San Damiano

Zeugnis über die Bekehrung einer tamilischen «Malbar»1

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Ich will und muss dieses Zeugnis für alle meine Landsleute von der Überseeinsel Réunion und für meine Brüder und Schwestern geben, die wie ich tamilischer Abstammung sind.

 

Wie bin ich dazu gekommen, diese Wallfahrt zu unternehmen? Ich habe keine Ahnung! Oder besser gesagt, beim Schreiben jetzt bin ich überzeugt, dass der Liebe Gott beschlossen hatte, mich aus der Finsternis zu holen! Ja, mich dort abzuholen, wo ich in meinem Leben und in meinen religiösen Irrtümern stand... Gott Vater hatte als guter, echter Vater beschlossen, dass es Zeit sei, seine arme tamilische Tochter von den Irrtümern dieser falschen Religion zu befreien, in der absurde Götter und Geister verehrt werden. Eine falsche Religion, in der wir Riten praktizieren, die nichts anderes sind als Hexerei!
Alles hatte mit meinen schrecklichen Schmerzen in den Knien begonnen. Auch meine Füße waren geschwollen und es fiel mir immer schwerer zu gehen. All diese Leiden erfüllten mich mit Sorgen: «Würde ich in einem Rollstuhl enden?» Die verschiedenen Behandlungen der Ärzte unserer Stadt, die ich aufgesucht hatte, verschafften mir nur vorübergehend Linderung. (Bei einer Computertomographie wurde ein Knocheninfarkt in den Knien diagnostiziert!) Die «Allheilmittelchen» der Nachbarinnen wirkten nicht besser, die Gebete und Opfer, die ich auf Knien (trotz der Qualen, die mir diese Haltung verursachte!) im Tempel und in meiner persönlichen «Kapelle» vor den Bildnissen der Götter Karli, Siva und Maryamin darbrachte, brachten mir nicht die geringste Heilung!
Eines Tages, als ich noch mehr litt als sonst und beim (vergeblichen) Flehen zu den Gottheiten in meiner «sapèl» (Kapelle) wahre Qualen durchgestanden hatte, erhob ich mich weinend und mit großer Mühe, schleppte mich nach draußen und setzte mich vor mein Eingangstor. Ein kleiner blonder, etwa siebenjähriger Junge, der ganz in Weiß gekleidet war und einen kleinen weißen Blumenstrauß in seinen Händen trug, ging in etwa einem Meter Entfernung vor meinem Eingangstor vorbei. Er wandte mir den Kopf zu und lächelte mich an. Wie schön er war! Ich konnte nicht umhin, ihn anzusprechen:
«He, du kleiner Balg! Wohin gehst du denn? Zu einer Hochzeit oder so was?»
Der Kleine blieb eine Sekunde lang stehen, schaute mich mit Augen an, die so blau waren wie der Himmel, und antwortete immer noch lächelnd:
«Neieiein, ich gehe in die Kirche: Meine Mutter wartet auf mich...»
«Ach so? Und man lässt dich da so allen herumlaufen, ohne dass jemand dich begleitet? Und wenn dir was passiert? Das ist unvorsichtig! ... Ich werde dich bis dorthin begleiten...»
Ich weiß nicht, warum ich beschlossen habe, dieses Kind zu begleiten. Sicher wegen dieses Schutzinstinktes, der den Frauen eigen ist... Ich biss vor Schmerz die Zähne zusammen, stand auf und ging mit dem schönen kleinen Jungen an meiner Seite weiter. Er hielt seinen Blumenstrauß mit beiden Händen vor seiner Brust, wie man eine Vase trägt. Diese Blumen waren keine Blumen von unserer Insel: Es waren viele kleine weißen Glöckchen, deren Duft in meine Nase stieg. (Später habe ich erfahren, dass es Maiglöckchen waren.) Dieser kleine «Kerl» trug auch eine seltsame Kette aus kleinen perlmuttfarbenen weißen Perlen um den Hals, die auf der Höhe seines Bauches von einem hell leuchtenden, kleinen Kreuz zusammengehalten wurden... Ich wagte nicht, ihn nach seinem Namen und seiner Herkunft zu fragen... Im Übrigen hatte ich gar nicht das Bedürfnis, ihn nach irgendetwas zu fragen... Ich war ganz damit beschäftigt, mich zu fragen: «Werde ich es wohl schaffen, ohne allzu viel Leiden wieder nach Hause zu kommen?»
