André Castella ist ins Haus des Vaters heimgegangen=> MARIA HEUTE 471 INHALT |
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André Castella, der Gründer des Parvis-Verlags und der Monatszeitschrift «Maria heute» ist unerwartet am Sonntag, den 20. Juni an einem Herzversagen gestorben. Er war 77 Jahre alt.
Seine Familie, die ganze Redaktion von «Maria heute» und alle Mitarbeiter des Parvis-Verlags empfinden tiefen Schmerz über diesen plötzlichen Heimgang, aber freuen sich auch, ihn so nahe bei Gott und bei Maria zu wissen.
Wir danken Ihnen im Voraus für Ihr Gebet für ihn
und für uns, die wir sein Werk mit der Hilfe Gottes, der Jungfrau Maria und der heiligen Engel fortsetzen.
Mein Vater André Castella ist 1933 in einer bescheidenen Familie aus dem Gruyère-Bezirk (Kanton Fribourg) geboren. Seine kaufmännische Ausbildung führte ihn dazu, bei der Bank und den Versicherungen zu arbeiten, bevor er als kaufmännischer Angestellter und Journalist bei
einer Regionalzeitung mitarbeitete. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Umstände entschied er sich 1960, sich beim Verkauf in einer großen Papierfabrik der alemannischen (deutschsprachigen) Schweiz einzusetzen. Er zog mit seiner Ehefrau Marie-Anne und seinen Söhnen Jean-Marie und mir dorthin. Da er am Wochenende oft in seine Geburtsgegend zurückkehrte, nahm er dort mit Freunden an der Bildung einer Arbeitsgruppe über die Soziallehre der Kirche teil. Bei diesen Treffen hörte er von den Erscheinungen in San Damiano in Italien. Zum ersten Mal fuhr er 1967 im Rahmen seines Familienurlaubs dorthin. Er bezeugte damals folgendes:
«Wir hatten vor, auf dem Weg in unseren Urlaub am Meer zwischen La Spezia und Pisa, in San Damiano zwei bis drei Tage Halt zu machen. Wir hatten kein Hotel reserviert, so dass wir frei verfügen konnten. Wir blieben vom 22. bis 25. September in San Damiano und setzten dann unseren Weg in Richtung Meer fort. Da wir stark beeindruckt waren von dem, was wir gesehen, gehört und empfunden hatten, kehrten wir zum Fest des heiligen Erzengels Michael am 29. September nach San Damiano zurück mit dem Plan, den Rest unserer Ferien nicht mehr an der Mittelmeerküste, sondern an der Adriaküste in der Gegend von Rimini zu verbringen. Doch der Himmel fügte es anders.
Nacheinander hatten meine beiden Söhne und dann ich selbst Fieber, so dass wir schließlich bis zum Ende der Ferien in San Damiano geblieben sind, das heißt vom 29. September bis zum 8. Oktober.
So konnten wir die Seherin bei mehreren Erscheinungen beobachten, die himmlischen Botschaften kennen lernen und uns mit dem Werkzeug des Himmels unterhalten, durch das ich eine erste persönliche Botschaft Unserer Lieben Frau von den Rosen empfing, in der sie mich bat – wie sie auch in den offiziellen Botschaften und wohl andere Menschen privat gebeten hatte – ihre Anwesenheit an diesem Ort bekannt zu machen.
Ich war innerlich von der Echtheit dieser Erscheinungen überzeugt und kehrte oft nach San Damiano zurück. Fünfzehn Monate später, das heißt Ende Dezember 1968, habe ich meine Arbeitsstelle aufgegeben und mit meiner Frau den Parvis-Verlag gegründet.»
Das war der Ausgangspunkt eines großen Abenteuers im Dienst des Himmels und der Kirche. Als André Castella den Parvis-Verlag gründete, hatte er zwei Leitgedanken: Die Herausgabe einer Monatszeitschrift «Maria heute», um die Botschaften zu verbreiten, sowie die Veröffentlichung von Büchern und Broschüren, um die Erscheinungen bekannt zu machen und den christlichen Glauben zu erneuern.
