Jacques Magnan

Gesegnet ist die Frucht deines Leibes! (Lk 1,42)

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Unser Weg auf Weihnachten hin ist immer eine besonders geeignete Zeit, um uns voll Glauben und Freude darauf vorzubereiten, die Gnade des Herrn demütig zu empfangen. In der Kirche gehen wir diesem heiligen Tag der Geburt des Messias entgegen; diese Geburt wurde von den Propheten angekündigt und sehnlichst erwartet. Wir sollen eine geistliche Pilgerreise mit Maria machen. Durch sie ist der Retter zu uns gekommen. Durch sie kommt auch die Gnade, gerettet zu sein. Durch sie kommt die gebenedeite Frucht zu uns, die all jenen, die sie lieben, überreichen Segen schenkt.


Meditation über die Weihnachtsmysterien

Seit langem hatte Gott auf den geeigneten Augenblick gewartet, um den Retter der Menschen auf die Erde zu senden. Da sich die Menschheit durch die Sünde von der Gnade abgeschnitten hatte, konnte nur durch eine Rückkehr zur Gnade Heil kommen, deshalb schreibt der Apostel Johannes: «Das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus» (Joh 1,17).
So kam es, dass Gott zur festgesetzten Zeit einen der herrlichsten Engel zur Erde sandte, um dem demütigsten aller Geschöpfe, Maria, die erstaunliche Nachricht anzukündigen. Gabriel zeigt sich der Allreinen und verneigt sich vor ihr, deren Vereinigung mit Gott beständig und vollkommen war. Maria, im Gebet versunken, nahm den Besuch des himmlischen
Gesandten entgegen, der ihr sagte, dass der Allerhöchste sie unter allen Frauen auserwählt habe, um die Mutter des Erlösers, des seit Jahrhunderten erwarteten Messias zu sein. So neigte sich der Allmächtige durch Maria zur Menschheit hinab, ums sie zur ewigen Herrlichkeit des Himmels zu erheben. Ja! Gott steigt in ein kleines Haus in einem Dorf namens Nazareth herab. Durch seinen Engel kommt er zu Maria und wartet auf ihr «Ja». Und Maria ist bereit; sie sagt «ich bin die Magd des Herrn» und daraufhin steigt Gott selbst in ihren reinen Schoß hinab, um dort sein Zelt aufzuschlagen, um Mensch zu werden und sich einen Menschenleib zu gestalten. Wer könnte jemals diesen wunderbaren und einzigartigen Augenblick beschreiben, in dem Gott in der Jungfrau Maria Fleisch angenommen hat? Wer könnte die unergründliche Glückseligkeit verstehen, von der Maria daraufhin durchflutet wurde? Ein Augenblick vollkommenen Friedens, heiliger Vertrautheit mit dem Schöpfer der Welten, der mit einem Privileg durch das reinste aller Geschöpfe kommt, um alle anderen zu reinigen. Mysterium der vollkommenen Vereinigung, die uns die Vereinigung der Auserwählten im Himmel erahnen lässt. Nun bist du also, o Maria voll der Gnade, von nun an Mutter Gottes, Mutter der künftigen Kirche, Mutter der Menschen, die für die Gnade des Heils geboren werden. Wir schulden dir so viel, dass es uns ganz normal erscheint, dass wir dich mit derselben Inbrunst bitten wie es der Engel selbst getan hat. Das gebenedeite Kind, das in dir gewachsen ist, hast du mit Liebe getragen und genährt. Neun Monate lang warst du der heilige Tabernakel der göttlichen Gegenwart und du bist für immer dieser Tabernakel, denn deine göttliche Mutterschaft ist ewig. Noch bevor das göttliche Wort gezeugt und empfangen wurde, war Gott mit dir (vgl. Lk 1,28) und jetzt schenkt er sich durch dich allen Menschen guten Willens.
Maria, Christusträgerin, du trägst Christus zu den anderen. Dein vertrauendes Warten war die Ursache der verwirrten Gefühle deines keuschen Bräutigams Josef, den der Engel Gottes beruhigte. Er hat deine Glückseligkeit in höchstem Maße geteilt, denn Gott hatte auch ihn unter allen Menschen erwählt. Jesus, sanft und demütig von Herzen – nach dem Vorbild seines Erlösers. Maria und Josef haben Jesus auf ihre Weise ernährt. Maria ist wahrhaft die Mutter des Erlösers, denn sie hat ihm den Leib geschenkt, ihn mit ihrem eigenen Fleisch, ihrem eigenen Blut genährt. Jesus ist der Vater Jesu, jenseits einer Bedeutung als Erzeuger, denn Gott hat sich auf geheimnisvolle Weise nach dem Bilde Marias und Josefs gestaltet. In den vielen Erscheinungen von Maria und Josef stellt man immer eine Ähnlichkeit zwischen Jesus und seinen Eltern fest. Die Tradition sagt auch, dass Jesus seinem Vetter Jakobus, dem Sohn der Maria des Klopas, der Schwester der Jungfrau Maria, ähnlich sah (vgl. Joh 19,25; Mk 15,40.47; Judas 1; Gal 1,19; Apg 12,17; Jak 1,1). Im Volk Gottes spielt die Familie eine wichtige Rolle. Oft stellt man sich Maria vor, als wäre sie von der Welt isoliert gewesen. Vergessen wir nicht, dass Maria Eltern hatte, Anna und Joachim, eine Schwester, einen Schwager und viele Vettern, die im NT als Brüder Jesu bezeichnet werden. Das Wort «Bruder» (griech. adelphos) hat eine sehr weite Bedeutung. Man muss nur die Texte lesen, um das festzustellen... Ja, der Herr hat Marias Familie Rechnung getragen. Er hat sie bis hinein in die Details seiner Physiognomie berücksichtigt.
