Das Haus der Jungfrau Maria in Ephesus=> MARIA HEUTE 456 INHALT |
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Wer das Glück hat, an einer Pilgerreise nach Ephesus teilzunehmen, wird dort die Ruinen der Basilika des hl. Johannes, die Höhle der sieben heiligen Schlafenden und Meryem Ana auf dem Hügel von Bülbül Dag besuchen. Denjenigen, die nicht dorthin fahren können, wird die folgende erstaunliche Geschichte bezeugt.
Das Dogma von der Aufnahme Mariens in den Himmel, gehört zumindest seit 1950 zum Glaubensgut. Die Entschlafung Mariens war schon seit der Zeit der Urkirche von den Christen und vor allem von den Orthodoxen anerkannt. Ob dieser Ort der Aufnahme in den Himmel
Jerusalem oder Ephesus war, blieb allerdings eine strittige Frage.
Seit dem letzten Jahrhundert, als Kardinal Roncalli und die Päpste Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Meryem Ana besuchten, haben sie dadurch das Empfinden bestärkt, dass Maria in besagtem Haus gewohnt hat, als der hl. Johannes der Bitte Jesu am Kreuz entsprach und sich um sie kümmerte. Die Umstände, unter denen dieses Haus im 19. Jahrhundert entdeckt wurde, verdienen es, als ein Zeichen der Vorsehung betrachtet zu werden. Die Seligsprechung von Anna Katharina Emmerich im Jahr 2004 verstärkt auch die Bedeutung der Erscheinungen, die ihr zuteil wurden.
1881 hatte Abbé Gouyet, ein französischer Priester
aus der Diözese Paris, die
Absicht, nach Ephesus zu
reisen, um die Richtigkeit der Beschreibung des Hauses der Muttergottes zu überprüfen, so wie die deutsche, stigmatisierte Anna Katharina Emmerich es in dem Buch «Das
Leben der heiligen Jungfrau Maria» beschrieben hatte. Obwohl der Abbé bei seinen Untersuchungen vom Ortsbischof ermutigt wurde und er Spuren dieses Hauses entdeckte, fand sein Bericht nicht die Zustimmung der Obrigkeit in Paris und in Rom.
Zehn Jahre später. Die «Barmherzigen Schwestern», die das französische Hospital von Smyrna (heute: Izmir in der Türkei) leiteten, hatten die Gewohnheit, bei Tisch ein frommes Buch zu lesen. Als dieses «Leben der heiligen Jungfrau Maria» im Refektorium vorgelesen wurde und es hieß, dass Maria in der Nähe von Ephesus gelebt habe, sagte die Oberin des Krankenhauses, Sr. Marie de Mandat Grancey, zum Hausgeistlichen, dem Lazaristen M. Jung: «Ephesus ist nicht weit entfernt; es würde sich lohnen, dorthin zu fahren» (die Lazaristen sind wie die Barmherzigen Schwestern Jünger des hl. Vincent von Paul). Pater Jung blieb jedoch skeptisch.
Der Lazaristenpater Eugène Poulin, der am Herz-Jesu-Kolleg in Izmir Oberer war, und das Buch von Anna Katharina Emmerich gelesen hatte, wies Pater Jung an, mit ihm nach Bülbül Dag auf jenen Berg zu fahren, wo das berühmte Haus liegen sollte.
P. Poulin, der sich im Judentum auskannte und auch das Liber miraculorum von Gregor von Tours (538-594) kannte, in dem es heißt, dass der hl. Johannes in einem Haus bei Ephesus lebte..., maß den Darlegungen dieses berühmten Bischofs von Tours keine hohe Glaubwürdigkeit bei, da dieser manchmal
Geschichte und Legende vermischte.
Die beiden Lazaristen machten sich also auf den Weg zu diesem Berg, der im Buch der Seherin beschrieben war. 17 km vor Meryem Ana begegneten sie orthodoxen Christen, die in dieser Gegend lebten und jedes Jahr am Tag der Aufnahme Mariens in den Himmel eine Fußwallfahrt zu einem Heiligtum machten. Es war Monastir, eine Art Kapelle, bei der sich eine «wundertätige» Quelle befand, die Ayasma. In der Nähe dieser baufälligen Kapelle war den Orthodoxen zufolge ein Ort namens Panaghia Kapoulou, die «Pforte der Allheiligen», das heißt, das Haus der Jungfrau Maria.