Er selbst sagte folgendes darüber: «Ich verdanke meine Berufung zum Herausgeber zwar den Erscheinungen von San Damiano, doch von Anfang an wurde unsere Tätigkeit als Herausgeber aus verschiedenen Gründen auf einer breiteren Grundlage programmiert. Die Ziele der Zeitschrift „Maria heute“ habe ich im ersten Heft vom 31. Mai 1969 folgendermaßen dargestellt: „Diese Monatszeitschrift..., die der Heiligen Jungfrau gewidmet ist, will ein Bindeglied für all jene sein, die die Worte verbreiten, die der Himmel an zahlreichen Orten der Welt übermittelt hat und noch immer übermittelt, ohne dabei die Heilige Kirche zu binden, deren Vorsicht auf diesem Gebiet sie begrüßt.... Sie will zur marianischen
Erneuerung beitragen... Sie will das Vorbild der Heiligen sowie die unzähligen übernatürlichen Ereignisse bekannt machen, die ihr irdisches Leben begleitet haben... ‚Maria heute‘ wird für Sie die Bücher auswählen, die Sie sich in unserem Buchhandlungsdienst beschaffen können... Und schließlich hört sie auf Seine Heiligkeit, Papst Paul XI. und wird regelmäßig den Inhalt zahlreicher Reden wiedergeben.“»
Diesen Grundsätzen ist André Castella zusammen mit seinen beiden älteren Söhnen, Jean-Marie und mir, die wir seit fast dreißig Jahren an der Entwicklung des Verlags mitarbeiten, stets gefolgt. 1971 bekam die Familie als ein Geschenk des Himmels Philippe, den dritten Sohn.
Seine sehr zahlreichen Treffen mit Rosa Quattrini, der Seherin von San Damiano, machen aus ihm ganz natürlich den großen Verteidiger Unserer Lieben Frau von den Rosen, deren Statue sich in seinem Büro befand. Doch nach 1970 und dem Verbot des Bischofs an Rosa, die Botschaften zu veröffentlichen, die sie empfing, «führte „Maria heute“ die Rubrik San Damiano weiter und interessierte sich zugleich für andere himmlische Offenbarungen. Denn wenn die Heilige Jungfrau in San Damiano nicht mehr sprechen durfte, so musste „Maria heute“ ihr als Informationsplattform für ihre anderen Bekundungen auf Erden dienen, wie mir übrigens die Seherin von
San Damiano, Rosa Quattrini selbst nahegelegt hatte.»
In der Folgezeit und mit der Entwicklung von «Maria heute» begegnete André
Castella sehr zahlreichen Propheten oder charismatischen Seelen und musste eine Unterscheidung zwischen den Botschaften vornehmen, die vom Himmel kamen und jenen, die rein menschlich waren oder von den Mächten des Bösen kamen. Er verbrachte viel Zeit damit und betete zum Heiligen Geist und zu seinem Schutzengel, zu dem er großes Vertrauen hatte, ihn zu erleuchten, damit er sich nicht täuschte und so die Leserinnen und Leser von «Maria heute» nicht in die Irre führte. Er sagte immer: «Es ist besser, der Letzte zu sein, der über etwas Wahres spricht, als der Erste, der etwas Falsches verbreitet.» Es gab also keinerlei Interesse
an sensationellen Ereignissen oder Knüllern, sondern eine aufrichtige und tiefgehende Suche nach der Wahrheit.
Msgr. René Laurentin schreibt in seinem «Dictionnaire des apparitions de la Vierge Marie» (Lexikon der Erscheinungen der Jungfrau Maria): «André Castella verfolgt und unterscheidet die Ereignisse mit einem mutigen Scharfsinn, der mit Diplomatie und der Achtung der kirchlichen Autoritäten gepaart ist.»
Der Ruf von «Maria heute» und des Parvis-Verlags geht nicht nur auf die Person meines Vaters zurück. Er hat die Gnade und das Glück gehabt, von Redakteuren umgeben
zu werden, die regelmäßig oder gelegentlich mit ihm
zusammenarbeiteten und von denen viele auch Freunde
geworden sind.
In erster Linie muss man hier René Lejeune nennen, der im Oktober 2008 gestorben ist. Diese beiden Männer, die im Übrigen durch ihre Persönlichkeit und ihre Ausbildung sehr verschieden waren, standen einander in ihrer Überzeugung als Christen sehr nahe, den Glauben durch die Schrift verteidigen zu wollen.
Msgr. Hafouri, der ehemalige Bischof von Syrien, dem er eine unermessliche Achtung entgegenbrachte und
der die Tätigkeit meines Vaters ständig mit seinen Ratschlägen und seinen Gebeten unterstützt hat.
