Jean PliyaDie natürlichen Freuden=> MARIA HEUTE 451 INHALT> Literatur «Freuet euch allezeit» |
![]() |
Die natürlichen Freuden sind Ausdruck des Vergnügens unserer Sinne und Gefühlsregungen. Sie bringen die Befriedigung eines Wunsches oder Bestrebens zum Ausdruck. Sie sind flüchtig, denn das Vergnügen ist mehr vom Haben als vom Sein abhängig. Zum Beispiel hinsichtlich des Leibes: die Freude, satt oder gut ausgeruht zu sein, das Behagen bei einer guten Dusche oder guter Gesundheit; hinsichtlich der Seele: intellektuelle oder kulturelle Freuden, eine erfolgreiche Prüfung zu machen, ein schönes Gedicht zu lesen, einen guten Film zu sehen, eine Landschaft zu bewundern; die Freuden der Freundschaft oder in der Liebesumarmung eines Mannes und einer Frau, die sich einander schenken.
Ein Vergnügen, dem man Dauer verleihen möchte, lässt nach; selbst wenn man viele Möglichkeiten, sich zu vergnügen und ungebremst zu genießen, wahrnimmt, bleibt man trotzdem unbefriedigt. «Pflück diese zarte Blume», sagt der Dichter Tagore, «nimm sie schnell, aus Furcht, sie könnte verwelken und ihre Blütenblätter abwerfen in den Staub!» Die Bibel
gemahnt uns an die den menschlichen Freuden innewohnende Zerbrechlichkeit: «So wie das Prasseln der Dornen unter dem Kessel, so ist das Lachen des Toren» (Pred 7,6). «Was immer meine Augen begehrten, nichts versagte ich ihnen. Ich hielt mein Herz von keinerlei Freude ab. Ja, mein Herz gewann Freude aus all meiner Mühe. (...) Und nun prüfte ich all meine Werke, die meine Hände vollbracht (...): Alles ist Nichtigkeit und Haschen nach Wind, und es bleibt kein Nutzen unter der Sonne!», spricht der Prediger, ein Sohn Davids (Pred 2,10-11).
Es geht jedoch nicht darum, die menschlichen Vergnügen und Sinnesfreuden herabzuwürdigen, die Gottan das Funktionieren unseres Organismus und unserer Eigenschaft als gesellschaftliches Wesen gebunden hat. Sie müssen mit Anerkennung und Dank gegenüber dem Schöpfer angenommen werden, um zur geistigen Freude vorzudringen. «Der Wein erfreut des Menschen Herz», sagt der Psalmsänger (vgl. Ps 104,15). Das Buch der Sprichwörter rät dem Ehemann: «Freu dich der Frau deiner Jugend: Die liebliche Hindin, die anmutige Gazelle!» (Spr 15,18-19) Sie ist echt und angenehm, die Freude, seine Arbeit gut zu verrichten, reiche Ernte einzubringen oder einem Kind das Leben zu schenken. Jesus hat die Freuden der Hochzeit zu Kana geteilt und den Aposteln die Freude über den wunderbaren Fischfang verschafft.
Ebenso ist auch der vom Schöpfer in uns gelegte Wunsch nach Selbstentfaltung gut. Geld haben, eine Familie gründen und Kinder haben zu wollen sind Zeichen guter Gesundheit. Doch es darf nicht dazu kommen, dass diese Wünsche zu Fesseln werden, die uns unserer Freiheit berauben; denn all diese natürlichen Freuden sind nur Vorzeichen der Freude des Himmelreiches. Beschränken wir unsere Hoffnung also nicht auf diese kurzlebigen, vergänglichen Freuden und binden uns nicht an sie, denn sie können unseren Durst nach Unendlichkeit nicht löschen. Mangel an Reichtum, weltlichem Erfolg, Gesundheit oder Ehre, ja selbst die größten Leiden vermögen es nicht, uns der Fülle der Freude zu berauben, die die Gegenwart des wahren Gottes in unserem Herzen schenkt.
Auszug aus dem Buch «Freuet euch allezeit» Parvis-Verlag, Seiten 18-20
208 Seiten, 13x20 cm
Euro 12.– CHF 18.–
|
Copyright © 1999 - 2009 - Alle Rechte vorbehalten für Text und Fotos
PARVIS-VERLAG - MARIA HEUTE - CH-1648 HAUTEVILLE / SCHWEIZ. TEL.: 0041 (0)26 915 93 93 // FAX: 0041 (0)26 915 93 99 // E-MAIL buchhandlung@parvis.ch HOMEPAGE PARVIS // ZEITSCHRIFT MARIA HEUTE |