Bruder TouficEremit in der Wüste=> MARIA HEUTE 472 INHALT
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Ganz in der Nähe der Grabstätte des hl. Maron begegnen Geneviève und Jean-Claude Antakli Bruder Toufic, einem Eremiten, der im Nordosten der syrischen Wüste lebt.
Unser Interesse war vor allem von der Präsenz des einzigen Eremiten, der in Syrien lebt, angezogen worden, so dass wir ihn mit Erlaubnis von Bischof Anice, der sein geistlicher Begleiter ist, gerne treffen wollten..
Er ist aus dem Nichts gekommen, von dem Hügel aus der Nähe oder von dem weiten Olivenhain, dessen lanzenförmige Blätter den hellbraunen, feinen Sandvorhang, den der Wind aufgewirbelt hat, versilbern oder aus dem versteckten Dorf von der
gegenüber liegenden Seite, dessen Grenzen von den Leinen, an denen bunte Wäsche auf den Dächern in der Sonne hängt, bestimmt wird. Er nähert sich lebhaft und schnell; eine schwarze, schlanke Silhouette, der nur die nackten Füße und die braunen Hände Leben zu verleihen scheinen. Die Gläubigen, die gerade in den Bus einsteigen wollen, halten verblüfft inne und Bruder Toufic, der Wüsteneremit, zieht mit einer schnellen Bewegung seine Kapuze über das Gesicht und schlängelt sich eiligen Schrittes an der Kirchenfassade entlang.
Wir sind äußerst bewegt und es drängt uns, zu ihm zu gehen; er sieht aus wie der hl. Charbel oder ähnelt ihm zumindest. Unmittelbar bevor er (in die Kirche) eintritt, hebt er den Kopf und sieht uns... Sofort kommt er mit ausgestreckten Armen auf zu uns, da er uns gleich erkannt hat, denn wir sind ihm bereits einmal begegnet.
«Franzosen... Christen aus Frankreich!» Sein Herz frohlocke vor Freude, sagt er uns, denn die Kirche von Frankreich sei die Mutter aller Kirchen und er bete jeden Tag für sie, damit sie ihre Seele und ihre Identität nicht verliere! Inmitten seines langen Bartes sind zwei schwarze, strahlende, fast fiebrige Augen: «Meine Freunde, seid ihr hierher gekommen, um zum hl. Maron zu beten?», fügt er hinzu.
«Ja, aber mit Erlaubnis Ihres Bischofs sind wir auch wegen Ihnen gekommen... und wir verstehen besser, warum Sie an diesem Ort sind und sich allen Unbilden des Wetters aussetzen; in dieser Region, die von den ersten großen Heiligen der Christenheit durchquert wurde.
Gemeinsam feierten wir die hl. Messe und dienten ihm als Ministranten. Bischof Anice feierte ebenfalls mit; er war so schlicht und so sanft und in tiefster Sammlung. Wenig Leute, aber eine große Präsenz.
«Wollen Sie sich mit Bruder Toufic unterhalten?»
«Dürfen wir Bruder Toufic zu seiner Eremitage begleiten? Für den Rückweg brauchen wir später keine Begleitung.»
«Gut, dann wird Sie mein Chauffeur dorthin fahren. Es ist sehr heiß, die Wege sind steinig und das Geröll ist scharf wie ein Rasiermesser.»
Wir schauen auf die nackten Füßen des Bruders...
Es ist eine stille Fahrt. Am Abhang eines Hügels steht ganz allein das Haus, ein Kubus aus Zement. Über breite Stufen aus gestampfter Erde erreicht man es; sie führen an drei Dachgärten vorbei, die von der kleinen Terrasse zum weiter unten liegenden Weg abwärts führen.
Eine Tür, zwei Fenster:
Der Raum ist nackt. Auf der rechten Seite liegt vor der
Betonmauer ein langes, zerschlissenes Tuch aus Jute mit einem Leintuch, das zu einem Knäuel gerollt ist und einem runden, glatten, nackten Stein, der als Kopfkissen dient. Diese armselige Schlafstätte wird von einer Mariendarstellung und zwei Kreuzen beschützt. Am Kopfende sind vier oder fünf Bücher, darunter auch eine kleine schwarze Bibel und das letzte Buch von P. Zahlaoui über «Soufanieh».