«Warum weinst Du, gute Frau?», fragte mich das Kind plötzlich mit seiner goldigen, sanften Stimme.
«Oh, das ist nicht schlimm, Kleiner, meine Knie sind kaputt, sie haben eine Panne...»
«Mein Vater kann sie dir reparieren! Mein Vater repariert alles!», antwortete er mir mit siegessicherer Stimme.
«Was machst du mit diesen Blumen? Sie sind wirklich schön!»
«Oh ja! Das sind die Lieblingsblumen meiner Mama! Ich bringe sie ihr!»
Und nach diesen Worten begann er zu laufen und trat in die Kirche ein, denn wir waren nur noch etwa zehn Meter von ihr entfernt.
Ich persönlich betrete keine Kirchen, denn ich bin Hinduistin und gehe nur in Tempel. Aber die Sonne brannte so heiß, ich war schweißgebadet, die Anstrengung dieses Weges hatte mich erschöpft, auch wenn die
Kirche gar nicht so weit weg war, und ich wollte auch sicher sein, dass der goldige kleine «Kerl» wirklich bei seinen Eltern in dieser Kirche war. Also beschloss ich, ausnahmsweise in diese Kirche einzutreten.
In der Kirche war kein Licht, sie war in ein Halbdunkel getaucht, das nach der blendenden Sonne dieses Nachmittags sehr angenehm war. Sie schien leer zu sein, niemand saß auf den Stühlen, kein Geräusch im Innern der Kirche zu hören. Ich begann, durch die Kirche zu gehen, um zu sehen, wo das Kind und seine Familie waren, aber ich sah niemanden! Wo war der Kleine hingeraten? Ich hatte doch gesehen, wie er in die Kirche gelaufen war! Aber hier war kein Kind! Es war verschwunden! Es hatte sich aufgelöst! Ich war verblüfft! Wo war es denn hingegangen? Ich ging vergeblich zwei Mal durch die ganze Kirche und es gab nur zwei Türen: die Eingangtür und eine weitere Tür links hinter dem Altar. Ich hatte sie aufgeschoben, denn sie stand ein bisschen offen, doch sie führte nur zu einem Raum, der keine weitere Tür hatte (die Sakristei)! Plötzlich, als ich wieder vor der Statue einer verschleierten Dame vorbeiging, die mit einem langen weißen Kleid mit einem langen blauen Gürtel bekleidet war, bemerkte ich den Strauß weißer Blumen, den der kleine Junge getragen hatte und der nun am Fuß dieser Statue lag! Doch keine Spur von dem Jungen... Noch von seiner Familie! Ich beschloss, mich in die Nähe der Statue zu setzen und verstand gar nichts mehr. Als ich sie betrachtete, stellte ich fest, dass sie an ihrem Arm die gleiche Kette trug wie das Kind um den Hals getragen hatte!
(Später habe ich gelernt, dass man diese Kette «Rosenkranz» nennt.) Ich blieb sitzen. Fast schockiert über das unerklärliche Verschwinden des kleinen Kerls wandte ich den Kopf nach allen Seiten. Da bemerkte ich ein Blatt Papier, das unter einen Stuhl neben dem meinen gefallen war. Ich hob es aus Neugierde auf und las darauf: «Wallfahrt nach San Damiano – Medjugorje – Basilika Sacré Coeur in Paris». Dann betrat eine Dame die Kirche und kam geradewegs auf mich zu:
«Sind Sie es, die mich zur Wallfahrt begleiten?», fragte sie mich mit einem breiten Lächeln und streckte mir die Hand entgegen.
Ich drückte ihre Hand, sagte ihr jedoch, dass da ein Irrtum vorliegen müsse, da ich nirgends hingehe.
