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Der heilige Johannes Paul II., Prophet der Barmherzigkeit (2. Teil)

Vortrag von Bernard Balayn in der Pfarre St. Ludwig in Brest

Nachdem wir erwähnt haben, was die Wurzeln der Barmherzigkeit beim großen Papst und seinen geistigen Werken der Nächstenliebe sind, wollen wir uns zum Abschluss des Vortrags den geistigen Werken der Barmherzigkeit widmen.
Der Heilige Vater Johannes Paul II. hat sich auch um die geistigen Werke der Barmherzigkeit gekümmert.
Er wusste, dass die erste Pflicht der Nächstenliebe im Dienst an der Wahrheit liegt: «Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort aus Gottes Mund». Das tägliche Brot, ja; Respekt, Würde, Pflege des Körpers, ja, aber die Seele steht über dem Körper und ist ihm vorgeordnet: «Fürchtet euch nicht vor dem, der die Macht hat, den Leib zu töten, sondern fürchtet euch vor dem, der die Macht hat, die Seele zu töten».
Johannes Paul II. hat beide Kämpfe geführt, aber er hat dem des Geistes Vorrang gegeben. Deshalb hat er unablässig und überall geschrieben, geredet, gelehrt. In den Tagen vor seinem Tod hat er uns sogar durch sein Schweigen unterwiesen…
Das Zentrum seiner Barmherzigkeit war daher unbestreitbar seine Unterweisung, seine Predigt, sein «unvergleichliches petrinisches Lehramt», das ein echtes «Strömen der Lehre» (André Frossard) für die dringliche Neuevangelisierung gewesen ist. Er war der «Athlet Gottes» (Kardinal Marty), der angesichts der Unwissenheit, der Irrtümer, der Verfolgung, der Gleichgültigkeit «mit der Bibel unter dem Arm» durch die Welt gezogen ist. Das Resümee dieser Lehre, die nur mit jener des hl. Paulus verglichen werden kann, ist sein Katechismus der katholischen Kirche, der die Wege ins 3. Jahrtausend vorbereitet hat, wie es der Wunsch des polnischen Kardinalprimas Stefan Wyszynski war, den dieser beim Konklave, bei dem Karol gewählt wurde, äußerte…
Er hat in Rom gelehrt (Audienzen, Predigten…), in Italien und bis an die Enden der Erde; er sprach «ob es gelegen oder ungelegen war» (z.B. in Peru gegen die Drogen, in Sizilien gegen die Mafia…).
Er hat die Lästigen ertragen! – und auch die anderen…
Es ist der Aufruf zum Hinhören, zur Geduld und zur Aufmerksamkeit gegenüber dem Nächsten. Millionen Menschen haben ihn erwartet, haben ihn nicht nur hören, sondern ihn sehen, ihn berühren wollen, weil er der «sanfte Christus der Erde» war (hl. Katharina von Siena).
Er wurde durch den eisernen Vorhang des Kommunismus, der sein Land und die benachbarten Länder nach der Besatzung durch Hitler in der heiligen Geduld geformt. Er wusste, dass sein Erzbischof durch verborgene Mikrophone abgehört wurde… und dass es sogar im Vatikan Spione gab…
Er wurde «allen alles» (Maria Winowska), indem er schwieg, zuhörte, wenig sprach – dies jedoch mit Bedacht. Wenn er den Pilgern, den Familien begegnete, war er stets jedem Einzelnen gegenüber aufmerksam. Für ihn war jede Person einzig, eine [eigene] Welt.
Eine Ordensfrau aus seinem Umfeld sagte: «Wir haben ihn nie mit jemandem schimpfen gehört».
Er führte mit allen Völkern, mit allen gutwilligen Führen, mit allen Religionen und Kulturen Gespräche. Die Gebetstreffen in Assisi legen davon Zeugnis ab.
Und er hat auch für die Lebenden gebetet.
Das Gebet war der Motor, die Inspiration der innigen Nächstenliebe des Papstes und die Inspiration seiner Seele.
Er war ein großer Kontemplativer, ein großer Beter, der fast mit Bedauern nicht bei den Karmeliten eintrat, um dem aktiven Leben seiner Diözese entscheidende Impulse zu geben. Er blieb jedoch immer und vor allem anderen ein Mann des Gebetes. Ohne Gebet machte (und war) er nichts.
Er betete überall und bei vielfältigen Anlässen, auch im Hubschrauber (z.B. in Israel). Das Gebet absorbierte ihn vollständig, ohne dass es ihn jedoch von der Realität abschnitt. Er verstand es, zu beten! Er war ein Meister des Gebetes. Die Hirtenkinder von Fatima sahen ihn noch vor seiner Geburt «mit dem Kopf in den Händen» beten…! Genauso wie wir es später erlebt haben.
Sein Gebet zu Gott war ihm das Wichtigste, aber wir alle kennen die Intensität und die besondere Liebe, die er zu seiner Himmelsmutter hatte: «Totus Tuus». Für Maria veröffentlichte er sein Schreiben über den Rosenkranz (und fügte darin das 4. Gesätz, den lichtreichen Rosenkranz hinzu); für Maria rief er 1987 das Marianische Jahr aus und promulgierte 2002 das Jahr des Rosenkranzes… Neben seinem Brevier hatte er fast immer den Rosenkranz in der Hand, sogar und insbesondere bei der UNO…
