Feuer in der Kehle!

Von Schwester Emmanuel

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Unsere Freunde aus Vocepiu (Mailand) waren Zeugen eines überraschenden Ereignisses. Seit Jahren verbreitete ihre kleine Fraternität Kassetten und CD, um Gottes Wort in Italien zu verkünden. Da wir mit ihnen für Medjugorje zusammen arbeiten, tauschen wir gerne unsere Zeugnisse aus – dann erfahren wir gemeinsam Gottes Macht!

 

1997 machte diese Fraternität eine Pilgerreise nach Israel. Als Maria Luisa am letzten Tag vor dem Kreuz am Heiligen Grab betete, vernahm sie in ihrem Herzen ganz deutlich eine Stimme, die sagte: «Tu etwas für meine Passion!» Diese Worte berührten sie sehr und als sie wieder in Mailand war, beschloss sie, eine Musik-CD über die Passion Christi aufzunehmen. Da sie musikalisch sehr begabt ist, wollte sie eine schöne Audiokollage mit Texten aus der Bibel und Musikstücken zusammenstellen. Sie hatte keine finanziellen Mittel, sondern wurde von der göttlichen Vorsehung unterstützt. So gelang ihr Vorhaben und sie vereinte orthodoxe Gesänge mit Liedern messianischer Juden und etwas Gregorianik, usw.
Für die Bibeltexte brauchte sie einen Sprecher, der diese Passagen lesen sollte. Ihre Wahl fiel auf einen ihrer Onkel, der die passende Stimme dafür hatte. In Mailand reservierte sie im Studio Miro-Productions eine halbe Stunde Aufnahmezeit; am Morgen des festgesetzten Tages war ihr Onkel jedoch krank und konnte nicht zur Aufnahme kommen.
Maria Luisa wollte nicht auf ihr Vorhaben verzichten. Sie hatte bereits das Studio gemietet, wo jede Minute Aufnahmezeit sehr teuer bezahlt werden musste, da stand es außer Frage, die kostbare halbe Stunde nicht ungenutzt verstreichen zu lassen! Also musste sie schleunigst einen anderen Sprecher finden! Sie beschloss in das Studio von Mediaset zu gehen, das ganz in der Nähe von Miro lag, um dort nach «einer Stimme» zu fragen.
Als sie an der Rezeption ankam, war sie durch das äußerst luxuriöse und mondäne Ambiente etwas eingeschüchtert und sagte sich: «Was mache ich hier bloß; es ist absolut nicht der Stil, den ich brauche!» Da sie aber keine andere Wahl hatte, unterbreitete sie ihr Anliegen: «Ich brauche einen Mann, der eine halbe Stunde Zeit hat, um einen Text zu lesen...» In diesem Augenblick kam ein Mann majestätisch die große Treppe der Agentur herab. Er war sichtlich daran gewöhnt, zu gefallen und von seinem Auftreten als perfekter Playboy eingenommen. Er ging zu Maria Luisa, um mehr zu erfahren, denn er hatte ihre Bitte aufgeschnappt. Er erklärte, dass er 20 Minuten Zeit habe, bevor er für das Fernsehen eine Rolle synchronisieren und einen Werbespot für Coca Cola machen müsse. Es schien ihn mit Stolz zu erfüllen, dass er für so angesehene Marken arbeitete. Zu Maria Luisa sagte er, er könne die Sache übernehmen, wenn sie nur 30 Minuten dauere. Als Maria Luisa ihm erklärte, dass diese Aufnahme nicht gewinnorientiert sei und er dafür keine Gage erhalte, hob Alfio die Hand und sagte, dass ihm das nicht wichtig sei.
Maria Luisa war jedenfalls ganz überrascht! Sie fragte sich, wie dieser Mann in so kurzer Zeit in die Atmosphäre der CD über die Passion Jesu eintauchen und den richtigen Ton treffen könne, um das Wort Gottes zu lesen! Sie versuchte mit Alfio über ihre Sorge zu reden, aber er war sich seiner beruflichen Begabung sicher und beruhigte sie mit einer Geste seiner Hand.