Maria bringt den Herrn zu den anderen. Sie trägt ihn zu ihrer Cousine Elisabeth und das Kind, das sie erwartet – Johannes, der Täufer – hüpft vor Freude (vgl. Lk 1,41f). Hier können wir gut nachvollziehen, wie wichtig die Zeit der Schwangerschaft ist und wie sensibel ein Kind im Mutterschoß reagiert. O, wenn doch alle Mütter der Welt die Kinder, die sie in sich tragen, lieben und beschützen könnten – welche Gnaden würde die ganze Welt empfangen! Durch den Besuch bei ihren Verwandten und bei allen, die sie darum bitten, bringt Maria die göttliche Gnade. Sie bringt den Retter, den Urheber allen Segens. Der Gläubige, der zu Maria betet, birgt sich im göttlichen Schatten, der auf sie herabkam (vgl. Lk 1,35).
Mit der Unterstützung ihres keuschen Bräutigams gelangte Maria bis zu dem kleinen Dorf Bethlehem, aus dem der Messias kommen soll (vgl. Mich 5,1; 1Sam 17,12; Ruth 4,11; 17,22). Dort, in einem verborgenen Stall, wollte der Schöpfer geboren werden. Und in einem ganz und gar himmlischen Frieden wird der Retter geboren; Er, die Freude der Augen und der Herzen. Vor Ihm weicht alle Agitation und die Gnade breitet sich überreich aus. O ja! Lk 1,42: «Gesegnet bis du, Maria, vor allen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes». Die drei Weisen hatten dieses Mysterium durch eine Eingebung schon früh erfasst und kamen, um den Erlöser anzubeten. Näher am Geschehen waren die einfachen Hirten; sie sahen und hörten, wie Gottes Engel voll Jubel die Geburt des Messias besangen und sie aufforderten, zu ihm zu gehen, um ihn anzubeten. Sie kamen diesem Aufruf des Himmels nach und fanden das Kind der Verheißung mit seinen Eltern. Jesus, Retter der Seelen, du rufst uns zu dir. Du führst uns zu deiner Wohnung und wir verneigen uns vor dir mit Inbrunst und von ganzem Herzen. Wie schon zu allen Zeiten die Gläubigen der Kirche zu dir gekommen sind, wollen auch wir an diesem hochheiligen Weihnachtstag kommen. Schau auf den Glauben deiner Kinder. Gieße über uns alle die Gnaden aus, die wir benötigen. Herr Jesus, schau auf unsere verwirrte Welt, die dem Untergang nahe ist und lass dein Licht in den Herzen all derer aufscheinen, die dich mit Liebe suchen. Du bist gekommen, um auch jene Menschen zu retten, die in dieser Gnadenzeit, in dieser Zeit der Vorbereitung kaum auf dein Wort geantwortet haben. Du hast uns Maria als Mutter gegeben. Du hat sie in diesen unruhigen Zeiten zur Erde gesandt, damit sie uns zur Umkehr, zum Gebet, zur Liebe aufruft. Aber die vom Mammon irregeleitete Welt hat sich nur um Gewinn, Macht, usw. gekümmert. Die Menschen haben kaum auf deine Anrufe gehört und ernten heute die bittere Frucht ihrer Verirrung. Herr Jesus, so viele Zeichen künden deine Wiederkunft nach der großen Prüfung an, die kommen wird und sich über die kranke Welt und ihren Glaubensabfall, ihren Mangel an Glauben ausbreiten wird. Während die Welt am Rande des Abgrunds ist, beten wir zu dir, o Herr. Vor der Krippe, vor dir, bitten wir kniend um deinen Segen. Wir sind eingetaucht in diese Welt, deren Licht verlöscht und die sich von der Finsternis mitreißen lässt – lass dein Licht leuchten, damit die Menschen glauben und zu dir zurückkehren. Erleuchte alle, die in der Finsternis und im Schatten des Todes bleiben und leite unsere Schritte auf den Weg des Friedens (vgl. Lk 1,79).
In dieser gnadenvollen Weihnachtszeit wollen wir uns an unseren Erlöser wenden. Rette dein auserwähltes Volk, beschütze deine heilige Kirche. Bleibe bei uns in allen Prüfungen, stärke uns in deiner Gnade und hilf allen auf, die entmutigt und unter der Last gebeugt sind. Hilf uns, Licht für die anderen zu sein. Erleuchte uns in unseren Vorhaben und in unseren Worten, damit wir die Herzen anrühren und sie zu dir wenden können.
An diesem heiligen Weihnachtsfest spüren wir wieder jenen Frieden, der allen Frieden übersteigt. Schenke uns immer deinen Frieden. Mit der heiligen Jungfrau Maria, dem heiligen Josef, den heiligen Engel des Himmels und den Heiligen aller Zeiten wollen wir jubelnd und voller Glauben sprechen:
Lk 2,14: «Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade!».

 

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