Unter dem etwas weiter entfernteren Fenster lächelt in einem Bilderrahmen Unsere Liebe Frau von Soufanieh; sie steht auf dem letzten Bruchstein einer behelfsmäßigen Treppe, umgeben von Sträußen aus wilden Blumen. Ein Teppich aus Rosenblättern breitet sich überall aus, bis hin zum Tabernakel, der auf einem mit Jute überzogenen Karton steht. Davor ein Armvoll Weizenähren, die vom roten Schein einer Lampe erleuchtet werden.
Das Allerheiligste ist da, in absoluter Stille.
«Wie verlaufen Ihre Tage, Bruder?»
«In der Stille und im Gebet! Sie sind lang, denn ich schlafe sehr wenig. Im Grunde sehe ich niemanden, außer den Dorfbewohnern, die mir Essen bringen oder die Hilfe brauchen. Ich mache auch etwas Feldarbeit; ich habe einen Garten, den ich bepflanze, Blumen und einige Obstbäume. Alle zwei Wochen gehe ich nach Alep zu Bischof Anice, meinem geistlichen Begleiter, und nehme am Gottesdienst teil. Manchmal kommt er auch – wie heute – nach Brad.»
«Können Sie uns von Ihrer Kindheit und von Ihrer Berufung erzählen?»
«Ich bin Syrer und stamme aus einer alevitischen Familie, aber wir haben im Gebiet von Meten im Libanon gelebt. Ich war das jüngste Kind einer einfachen Familie und habe noch eine Schwester und vier Brüder. Auf dem Land haben unsere Eltern nur wenig auf uns aufgepasst und schon als kleines Kind ging ich oft an Orte, wo Klöster oder Eremitagen waren, denn sie zogen mich an.
Dort fühlte ich mich wohl und ich hatte nur etwas Brot und einige Oliven dabei. Ich habe nie die Schule besucht und machte schon sehr jung eine Metzgerlehre, ohne Lohn zu bekommen; es gab nur etwas Trinkgeld, was damals einige Piaster am Tag waren. Sobald ich 15 Pfund beisammen hatte, gönnte ich mir ein Taxi nach Annaya, dem Wallfahrts- und Gebetsort zum Gedächtnis an den hl. Charbel. Ich blieb dort zwei oder drei Tage, verbrachte die Nacht unter freiem Himmel und wenn der Pfarrer des
Klosters bemerkte, dass ich da war, bestellte er seinerseits ein Taxi, das mich wieder zu meinen Eltern brachte.»
Er lächelt wie ein Kind: «Eigentlich haben die Muttergottes und Jesus mich gelehrt, sie zu lieben. Ich sah sie von Zeit zu Zeit, manchmal in Visionen, manchmal in Träumen. Meinen Militärdienst leistete ich in Syrien und bin die Erfolgsleiter hinaufgestiegen. Ich glaube, dass ich wirklich großen Erfolg in geschäftlichen Dingen hatte. Ich habe auf großem Fuß gelebt und ein Leben der Sorglosigkeit und Ausschweifung geführt, aber trotzdem hatte ich immer das Bedürfnis, die Früchte meiner Arbeit mit meinen Angestellten und Mitarbeitern zu teilen. Ich habe auch vielen jungen Menschen geholfen, die in Schwierigkeiten waren, damit sie studieren konnten...»
«Was war der Auslöser, der Sie hierher geführt hat?»
«Es kam von heute auf morgen. Meine Lebensweise langweilte mich und so beschloss ich, alles, was ich
besaß, den Armen zu geben und ich bin Jesus dahin gefolgt, wo er auf mich wartete – in ein Kloster nicht weit entfernt von Lattaquie in
Gassanieh (an der syrischen Küste): Gebet, Fasten, Dienst an anderen in größtmöglicher Entäußerung.»
«Sind Sie vorher getauft worden?»
«Ja, 1976 wurde ich im Libanon getauft. Dann habe ich 5 Jahre lang mit meinem eremitischen Leben begonnen, bis zu dem Tag, an dem mein zuständiger Oberer Druck ausübte, damit ich Gassanieh verlasse. Meine Popularität, die bei den Ärmsten immer größer wurde, schien die Hierarchie zu stören. Ich habe mich gefügt und habe ohne zu klagen gehorcht. Ich bin also aus diesem Gebiet, dem ich mich trotzdem sehr verbunden fühlte, weg gezogen.