Sie gingen zum Aufnahmeraum. Alfio nahm den Text und setzte sich vor das Mikrophon. Der erste Vers, den Maria Luisa ausgewählt hatte, bezog sich auf den leidenden Gottesknecht: «Er hatte keine schöne und edle Gestalt, so dass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut...» (Jes 53,2f).
Alfio las die ersten drei Worte und war blockiert. Er bat um ein Glas Wasser, denn – so sagte er – er habe etwas in der Kehle. Er begann wieder; dasselbe Problem! Nach drei Anläufen musste er unterbrechen und seine Augen füllten sich nach und nach mit Tränen. Unsere Maria Luisa begriff, dass dies nicht ohne Bedeutung war. Es gelang Alfio nicht, den Text zu lesen, denn er durchlebte gerade etwas sehr Tiefgreifendes! Beim dritten Versuch brach Alfio in Schluchzen aus und konnte seine Tränen nicht länger zurückhalten.
«Aber wer ist dieser Mann? Wen hat man so behandelt?», fragte Alfio zwischen zwei Schluchzern.
«Das ist Jesus!», erwiderte Maria Luisa.
«Und wer ist Jesus?»
Die Aufnahme musste unterbrochen werden. Alfio beruhigte sich nicht. Er wollte alles über diesen Mann Jesus, den er nicht kannte, erfahren. Also begann Maria Luisa ihm von Jesus zu erzählen und Alfio bombardierte sie mit Fragen. Er griff zu seinem Terminkalender und strich alle Termine, die für diesen Tag angesetzt waren. Er blieb 4 oder 5 Stunden, um alle Texte zu lesen und den Auslegungen, die Maria Luisa ihm dazu machte, zuzuhören! Zutiefst getroffen, im Schockzustand, wiederholte er jedes Wort, bat um Erläuterungen und nahm die ganze Geschichte Jesu in sich auf. Das Wort Gottes hatte ihn ganz und gar ergriffen!
Zum Schluss fragte Alfio unsere Freundin: «Warum machst du eigentlich diese Arbeit? Was meinst du, wen das interessieren könnte?» Maria Luisa erwiderte ihm: «Als ich mit dieser Arbeit begonnen habe, habe ich dem Herrn gesagt, dass es mir schon genügen würde, wenn sich auch nur ein einziger Mensch durch diese CD bekehren würde». Daraufhin meinte Alfio: «Nun, dieser Mensch bin ich!».
In den folgenden Tagen begann Alfio im Büro zu allen über Jesus zu reden. Er musste es einfach tun. Wie hätte er schweigen können? Er konnte keine anderen Themen finden. Sehr schnell hielt ihn seine Umgebung für verrückt... Alfio wurde entlassen und blieb sechs Monate arbeitslos, bevor er wieder einen Job in seiner Branche fand. Der erste Schritt, den er nach seiner Bekehrung machte, bestand darin, dass er
zu seiner Frau und seiner Tochter zurückkehrte, um wieder gemeinsam mit ihnen zu leben. Seitdem (und das sind inzwischen schon 10 Jahre!) gehen sie jeden Morgen zusammen zur heiligen Messe.
Wer kann die unvorstellbare Macht des Wortes Gottes beschreiben! Jesus besucht uns genau dann, wenn wir es nicht erwarten. Zwei Bibelverse genügten, um dieses Herz radikal zu wandeln!
Liebe Gospa, du bist ganz durchtränkt von Gottes Wort, hilf uns, es zu lieben und es zu «verschlingen»!
Möge das Feuer, das in ihr lebt, alle «Alfios» erreichen, die noch in der Nacht umherirren...
Schwester Emmanuel
15. April 2008,
www.childrenofmedjugorje.org

 

 

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