Maria heute, die Propheten und die Kirche

Christian Parmantier

=> MARIA HEUTE 458 INHALT

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Maria heute setzt sich als Hauptziel, Sie mit Vorsicht über die zeitgenössischen Werke des Geistes der Prophezeiung zu informieren. Auf diesem Gebiet des menschlichen Glaubens beansprucht sie keine Unfehlbarkeit, sie will die katholische Kirche nicht verpflichten, welcher die Unterscheidung zusteht.

 

Maria heute nimmt die Haltung ein, die vom Bischof von Lüttich, Msgr. Kerkhofs empfohlen wird, der 1933, vor der Anerkennung der Erscheinungen von Banneux, seine Gläubigen vor einer zweifachen Gleichgültigkeit gewarnt hatte:
«1) Seien wir dem Ereignis gegenüber nicht gleichgültig: Verdient nicht alles, was die Frömmigkeit neu beleben, das Vertrauen vertiefen, die Seelen bekehren und retten kann, unser Interesse?
2) Seien wir der Anerkennung des Ereignisses gegenüber nicht gleichgültig: Jene Gleichgültigkeit, die sagt: „Es ist Aufgabe der Kirche, die Tatsachen zu erleuchten.
Lassen wir sie handeln. Einstweilen kümmere ich mich nicht darum.“
Ja, es kommt der religiösen Autorität zu, eine echte Entscheidung zu fällen, wenn sie es für angebracht hält... Doch sollen wir deshalb untätig warten? Natürlich nicht!
Es ist nicht nötig, uns auf ein rechtmäßiges Urteil der Kirche zu berufen, um die Echtheit der Erscheinungen anzuerkennen. Man kann sie akzeptieren, wenn man sich dabei auf folgendes stützt:
— Entweder auf eine persönliche Prüfung der Ereignisse selbst mit ihrer Entwicklung und ihren Auswirkungen.
— Oder auf die Autorität von Personen, deren Kenntnisse, Vorsicht und Gottesfurcht uns bekannt sind.
— Oder auf besondere Gnaden, die uns womöglich zuteil geworden sind...
Diese persönliche Überzeugung kann sich privat durch Akte der Gottesverehrung äußern...»

