San Marino di Schio

Renato in der unauslöschlichen Erinnerung seiner Frau Rita (1. Teil)

von Oscar Grandotto

=> MARIA HEUTE 457 INHALT

> Literatur von Schio

Wenige Tage nachdem Renato unsere irdische Welt verlassen hatte, besuchten wir seine Frau Rita, um mit ihr über den zu sprechen, mit dem sie durch so viele Jahre alles geteilt hatte, alle Freuden und alle Schmerzen, die das Leben ihm als Diener eines großen Charismas bereitet hatte.
Es war für sie nicht leicht, aus ihrem Herzen, das von dem tiefen Schmerz der Trennung verwundet war, Zeugnisse, Erinnerungen, Wahrnehmungen hervorzuholen. Wir danken ihr für ihre Bereitschaft, uns dieses schlichte und echte Zeugnis gegeben zu haben, das sicherlich den Menschen helfen wird, die nicht das Glück hatten, in all diesen Jahren Renato aus der Nähe kennen zu lernen, in das Geheimnis dieses Mannes einzutreten, der mit Recht als «umstritten von Himmel und der Erde» definiert worden ist.

 

Rita, wir möchten dieses Gespräch mit den ältesten Erinnerungen beginnen, die du an Renato bewahrst, so wie du sie erlebt hast, und noch davor, wie sie dir überbracht worden sind.
Ehe wir heirateten kannte ich Renato nicht anders als vom Sehen aus. Ich sah ihn manchmal in der Kirche der Kapuzinerpatres in Schio, wohin er kam, um zu beichten. Ich wusste, dass er in der Pfarre sehr aktiv war. Obwohl ich ihn nicht kannte, beobachtete ich ihn oft: Vielleicht war es in Gottes Plänen, dass wir einander begegneten.
Seine Mutter erzählte mir immer, dass Renato als kleines Kind schon sehr gutmütig, großzügig und bereit für alles war, was die anderen glücklich machen konnte. Nichts behielt er für sich, auch nicht die wenigen Bonbons, die er manchmal bekam, alle wurden von ihm verteilt und oft blieb für ihn selbst nichts mehr übrig. Die Mutter sagte: «... so wie ich ihn hinsetzte (zum Beispiel auf einen Stuhl), so blieb er bis ich ihn wieder in die Arme nahm.»
Als Renato, immer nach der Erzählung seiner Mutter Clelia, etwas größer wurde, half er oft bei den Haushaltsarbeiten und bei den Arbeiten der Eltern, die ein Gasthaus hatten. Er war immer demütig, fügsam, den anderen gegenüber niemals rebellisch oder respektlos.
Ich glaube, dass ihn die Madonna eben auf Grund dieser Gaben erwählt hat: In ihm hatte Sie offensichtlich fruchtbaren Boden gefunden, der bereit war, den guten Samen aufzunehmen! Ich glaube, Sie konnte nur so ein Geschöpf erwählen, vor allem wegen der Gaben der Demut, des Altruismus, der Güte und Fügsamkeit, gleiche Gaben, die auch die Madonna selbst besitzt.
Im Alter von sieben Jahren hatte er im Kloster der Kapuziner jene Statue gesehen, die er dann immer in seinem Herzen bewahrt hat, so sehr, dass er nach einigen Jahren – wie bekannt – diese Statue als Leihgabe vom Prior des Konvents bekam, um sie in einer feierlichen Prozession durch die Straßen des Viertels bis zum Kirchlein von San Martino zu bringen. Ich erinnere mich, dass er bei der Heuernte mithalf, um etwas Geld zu verdienen, um diese Statue zu bekommen und den Patres dafür eine Spende machen zu können.