Diese Christen waren die Nachfahren der ersten Christen von Ephesus, die aus dieser Stadt geflohen waren und am Fuße des Berges lebten, etwa fünfzehn Kilometer von Ephesus entfernt. Sie waren orthodox und obwohl in der orthodoxen Kirche die Überzeugung herrscht, dass Maria in Jerusalem im Herrn entschlafen ist, verehrten diese ortsansässigen Orthodoxen Maria und ihre Entschlafung oder Aufnahme in den Himmel in Pananghia Kapoulou. Eine jahrhundertealte Tradition.
Die Lazaristenpatres erlebten einige Überraschungen
in dieser Gegend, die ein Zufluchtsort für Banditen war und in der es kaum Straßen oder Wege gab.
Am Donnerstag, dem 13. August 1891, kamen unsere beiden Lazaristen gegen 11.00 Uhr vormittags nach einem schwierigen Aufstieg auf einer kleinen Ebene bei einer Kapelle an, die in Ruinen lag und mit Pflanzen überwuchert war. Mit dem Buch in Händen blickten sie aufmerksam auf die Landschaft und entdeckten einige Ähnlichkeiten mit der Beschreibung der deutschen Seherin. Da waren zunächst die Felsen hinter dem «Haus»; der Berg, von dessen Gipfel man Ephesus und das Meer sehen konnte. Das Haus selbst entsprach der Beschreibung der Seherin: Zwei Räume, einer vorne, einer hinten. Nur der Kamin war nicht zu sehen. Es wurden Ausgrabungen durchgeführt und man fand dort viele Anzeichen, die für das Alter dieser Anlage sprachen (Geldmünzen, Gefäße aus Ton). Bei den Räumungsarbeiten von Schutt und Erde, usw... tauchten Ansammlungen von Steinen auf, die sorgfältig geordnet waren und unter diesen Steinen fand man Ziegel, die auf einer Seite geschwärzt waren. Damit war der Herd des Hauses, die Seele, gefunden. Die forschenden Patres schrieben ihre Entdeckung
in einem Protokoll nieder,
mit dem Ziel, es an den Ortsbischof weiterzuleiten. (Im März 1996 bestätigte uns Bischof Bernardini, dass inmitten der Asche Glut gefunden worden war; ein mündliches Zeugnis, das jedoch nicht in den offiziellen Protokollen vermerkt worden war.)
Nach der Berichterstattung der beiden Priester stellte der Bischof von Symrna, Msgr. Timoni, eine kompetente Kommission zusammen, der sieben Priester und fünf Laien angehörten, während er sich selbst den Vorsitz vorbehielt.
Am 1. Dezember 1892 stiegen die zwölf Mitglieder der Kommission mit dem Bischof an ihrer Spitze nach Meryem Ana hinauf. Sie legten ihre Feststellungen schriftlich nieder und gaben die Übereinstimmungen der örtlichen Gegebenheiten mit dem Text von Anna Katharina Emmerich in rechter und angemessener Form zu Protokoll.
Unterdessen hatte Schwester Marie de Grancey das Gebiet für 40.000 Franc gekauft und verwendete das Geld
ihrer Mitgift für die Instandsetzung der Kapelle.
Viele Enttäuschungen von Seiten der Verwaltung und der Polizei setzten den Ordensfrauen, die nun zu Hüterinnen dieser Stätte geworden waren, zu. Manchen türkischen Obrigkeiten schien eine so starke christliche Präsenz in einem muslimischen Land wie eine Gotteslästerung zu sein.
Dennoch machten immer mehr Christen und Muslime Wallfahrten nach Meryem Ana. Die türkische Regierung erkannte die touristische Bedeutung dieser Gegend und ordnete 1950 den Bau einer Straße an.