«Oh, entschuldigen Sie! Ich dachte, dass Sie die Person sind, mit der ich mich treffen sollte! Schauen Sie, vor mehreren Jahren hat mir eine Freundin (die inzwischen ins Haus des Vater heimgekehrt ist – ihre Seele ruhe in Frieden!) eine Wallfahrt nach Medjugorje geschenkt, bei der ich von einer sehr schweren Krankheit geheilt worden bin. Und da meine finanzielle Situation es mir erlaubt, habe ich in Erinnerung an ihr großzügiges Geschenk gelobt, jedes Jahr jemandem eine Wallfahrt nach Medjugorje zu schenken! Zum Dank für meine Heilung! Vor ein paar Tagen habe ich mein Angebot dem Pfarrer unterbreitet und er hat mir gesagt, dass eine Dame, die daran interessiert sei, mich heute in der Kirche erwarten würde! Ich dachte, dass Sie es sind! Entschuldigen Sie bitte...»
Dieses Wort «geheilt» hatte mich gewaltig aufhorchen lassen! Und ich hielt die Dame auf und bat sie, mir zu erzählen, wer sie geheilt hatte und auf welche Weise. Von dem langen Bericht, den sie mir erstattete, kapierte ich nur eines: Nämlich dass sie in ein Land gegangen war, in dem die Heilung vom Himmel fällt, ohne dass man etwas anderes zu tun braucht, als hinzufahren! Das war wirklich ein Wunder! Ich wurde zutiefst von dem Verlangen erfüllt, ebenfalls so eine Heilung zu erleben! Eine gute halbe Stunde war vergangen, ohne dass der kleine Junge in Weiß wieder erschienen war. Und genauso wenig war die Frau erschienen, auf die meine Gesprächspartnerin wartete. Als sie auf die Uhr schaute, beschloss sie daher zu gehen. Sie hielt mir eine Visitenkarte hin und sagte:
«Rufen Sie mich an, wenn Sie Lust haben. Und wenn die Dame, die ich erwartete, kein Lebenszeichen gibt... so ist es der Wille Gottes». Er entscheidet....»
Danach ging ich nachdenklich und sehr langsam nach Hause zurück.
Als ich meinem Mann diese Geschichte erzählte, zuckte er mit den Schultern und sagte mir:
«Glaubst du, dass die Leute einfach so eine Reise für 1.600 € zahlen? Geh liebe wieder zum Pousari (Name der hinduistischen Priester), er wird dich heilen!»
Ich bewahrte das Blatt mit der Wallfahrt und die Karte der Dame in der Schublade meines Nachttisches auf.
In den folgenden Tagen wurden meine Schmerzen schlimmer und ich dachte unablässig an den schönen kleinen blonden Kerl und an die Heilung der Dame.
Eines Morgens, als der Schmerz mir Schreie und Schluchzer entriss, nahm ich die Visitenkarte der Dame und rief sie an, ohne genau zu wissen, was ich ihr sagen würde. Sie nahm beim ersten Klingeln ab und erkannte mich sofort!
«Ah! Endlich haben Sie sich entschlossen! Die andere Dame hat sich nicht gemeldet. Ich schenke Ihnen die Wallfahrt. Auf welchen Namen soll ich Sie eintragen?»
Wie in einem Traum gab ich ihr meinen Namen, meinen Vornamen und meine Adresse, ohne die Reaktion meines Mannes zu fürchten. Als ich auflegte, wurde mir klar, dass ich mich auf ein echtes Abenteuer eingelassen hatte, von dem ich nicht einmal wusste, welche Probleme es mir bringen konnte! Doch etwas verbot mir, die Dame wieder anzurufen, um alles rückgängig zu machen! Als mein Mann von der Arbeit heimkam, stand meine Entscheidung felsenfest: Ich würde abreisen, auch wenn er nicht einverstanden sein sollte! Auch wenn er den Pousari rufen würde, um mich von meiner Entscheidung abzubringen! Die Abreise sollte in knapp 10 Tagen erfolgen. Ich begann, meinen Koffer zu richten, ein paar Wollsachen für das europäische Klima zu kaufen und rief die Dame jeden zweiten Tag an um nachzufragen, ob ihr Angebot immer noch gelte.
Dann kam der Tag der Abreise zu unserer Wallfahrt. Ein Nachbar brachte mich zum Flughafen von Saint-Denis. Ich handelte wie ein Automat, alles erschien mir unwirklich: Ich konnte nicht begreifen, dass ich kostenlos mit Unbekannten das Flugzeug nahm, um in ein unbekanntes Land zu reisen! Die Reise verlief gut und ohne Zwischenfall...
