Ich glaube an Jesus Christus,
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Ist Jesus wirklich der, der er vorgibt zu sein: Gottes Sohn? Diese Aussage ist so wichtig, dass man versucht ist, noch ein wenig zu zögern. Man bräuchte noch mehr und noch stärkere Beweise. Wer es wagt, sich «Sohn Gottes» zu nennen, fordert in gewisser Weise von Gott, dass er für ihn Zeugnis ablegt. Wird Gott die Aufforderung Christi beantworten?
Christus bejaht diese Frage, wenn er sagt: «Die Werke, die ich im Namen meines Vaters vollbringe, legen Zeugnis für mich ab». Er spricht hier von seinen Wundern, die er als Beweis seines göttlichen Ursprungs erachtet und als Gottes Antwort auf die Aussage, dass er im vollen Sinn des Wortes Sein Sohn ist. Daher ist es angebracht, sich näher mit den Wundern Christi und ihren Charakteristika zu befassen.
Zuvor sei bemerkt, dass die Wunder den Zeitgenossen Jesu keinerlei Probleme bereiteten: Gott, der die Welt erschaffen hatte und deren unumschränkter Herrscher war, konnte sehr wohl in die Geschichte der Menschen eingreifen und den normalen Lauf der Naturgesetze, deren Urheber er war, modifizieren, wenn es dafür einen gerechten Anlass gab. Die Heilung eines Aussätzigen anzuerkennen, war für die damaligen Juden nicht schwieriger als die Erschaffung der Welt anzuerkennen.
Ein erster Punkt: Liest man die vier Evangelien – auch wenn man sie nur schnell überfliegt – zeigt sich, dass die Wunder einen so bedeutenden Platz einnehmen und so sehr zum Evangelium gehören, dass man sie entweder allesamt akzeptieren oder ablehnen muss.
Es ist nicht zu leugnen, dass die Wunder ein Teil der irdischen Geschichte Jesu sind, Später wurde Jesus in den Predigten der Apostel immer als derjenige erwähnt, der «Gutes tat und alle heilte» (Apg 2,22; 10,38). Ihren Zuhörern scheint das ganz vertraut zu sein und es erklärt auch die Begeisterung der Menschenscharen, die sich auf den Weg gemacht hatten, um Jesus zu begegnen.
Darüber hinaus betrifft ein sehr großer Teil der Evangelien die Wunder: bei Markus machen 31% des Textes Wunderberichte aus und davon befinden sich 47% in den ersten zehn Kapiteln. Die zwölf ersten Kapitel im Johannesevangelium bilden das «Buch der Zeichen» und bei Johannes haben alle Worte Jesu ein Wunder als Ausgangspunkt.
Beide gehören so sehr zusammen, dass es unmöglich ist, Predigt und Wunder Jesu von einander zu trennen. Würde man die Wunder entfernen, müsste man auch die Predigt wegnehmen. Insbesondere beim Evangelisten Johannes würde das Auslassen der Wunder dazu führen, dass die Unterweisungen des Herrn wegfallen würden. Predigt und Heiltätigkeit zeigen gemeinsam die Ankunft des Reiches Gottes.
Halten wir auch fest, dass in den Evangelien niemand die Tatsache bestreitet, dass Jesus Wunder gewirkt hat: weder Herodes, noch die Menschen aus dem Volk, noch seine Feinde. Letztere bestritten seine Autorität, indem sie einen dämonischen Ursprung dieser Zeichen suchten, denn sie fürchteten deren Konsequenzen..., aber dadurch bestätigten sie deren Existenz.
Ein zweiter Punkt: Wir wollen die besonderen Merkmale der Wunder Jesu untersuchen, um uns von ihrer Echtheit zu überzeugen.
1) Die Wunder werden in den vier Evangelien bezeugt. Bei Markus, der ohne Zweifel eine Quelle für Matthäus und Lukas ist, wird zwischen zwei Arten von Wundern unterschieden: Die erste, ziemlich stereotype Art, scheint von der Urgemeinde immer auf diese Weise wiederholt worden zu sein, während die zweite Art von Wundern den unmittelbareren Einfluss eines Augenzeugen aufweist, wie es z.B. beim hl. Petrus der Fall war, als seine Schwiegermutter geheilt wurde oder bei der Tochter des Jairus. Das ist eine Garantie für die Echtheit.
