Léandre Lachance

Ich möchte dich eine andere Art des Sehens lehren

Von Christian Parmantier

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Während des Zönakels der Zeugen der Liebe und der Hoffnung, der im Mai 2007 in Domrémy gehalten wurde, gewährte Léandre Lachance, der Autor der Bücher «Meinen Auserwählten zur Freude», Maria heute ein Interview. Es geht darin um den inneren Weg, den er zurückgelegt hat. In diesem Artikel berichtet uns Léandre von seiner christlichen Erfahrung.

 

Wann war für Sie der entscheidende Punkt in Bezug auf die Person Jesu?
Es wäre für mich schwierig, einen genauen Zeitpunkt zu nennen. Es gab mehrere. Jesus war in meinem Leben immer sehr gegenwärtig. Im Gegensatz zu vielen anderen war es eine lange, zunehmende, konstante Entwicklung. Und mir wird klar: Je mehr Zeit ich ihm schenke, desto mehr lehrt er mich. Den Teilnehmern der letzten Exerzitien habe ich gesagt, dass ich sicher derjenige war, der am meisten von diesen Exerzitien profitiert hat. Wenn ich meine, dass ich etwas gebe, bin ich derjenige, der noch mehr empfängt und diese Begegnung mit Jesus ist langsam gewachsen, gleichsam lautlos – wie ein Baum, der wächst.

Hatten Sie in Ihrer Jugend eine Glaubenskrise wie man es heute oft erlebt?
Nein, nicht in der Zeit, in der ich gelebt habe. Für uns war es eine große Hilfe, dass uns daheim, in der Kirche, in der Schule alle dasselbe sagten; daher ging unser Weg geradeaus, während es heute viele Widersprüche gibt. Außerdem «deformieren» die Medien das religiöse Leben. Und daraus resultiert die Glaubensschwierigkeit der heutigen Jugend.
Eine weitere Überlegung: Wenn ich den verdorbenen Zustand unserer Welt betrachte, scheint mir seit 25 Jahren ganz klar zu sein, auf welche Weise sich das Böse durch die Informationsmedien organisiert hat; es ist öffentlich geworden. Keine menschliche Organisation ist fähig, die Situation umzukehren. Wenn Gott nicht eingreift, haben wir eine kaputte Gesellschaft.
Wir wissen, dass Gott nur durch die Umgestaltung der Herzen eingreifen kann. Das führt mich dazu, ihm meine Freiheit zu schenken, damit er mein Herz umgestalten kann. Ich habe mir damals gesagt: «Wenn ich ihm mein Ja gebe und durch diese Umgestaltung vielleicht zwei andere Menschen, die mich so leben sehen, ihrerseits ihr Ja geben und wenn diese beiden Menschen durch ihre Umgestaltung Einfluss auf vier weitere Menschen ausüben würden... könnte durch den Multiplikationseffekt die ganze Gesellschaft umgestaltet werden»!

Haben Sie sich, wie schon Ihre Eltern, in Bewegungen der katholischen Aktion engagiert?
Ja, ich habe immer in Bewegungen der katholischen Aktion mitgearbeitet. Zu Beginn meines Berufslebens prägte mich bei einer Fortbildung ein Wort: «Jede Entscheidung muss in Achtung vor der Werteordnung getroffen werden, die der Schöpfer aufgestellt hat». Der Vortragende stellte eine kleine, vierstufige Skala auf:
1 – Der Schöpfer, Gott, das höchste Wesen.
2 – Der Mensch, erschaffen als Gottes Ebenbild.
3 – Die materiellen Güter, die in den Dienst des Menschen gestellt werden, damit er wohnen, essen, sich kleiden und auch etwas Komfort haben kann.
4 – Das Geld ist eine Erfindung des Menschen, das keinerlei Wert in sich selbst hat, sondern das den Austausch materieller Güter ermöglicht.
«Jede Entscheidung, die du treffen musst, sollst du in Achtung vor dieser Werteordnung treffen.»
Leider kommen viele Menschen mit einer umgekehrten Werteordnung ins Leben:
1 – Das Geld...
2 – Die materiellen Güter, Auto, Haus... «und wenn wir unsere materiellen Bedürfnisse befriedigt haben, werden wir gute Werke tun».
3 – Das Humane.
4 – Hier tritt ein großes Problem auf: Kein intelligentes Wesen kann Gott den vierten Rang zuweisen, das geht nicht! Das erklärt, warum so viele eine Welt ohne Gott gestalten wollten. Da man die Werteordnung verändert hat, gibt es für Gott keinen Platz mehr.
Ich habe mein ganzes Leben lang versucht, die Werte in rechter Weise zu ordnen. An erster Stelle steht Gott und dann der Mensch. Beim Menschen gibt es eine Rangordnung. Die erste Person, der ich in jeder Hinsicht verpflichtet bin, ist meine Gattin und dann die Kinder. Das schönste Geschenk, das wir unseren Kindern machen können, sind vereinte Eltern. Daher steht das Ehepaar an erster Stelle, dann kommen die Kinder, dann die anderen. An dritter Stelle stehen die materiellen Güter.