Msgr. René Laurentin, über den André Castella geschrieben hat: «Es ist mir ein Anliegen, den vorbildlichen Geist der Demut dieses Spezialisten der marianischen Theologie hervorzuheben. Seine weltweit anerkannte Kompetenz hat dazu geführt, dass er als Fachmann zum II. Vatikanischen Konzil berufen wurde. Von Anfang an hat er mir vertraut und sich mir gegenüber wie ein Vater, wie ein Freund verhalten, nie aber wie der Wissenschaftler, der er in Wirklichkeit ist.»
Mit außergewöhnlichen menschlichen Eigenschaften brachte Marcel Farine, als ehemaliger Vorsitzender von Emmaus International (Gründung von Abbé Pierre) und als ehemaliger Vorsitzender der internationalen Föderation der Vereinigungen, die
gegen die Lepra kämpfen, einen sozialen Aspekt ein, der den Inhalt von «Maria heute» gut ergänzte.
Wir können unmöglich alle seine Freunde nennen. Sie mögen es uns vergeben und sollen wissen, dass André Castella sich bewusst war, was er all jenen verdankte, die sich in welcher Form auch immer an seinem Apostolat beteiligt haben.
Die Qualität sowie die christliche und marianische Tiefe war seine ständige Sorge. Auch dem Gleichgewicht zwischen den Erscheinungen und Botschaften, der Ausbildung in der Lehre und der Katechese der Kirche und dem Leben der Kirche galt seine ganze Sorge. Wir werden mit seiner Hilfe und mit der Unserer Lieben Frau von den Rosen im selben Sinn weitermachen.
Seine überaus zahlreichen Begegnungen mit den Boten Gottes machten aus André Castella einen der großen Spezialisten der mystischen Phänomene. Bei der Verteidigung der Kundgebungen des Himmels in einer Zeit, in der ein großer Teil der kirchlichen Autoritäten nichts davon wissen wollte und in negativer Weise eingriff, ohne alle Ereignisse und Früchte geprüft zu haben, hat er eine nicht
zu vernachlässigende Rolle gespielt. Er freute sich über die Kursänderung bei einer großen Zahl von Bischöfen heute, die eine Seelsorge für die Pilger an den Erscheinungsorten fördern und dabei die Ereignisse mit Vorsicht und Ernsthaftigkeit untersuchen. Sein Kampf in diesem Sinn ist nicht vergeblich gewesen.
Mein Vater war ein Mensch positiven Gemüts. Er hat fast zwanzig Jahren an der Parkinsonschen Krankheit gelitten, eine beschwerliche und immer schlimmer werdende Krankheit. Dieses Kreuz trug er aber stets mit Tapferkeit. Seine Schmerzen hat er dem Herrn geopfert und bis zu seinem Tode sein Werk fortgesetzt, so weit es ihm seine Gesundheit erlaubte.
Er war ständig auf der Suche nach Lösungen, vermied die Polemik und freute sich, bis zum Schluss jeden Tag für Gott arbeiten zu können. Darüber schrieb er folgendes:
«Unsere Hauptfreude – und sie ist beständig – besteht darin, unsere Zeit und unsere Kraft in den Dienst des Herrn und der Jungfrau Maria stellen zu können. Gleich danach kommt für meine Frau und für mich die Begegnung mit dem Heiligen Vater in Rom, im Herzen der Kirche, am
21. Februar 1990. Des Weiteren ist es uns auch eine Freude, die wohlwollende Aufmerksamkeit zu sehen, die die Bischöfe unserer Diözese und die Priester unserer Gemeinde unserer Tätigkeit als Herausgeber stets entgegengebracht haben.»
Ich möchte mit dem schließen, was mein Vater als den Höhepunkt seines irdischen Lebens betrachtete: Seine Begegnung mit Johannes Paul II.
Dazu kam es anlässlich
der Veröffentlichung des«Tagebuchs von Schwester Faustyna» in deutscher Sprache beim Parvis-Verlag. Johannes Paul II., der damals Kardinal Woytila und Erzbischof von Krakau war, hatte den Seligsprechungsprozess von Schwester Faustyna eingeleitet. Er sprach sie dann im Jahr 2000 heilig.