2) Während die Propheten Israels in der Zeit vor Christus Wunder immer im Namen Gottes wirkten, wirkt Christus sie in seinem eigenen Namen: «Ich will es – werde rein!» (Mk 1,41), «Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause!» (Mk 2,11), «Mädchen, ich sage dir, steh auf!» (Mk 5,41). Nach dem Tod Jesu wirken die Apostel Wunder, aber sie wirken sie in seinem Namen: «Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, geh umher!» (Apg 3,7). Daher kann man sagen, dass die Gegenwart Christi einen einzigartigen Moment in der Geschichte darstellt: Nur er wirkt Wunder in seinem eigenen Namen.
3) Die Wunder nehmen einen wichtigen Platz in der Sendung Jesu ein, da sie in enger Verbindung zum zentralen Thema seiner ganzen Predigttätigkeit stehen: Die Errichtung von Gottes Reich. Die Propheten hatten angekündigt (Jes 35; Jer 31; Ez 36), dass sich in der messianischen Zeit wieder die Wunder aus der Zeit des Exodus ereignen werden: Heilungen, Exorzismen. In der Synagoge von Nazareth erklärt Jesus, dass sich alle Zeichen des von Jesaja angekündigten messianischen Königreiches in ihm erfüllen (Lk 4,16-22). Die Jünger von Johannes, dem Täufer, die wissen wollen, wer er ist, erinnert er daran, dass die Zeichen der Ankunft des Reiches mit ihm Wirklichkeit geworden sind (Lk 7,18-23). Aus diesem Grund werden die Wunder Jesu immer von der Aufforderung begleitet, einerseits anzuerkennen, dass Gottes Reich kommt und andererseits an die Person zu glauben, durch die es kommt: deshalb fordert Jesus zum Glauben auf.
4) Betrachtet man aufmerksam, auf welche Weise die Evangelisten die Wunder Jesu berichten, so bemerkt man sowohl redaktionelle Freiheit als auch einhellige Bestätigung der Geschehnisse.
So interpretieren sie beispielsweise Ereignisse auf verschiedene Weise, aber die Geschehnisse als solche werden solide bezeugt. Bei der Brotvermehrung ist es Markus (6,32-44) ein Anliegen, Jesus als den guten Hirten
zu schildern, der mit seinen Schafen Erbarmen hat, während Johannes (6,1-15; 22-66) mit Nachdruck auf den eucharistischen Aspekt des Wunders verweist. Diese unterschiedlichen Interpretationen sind im Reichtum der Taten Jesu begründet.
Es gibt auch Gruppierungen verschiedener Wunder, je nach Sichtweise des jeweiligen Evangelisten. Alle diese redaktionellen Phänomene, die zu einer Verschiedenheit der Berichte führen, dürfen in katechetischen Schriften nicht überraschen: Das Entscheidende ist, in ihnen eine substantielle Übereinstimmung bezüglich der Fakten selbst zu finden.
5) Die Art der Wunder Jesu ist von großer Schlichtheit und offenkundiger Autorität gezeichnet.
– Bei den Wundern wird ein Eingreifen Jesu erforderlich, aber er wählt nicht unter den Krankheiten aus: es ist für ihn nicht wichtig, um welche Krankheit es sich handelt. Das Entscheidende ist, dass der Mensch wirklich krank ist, damit die Heilung genauso wirklich ist.
– Im Gegensatz zu heidnischen Berichten wirkt Jesus kein einziges Wunder, um zu bestrafen. Er verwehrt
sogar Jakobus und Johannes die Städte zu bestrafen, die sie schlecht aufgenommen haben.
