Rita erzählt von Renato Einige kleine Begebenheiten aus Renatos Leben
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Viel ist über das Leben Renatos gesagt und geschrieben worden aus der Zeit der Erscheinungen in San Martino, wenig jedoch weiß man, wie sein Leben vor seiner Begegnung mit der Königin der
Liebe ausgesehen hat. Wir hoffen, unseren Lesern eine Freude zu bereiten, wenn wir hier Rita, seine Frau, zu Wort kommen lassen, die uns
verschiedene Episoden aus seiner Jugend und ihrem gemeinsamen Leben vor dem Tag erzählt, der ihr Leben – und auch unser aller Leben – tief veränderte: vor dem 25. März 1985. Es sind dies Ausschnitte aus einer Sendereihe von Radio Kolbe mit Rita Baron. Nach 47 Jahren, – es ist ein ganzes Leben, das wir gemeinsam verbracht haben, – ist in mir ein tiefer Schmerz, mich an all das zu erinnern und in meiner Seele aufzurühren. Gewisse Erinnerungen lassen eben den Schmerz akut werden über Renatos Fehlen, das nur materiell ist, denn ich fühle, dass er mir immer sehr nahe ist. Ich würde mich so gerne an alles erinnern können von ihm, doch die Zeit, die vergeht, nimmt viel davon mit sich, und bei anderen Dingen, vor allem was seine Kindheit betrifft, war ich nicht direkte Zeugin. Ich will aber jedenfalls versuchen, alle Erinnerungen aufzufrischen, denn ich glaube, dass dies für viele Menschen nützlich sein kann. Ich muss hier an Worte Marias denken, die sie eines Tages zu Renato sagte: «Je größer die Kreuze sind, desto größer werden die Gnaden sein», und darum hoffe ich, dass aus meinem Leid viele Gnaden für die kommen werden, die dies
lesen. Ich hatte vor dem Tod Renatos niemals in der Öffentlichkeit gesprochen. Ich hielt mich immer in der Stille und Verborgenheit, weil Renato es so wünschte und auch Jesus dies zu Renato gesagt hatte. Nach seinem Tod aber fühlte ich in mir den starken Antrieb, über ihn zu sprechen, über das Leben, das er gelebt und das er für das Werk Marias hingeschenkt hatte. Das erste Mal, da ich öffentlich sprach, war an seinem «trigesimo», einen Monat nach seinem Tod. Das große Zelt am Cenacolo war überfüllt, und wie ich vor dieser großen Menschenmenge imstande war zu sprechen, einen Monat nach seinem Tod, kann ich mir überhaupt nicht erklären. Am Ende jedoch war ich sehr froh, es getan
zu haben, zum ersten Mal Zeugnis für ihn gegeben zu haben. Und so begann für mich eine neue Arbeit, die mir auch schon geholfen hat, viele Schwierigkeiten zu überwinden. Ich wurde immer wieder eingeladen, Zeugnis für Renato zu geben, und ich habe dies jedes Mal mit Freuden angenommen. Auch begann ich, viel davon aufzuschreiben, weil Renato oft
gesagt hatte, dass er möchte, dass alles in Erinnerung bewahrt würde, kleine und große Dinge, die sich in der Zeit mit Maria ereignet hatten. Bevor ich zu reden oder zu schreiben beginne, rufe ich immer Jesus, Maria und Renato an, damit das, was ich sage, wirklich in die Herzen derer eindringen möge, die mir zuhören. So kam mir auch der Gedanke, dass es schön wäre, nicht nur das aufzuschreiben, was sich nach seinem Tod ereignete, sondern auch alles, was ich von seiner Kindheit und Jugend wusste. Ich hatte nicht sehr viel Material zur Verfügung, weil ich ihn als Kind noch nicht gekannt hatte, und alle Nachrichten, die ich besitze, habe ich von seinen Verwandten und Freunden. Es sind ganz schlichte Ereignisse eines ganz einfachen Kindes, das die Madonna seit immer erwählt hatte. Ich sage «seit immer», weil Renato die Madonna eines Tages während der Erscheinung gefragt hatte: «Seit wann, Madonna, hast du uns erwählt?» Und Sie hatte geantwortet: «Seit immer!»