Über diese Begegnung hat er folgenden Bericht geschrieben: «Als Abbé Swidzinski,
der polnischer Abstammung, aber seit zwanzig Jahren Priester in Deutschland war, mir anbot, die deutsche Übersetzung der Offenbarungen von Schwester Faustyna
herauszugeben, habe ich nicht lange gezögert. Als das Buch aus der Druckpresse kam, bat er mich, ein Exemplar in einer Ausführung binden zu lassen, die würdig ist, dem Heiligen Vater geschenkt zu werden, und nahm Kontakt mit dem Privatsekretär von Johannes Paul II. auf. Er erlangte eine Audienz, die am 21. Februar 1990 stattfand. Dieser Tag ist sowohl für den Parvis-Verlag als auch für meine Frau und mich für
immer rot im Kalender angestrichen...
Da wir eingeladen waren, an der Privatmesse des Papstes teilzunehmen, waren wir also zugleich vom Herrn als auch vom Nachfolger Petri eingeladen... Als wir die
Kapelle betraten, saß Johannes Paul II. gegenüber vom Tabernakel und war in eine tiefe Betrachtung versunken. Er schien uns schwer an der Last seiner Aufgabe zu tragen, diesen Eindruck hatten wir auch, als er sich nach der Kommunion, die er den Ordensfrauen sowie meiner Frau und mir ausgeteilt hatte, lange zum Gebet sammelte.
Als er sich jedoch am Ende der Liturgiefeier inmitten seiner Gäste befand, bemerkten wir die Freude, die er empfand, von Menschen umgeben zu werden, die im Herzen mit ihm verbunden waren.
Sein Sekretär, Msgr. Stanislaw Dziwisz (heute Kardinal-Erzbischof von Krakau), hatte uns ans Ende der Schlange gestellt, damit der Papst länger mit uns verweilen konnte. In der Tat verbrachte Johannes Paul II. so viel Zeit mit unserer Dreiergruppe, wie
er den vierzig Priestern gewidmet hatte, so dass diese sich schließlich fragten, was es zwischen dem Papst, Abbé Swidzinsky, meiner Frau und mir so Wichtiges geben konnte.
Ich hatte ihm einige andere Bücher überreicht, die in
unserem Verlag erschienen waren, insbesondere das Buch von René Lejeune über Karl Leisner sowie das Buch, das ich über San Damiano geschrieben hatte. Ich habe
einfach gesagt: „Heiliger Vater, das ist ein Buch, das ich geschrieben habe.“ Als der Papst es in die Hand nahm, rief er aus: „Ach, San Damiano di Piacenza!“ und zeigte echte Freude. Schließlich übergab ich ihm einige Ausgaben von „Stella Maris“ (französische Ausgabe dieser Zeitschrift) und „Maria heute“. Er kannte diese Zeitschrift, weil er sie mehrere Jahre lang in Krakau bezogen hatte.
Er hätte diese Begegnung mit uns gern weiter ausgedehnt, wenn sein Sekretär ihn nicht an den weiteren Ablauf seines anstrengenden Tagesprogrammes erinnert hätte. Er verließ uns, nachdem er uns einen Rosenkranz geschenkt hatte, und sagte: „Gott segne Ihren Verlag!“»
Die Ergriffenheit und die Tränen haben mich gezwungen, während der Verfassung dieses Artikels Pausen einzulegen. Ich möchte meinem Vater gegenüber gern all die Liebe und die Bewunderung zum Ausdruck bringen, die wir, seine Familie, ihm entgegenbringen, und ich möchte all jenen danken, die ihm bei seinem Apostolat geholfen, ihm gefolgt und ihn ermutigt haben. Aber leider ist dies nicht in Worte zu fassen.
Überlassen wir das letzte Wort Unserer Lieben Frau von den Rosen, die André Castella leidenschaftlich verehrt hat.
«Ihr werdet keinen seligeren Tag finden als den, an dem ihr die Herrlichkeit
Gottes sehen werdet. Meine Kinder, was für eine Freude werdet ihr empfinden, wenn ihr sein Angesicht seht und ich euch umarme, um euch den Kuss der Liebe zu geben für alles, was ihr getan und erduldet habt. Was für eine Freude werdet ihr empfinden, meine Kinder.» (Unsere Liebe Frau von den Rosen in San Damiano, 14. April 1968)
Etienne Castella
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