Nachdem wir in Paris angekommen waren, begaben wir uns per Flugzeug nach San Damiano und ich lernte den «Paradiesgarten» kennen. Der Führer berichtete über die Erscheinung der Jungfrau Maria an diesem Ort und ich hörte zu, ohne an den Gebeten auf Latein teilzunehmen, die um 5 Uhr morgens vor dem schönen, goldfarbenen Zaun gebetet wurden. Ich blieb gegenüber der ganz weißen Statue derer sitzen, die man die «Heilige Jungfrau» nannte. Sie hatte eine Rose in jeder Hand und ein feines Lächeln, das mir Frieden schenkte... Alles an diesem Ort war voller Frieden und Freude, in dem kleinen Garten standen zahlreiche Vasen mit wunderschönen Rosen... Die Gebete auf Latein gefielen mir sehr, ich bedauerte sogar, sie nicht mitbeten zu können wie meine Gruppe es mit ihren Heften in den Händen tat! Dort gab es auch einen langen Marmorbrunnen mit mehreren Wasserhähnen, an denen die Betenden von Zeit zu Zeit ihren Durst stillten. Der Führer hatte uns gesagt, dass das Wasser dieses Brunnens wundertätig sei. Doch da es so einfach zugänglich war, dass ich dachte, dass es normales Wasser sei und dass sich das wundertätige Wasser in diesem geschlossenen Brunnen befinden müsse, der von einer Kupferkuppel überdacht war und sich hinter der Statue in dem kleinen Garten befand.
Wir waren in einem Bauernhof am Ende eines Weges links von der Kirche untergebracht. Im Esszimmer des Bauernhofes las ich einen sehr interessanten Artikel mit dem Titel «Wissenschaftliche Analyse des Wassers von San Damiano». Er begann mit den Botschaften, die die Jungfrau Maria über dieses Wasser gegeben hatte, und eine der Botschaften der Heiligsten Jungfrau beeindruckte mich besonders: «Kommt und trinkt an diesem Brunnen das Wasser der Gnade. Wascht Euch! Reinigt euch! Trinkt dieses Wasser. Viele werden von körperlichen Leiden geheilt... Bringt dieses Wasser den Schwerkranken in den Krankenhäusern und den Todkranken.» (18/11/66)
Als wir in den Kleinen Garten zurückkehrten, ging ich also an den Brunnen und wusch mir die Hände, die Arme, das Gesicht und den Hals. Wie erfrischend und wohltuend dieses Wasser war! Ich trank es in großen Schlücken, und als ich mich wieder aufrichtete, hatte ich das Gefühl, ganz neu und sauber zu sein! Da fielen mir von neuem zwei Worte aus jener Botschaft ein: «Wascht euch!» Ich nahm mein Bein mit beiden Händen und setzte meinen Fuß unter schmerzlichen Anstrengungen auf den Rand der Brunnenschale und begann, mein Knie und meinen kranken Fuß mit viel Wasser zu baden. Dann tat ich dasselbe mit dem anderen Bein und ging klatschnass an einen Platz gegenüber der Statue der Heiligen Jungfrau. Seltsamerweise kamen mir die Gebete, die die anderen im Chor sprachen, wie vertraut vor, dabei waren wir erst seit dem Vorabend hier und hatten sie seither nur einmal um 5 Uhr morgens gebetet! Und ohne es zu bemerken, begann mein Mund die Worte der anderen nachzusprechen: «Ave Maria, Dominus tecum, benedicta tu usw.» Ich wusste überhaupt nicht, was das bedeutete, doch es gefiel mir und erfüllte mich mit einer Fröhlichkeit, von der ich nicht wusste, woher sie kam!
Nach einer gewissen Zeit sagte der Mann, der das Gebet am Mikrofon leitete, etwas auf Italienisch und alle Pilger rutschten von ihren Plätzen und knieten nieder. Dabei hielten sie Gegenstände vor sich hin, die sie gekauft hatten, oder Familienfotos! Ich war die einzige, die auf der Bank sitzen blieb. Ich sagte mir, dass ich wegen der Quasi-Behinderung meiner Beine nicht verpflichtet sei, die anderen nachzuahmen...