Und welche Rolle spielte diese Werteskala in Ihrem Unternehmen? Hat das bei Ihrem «Erfolg» mitgespielt?
Ja, ganz sicher, ich bin sogar überzeugt, dass es für den Erfolg hilfreich war. Ich kann nicht sagen, dass ich von den materiellen Gütern völlig losgelöst war, aber sie waren nie das erste Ziel. Als ich mein Versicherungsbüro aufbaute, war mein vorrangiges Ziel der Dienst an den Klienten. Das zweite Ziel galt der Entfaltung der Mitarbeiter im Unternehmen und das dritte war, Gewinne zu erzielen, denn sonst hätten wir in der Geschäftswelt keinen Bestand gehabt. Ich war immer davon überzeugt, dass eine geschäftliche Transaktion für beide Seiten von Vorteil sein muss, sonst sollte man sie nicht machen. Anfangs habe ich mich etwas ausnutzen lassen, aber ich konnte damit immer gut umgehen. Die Menschen der gegnerischen Seite haben immer gerne mit mir einen Vergleich geschlossen, weil sie das Gefühl hatten, mir vertrauen zu können. Vertrauen ist sehr wichtig. Damit in einem Haus Harmonie herrscht, muss es Vertrauen zwischen den Ehepartnern und zwischen Eltern und Kindern geben. In einem Unternehmen ist es genauso. Von beiden Seiten muss dieses Klima des Vertrauens entwickelt werden.

Sie haben also auf der Ebene der menschlichen Beziehungen viel investiert?
Ja, ich kann sagen, dass das, was mir an der Leitung des Unternehmens Freude machte, das ist, was mir auch heute noch Freude macht, wenn ich meinen Sohn bei einem Bauvorhaben begleite. Ich wollte von meinen Geschäften frei sein, aber der Herr hat es nicht erlaubt. Mein Versicherungsunternehmen wurde vor zehn Jahren verkauft.
Was mir schon immer gefallen hat, waren menschliche Beziehungen. Auch mit hundert Angestellten konnte ich, wenn mir jemand sagte: «Ich habe ein Problem, ich möchte mit dir reden», innerhalb
der nächsten vierundzwanzig Stunden mit dem Betreffenden ein Gespräch führen. Das war eine grundlegende Priorität.

Würden Sie für heutige Unternehmen dasselbe sagen?
Unbedingt. Die Menschen sind der große Reichtum eines Unternehmens. Wenn jemand in Übereinstimmung mit Gott lebt, lebt er auch mit sich selber und mit seinem Umfeld in größerem Frieden. Ich kümmere mich gerne um Menschen, aber noch lieber bin ich im Dienst des Herrn. Als ich mein Büro aufgegeben habe, habe ich sogar Schritte unternommen, um meinen Bischof zu treffen und ihm zu sagen: «Ich will für den Herrn arbeiten und ich bin verfügbar». Er hat nicht darauf reagiert... Das erwähne ich, um Ihnen zu zeigen, wie sehr ich am Werk des Herrn mitarbeiten möchte.
In den Büchern sagt der Herr: «Ich möchte dich eine andere Art des Sehens lehren, die in dem Milieu, aus dem du kommst, nicht genügend gelehrt worden ist, damit du sie dann an die anderen weitergeben kannst, indem du diese Dimension der vertrauenden Übereignung in meine Hände sowohl bei den Geschäften als auch in allen anderen Bereichen lebst».

Die andere vergessene Dimension ist also die vertrauende Hingabe?
Die Hingabe und das Vertrauen auf allen Ebenen.

