Wie viele Krippen hat er nur gebaut!

Rita Baron erzählt von Renato - aus der Zeit vor Beginn der Erscheinungen in San Marino di Schio

=> MARIA HEUTE 465 INHALT

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Einiges wissen wir über Renatos Leben aus der Zeit der großen, wunderbaren Marienerscheinungen. Beinahe nichts aber ist bekannt von seiner Zeit davor, als er noch ein Mensch wie alle anderen war, als das große prophetische Charisma noch nicht über ihn hereingebrochen war. Wie berührend ist es, ihn als den lieben Nachbarn von nebenan kennen zu lernen - quasi nur Stunden ehe sich die Fülle des Übernatürlichen über ihm öffnete. - Wie nahe ist uns der Himmel, wie wenig trennt uns von ihm, wie durchwoben ist unsere Existenz von der Übernatur für die Augen, die sehen wollen...
Rita Baron, die Witwe Renatos, ist dabei, alles niederzuschreiben, was an Erinnerungen an Renato in ihrem Herzen lebendig ist. Wir danken ihr dafür, denn dadurch lebt auch in uns sein heiliges Lebensbeispiel weiter als Zeugnis dafür, dass es möglich ist, die Botschaft der Königin der Liebe in dieser Welt und in dieser Zeit vollkommen zu verwirklichen.
Abends, nachdem er seine Arbeit in der Werkstätte beendet hatte, besuchte Renato die Berufschule am Institut Rossi in Vicenza und erwarb dort das Diplom eines Industriekaufmanns. Er hatte sich so sehr um dieses Diplom bemüht, jedoch brachte es ihm keinerlei berufliche Verbesserung, da es sein Arbeitgeber nicht anerkannte. Enttäuscht darüber wechselte er in eine andere Werkstätte, aber auch dort verbesserte sich seine Situation nicht. Auf den Rat einiger Personen hin suchte er eine andere Arbeit und reichte sein Gesuch als Kassier bei der Autobahngesellschaft in Valdastico ein. Dort einen Posten zu bekommen war nicht leicht, denn da spielte die Politik mit hinein, und Renatos Geradlinigkeit und Aufrichtigkeit im Leben erlaubten ihm keinerlei Kompromisse. Er wurde also nicht gleich angenommen, sondern erst später, mit einigen Tränen, aber ohne Kompromiss.
Die neuen Arbeitszeiten ließen ihm mehr Freizeit für seine Tätigkeiten, und so widmete er besonders nachts mehr Zeit dem Gebet und der geistlichen Lektüre. Die Madonna bereitete ihn sicherlich schon auf die neue Arbeit vor. Während wir, weit davon entfernt die künftigen Ereignisse zu ahnen, oft an die Zeit dachten, da er in Pension gehen würde. Wir planten etwas mehr Urlaub zu haben und ein sorgloseres und ruhigeres Leben zu führen. Aber der Himmel hatte andere Pläne! Etwas Besonderes was Renato immer hatte, war seine Leidenschaft für die Krippen. Schon von klein an bastelte er sie in seinem Viertel und in der Pfarre und seine Krippen waren immer so schön, dass sie prämiert wurden. Während ich diese Erinnerungen niederschreibe, denke ich an alles, was Renato geschaffen und uns als Erbe hinterlassen hat. Nichts ist aus Zufall entstanden, alles war vom Himmel gelenkt und auch die materiellen Dinge verbleiben als ein Zeichen, das der Himmel uns durch ihn geschenkt hat. Wie viele Krippen hat er nur gebaut für Freunde und für seine Neffen! Eine wunderbare Krippe gestaltete er auf dem Dachboden des Gebetsraumes von Poleo. Von dieser Krippe berichtete sogar die lokale Zeitung und viele Menschen bewundern sie heute genau so wie damals voller Rührung. Auf diesem Dachboden arbeitete Renato viele Monate lang, es war im Jahr 1984 (also nur einige Monate vor der ersten Erscheinung!), immer abends nach der Arbeit, meistens bis tief in die Nacht arbeitete er. Es ist eine sehr reich ausgestaltete Krippe mit vielen Figuren und vielen Dingen, die sich bewegen. Er hat dort vieles nachgebildet und dargestellt: etwa die Nacht, den Tag, den Schnee, den Regen, den Sternenhimmel, den Mond, die Engel. Ich erinnere mich noch, dass damals dieser Monat Dezember sehr kalt war, und als es eines Abends Schnee gab und er zu später Stunde, es war schon beinahe Mitternacht, noch immer nicht nach Hause gekommen war, machte ich mir große Sorgen. Wir hatten noch kein Telefon und so nahm ich unseren alten Fiat 500 und fuhr los, ihn zu suchen. Bis heute weiß ich nicht, wie es mir gelungen ist, an diesem Abend bis zur