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Die Muttergottes spricht in ihren Botschaften immer wie eine jüdische Mutter zu uns; sie verwendet Worte, die uns vertraut erscheinen, die aber in der biblischen Sprache eine ganz besondere Bedeutung haben. In ihrer Botschaft vom 25. Januar 2004 verwendet sie das Wort «kennen»:
«Liebe Kinder, auch heute lade ich euch ein zu beten. Betet, liebe Kinder, in besonderer Weise für alle, die Gottes Liebe nicht erkannt haben. Betet, damit sich die Herzen öffnen und sich meinem Herzen und dem Herzen meines Sohnes Jesus nähern, damit wir sie zu Menschen des Friedens und der Liebe verwandeln können. Danke, dass ihr auf meinen Ruf gehört habt.»
Um das, was Maria uns sagen will, in seiner ganzen Tiefe zu verstehen, wollen wir das hebräische Wort in seinem Kontext untersuchen: «Alle, die Gottes Liebe nicht erkannt haben». Der Jude der Bibel macht keine Trennung zwischen dem denkenden Geist und dem handelnden Körper. Der Mensch ist eine harmonische Einheit. Für
einen Schüler, der sein Gedicht kennt, für einen Computer, der Informationen gespeichert hat, verwendet man die Wortwurzel «yada», «er kennt». Für einen Juden ist es vor allem das Herz, das kennt und nicht das Gehirn, auch wenn der Kopf seine Aufgabe hat und sich einsetzt, um
zu verstehen, zu sehen, zu hören, zu erinnern... Dieses Kennen führt dann zu einer Erfahrung des ganzen Seins (Geist und Herz) und nicht nur zu einem «Wissen» auf der Ebene des Gehirns. Das erläutert der biblische Ausdruck «lev lada’at»: «ein Herz, um zu erkennen».
Der Begriff «kennen» zeigt schon von den ersten biblischen Erzählungen an seine ganze Kraft, denn es ist das Wort, das verwendet wird, um die eheliche Beziehung zu bezeichnen, wie es in Genesis 4,1 heißt: «Adam erkannte Eva, seine Frau; sie wurde schwanger und gebar Kain». Wir stoßen im Matthäusevangelium in Hinblick auf Maria und Josef auf diesen Begriff (1,24: Josef nahm seine Frau zu sich. Er erkannte sie aber nicht.) Diese Abschnitte zeigen die Weite und die Tiefe der Intimität zwischen dem, der erkennt und dem, der erkannt ist. Kennen bedeutet, sich mit der bekannten Wirklichkeit zu vereinen und sich in dieser innigen Beziehung von ihr umgestalten zu lassen wie es Gatte und Gattin tun.
Diese innige Art von kennen erreicht ihre volle Dimension, wenn es um die Liebe Gottes geht, die höchste Erfahrung für den Menschen. In seinem hohenpriesterlichen Gebet spricht Jesus so zu seinem Vater: «Das ist das ewige Leben, dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen, und Jesus Christus, den du gesandt hast...» (Joh 17,3). Gott zu erkennen bedeutet schlicht und einfach: leben! «Die Liebe Gottes zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt – so werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt» (Eph 3,19).
Wir bemerken nun die ganze Kraft der Botschaft der Gospa, die von jenen spricht, «die Gottes Liebe nicht erkannt haben». Sie sieht uns so, wie wir im vollkommenen Licht des Himmels sind, aber sie sieht auch Gottes Pläne für uns und damit den unermesslichen Reichtum, den wir verpassen, wenn wir Gott nicht kennen. Wir hungern nach Frieden und Glück und wir gehen an diesen Geschenken vorbei, die uns von Gott gratis angeboten werden! Als Mutter leidet Maria furchtbar darunter. Daher fordert sie uns vehement auf, für die Ungläubigen zu beten und die Vorstellung, dass auch nur einem einzigen ihrer Kinder das Glück vorenthalten ist, Gott zu kennen, nicht zu dulden. Sie rechnet aber nicht nur für die «Ungläubigen» mit uns, sondern auch für uns selber, die wir Zonen des Unglaubens in uns haben, Bereiche in unserem Leben, in die wir Gott noch nicht eingeladen haben, damit er auch dort herrschen kann (die Arbeit, das emotionale Leben, Geld, Hobbys, der Körper, die Sexualität, die Vergangenheit, unsere Pläne für die Zukunft, usw...). Die Muttergottes fordert uns zu einer inneren Einheit auf; sie möchte, dass wir «vollständig» sind, «erfüllt» wie sie selber, in der Fülle unserer menschlichen Berufung, die in der Liebe besteht. Denn «jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott... denn Gott ist die Liebe». (1Joh 4,7-8).
Eines Tages übermittelte Mirjana folgende Worte der Muttergottes: «Die Kirchen sind voll von Ungläubigen». (Die Gospa sagte nicht «Ungläubige», sondern: «Die Gottes Liebe noch nicht kennen».) Mirjana war überrascht und fragte: «Aber wenn die Menschen in die Kirche gehen sind sie doch gläubig?» Die Muttergottes erwiderte: «Einige gehen in die Kirche, um ihre Freunde zu treffen oder weil es Tradition ist, aber sie kommen nicht, um Gott zu begegnen. Diese Menschen kennen Gottes Liebe nicht».
Auch Jesus sprach über diese fehlende Übereinstimmung als er sich an jene wendete, die fälschlicherweise vorgaben, Gott zu kennen: «Sie reden nur, tun aber nicht, was sie selber sagen!» (Mt 23,3). Und bei Paulus heißt es: «Sie beteuern, Gott zu kennen, durch ihr Tun aber verleugnen sie ihn; es sind abscheuliche und unbelehrbare Menschen, die zu nichts Gutem taugen» (Tit 1,16). Die Sünde hat im Menschen die innere Harmonie von Erkenntnis des Herzens und Erkenntnis des «Kopfes» zerbrochen.
Liebe Gospa, wir sind noch so weit davon entfernt Gott zu kennen! Du lebst mit deinem ganzen Sein in Vereinigung mit ihm – komm uns zu Hilfe!
Sr. Emmanuel 2004,
15. Februar 2004
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