Wir wussten, zu Wem er betet. Aber für wen betete er?
Darauf gab er selbst die Antwort: «Ich praktiziere jeden Tag die Geographie des Gebetes». Das heißt, er betete für alle, vor allem für jene, die es am nötigsten brauchten: von Amerika bis nach Asien – und auch für jene, die ihm schrieben… Es war der Ausdruck seiner Nächstenliebe, die allen seinen Werken der Barmherzigkeit voranging und sie beseelte.
Wenn er allein und in der Stille war, betete er in seiner Hauskapelle oder in seinem Zimmer auf dem Boden liegend, die Arme in Kreuzform ausgebreitet… jeden Freitag betete er den Kreuzweg und warf sich zu Boden, wie Maria Winowska es gesehen hat.
Sicher ist er auch betend in den Himmel eingetreten…
Liebe Freunde, habt keine Angst, euch seiner machtvollen Fürsprache anzuvertrauen. Sie bewirkt Wunder und setzt seine Barmherzigkeit auf glorreiche Weise fort.
Von Generation zu Generation folgten Propheten und Herolde der Barmherzigkeit aufeinander, angefangen beim hl. Johannes bis hin zu den mittelalterlichen Mystikern, von der hl. Gertrud bis zur hl. Margareta Maria. Nicht zu vergessen sind dabei jene, die Taten der Barmherzigkeit setzten wie der hl. Franz von Assisi oder der hl. Vinzenz von Paul und ihre Nachfolger…
Johannes Paul II. hat die einen nachgeahmt und ist den anderen im Maß seiner unermesslichen Nächstenliebe nachgefolgt und zwar immer dort, wohin Gott ihn gestellt hatte.
Zweimal pilgerte er nach Paray-le-Monial (darunter auch 1986), machte häufig Prozessionen (Krakau…) wie nach Brügge zum Heiligen Blut, leitete als Kardinal mehrere internationale Eucharistische Kongresse… Er war ein anbetender Beter.
Der hl. Johannes Paul II. hatte das Privileg und die Gnade, sein Leben wie eingetaucht in die göttliche Barmherzigkeit zu vollenden.
Als er am 30. April 2000 Schwester Faustyna heilig sprach, setzte er während seiner Predigt das Fest der göttlichen Barmherzigkeit für die gesamte Kirche ein und legte das Datum auf den zweiten Ostersonntag.
Bei seiner letzten Wallfahrt nach Polen wollte er sein geliebtes Krakau besuchen, um dort die Basilika zu weihen, die der göttlichen Barmherzigkeit gewidmet ist. Die Basilika befindet sich im Lagiewniki-Viertel, das ihm so viel bedeutete, denn als junger Mensch arbeitete er in Holzschuhen in der nahen Fabrik, wie er sagte…
An jenem feierlichen Tag erklärte er, der so viele Male die Welt dem unbefleckten Herzen der Mutter der Barmherzigkeit geweiht hatte: «… Heute will ich die Welt feierlich der göttlichen Barmherzigkeit weihen… Möge sich die Verheißung erfüllen, die unser Herr Jesus gegeben hat: Von hier soll “der Funke ausgehen, der die Welt auf sein letztes Kommen vorbereitet”1. Diesen Funken der Gnade Gottes muss man entzünden; man muss der Welt dieses Feuer der Barmherzigkeit bringen…»
Am Ende so vieler Leiden, die er für das dritte Jahrtausend aufgeopfert hat, bezwang seine lange und schmerzhafte Krankheit seine robuste Gesundheit: Von der göttlichen Vorsehung gelenkt, entschlief er am 2. April 2005, am Abend des Samstags (Tag Mariens), mit dem das Fest der göttlichen Barmherzigkeit beginnt. Das war wie ein Siegel des Himmels für sein Werk, das nun ganz vollendet war.
Der Heilige Vater Franziskus wird bei seiner Polenreise in diesem Sommer anlässlich des Weltjugendtages 2016 sicher wieder einen neuen Anruf an die göttliche Barmherzigkeit richten, wenn er in Lagiewniki, im Heiligtum in der Basilika, die der göttlichen Barmherzigkeit geweiht ist, beten wird.
Ja, es besteht kein Zweifel: «Ich glaube, dass die Zeit der Barmherzigkeit gekommen ist» (Papst Franziskus, 6. Dezember 2015).
Wenn Sie möchten, machen wir uns zum Schluss sein Gebet zu eigen:
«Gott, barmherziger Vater, du hast in deinem Sohn Jesus Christus deine Liebe kundgetan und sie im Heiligen Geist, dem Tröster, über uns ausgebreitet; wir vertrauen dir heute das Schicksal der Welt und jedes einzelnen Menschen an. Neige dich unseren Sünden zu, heile unsere Schwäche, überwinde alles Böse, lass alle Bewohner der Erde die Erfahrung deiner Barmherzigkeit machen, damit sie in dir stets die Quelle der Hoffnung finden.
Ewiger Vater, durch die schmerzvolle Passion und durch die Auferstehung deines Sohnes, gewähre uns und der ganzen Welt deine Barmherzigkeit! Amen.»
von Bernard Balayn

Anmerkung:
1. Tagebuch der Schw. Faustyna, Seite 510.

 

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