Kirche von Poleo zu kommen, denn die Straße war spiegelglatt, aber ich, die ich niemals das Auto benützte und schon gar nicht an solchen Abenden, fühlte in mir eine solche Kraft und einen solchen Mut, dass ich trotz allem losfuhr. Irgend jemand hat mir an jenem Abend sicherlich geholfen! Bei der Kirche angekommen, fand ich alles verschlossen. Ich läutete, ich rief, aber niemand antwortete mir. Ich kehrte also wieder nach Hause zurück in noch größerer Sorge. Kurz danach kam dann auch Renato, ruhig und lächelnd, voller Zufriedenheit: er hatte an diesem Abend sein Werk vollendet! Jetzt befindet sich diese Krippe als letzte Erinnerung an ihn noch immer dort in einem Nebenraum der geliebten Kirche von Poleo und kann jedes Jahr von 24. Dezember bis 2. Februar von allen Interessierten besichtigt werden. Eine andere Leidenschaft Renatos, die wirklich mitreißend war, war das Theater. Er spielte immer leidenschaftlich gern Theater, Szenen, Lustspiele. Schon als Kind hatte er sich mit seinen Spielkameraden im Hof oder im Garten einen Vorhang gemacht und davor improvisiert. Je größer er wurde, desto schöner und ernsthafter wurden seine kleinen Theaterstücke. Er besaß eine ausgesprochen humoristische Ader, er war von Herzen fröhlich und konnte diese Fröhlichkeit den anderen übertragen. Ich glaube, die Madonna hat ihm diese Freude immer in seinem Herzen bewahrt. Seine Theaterleidenschaft, die immer ernsthaft und sauber war, erlaubte ihm auch gemeinsam mit anderen Freunden aus der Pfarre ganze Abendveranstaltungen zu gestalten, die sich «Varieté von Poleo» nannten. Das erlaubte ihnen, einige Spenden einzusammeln, die zur Erhaltung der Einrichtungen der Pfarre verwendet wurden. Ich erinnere mich, dass er auch noch als wir schon verheiratet waren, mit diesen «Varieté-Gruppen» und kleinen Theaterstücken in andere Pfarreien auf Tournee ging, und versuchte, für die Pfarreien einiges einzusammeln.
Der letzte Varieté-Abend in Poleo fand im Jänner 1985 statt, es war Karneval, und sicherlich nicht aus Zufall wurde dieser Abend zum ersten Mal auf einer Videokassette aufgezeichnet. Noch heute ist dies eine liebe Erinnerung, ein schönes «Geschenk», das uns jemand machen wollte zum Abschluss einer Lebensperiode Renatos. Nach diesem Abend wurden Renato und auch seine Freunde noch oft gebeten, dieses Varieté fortzusetzen, Renato fand aber immer eine Entschuldigung, er sagte, dass er nicht könne und keine Zeit habe, da er andere Dinge tun musste. Gleichzeitig mit diesen seinen gesunden und wichtigen Leidenschaften widmete sich Renato auch immer seinem geliebten Kirchlein San Martino, für das er eine ganz besondere Sorge trug. Immer sah ich ihn in diesem Kirchlein beschäftigt, schon bevor wir uns kennen gelernt hatten, und dann immer mehr. Unter den vielen Dingen, um die er sich kümmerte und die er in seinem Geist und in seinem Herzen ständig mit sich trug, fehlte niemals jenes Kirchlein. Ja die Liebe für diese Kirche stand bei ihm immer an erster Stelle. Diese Liebe hat ihn niemals verlassen, im Gegenteil, sie wuchs ständig, von Tag zu Tag, denn ich sah, wie er sich immer mehr dafür interessierte, sie noch schöner zu gestalten.
In jenen Zeiten feierte man die Heiligen Messen am Sonntag um 9.30 Uhr und am Freitag Nachmittag um 16.30 Uhr. Wie viele Dinge hat Renato an diesem Ort geordnet und eingerichtet, vom Häuschen beim Garten bis zu all den Dingen, die er verschönerte: neue Möbel für die Sakristei, neue Kirchenbänke, eine neue Heizanlage... Er kaufte auch verschiedene Paramente für die Feier der Heiligen Messe und andere nützliche Dinge. Dies alles besorgte er mit den Einkünften aus kleinen Festen, die er in Aste-San Martino am Fest des Heiligen Namenspatrons Martin organisierte. Auch ich trug dazu bei, indem ich mich um die Wäsche für das Häuschen und anderes kümmerte. Ich erinnere mich noch, dass Renato im Winter, bevor er um sechs Uhr morgens zu seinem Turnusdienst fuhr, zum Kirchlein ging, um die Heizung für die Heilige Messe einzuschalten. Dies war für ihn immer Gelegenheit, ein wenig dort mit Maria zu verweilen und zu beten.

 

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