Ein Jahr später riefen sie mich zurück. Und wieder strömten Menschen herbei, um mich zu besuchen und um mein Gebet und meinen Rat zu bitten... Ich war genötigt, wieder weg zu gehen.... Und nun bin ich in Brad, in der Nähe eines kurdischen Dorfes, das mehrheitlich von Muslimen bewohnt wird; ich bin da, wo der Herr mich
haben will – unter dem Schutz von Bischof Anice, der mich ganz schlicht, ohne irgendeinen Kommentar aufgenommen hat. Ich bin ihm dafür sehr dankbar...»
«Die Strenge Ihres Lebens, das Gebet bewegt Männer und Frauen dazu, sich an Sie zu wenden. Haben Sie besondere geistliche und zeitliche Gnaden empfangen?»
Von dem Rosenkranz, den er aus seiner Tasche zu ziehen versucht, um ihn uns in seiner Hand zu zeigen, ist mehrfach Öl ausgetreten. Er erzählt uns von der brüderlichen Verbindung, die er mit Myrna und ihrem geistlichen Begleiter, Père Zahlaoui aus Damaskus, hat. Vom Bild der Muttergottes von Soufanieh ist ebenfalls Öl ausgetreten. Er sagt uns, dass die beiden seine Eremitage besucht und sie gemeinsam das Allerheiligste angebetet haben.
«Wunder? Sie sind zahlreich und überraschend, aber in ihnen liegt nicht das Wesentliche.
Das Wesentliche liegt in meiner Präsenz hier; das Wesentliche liegt in der Lebensentscheidung, die ich als eine Gnade betrachte, die Gott für das Heil meiner Seele wollte und wahrscheinlich auch als einen Weg für alle, die leiden, damit die Menschen, die nicht glauben, durch mein Zeugnis und mein Leben als Eremit schließlich doch zum Glauben finden.
Wer glaubt, hat die Naivität, um ein göttliches Eingreifen zu bitten; wer glaubt, ist jemand, der die Realität eines Wunders zulässt, wenn dies ganz offensichtlich ist. Einen Glaubensakt zu setzen bedeutet, einen unmittelbaren Kontakt zwischen Schöpfer und Geschöpf herzustellen. Aber er ist auch ein Sprung ins
Ungewisse. Für diejenigen, die die Gnade der Gewissheit haben, wirkt der Herr Wunder! Und das habe ich schon mehrmals festgestellt.
Ich erinnere mich an einen Mann, der in einem benachbarten Dorf lebt, das ungefähr 20 km von hier entfernt ist. Er war ein verheirateter Muslime und wurde auf einmal gegenüber seiner Frau und seinen Kindern gewalttätig. Er lästerte sogar Gott und die Familie wusste sich keinen anderen Rat, als ihn zu fesseln. Schließlich brachten sie ihn nach Alep zu einem Arzt, dann zu Psychiatern, die ihn einer Schocktherapie unterzogen, die ihn ganz abstumpfen ließ. Zwei Jahre lang reduzierte sich sein Leben auf Essen und Schlafen; er reagierte auf nichts, bis ihn einer seiner Freunde zu mir brachte. Ich habe ihm die Hände aufgelegt und zu Christus gebetet: “Herr, dein Wille geschehe, befreie ihn, denn du kannst es” und ich habe der Familie empfohlen, Jesus und der Muttergottes besondere Aufmerksamkeit zu schenken, nur Aufmerksamkeit!
Sie haben versprochen, dass sie hierher zurück kommen und als Zeichen ihrer Dankbarkeit ein Schaf opfern werden, wenn er geheilt wird.
Kurze Zeit danach kam der Freund, der ihn zu mir gebracht hatte, um mir zu berichten, dass der “besessene” Mann bereits am Tag nach seinem Exorzismus seine
normalen Tätigkeiten wieder aufgenommen hatte.