Wie ist es dir gelungen, noch vor der Madonna, das Herz Renatos zu erobern, sodass du seine Frau wurdest?
Wir begegneten einander und lernten uns anlässlich einer Hochzeit kennen, bei der wir beide von einer gemeinsamen Freundin eingeladen worden waren, die wie Renato auch im Viertel von Aste wohnte. Wir kamen «zufällig» am selben Tisch zu sitzen und begannen ein Gespräch. Renato lud mich dann ins Kino ein, wie es eben damals üblich war. Er erhielt auch von meinen Eltern die Erlaubnis, mit mir auszugehen. Ich erinnere mich aber nicht, ob wir schließlich auch wirklich ins Kino gegangen sind... Jedenfalls, das Eis war gebrochen: Wir begannen einander zu treffen, miteinander zu sprechen, anfänglich mit beidseitiger großer Schüchternheit. Es gelang, ihm in der Folge auch, in mein Haus eingeladen zu werden. Unser gemeinsamer Weg setzte sich dann fort bis zur Verlobung und schließlich bis zu unserer Hochzeit. Übrigens unsere Hochzeitsreise führte uns auch nach Meran in Südtirol.

Wie waren die ersten Jahre der Ehe? Hattest du den Eindruck, dass Renato auch schon vor den Erscheinungen zu religiösen Dingen neigte?
Renato war ein engagierter Christ. Er arbeitete viel in der Pfarre von Poleo. Der neue Pfarrer von Poleo, Don Andrea, hat am vergangenen Sonntag eine Gedächtnismesse für Renato zelebrierte. Er hatte die verschiedenen Akten seiner Pfarre durchgesehen, auch die älteren, und hatte bemerkt, dass «jedes Blatt Papier von Renato sprach. Was hatte er nicht alles für die Pfarre getan!»
Renato war an mehreren Fronten eingesetzt: bei den Jugendlichen, beim Katechismus, bei den Pfadfindern, beim Kindergarten, bei der Pfarr-Runde, bei der Katholischen Aktion. Später hat er seine Arbeitskraft auch in die Politik eingebracht: zunächst als Berater, dann als Assessor in der Gemeinde von Schio.
Renato war in all den Jahren der Ehe, die wir gemeinsam lebten, – vor allem abends – nur sehr wenig zu Hause. Wenn es Zeit war, schlafen zu gehen, musste er sehr häufig noch ausgehen, um seinen vielfachen Aufgaben nachzukommen. Er hatte immer ein sehr intensives und arbeitsreiches Leben, und ich glaube nicht, dass man sagen kann, dass wir unsere Ehe «genießen» konnten, auch wenn man bedenkt, dass wir keine Kinder hatten. Auch ich habe, in der Pfarre von Poleo mitgearbeitet, bis zu jenem Schicksalstag, dem 25. März 1985, an dem wir all diese Dinge aufgaben, um gemeinsam ein neues Abenteuer zu beginnen.