Meine Erzählung beginnt mit einem wichtigen Datum, das ich bis vor kurzem gar nicht kannte, mit dem Tag seiner Taufe, und dann werden andere Episoden folgen, wobei mich in meiner Erinnerung Renato sicherlich führen wird. Im Pfarramt von Schio kann man in einem dicken Buch, das beinahe achzig Jahre alt ist, auf schon ziemlich vergilbten Seiten lesen: «Im Jahr des Herrn 1932, am 25. Tag des Monats Dezember, habe ich, GIUSEPPE BELLINI, Kaplan und Rektor der Kirche
der Krönung Mariens, feierlich ein Kind getauft, das am 7. Dezember 1932 dem Ehepaar BARON GIUSEPPE und DE MARCHI CLELIA, wohnhaft in dieser Pfarre, in der Contrada Aste, verehelicht in der Pfarrkirche von Schio im Jahr 1931, geboren worden ist. Ihm wurde der Name
PIETRO RENATO gegeben. Die Taufzeugen waren VERONESE LINA DI GIOVANNI, BORTILEGO MARIA DI VIRGILIO und DON GIUSEPPE BELLINI. Unterschrieben von Don Giuseppe Bellini.» Jener 7. Dezember, die Vigil des
Hochfestes Maria Unbefleckte Empfängnis, dies erzählte Mama Clelia, war ein sehr kalter Tag und Vater Giuseppe legte fortwährend Holz in den Ofen, um das kleine Zimmer in dem einfachen und ärmlichen Haus in der Via Aste 51 zu heizen. Diese beiden kleinen Zimmer kann man noch immer gut erkennen, sie haben kleine grüne Balkone, und ich hoffe, dass sie eines Tages wieder in unseren Besitz zurückkommen werden. Es wäre wirklich schön! Interessant ist es, daran zu erinnern, dass in jener Kirche
in jenem Jahr Mons. ELIA DALLA COSTA Dechant und Pfarrer war, der spätere Kardinal, dessen Seligsprechungsprozess jetzt im Gange ist. Ich glaube, dass dies ein schönes Zeichen ist, an das wir uns erinnern sollen, und dass man auch das Datum des
25. Dezember unterstreichen sollte. Andere Daten, die ich in jenem Buch in der Pfarrkanzlei gefunden habe: Zur heiligen Kommunion zugelassen am 11. Mai 1941, zur Firmung zugelassen am 13. Juli 1941 durch Mons. Mantiero; verehelicht am 5. Mai 1958 mit MENIN MARGHERITA, im Dom zu Schio, Pfarre San Pietro. Renato wuchs in einer christlichen, gläubigen Familie auf, und so festigten sich seine Tugenden. Die Mama erzählte, dass er ein schmächtiges, blondes Kind mit blauen Augen war. Er war sehr gutmütig, gehorsam und fügsam, er tat, was immer man von ihm wollte, denn er war auch sehr großzügig, immer bereit, den anderen zu schenken. Die Jahre vergingen und seine Familie, die die spärlichen Einkünfte aufbessern musste, entschloss sich, in der Trattoria alle Aste Arbeit zu nehmen. Auch Renato half bei der Arbeit, kochte, bereitete die Teigwaren mit dem Nudelholz vor, sowie die gegrillte Polenta, die gebratenen Steaks, die damals die Spezialität in ihrer Trattoria waren. Er holte den Wein aus dem Keller, denn dort musste nach dem Willen der Großeltern der ganze Wein aufbewahrt werden, und Renato
tat dies mit sehr viel Liebe, weil er seine Großeltern sehr liebte und für sie eine besondere Achtung hatte, wenn
sie auch manchmal ziemlich anspruchsvoll waren. Zum Großvater mütterlicherseits, der auch in dieser Trattoria arbeitete, und zum Großvater vaterseites hegte er eine besondere Zuneigung, und von ihnen erhielt er eine wirklich christliche Erziehung. Von ihnen sprach Renato zu mir sehr oft, fast mit frommer Verehrung. Er war, wie man sagt, ein Herz und eine Seele mit diesen beiden Großvätern. Renato indessen wuchs froh in der Liebe zu Gott und zur Madonna, deren Verehrung ihm seine Mutter Clelia übertragen hatte, die selbst eine große Marienverehrerin war und ihn nach seiner Taufe der Madonna geweiht hatte. Ich glaube, dass es dieser Same war, der in ihm gereift war, der so große Früchte
