Von San Damiano nach Medjugorje (2. Teil)

Zeugnis über die Umkehr einer tamilischen «Malbar»1

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> Literatur von San Damiano und Medjugorje

 

Am nächsten Morgen verließen wir San Damiano und reisten per Schiff nach Bosnien-Herzegowina. Als wir in Medjugorje ankamen, hatte ich den Eindruck «zu Hause» zu sein! Meinen Knien ging es immer noch sehr gut, aber ich wagte noch nicht, darüber zu sprechen... Dagegen konnte man die Freude auf meinem Gesicht lesen, auf dem ununterbrochen ein Lächeln strahlte. Die anderen Pilger meiner Gruppe, die kaum Lust zu haben schienen, mit mir zu verkehren, näherten sich mir etwas mehr an. Vielleicht weil ich den «Bindi» (einen roten Punkt) von meiner Stirn entfernt hatte, den ich seit unserer Abreise dort getragen hatte? Wie dem auch sei, seitdem er weggegangen war, als ich mir das Gesicht am Brunnen von San Damiano gewaschen hatte, spürte ich keinerlei Bedürfnis mehr, ihn wieder hinzumalen...
Am Tag nach unserer Ankunft wurden wir im Bus in ein Kloster gebracht, in das sich ein berühmter Priester von Medjugorje zurückgezogen hatte, der Vorträge hielt (Pater Jozo). Ich hörte aufmerksam auf alles, was er sagte und war verwirrt. Dann legte er den Pilgern die Hände auf den Kopf. Ich ging etwas abseits zu einem Pfeiler, um dieses seltsame Geschehen nicht über mich ergehen lassen zu müssen, bei dem ziemlich viele Teilnehmer ohnmächtig wurden: Zwei oder drei schrien sogar, als würden sie gequält! Da kam Pater Jozo zurück, der durch eine kleine Tür rechts vom Altar weggegangen war, und näherte sich den ersten Reihen (wo ich mich befand!). Er begann, bestimmten Personen die Hände aufzulegen und dabei zu murmeln! Die meisten fielen um. Innerhalb kürzester Zeit stand er vor mir! Und seine Hände lagen auf meinen Kopf! Er schaute mir mit einem durchdringenden Blick in die Augen und seine sanfte, leise Stimme murmelte die ersten Worte seines berühmten Segens in einer Sprache, die ich nicht verstand. So verkrampft ich gewesen war, so entspannt war ich jetzt. Ich fühlte mich von einem Schwindel ergriffen, mir wurde dunkel vor Augen, obwohl ich ganz schnell mit meinen Augenlidern blinzelte, und trotz meiner verzweifelten Bemühung, meinen Geist wieder unter Kontrolle zu bekommen, fühlte ich mich von einer Art Strudel mitgerissen und befand mich an einem Ort, der von einem wunderbaren, strahlenden Licht erfüllt war, das den Augen nicht weh tat! Ich atmete den angenehmsten Duft ein, den ich je gerochen hatte! Ich fühlte mich wohler als ich mich je in meinem ganzen Leben gefühlt hatte! Mir wurde bewusst, dass ich da war, wo sich Der befindet, der mich erschaffen hat. Mein ganzes Wesen wusste das! Ich sehnte mich so sehr danach, Ihn zu sehen! Ich wusste, dass Er da war: in diesem Licht! Aber ich konnte Ihn nicht erreichen, meine Knie waren vollkommen unbeweglich und in meinem Geist erkannte ich klar, dass dies mit den vielen Malen zusammenhing, da ich mich vor den Statuen der hinduistischen Gottheiten niedergeworfen hatte! Ich sah, dass der Boden vor meiner «sapèl» (Kapelle) vom Opferblut der Hähne, der schwarzen Hühner und der Ziegen verunreinigt war, die ich mit dem Pousari als Opfer dargebracht hatte! Diese unheilvolle Verunreinigung hatte meine Knie angesteckt und schließlich meine ganzen Beine betroffen! Ich war verzweifelt darüber, solche Dummheiten gemacht zu haben! Ich war zerschlagen an diesem wunderbaren Ort, ich weinte mir die Seele aus dem Leib, denn ich wusste, dass ich mich in der Religion getäuscht hatte und dass ich wegen dem, was ich getan hatte, Den nicht sehen konnte, der mein Schöpfer und