1895 sandte Leo XIII. eine Kommission in den Orient, die sich mit der Frage der ostkirchlichen Riten beschäftigen sollte. Der Oberkommissar dieser Kommission begab sich nach Meryem Ana und nahm an Ort und Stelle Untersuchungen vor. Nachdem er nach Rom zurückgekehrt war, erstattete er Leo XIII. persönlich Bericht.
1896 lasen Pius X. und Pius XI. Broschüren mit Fotos vom Haus und gratulierten den Autoren.
1931 äußerte Bischof Roncalli anlässlich der 1500- Jahrfeier des Konzils von Ephesus den Wunsch, auf den Berg zu steigen, aber da damals noch keine Straße dorthin führte, musste er auf die Verwirklichung seines Wunsch verzichten.
Die drei letzten Päpste
haben durch ihren Besuch
im Haus der Theotokos bei Ephesus, der Wallfahrt, an der manchmal genauso viele Muslime wie Christen teilnehmen, einen neuen Impuls gegeben. Und wird Maria, die Mutter Jesu, nicht auch 34 mal im Koran erwähnt? Die Pilgerreisen sind vielleicht kein Beweis für die historische Echtheit des Hauses der Jungfrau Maria, denn dem Evangelium soll nichts hinzugefügt werden, aber sie können eine Anregung sein, um die Zeichen und das «Augenzwinkern» der göttlichen Vorsehung mit Leben zu erfüllen.
1961 sagte Louis Massignon, dieser glühende Vertreter einer islamisch-christlichen Freundschaft: «Ephesus soll vor der endgültigen Versammlung in Jerusalem für alle christlichen und muslimischen Gruppierungen der Ort der Versöhnung in Maria “Hazrat Meryem Ana” (unsere Mutter auf türkisch) werden, bis Israel sie schließlich als die Ehre Zions anerkennt und sich dieser so ersehnten Einmütigkeit anschließt».
Das Heiligtum von Ephesus ist ein außergewöhnlicher Begegnungsort zwischen Christen und Muslimen, «wo die verschiedenen Ex-votos zeigen, dass die Jungfrau Maria sowohl den einen wie den anderen Wunder gewährt».
In Ephesus leben kaum noch Christen, aber hinter dem urchristlichen Erbe – die Basilika des hl. Johannes mit seinem Grab und Meryemana – spüren wir im Kontakt mit unseren Ursprüngen eine verborgene Kirche, die sich der Stille der Liebe geweiht hat. Dieses ursprüngliche Erbe hat das Urchristentum geprägt, «eine Prägung des Exils, des gemeinsamen eremitischen Lebens», um es mit den
Worten von Louis Massignon zu sagen (zitiert von Moncelon).
Die Geschichte des Hauses der Jungfrau Maria in Ephesus und die Umstände seiner Entdeckung sollen nicht als ein Wunderbericht, als eine geistliche Schnitzeljagd betrachtet werden, sondern als ein von Herzen kommendes Geschenk für unsere Zeit. Aus «Asien», wo Maria Zuflucht genommen hatte, hören wir noch das «Was er euch sagt, das tut» von Kana und die letzten Worte Jesu am Kreuz: «Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.» (Joh 19,27).
PS: Anna Katharina Emmerich, die «Seherin von Dülmen», wurde am 3. Oktober 2004 seliggesprochen.
JM. Moncelon
Literatur:
«Das bittere Leiden unseres Herrn Jesus Christus» Anna Katharina Emmerich, 384 Seiten, 14x21 cm, Euro 18.80, CHF 31.–
«Geheimnisse des Alten und des Neuen Bundes» Anna Katharina Emmerich, 374 Seiten, 14x21 cm, Euro 18.80, CHF 31.–
«Das erste Lehrjahr Jesu» Anna Katharina Emmerich, 578 Seiten, 14x21 cm, Euro 20.–, CHF 33.–
«Das zweite Lehrjahr Jesu» Anna Katharina Emmerich, 546 Seiten, 14x21 cm, Euro 20.–, CHF 33.–
«Das dritte Lehrjahr Jesu» Anna Katharina Emmerich, 722 Seiten, 14x21 cm, Euro 23.60, CHF 39.–
> Literatur von Anna Katharina Emmerich
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