Und da war auch jene Frau, die an furchtbaren Schmerzen an der Lendenwirbelsäule litt. Sie strahlten bis in die Beine aus und bewirkten, dass sie nicht mehr laufen konnte. (Er zeigt uns den Ort wo sie wohnt, ungefähr 20 m von hier entfernt, hinter seinem Haus, für den Fall, dass wir sie besuchen möchten, um ihr Zeugnis zu hören.) Sie wurde mit zahlreichen intramuskulären Spritzen behandelt, aber nichts konnte ihre Schmerzen beseitigen. Eines Tages kam ihr Sohn zu mir und bat mich, an ihr Krankenlager zu kommen. Ich spürte sofort, dass sie mit ihrer Behandlung aufhören sollte und bat sie, es zu tun. Das ist ungewöhnlich bei mir; es war das erste mal in meinem Einsiedlerleben, dass ich einen Kranken aufgefordert habe, mit der Behandlung aufzuhören. Ich habe lange gebetet, um ihre Heilung zu erlangen.
Einige Tage später begegnete mir ihr Sohn, der Maurer ist, und ich fragte ihn, ob es etwas Neues gäbe. Es ging ihr viel besser, aber um ihre Heilung zu festigen, wollte sie die Behandlung mit den Spritzen zu Ende führen.
Ich sagte ihr, dass sie es nicht tun solle und ich ging sogar so weit, dass ich ein Misslingen dieses Tuns wünschte, denn ich war so sehr von der unheilvollen Wirkung dieser Spritzen überzeugt. Aber die Frau war stur und wollte nichts davon hören. Sie ging zur Krankenschwester, die trotz zehn
vergeblicher Versuche das Medikament nicht injizieren konnte.
Sie überzeugte sich, dass die Spritze tadellos funktionierte und verstand nicht, warum ihr die Injektion nicht gelang, bis die kurdische Frau ihr sagte: „Ich weiß warum, versuche es nicht länger.“ Sie ging weg und wurde endgültig geheilt.
Und es gab auch einen jungen Mann, der seit 10 Jahren behindert war und sich nur noch mit Krücken fortbewegen konnte. Zwei Scheichs hatten für ihn gebetet und ihm versprochen, dass er in einem Monat wieder ganz normal laufen könnte, wenn er sich mit einer Salbe einreiben würde.
Einen Monat später stand er auf, fiel hin und brach sich einen Arm! Er kam ganz verzweifelt zu mir. Ich wartete einige Monate bis ich ihn fragte, ob er an Jesus und seine heilige Mutter glauben würde. Er bejahte es und ich habe lange über ihn gebetet. Er ist vollständig geheilt.
Eines Tages traf ich ihn auf seinem Motorrad, als ich in Begleitung von Bischof Anice auf dem Rückweg von Alep war. Ich fragte ihn: „Wie geht es dir Riad?“ Er antwortete, während er sich umdrehte: „Sehr gut, Bruder, durch den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist!“
Sehr oft bittet man mich um das Gebet. Manchmal kenne ich nicht den genauen Grund, aber wichtiger als die Ursache der Fürbitte ist die Gewissheit, dass Gott immer erhört...»
Die Stunde des Aufbruchs war gekommen. Wir beteten gemeinsam. Bruder Toufic
begleitete uns bis zum Taxi und segnete uns. Nach dem Verlassen der Eremitage machten wir einen weiten Umweg und kamen auf einem höher liegenden Weg, der genau gegenüber liegt, zurück.
Er war noch immer da, vor seinem Haus, unbeweglich, wie eine schwarze Eibe und mit seiner Hand machte er ein großes, ein riesengroßes Kreuzzeichen über uns.
Der Chauffeur murmelte: «Allein, er ist ganz allein; wenn er Hilfe braucht, hat er nicht einmal ein Handy. Man müsste es seinem Bischof
sagen.»
Den Rückweg verbrachten wir in Stille; meine Frau und ich blieben jeder für sich in seiner Gedankenwelt und hingen dem nach, was wir gerade an Außergewöhnlichem erlebt hatten. Bischof Anice empfing mich bei meiner nächsten
Reise, die ich nach Syrien machte. Er versprach, mir noch ein wenig mehr über diesen Wüsteneinsiedler Bruder Toufic, seinen Schützling, zu erzählen.
Geneviève und
Jean-Claude Antakli
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