mein Vater ist, der mich am meisten liebt. Ich fühlte, wie sehr Er mich liebt! Das war umwerfend! Mehr als alles auf der Welt wünschte ich mir diese Liebe! Ich klagte über diese schmerzliche Enttäuschung, als ich in meinem Kopf plötzlich wieder jenen Satz des kleinen Jungen hörte: «Mein Vater wird sie dir reparieren! Mein Vater repariert alles!» Und da verschwand meine Verzweiflung, ich bekam wieder Hoffnung: Ich hatte die Gewissheit, dass alles in Ordnung kommen würde, wenn ich in diese Kirche zurückkehrte, in der der kleine Junge seinen Blumenstrauß liegengelassen hatte! Ja! Ich fühlte, dass mir die Gelegenheit geschenkt wurde, alles neu zu machen! Wieder ganz bei Null anzufangen! Und dann hierher an diesen außergewöhnlichen Ort zurückzukehren und dort diesen Vater voller Liebe zu sehen! Und da sah ich ihn, diesen schönen kleinen, blonden Knaben. Er war da. Er lächelte mich an und hielt die Hand einer strahlend schönen Frau. Er war mit einem strahlend weißen kleinen Gewand bekleidet, und diese Dame konnte nur seine Mutter sein, denn sie sahen sich sehr ähnlich. Sie war wie die Statue in der Kirche auf der Insel Réunion gekleidet, aber ihr langes Kleid und der lange Schleier, den sie trug, schienen aus prächtiger, schimmernder Seide genäht zu sein! Es war die Statue aus jener Kirche, nur lebendig, und sie hatte dasselbe feine Lächeln wie die Statue von San Damiano und die Statue von Medjugorje, die ich so schön fand. Da wurde mir klar, dass der Vater dieses kleinen Knaben jener Vater ist, den ich nicht sehen konnte! Dieser Vater, der da ist und genau wie er diese unvorstellbare Liebe ausstrahlt, nach der ich mich krank sehne! Sein Vater ist auch mein VATER! Ich weiß, dass ich Ihm gehöre! Dass Er GOTT ist. DER GOTT. DER EINZIG WAHRE GOTT. DER ALLMÄCHTIGE! Ich fühlte einen unerhörten Schmerz in meinen Knien, der mich in die Arme eines Wesens warf, das hinter mir stand, seitdem ich an diesem wunderbaren Ort war. Ich hatte kaum Zeit, leicht den Kopf zu drehen, um zu sehen, wie es aussah, als mein Geist bereits mit großer Geschwindigkeit in diesem Strudel versank und das flüchtige Bild eines leuchtenden Wesens mitnahm, von dem ein großes Wohlwollen und eine große Zärtlichkeit für mich ausgingen, mit zwei riesigen weißen Flügeln, die hinter seinem wunderbaren Kopf gefaltet waren! Ein Engel! Mein Engel... Mein Schutzengel...
Dann erwachte ich mühsam, blinzelte mit den Augen und war enttäuscht, menschliche Gesichter zu sehen, die sich über mich beugten, mich aufmerksam betrachteten, mich anlächelten und mich fragten: «Wie geht es?» usw.
Ich merkte, dass ich im Kloster von Pater Jozo auf dem Boden lag. Ich setzte mich auf und fragte mich, wie ich ein paar Augenblicke zuvor so schöne Dinge hatte sehen können, und warum alles zu Ende war. Ich fühlte mich so wohl, alles war so schön... Ich stand mit Hilfe meiner Mit-Pilger wieder auf und wir gingen zum Bus zurück... Ich hatte keine Lust zu sprechen: Ich war noch damit beschäftigt, meinem Geist so viele Details wie möglich einzuprägen von dem, was ich während meiner «Ohnmacht» gesehen hatte, die die anderen «Ruhen im Geist» nennen.
Auf jeden Fall probierte ich während der Rückfahrt nach Medjugorje meine Knie auf alle nur möglichen Weisen aus und sie waren in einem vollkommen funktionsfähigen Zustand! Die Heilung, die ich in San Damiano empfangen hatte, blieb bestehen! Während des Restes der Wallfahrt kletterte ich – zur großen Freude meiner Wohltäterin, die bemerkt hatte, dass ich nicht mehr hinkte – ohne die geringste Behinderung noch Anstrengung auf alle Hügel, und stieg wie eine Ziege den Kreuzweg am Krizevac hinauf! Und bei jeder Station betete ich auf Knien mit tränenüberströmtem Gesicht, bis ich schließlich der Länge nach mit ausgestreckten Armen wie ein menschliches Kreuz vor dem großen Kreuz des Krizevac lag und dabei vor Reue und Glück schluchzte.