– Er wirkt die Heilungen immer auf eine nüchterne Weise. Es gibt weder magische Formulierungen, noch hypnotische Phänomene oder Suggestion: Er ist direkt, gelassen, ohne nervöse Anspannung. Oft beschränkt sich das Wirken auf ein Wort, manchmal wird es von einer symbolischen Geste begleitet wie bei dem Taubstummen (Mk 7,31-37). Der Blinde von Bethsaida sieht nicht sofort, sondern erst allmählich: Die Tatsache, dass dieser Bericht überliefert wurde, spricht für die Echtheit dieses Wunders.
– Die Wunder geschehen in einem religiösen Kontext: Es geht um eine Begegnung mit Jesus und dem Reich Gottes, das durch seine Person kommt... Sie sind eine Einladung zur Bekehrung...
– Während der Jesus der apokryphen Evangelien oft ein kapriziöses und drolliges Kind ist, das «spielt» und dabei außergewöhnliche Dinge tut, weigert sich Jesus ein Wunder um des Wunders willen zu tun. Oft gebietet er Schweigen und wenn das Volk ihn rühmt, geht er weg.
6) Wir wissen auch, dass wir auf den historischen Wert eines Ereignisses aus dem Evangelium vertrauen können, wenn es ganz in seinen historischen und psychologischen Kontext eingebettet ist. Und genau das ist bei den Wundern Christi der Fall. Die Auferweckung des Lazarus, der bereits seit drei Tagen tot war, steht beispielsweise in völliger Übereinstimmung mit der Lehre Jesu, der als Sohn des Vaters die Macht hat, Tote zu erwecken (Joh 5,25.28). Außerdem illustriert sie drei bedeutende Ereignisse der letzten Tage im irdischen Leben Jesu: Seinen feierlichen Einzug in Jerusalem inmitten von Freudenrufen (Joh 12,12-19), den Beschluss der Obrigkeit, ihn zu töten (Joh 11,45-54) und die Salbung in Bethanien in Gegenwart von Lazarus, Martha und Maria (Joh 12,1-11). Diese Ereignisse sind untereinander stimmig und sie sind auch mit dem, was die drei synoptischen Evangelien berichten, stimmig.
7) Lässt man die historische Realität der Wunder Jesu zu, hat man auch eine klare und befriedigende Erklärung für eine Reihe wichtiger Tatsachen: für die allgemeine Begeisterung des Volkes, für die Tatsache, dass Jesus als großer Prophet, ja als der erwartete Prophet
betrachtet wird, für das
Bekenntnis des Petrus und den Glauben der Apostel, für die bedeutsame Tatsache der Wunderberichte, für die Absicht der Pharisäer, Jesus
zu töten, weil seine Wunder immer zahlreicher wurden, für die innere Verbindung zwischen den Wundern und der Lehre über das Kommen des Gottesreiches, für die anderen Zeichen Jesu (seine Heiligkeit, die Erhabenheit seiner Botschaft, seine Auferstehung, die Erfüllung der prophetischen Verheißungen, die Kirche, die sein Werk ist), für die innere Verbindung zwischen der Aussage Jesu, der Sohn des himmlischen Vaters zu sein, der Anteil hat an seiner Macht – und seinen Wundern, die seine Macht über Krankheit, Sünde und Tod deutlich zeigen. Ja, wenn die Wunder eine historische Realität sind, wird das alles klar!
Zusammenfassend gesehen haben wir starke Beweise dafür, dass sich Jesus Sohn Gottes nennen konnte. Seine Werke haben seine Worte
bekräftigt. Seine Wunder erscheinen als religiöse Wunder, die ein besonderes Eingreifen von Gottes Macht und Liebe in der Natur zum Ausdruck brachten und dadurch den Menschen ein klares Zeichen für die Ankunft Seines Heilswortes in der Welt gaben.
Die absolute Macht über die Naturkräfte, die wir bei Jesus sehen, konnte nur von Gott kommen. Gott überträgt jedoch keinem Betrüger oder Spinner seine Macht über die Natur. Wenn er sie einem Menschen übertragen hat, der sich Sohn Gottes nannte, so deshalb, weil dieser es wirklich war.
Philippe Barbier cpcr
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