Wie war es, als Sie wegen der mittwochs stattfindenden Gebetstage Ihre Arbeit im Unternehmen reduzieren mussten? Wie hat Ihre Familie diese Umstellung erlebt?
Ich würde sagen, dass alles sehr friedlich geschah. Ich habe mit jedem unserer Kinder gesprochen, ob gefragt, ob es sie stören würde. Die Antwort lautete: «Nein, wir sehen, dass du glücklich bist».
Wenn man sich auf der Geschäftsebene vertrauensvoll dem Herrn überlässt, wird der Unterschied spürbar. Ich habe festgestellt, dass der Herr laut und deutlich spricht. Als ich noch nicht fünfzig Jahre alt war, wollte mich meine Frau zweimal überzeugen, dass ich das Unternehmen verkaufen sollte. Sie war der Meinung, dass ich mit dem Team, mit dem ich zusammen arbeitete, einem viel zu großen Druck und zuviel Stress ausgesetzt war. Sie hatte Angst, ihren Mann durch Krankheit zu verlieren. Als ich sechzig Jahre alt war, habe ich meine Frau gefragt: «Glaubst du, dass ich angesichts der Sendung, die mir der Herr anvertraut hat, eine Kehrtwendung machen sollte und mich überhaupt nicht mehr um geschäftliche Dinge kümmern soll?» Sie erwiderte: «Warum solltest du aufhören? Du fühlst dich doch wohl dabei. Das Erstellen von Gutachten ist für dich doch eine Erholung.» Das ist es, was der Herr uns schenken möchte, wenn wir uns ihm wirklich vertrauensvoll überlassen: Dass die Arbeit zur Erholung und nicht zu Stress oder zu Angst wird.
Zum Thema Angst: Als ich im Mai 2006 nach Frankreich kam, sagte mir jemand: «Ich war mein ganzes Leben lang ein sehr ängstlicher Mensch. Seit zweieinhalb Jahren kenne ich Sie und ich habe alles, was in Ihren Büchern steht, in die Tat umgesetzt. Ich habe dem Herrn alle meine “Ja”, alle meine Ängste gegeben. Er hat sie so sehr weggenommen, dass ich jetzt eine neue Angst habe und nicht weiß, was ich machen sollen: Die Angst, keine Angst mehr zu haben! Was mache ich damit?» Ich antwortete: «Gib sie dem Herrn, Er wird sie sicher von dir nehmen!»

Und wie liefen diese mittwochs stattfindenden Gebetstage, auf die Sie sich schließlich eingelassen haben, ab?
Wir waren den ganzen Tag vor dem Allerheiligsten, mit Ausnahme einer Stunde, die wir miteinander im Gespräch verbrachten. Es waren Anbetungsstunden: Zeit für Bitten um Vergebung, Zeit für Bittgebet, Zeit für Opfergebet, Zeit für Danksagung, für den Rosenkranz, für das Breviergebet und natürlich für die Eucharistie, anschließend eine Stunde der gemeinschaftlichen Reflexion und eine Zeit der Stille.

Wie viele Personen nehmen an diesen Gebetstagen teil?
Als ich dazukam, waren wir zwischen fünfzehn und zwanzig Personen und später habe ich in meiner Heimatstadt damit begonnen. Zuerst waren wir drei und jetzt sind es zwölf und diese Gruppe kommt noch immer in der Kathedrale, in der Kapelle der Gründer, zusammen.
Für mich war das eigentlich ein sehr gutes System, denn ich wollte kürzer treten, um meinen Ruhestand vorzubereiten. Ich arbeitete zwei Tage, ich hatte einen schönen Tag des Gebetes und der Ruhe, ich arbeitete wieder zwei Tage und schon war das Wochenende da. Das tat mir sowohl auf der physischen als auch auf der geistigen Ebene sehr gut.
Diese Periode hat mich dazu geführt, etwas fügsamer für das Wirken des Heiligen Geistes zu werden. Auf einmal stellte ich fest, dass ich, wenn ich um drei Uhr morgens wach wurde, aufstehen sollte, um zu beten – und zwar das Brevier mit der Lesehore, die ich sehr mag. Ich habe die reichen Unterweisungen der Kirchenväter entdeckt. Und ich war am Morgen genauso ausgeruht als hätte ich die ganze Nacht geschlafen. Zusätzlich hatte ich seit dreißig Jahren täglich die Eucharistie mitgefeiert.

Das war lange vor Ihrer Teilnahme an den Gebetstagen?
Es kam mit der Entdeckung der Charismatischen Erneuerungsbewegung.
Ich bin überzeugt, dass alles vom eucharistischen Jesus erneuert werden wird. Ich bin auch von der wirkenden Gegenwart Jesu in der Eucharistie überzeugt. Viele meinen, sie würden ihre Zeit verschwende, wenn sie vor dem Allerheiligsten sind. Ich habe die Überzeugung, dass es die größte Kraft auf der Welt ist, weil der eucharistische Jesus die Macht hat, die Herzen zu verwandeln, so wie unsere Mutter Maria die Macht hat, den Kopf der Schlange zu zertreten, um das Böse aufzuheben. Die Schätze, die Jesus auf diese Erde gebracht hat, hat er unserer Kirche anvertraut.
Christian Parmantier

 

 

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