Im Bus, der uns zum Flughafen nach Zagreb brachte, gab ich vor meiner ganzen Gruppe Zeugnis von dem, was ich in San Damiano und in Medjugorje erlebt hatte. Es gab tosenden Beifall und mir wurde ein mehr als freundschaftliches, nämlich ein brüderliches Lächeln zuteil.
Es braucht nicht gesagt zu werden, dass ich nach meiner Rückkehr auf die Insel Réunion sofort der hinduistischen-tamilischen Religion vollkommen den Rücken gekehrt habe! Ich habe meinem Mann alles erzählt, der angesichts meiner abgeschwollenen, gesunden Knie und meiner wiederhergestellten Beweglichkeit nicht anders konnte, als mir zu glauben! Er akzeptierte, dass ich unsere «sapèl» verbrannte und hat mir sogar dabei geholfen! Wir haben von den Wänden unseres Hauses alle Bilder von den hinduistischen Trugbildern abgerissen, an die wir zuvor geglaubt hatten. Einige Tage später ließ ich den katholischen Priester der Gemeinde kommen, in der ich wohne, damit er aus allen Räumen des Hauses die bösen Geister austrieb und sie segnete. Dann habe ich meinen katholischen Altar mit der Bibel und all dem eingerichtet, worum Pater Jozo uns gebeten hatte. Zusammen mit meinem Mann habe ich mich zum Katechismus für Erwachsene angemeldet und wir sind getauft und konfirmiert worden. Wir haben uns einer Gebetsgruppe angeschlossen und zweieinhalb Jahre nach dieser denkwürdigen Wallfahrt sind wir als Paar nach Medjugorje und San Damiano gefahren, und mein Mann ist seither noch bekehrter als ich, wenn das überhaupt möglich ist!
Was die «Rache» der angeblichen hinduistischen Gottheiten anlangt, vor denen meine Familie und meine Religionsgemeinschaft mich «gewarnt» hatte, um nicht zu sagen, mit denen sie mich bedroht hatte: Es gab nicht die geringste Spur davon! Natürlich haben wir Probleme wie alle anderen auch: Aber das ist kein Grund, den geringsten Zwischenfall gleich als «Rache des Gottes X oder der Göttin Y» zu interpretieren! Die Prüfungen sind das Schicksal, das allen Menschenwesen auf ihrem irdischen Weg gemeinsam ist, denn Satan sät Fallstricke auf unseren Weg, um uns zu entmutigen und uns von Gott zu entfernen. Wenn man das weiß, braucht man sich keine Sorgen zu machen wegen einer lächerlichen Angst vor der Rache falscher Götter! Glauben Sie mir, auf der anderen Seite, wohin Gott mir erlaubt hat zu gehen, gab es keine Spur von diesen angeblichen «Gottheiten»! Es gibt sie ganz einfach nicht! Das ist eine Erfindung des Teufels, um die Inder in die Irre zu führen! Diese angeblichen «Gottheiten» sind Dämonen, die Satan verkleidet, um uns zum Glauben daran zu bringen, dass es Götter sind!
Mein Rheumatologe hat geschlossen, dass mein Knocheninfarkt eine genauso augenblickliche wie unerklärliche Heilung erfahren hatte, dass es also ein Wunder sei!
Was den kleinen Knaben mit blonden Haaren und blauen Augen anlangt, so habe ich ihn eines Tages auf einem Bild von Jesus, dem König der Liebe wiedergesehen, das mir eine Dame aus meiner Gemeinde geschenkt hat. Das war wirklich jener kleine Junge, dem ich begegnet war, und den ich auf der anderen Seite bei der Jungfrau Maria wiedergesehen hatte.

Frau V. D.

 

Anmerkung:
1. Die «Malbar» sind Nachkommen jener indischen Arbeiter, die zum großen Teil im 19. Jahrhundert in die Überseeinsel Réunion einreisten, um den Aufschwung der Zuckerindustrie zu sichern. Sie verehren die Götter ihrer Vorfahren aus Indien.

 

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