Aber plötzlich fühlte ich so etwas wie den Druck von zwei unglaublich schweren und starken Händen, die auf meine Schultern drückten und mich mit meinem ganzen Gewicht von der Bank auf meine armen Kniescheiben fallen ließen! Der Schmerz war entsetzlich! Ich war verblüfft über das, was mit mir passierte, aber ich konnte nicht einmal schreien, ich senkte den Kopf und war unfähig, ihn wieder zu heben und zu schauen, wer die Unverschämtheit besessen hatte, mich von der Bank zu werfen! Ich blieb so auf den Knien liegen und sagte mir, dass meine Knie zweifellos in tausend Stücke zersplittert waren und dass als Ergebnis dieser Reise das Krankenhaus und der Rollstuhl auf mich warteten! In dem kleinen Paradiesgarten war kein Geräusch zu hören. Da wurde ich plötzlich von einem intensiven Rosenduft eingehüllt! Er war wirklich ganz stark! Mich durchlief ein starker Schauer und meine Seele wurde von einem so tiefen Wohlbefinden erfüllt, dass mir die Tränen in die Augen stiegen! Ich vergaß mein körperliches Leiden... Einige Sekunden lang, die mir zeitlos schienen, hatte ich den Eindruck, woanders zu sein. Da brachte mich die Stimme am Mikrofon wieder auf den Erdboden zurück und all die Pilger, die niedergekniet waren, rührten sich, standen wieder auf und setzten die Gebete auf Latein fort. Ohne mir bewusst zu sein, was ich tat, stand auch ich auf und zwar ohne mich auf die Bank zu stützen, die hinter mir stand!!
Da wurde mir klar, dass ich ohne jeden Schmerz aufrecht dastand! Ich hob meinen langen Rock hoch und befühlte meine Knie. Sie waren unversehrt! Ich betrachtete meine Knie: keine Schürfwunde, kein blauer Fleck, sie waren nicht einmal geschwollen! Meine Füße auch nicht! Was war mit mir geschehen? Wie war das möglich? Das Wasser des Brunnens war also wirklich wundertätig?! Oder war es dieser heftige Sturz? Oder der durchdringende Rosenduft? Ich wusste nicht mehr, was ich denken sollte, ob ich schreien oder in die Luft springen sollte... Nein, das war zu schön, um wahr zu sein. Ich konnte doch nicht wie meine Wohltäterin geheilt worden sein, nur wegen einer Wallfahrt und wegen dieser Göttin der Katholiken, von der ich mir nicht einzugestehen wagte, dass sie mir so gut gefiel...
Ich beschloss, meine «neuen Beine» auszuprobieren, bevor ich mit meiner Wohltäterin darüber sprach. (Ich befürchtete, zu früh den Sieg zu verkünden!). Ich begann, die Wege des kleinen Gartens entlang zu gehen und hatte keinerlei Schwierigkeiten. Zunächst ging ich ganz langsam, dann immer schneller, und schließlich versuchte ich einen kurzen Lauf. Ich war verblüfft: Ich ging und lief wie in meinen schönsten Kindertagen. Das war ein Wunder! Aber ich hatte noch Zweifel: War das vorübergehend oder würde es andauern? Würde das Leiden in ein paar Tage nicht wiederkehren? Daher beschloss ich, mein «Wunder» so lange geheim zu halten, bis ich sicher wäre, dass es nicht aufhören würde! Ich kehrte zu dem kleinen Paradiesgarten zurück und jubelte in überströmender Freude, die ich nur mit großer Anstrengung zurückhalten konnte. Ich klammerte mich an dem goldenen Gitter fest, kniete mich vorsichtig gegenüber der Statue der Heiligen Jungfrau nieder und murmelte da eine Flut von Danksagungen an diese wunderbare Göttin aus weißem Marmor, die mich mit so großer Zärtlichkeit anlächelte.
Doch bevor ich einschlief, trieb mich eine Frage um: Warum hat mich die hinduistische Gottheit, die ich so «unglaublich» verehre, trotz all meiner Gaben und meiner Opfer nicht geheilt? ... Sehr verwirrt über diese Frage schlief ich ein.
Fortsetzung folgt.
Frau V. D.

 

Anmerkung:
1. Die «Malbar» sind Nachkommen jener indischen Arbeiter, die zum großen Teil im 19. Jahrhundert in die Überseeinsel Réunion einreisten, um den Aufschwung der Zuckerindustrie zu sichern. Sie verehren die Götter ihrer Vorfahren aus Indien.

 

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