Wie habt ihr die Erfahrungen der ersten Erscheinungen erlebt in der Zeit vom 25. März bis zum 3. Dezember 1985, dem Tag, an dem die sensationelle Nachricht in allen Zeitungen stand?
Die erste Zeit war schön, sehr innerlich und sehr angenehm. Oft gingen wir gemeinsam zum Kirchlein von San Matino. Renato fragte mich häufig: «Siehst du sie nicht, die Madonna?» Über meine stets negative Antwort musste er sich wundern, es schien ihm einfach unmöglich, dass ich sie nicht sehen konnte.
Manchmal gab es eine Botschaft, die für uns beide reserviert war. Es war eine Zeit des Gebetes, der Innerlichkeit, der Vorbereitung, des Lebens in Stille, eine Zeit, an die ich mit Sehnsucht zurückdenke.
Dann, als «die Bombe explodierte» und sich die Nachricht von dem, was sich da ereignete, verbreitet hatte, wurde unser Leben vollkommen verändert. Renato wurde von diesen Ereignissen «mitgerissen», und er fand sich in einer neuen, noch anspruchsvolleren Situation.
Unser Haus war täglich erfüllt vom Kommen und Gehen von Menschen, die ein Wort suchten und ein Gespräch brauchten. Unser Leben war völlig verändert: Alle unsere Pläne, vor allem im Hinblick auf Renatos Pensionierung – wir dachten an die eine oder andere gemeinsame Reise – waren endgültig zunichte!
Renato und ich fanden uns physisch noch mehr getrennt, jeder mit seinen dringenden Verpflichtungen.
In mir war schon seit den ersten Ehejahren immer der Schmerz, auf Renato verzichten zu müssen, in seinen vielfachen Beschäftigungen den anderen gegenüber. Jetzt verschlimmerte sich diese Situation noch, wenn auch in anderer Weise. Manchmal weinte ich: Die Freude über die himmlischen Ereignisse machte manchmal Platz für den Schmerz darüber, nicht ein «normales» Leben an der Seite meines Mannes leben zu können.
Manchmal sagt man, dass die Madonna euch das Privileg einiger «privater» Botschaften gewährt hätte, vielleicht um euch zu ermutigen und bei euren drückenden Verpflichtungen zu stützen. Ich glaube, die Rolle der «Frau des Sehers» war für dich alles andere als leicht.
Sehr oft wurde ich gefragt, beinahe mit einer Art Mischung aus Neid und Bewunderung: «Aber du, was empfindest du dabei, die Frau Renatos, die Frau des Sehers zu sein?»
All dies war mir immer sehr unangenehm, denn ich glaube, niemals stolz darüber gewesen zu sein und mich niemals gerühmt zu haben, die Frau Renatos zu sein.
Im Gegenteil, ich habe immer versucht, möglichst zurückgezogen zu sein, sodass mir manch einer vorwarf, zu wenig in Erscheinung zu treten, mit meinem Mann nicht «in der ersten Reihe» zu stehen. Vielleicht habe ich den Fehler begangen, manchmal nicht nahe genug bei Renato zu sein, aber dieses Verhalten lag in meinem Charakter. Ich fühlte oft die riesige Last, die ich zu tragen hatte, vor allem wenn man alles konsequent erfüllen will, worum die Madonna bittet. Meine Rolle als Frau des Sehers brachte eine noch größere Verantwortung mit sich, weil ich von den anderen immer viel mehr beobachtet wurde. Es gab einige Botschaften, die für uns bestimmt waren. Ich erinnere mich, dass bei einem unserer Hochzeitstage die Madonna diese Worte sagte:
«Meine lieben Kinder, grämt euch heute nicht über die vergangenen Tage, über die vergangenen Jahre, sondern freut euch und wisst, dass Ich, die Mutter, ständig mit euch bin. Nicht einen Tag habe Ich euch verlassen, darum seid ihr hier und seid ihr vereint. Dankt mir nicht, Ich bin es, die euch für eure Verfügbarkeit dankt. Die drei Kinder sind euch nicht gegeben worden – sie waren jedoch für euch bestimmt – nicht, weil ihr sie nicht verdient habt, sondern weil der Vater auf Grund eurer Verfügbarkeit entschieden hat, euch viele Söhne und Töchter zu geben, die für Ihn (bestimmt) sind. Ich werde auch über eure Gesundheit wachen, damit ihr das tun könnt, was der Vater wünscht. Wacht auch ihr darüber. Ich segne euch!»
Eines Nachmittags, Renato befand sich im Halbschlaf, da erschien ihm Pater Pio in Begleitung der Madonna. Es war in der Zeit nach seinen letzten schweren chirurgischen Eingriffen, in einer Zeit besonders heftiger Schmerzen und Leiden. Pater Pio – so erzählte Renato später – schien sehr bekümmert und sagte einige Worte zur Heiligen Jungfrau, etwa mit diesem Inhalt: «Wie ist es möglich, ihn dermaßen leiden zu lassen? Nicht einmal ich habe in meinem Leben so gelitten. Tut doch etwas!...» Die Madonna gab Padre Pio dann etwas zu Antwort, Renato konnte jedoch ihre Worte nicht hören.
Fortsetzung folgt
Aus «Königin der Liebe» Nr. 51

 

Literatur:
«Die Königin der Liebe» Erscheinungen in San Martino di Schio, Msgr. Fausto Rossi, 184 S., 16 Farbtafeln, 13x20 cm, Euro 12.–, CHF 18.–
«Maria ruft - San Martino di Schio» Botschaften der Mutter Gottes Königin der Liebe (1985 - 1997), 440 Seiten, 11x16,5 cm, Euro 4.50, CHF 7.–

 

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