrium zu geben, wenn er Jesus verrät und dass sein Name alle Jahrhunderte hindurch mit dem Namen Jesu verbunden sein werde und dass er, Iskariot, der größte Mann Israels sein werde...
Die Apostel sind in der Zeit vor der Passion niedergeschlagen und durcheinander. Jesus spricht immer wieder von seinem Leiden und dass Er bald nicht mehr da sein werde. Alle bemühen sich irgendwie zu vermitteln und aktiv zu sein; daher fallen auch die Aktivitäten des Iskariot nicht sonderlich auf. Die Apostel schwanken zwischen Lob und Misstrauen für Iskariot.
Als Jesus Iskariot nach dem Abendmahl sagt: «Was du tun willst, dass tue bald...» (Band 11-167), glauben die Apostel, Iskariot müsse für Jesus einen Auftrag erledigen.
Als Iskariot die Tempelwachen in den Ölgarten, welcher Lazarus gehört, führt, erkennen die Apostel, dass Iskariot der Verräter ist. Aber Iskariot entflieht und irrt in der Dunkelheit wie verrückt geworden umher. Im Morgengrauen des Karfreitags begegnet er noch einem Hund, der ihn anfällt und in die Wange beißt. Er wankt blutend weiter und sieht überall Blutspuren von Jesus. Im Ölgarten entdeckt er den Mantel Jesu mit Blutspuren und wird halb wahnsinnig. Überall sieht er Blut. In der Stadt begegnet er noch einmal Jesus, der gerade zu Pilatus geschleppt wird. Danach läuft er zum Hohen Rat, verflucht die Schriftgelehrten, und wirft dem Hohepriester Kaiphas das Blutgeld ins Gesicht und irrt weiter. Das Schicksal will es, dass er Jesus noch zweimal begegnet. Dann läuft er in den Abendmahlsaal zurück und sieht auch in dem Kelch des letzten Abendmahles das Blut Christi. Dort begegnet er noch einmal der Gottesmutter, die ihn mit ihrer ganzen Liebe bittet, zu bereuen. Sie hätte ihn wie ein verwundetes Kind zu Jesus gebracht (Band 11-237). Aber Iskariot ist bereits besessen. Er läuft weg und begegnet noch Johannes, der die Gottesmutter zur Passion führen soll. Nach dieser Begegnung läuft Iskariot noch einmal zum Ölberg und kann von dort aus die Kreuzigung mit verfolgen...
Ich war zu Ostern 1992 in Israel und wir haben eine Miniaturansicht des alten Jerusalem gesehen. Ich habe bei der Gelegenheit den jüdischen Führer gefragt, ob zur damaligen Zeit vom Ölberg aus Golgotha zu sehen war. Nach einer Überprüfung wurde mir bestätigt, dass vom Ölberg aus ein Sichtkontakt nach Golgotha möglich war.
Während Jesus am Kreuz hängt, begeht Iskariot die letzte Sünde. Er will an die Barmherzigkeit Gottes nicht glauben und diese nicht annehmen. Er verflucht Jesus noch einmal und erhängt sich mit seinem eigenen Gürtel an einem Ölbaum.
Nach dieser Beschreibung sagt Jesus zur Seherin Maria Valtorta: « ... denn von allen Sündern und Verdammten ist er der größte Sünder und der am tiefsten Verdammte, und für ihn wird es in Ewigkeit keine Milderung der Strafe geben.» (Band 11-237)
Ich habe zu Beginn einige Fragen bezüglich Iskariot aufgeworfen und versucht, anhand der Beschreibungen der Visionen von Maria Valtorta einige Betrachtungen und Antworten anzubieten. Bei vertieftem Interesse zu dem Thema empfiehlt es sich, die im Artikel angegebenen Stellen zu den 12 Gottmensch-Bänden nachzulesen.

von Johann Binder