In dieser Geisteshaltung prüft Maria heute die Offenbarungen des Heiligen Geistes, die man ihr vorlegt und überprüft ihre Übereinstimmung mit der Schrift, der Tradition und dem Lehramt. Das ist ein erster Schritt. Dann trifft ein Theologe mit dem mutmaßlichen Werkzeug des Himmels zusammen, um es persönlich kennen zu lernen und eine Unterscheidung zu verfeinern, die mit der Analyse der vorgestellten Schriften begonnen hat, falls es solche gibt. Es braucht Zeit, um die Früchte bei dem Werkzeug selbst und bei den Gläubigen festzustellen, die ihm ihr Vertrauen gewähren.
Wie in der Bibel gibt es kleine und große Propheten, aber wer kann sagen, dass die Margerite und das Veilchen weniger bedeutend sind als die Rose und der Flieder? Jeder hat seinen Lieblingsduft (Hld 1,3), jeder kann unter diesen Blumen des Himmels jene finden, die ihm erlaubt, den besten Honig hervorzubringen.
Propheten an den Türen der Kirchen.
In der Hierarchie der Charismen platziert der heilige Paulus den Propheten gleich nach dem Apostel. (1 Kor 12,28) Beide sind berufen, in einer gegenseitigen Unterordnung zusammenzuarbeiten. Doch wie Jesus es vorhergesagt hat: «Sie haben mich verfolgt und werden auch euch verfolgen...» Nach und nach hat sich den Propheten gegenüber eine gewisse Öffnung durchgesetzt, doch der Weg ist noch weit... Die erstaunliche Gleichgültigkeit sowie die Unkenntnis des prophe­tischen Eingreifens des Heiligen Geistes führen zu Misstrauen und Angst. Zu oft fehlt es in der Seelsorge daran, den Boten des Herrn anzuhören und ihn in der Kirche zu empfangen, obwohl der Herr seine Kirche diese privilegierten Zeugen schenkt, die direkt von Ihm geformt und belehrt werden, um die neue Evangelisierung zu fördern. Die Apostel haben die Pflicht, lehrt der heilige Paulus, «alles zu prüfen und das Gute zu behalten». Die Verantwortung, gemäß der Weisung des Wortes Gottes und der Kirche eine qualifizierte Unterscheidung vorzunehmen, wenn ein neuer Prophet auftaucht, wird allzu oft vernachlässigt, ja sogar abgelehnt. Allzu oft bleiben die Türen der leeren Kirchen für die Boten verschlossen. Gott, der «gestern, heute und morgen derselbe ist», sendet uns heute wie gestern Propheten.
Wir ermessen das Potenzial der versäumten Evangelisierung, wenn wir die Situation der unbekannten Propheten mit der geistlichen Fruchtbarkeit vergleichen, die Hochburgen wie Lourdes, Fatima usw. unaufhörlich entwickeln, weil sie von der Kirche und in der Kirche berücksichtigt werden. Der Segen wird dort unendlich vervielfacht. Man bedenke, was die Evangelisierung der Eingeborenen in Mexiko bewirkt hat und was dieses Volk heute noch an Glauben hat, nachdem Bischof Zumarraga sich in die Geschichte der Erscheinungen hatte einbeziehen lassen. Zunächst war er ungläubig und verlangte ein genau bestimmtes Zeichen, um zu glauben. Schließlich nahm er die Botschaft Marias in Guadalupe durch Juan Diego an, nachdem sich das verlangte Rosenwunder ereignet hatte und empfing zudem die Tilma (den Mantel des Indios).
Wie viele Personen haben in Medjugorje, San Damiano, Garabandal, Kerizinen, Manduria den Glauben entdeckt, bewahrt oder wiedergefunden... Und wie viele Ordens- und Priesterberufungen sind dort geweckt worden!
Ein Prophet, der an der Tür seiner Kirche wartet, ist in der Tat wie Apfelbaum (Hld 2,3) auf trockenem Land. Es ist schwer für ihn, viel Frucht zu tragen. Er braucht den Obstgarten. Der Segen seines Auftrags steht im Verhältnis zu dem Empfang, den die Kirche ihm zu gewähren bereit ist.
Die Laien, deren entscheidende Rolle von Marthe Robin in der kommenden Kirche angekündigt wurde, haben angesichts der Boten Gottes auch ihre eigene Verantwortung. Aufgrund der Früchte, die sie bringen, kann die Kirche in ihrer Unterscheidung vorankommen.
Eine wohlwollende, offene Haltung des Hörens auf einen Boten des Himmels erlaubt dem Licht und der Gnade, das Herz zu berühren. Aus diesem Grund «wird der Heilige Geist, wenn er kommt, die Welt überführen und aufdecken, was Sünde ist...» (Joh 16,8) und so zu den notwendigen Bekehrungen führen. Und später erscheinen dann die positiven Auswirkungen im Alltag mit den Früchten des Geistes. (Eph 6,9) Dann ist die Zeit gekommen, schlicht Zeugnis zu geben vor den Angehörigen, die über die Veränderung des Bekehrten in seinen Beziehungen selbst staunen.
Dann ist es wichtig, sein Zeugnis auszudehnen und es den Hirten zu bringen, so dass der Bote Gottes schließlich in der Kirche empfangen wird und das Wort, das er erhalten hat, in seiner ganzen Fülle weitergeben kann...
Die Ankündigung eines Zeugnisvortrages eines Propheten ist die Gelegenheit, die Menschen in unserer Umgebung einzuladen (ohne sie zu zwingen) und unseren Bekanntenkreis darüber zu informieren. Das ist eine einfache Evangelisierung, die in jedermanns Reichweite ist, wie das Anbieten einer Zeitschrift Maria heute.
Wie viele Menschen warten heute auf eine Botschaft der Hoffnung? Besteht die wahre Nächstenliebe nicht darin, ihnen die Gelegenheit zu geben, ein lebendiges Wort zu vernehmen, das die Macht hat, ein Leben zu verwandeln? Was die Verkündigung des Wortes anlangt, so bringt sie den Glauben hervor, sagt der heilige Paulus. (Vgl. Röm 10,14-17)
Werden sich die Türen unserer Kirchen öffnen?
Vor kurzem hat der Erzbischof von Dijon, Msgr. Minnerath an der Spitze einer bischöflichen Arbeitsgruppe «Unsere Kirchen zum Leben erwecken», einen wahren «Aufruf an die Verantwortung» der Katholiken ergehen lassen und gesagt, dass «eine verschlossene Kirche zum Sterben verurteilt ist». Die Mitglieder der Arbeitsgruppe plädieren auch für eine größere Öffnung der Kirchen für kulturelle Veranstaltungen: ein Konzert, ein Vortrag eine Ausstellung, die freilich punktuell angeboten werden und «mit dem sakramentalen Charakter des Ortes vereinbar» sein müssen. Gibt es dabei auch einen Platz für die Propheten, die von Gott gesandt werden, um unsere Gemeinden aufzuwecken? Sie stehen bereit.
Es ist Zeit, auf die Propheten zu hören, uns zu bekehren und zu handeln, damit Jesus uns nicht eines Tages sagt, was er seinen Zeitgenossen gesagt hat: «Ich habe erkannt, dass ihr die Liebe zu Gott nicht in euch habt. Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und doch lehnt ihr mich ab. Wenn aber ein anderer in seinem eigenem Namen kommt, dann werdet ihr ihn anerkennen. Wie könnt ihr zum Glauben kommen, wenn ihr eure Ehre voneinander empfangt, nicht aber die Ehre sucht, die von dem einen Gott kommt?» (Joh 5,42-44)
Wir wünschen sehnlich diese konkrete Öffnung der Kirchen in unseren Diözesen sowie jenes Bündnis Apostel-Prophet, das der Urkirche geholfen hat, sich zu entwickeln, und das der Herr uns heute wieder anbietet, um Seine Kirche zu erneuern. Die Dringlichkeit des Heils der Seelen und das Wohl der Menschheit rufen sie zu einer angemessenen und brüderlichen Mitarbeit im Geist des Evangeliums und in der Nächstenliebe auf. Dies ist unser Gebet nach 40 Jahren Unterstützung der Propheten, welche die «Stimmen sind, die in der Wüste rufen: Ebnet den Weg für den Herrn!...» (Joh 1,23)
Christian Parmantier


 

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