hervorbrachte. Mit dem Anwachsen seines christlichen Glaubens wuchs auch seine Nächstenliebe, eine Liebe, die ich zeitlebens immer in ihm gesehen habe. Was ich nun erzähle, ist sicherlich vielen schon bekannt, aber es ist immer wieder schön, sich daran zu erinnern. Es war am 5. Mai 1940, Renato war 8 Jahre alt und ging in die Volksschule in Poleo und zum Katechismusunterricht zu den Kapuzinern. An jenem Tag wurde auf dem Platz vor dem Konvent eine Statue der Madonna vom Rosenkranz geweiht, die der Bildhauer CREMASCO aus Schio in Holz geschnitzt hatte. Renato war mit anderen Kindern und der Katechistin dort und wartete auf den feierlichen Augenblick der Enthüllung. Als man die Statue enthüllte und segnete, brachen alle Kinder in einen lebhaften Applaus aus. Er allein, das erzählte er mir, blieb völlig stumm und konnte seinen Blick nicht von der Statue lösen, und von diesem Augenblick an erfasste ihreübernatürliche Schönheit sein Herz und blieb für immer in ihm eingeprägt. Renato kam sehr oft in das Kirchlein von San Martino, er liebte es sehr und ging dort jeden Sonntag mit seiner Mama zur heiligen Messe. Eines Tages kam ein kleiner Franziskaner-Pater, um dort die Messe zu zelebrieren, es war LEOPOLDO MANDIC, und Renato, Renato, der damals gerade 12 Jahre alt war, hatte das Privileg, diesem Pater, der heute ein großer Heiliger im Himmel ist, als Ministrant bei der
heilgen Messe zu dienen. Für mich ist dies ein Zeichen, dass Renato schon von damals an einen gemeinsamen Weg mit den Heiligen ging. Da kommt mir auch eine andere Geschichte aus dieser Zeit in den Sinn, die er mir erzählt hat. Er befand sich eines Tages bei den Canossianerinnen in Schio, als ihn heftige Zahnschmerzen befielen. Darum wandte er sich an eine Schwester des Institutes, die, wie er sagte, seine Freundin war, Schwester GIUSEPPINA BAKHITA, heute eine Heilige. Sie sagte zu ihm: «Komm, ich gebe dir etwas, dann ist es wieder gut.» Sie nahm vom weichen Inneren eines Brotes und steckte ihm dies in den hohlen Zahn,
wobei sie sagte: «Du wirst sehen, jetzt vergeht es gleich.» Ich muss immer noch lächeln, wenn ich an diese Episode denke, aber in jenen Zeiten war es so üblich. Wenn man darüber nachdenkt, sehen wir die Einfachheit der Heiligen.
Nach ihrem Tod betete Renato immer zu ihr, weil ihn diese heilige Schwester tief beeindruckt hatte, und er hat von ihr auch Gnaden erhalten. Er erzählte mir, dass man bei seiner Mutter einen bösartigen Tumor diagnostiziert hatte und er betete deshalb sehr viel zur Schwester Bakhita. Ich glaube, er machte eine Novene, und dann, während des chirurgischen Eingriffes fanden die Ärzte zu ihrem großen Erstaunen keine Spur des Tumors mehr vor. Es war sicherlich die Fürbitte dieser heiligen Schwester und das Gebet Renatos, die diese Gnade erwirkt hatten. Dies hat sich einige Jahre nach dem Tod der Heiligen Bakhita zugetragen, und Renato trug aus Verehrung zu ihr in seiner Brieftasche immer ihr Bildchen bei sich, zugleich mit jenem des Heiligen Leopoldo Mandic und des Heiligen Pater Pio. So ging er sein Leben lang seinen Weg immer mit den Heiligen.
Literatur:
«Die Königin der Liebe»
Erscheinungen in San Martino di Schio, Msgr. Fausto Rossi, 184 S., 13x20 cm, Euro 12.–, CHF 18.–
«Maria ruft - San Martino di Schio» Botschaften der Mutter Gottes Königin der Liebe (1985 - 1997), 440 S., 11x16,5 cm, Euro 4.50, CHF 7.–
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