Vor 75 Jahren ist Unsere Liebe Frau in Banneux erschienen

Die Jungfrau der Völker und Nationen

Von Bernard Balayn

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> Literatur von Bernard Balayn

Die Erscheinungen von Beauraing waren gerade erst zu Ende, als sich Maria in unmittelbarer geographischer Nähe von neuem zeigte und eine umfassende Botschaft übermittelte, in der sie erklärte, dass sie sich «an alle Nationen» richte. Dies ist nun genau 75 Jahre her. Ist diese Botschaft, die in den Schwierigkeiten der damaligen Zeit wurzelt, noch aktuell? Betrachten wir näher, wie es damit steht.

1933: Das Jubiläumsjahr der Erlösung

Es ist ein einmaliger Fall in der Geschichte der Erscheinungen, dass die Erscheinungen von Banneux unmittelbar auf die von Beauraing folgten, das ganz in der Nähe liegt. Die vorhergehenden Erscheinungen waren am 3. Januar 1933 in der Diözese Namur zu Ende gegangen, die neuen Erscheinungen begannen am 15. in der Diözese Lüttich.
Wir befinden uns in den wallonischen Ardennen auf einer Moorebene (die «Fagne»), die 25 km südöstlich der großen Fürstenstadt liegt. Es handelt sich um ein Dorf von 300 Einwohnern, das mehr ländlich als städtisch ist und in Wirklichkeit Banneux-Notre-Dame heißt. Diese Beifügung bekam der Dorfname im Jahr 1914 als Dank für den Schutz des Dorfes durch die Heilige Jungfrau.
Maria erwählte Belgien zweimal, weil es ein christliches, katholisches, neutrales, also friedliches Land ist. Dort kreuzen sich auch die Wege – und leider auch die Invasionen – zweier seit langem gegnerischen Nationen: Frankreich und Deutschland. Sie ist der neuralgische Punkt der großen modernen, europäischen Interessen. Die Beharrlichkeit Marias steht vor allem mit den unmittelbaren Sorgen der Bevölkerung in Zusammenhang, die durch die Wirtschaftskrise geprüft war, die aus Amerika gekommen war.
Die Heilige Jungfrau erschien nicht fünf Kindern, sondern einem einzigen, einem elfjährigen Mädchen namens Mariette Beco. Sie war die Älteste von sieben und bald elf Brüdern und Schwestern. Die Eltern waren arbeitsam und einfach und wohnten in einem normalen Haus am Rand einer Straße und eines Tannenwaldes. Sie waren nicht besonders eif­rige Katholiken: Das Kind hatte sogar aufgehört, in den Religionsunterricht von Pater Louis Jamin, dem «Kaplan» (dem Gemeindepfarrer) zu gehen.
Wir schreiben Mitte Januar 1933, im Jahr aller Gefahren, das Papst Pius XI. zum Jubiläumsjahr der Erlösung erklärt hatte. In dieser Zeit neigten Totalitarismus und Nationalismus nämlich dazu, alles zu überfluten und das Heil zu verdrängen, das allein von der Erlösung herkommen kann. Die «Gottlosen» (Bolschewiken) Russlands rissen die Kreuze nieder und schlossen die Kirchen, die Nazis gründeten ihre blindwütigen Ambitionen auf das Hakenkreuz...


Erscheinungen in Frieden

Im Gegensatz zum zerstörerischen europäischen Klima, dem zunehmenden Lärm der Stiefel, der kaum verhüllten Kriegsdrohungen übermittelt Unsere Liebe Frau keine strenge Botschaft mit Warnungen, sondern spricht mit ihren Kindern über die Sanftmut, den Frieden, das Vertrauen. Mitten im Tumult der Menschen zeigt sie sich als eine Mutter, die auf die geistlichen und wirtschaftlichen Bedürfnisse ihrer Kinder achtet.
Sie setzt also ihre Unterhaltungen von Beauraing fort und führt sie zu einer ganz reinen, ganz dichten und absolut notwendigen Zusammenfassung des Evangeliums.
Die Erscheinungen gingen von 33 (Beauraing) auf 8 (Banneux) zurück und fanden vom Sonntag, dem 15. Januar bis zum Donnerstag, dem 2. März (4 im Januar, 3 im Februar, 1 im März) vor dem Haus der Becos statt, dann auf der anderen Straßenseite gegenüber dem kleinen Wald. Die Heilige Jungfrau erschien oberhalb der Tannenspitzen, sie war zunächst klein und wurde in dem Maß, in dem sie näher kam, größer. Mit ihren Füßen stand sie auf einer Wolke nur wenig über der Erde, direkt vor dem Mädchen. Sie war ähnlich gekleidet wie in Lourdes, trug einen blauen Gürtel in der Taille und hatte eine gelbe Rose auf einem enthüllten bloßen Fuß. Sie hatte die Hände gefaltet und trug einen Rosenkranz am rechten Arm. Ihr Kopf war von einem Lichtkranz umgeben und sie lächelte. Ihre ganze Gestalt leuchtete. Ihre Schönheit und ihre Jugend sind unbeschreiblich. Sie erschien jedes Mal bei Einbruch der Nacht um 19.00 Uhr, und zwar eher unregelmäßig, mitten in der Kälte des Winters, die in dieser Gegend noch strenger ist.
Wenn die Heilige Jungfrau erscheint, hat Mariette – die «kleine Maria» – das unwiderstehliche Bedürfnis, zu ihr zu gehen. Sie kniet nieder, zieht ihren Rosenkranz (den sie eines Tages «zufällig» auf der Straße gefunden hat) aus der Tasche und betet ihn.
Insgesamt hat die Heilige Jungfrau wie in Beauraing, Lourdes oder in der Rue du Bac (Paris) recht wenig gesprochen. Sie hat sich wirklich «kleiner» gemacht denn je. Halten wir das Wesentliche fest:
Das Gespräch beginnt erst am 18. Januar, bei der zweiten Erscheinung. Maria führt das Kind die Straße entlang und zeigt – nach etwa hundert Metern – auf eine Quelle seitlich an einer Böschung und sagt: «Tauchen Sie Ihre Hände ins Wasser… Diese Quelle ist Mir vorbehalten.» Ihr Vater ist so beeindruckt, dass er gleich am nächsten Tag beichtet und zum Glauben zurückfindet.
Am folgenden Tag wird ihr auf Anregung ihrer Umgebung hin eine Facette der Identität der Dame mitgeteilt: «Ich bin die Jungfrau der Armen...» sowie der Sinn der Quelle: «Sie ist allen Nationen vorbehalten, um das Leiden der Kranken zu lindern.» Sie sagte ihr auch noch: «Ich werde für dich beten.»
Am 20. steht sie trotz eines Unwohlseins auf, um zu dem Treffen mit der Heiligen Jungfrau zu gehen. Nachdem sie wie immer auf Knien ihren Rosenkranz begonnen hat, sieht sie die Madonna wie gewohnt auf sie zukommen und fragt sie: «Was wünschen Sie, meine schöne Dame?» Die Heilige Jungfrau antwortet: «Eine kleine Kapelle!» Dann legt sie ihr die Hände auf und segnet sie. Mariette fällt zu Boden als wäre sie bewusstlos. Ein anwesender Arzt bringt sie nach Hause. Nachdem Abbé Jamin davon informiert worden war, rät er ihr, zu Hause zu bleiben. Doch das Kind protestiert: «Ich habe sie gesehen! Ich habe sie gehört!» Danach sieht sie sie bis zum 11. Februar nicht mehr, obwohl sie jeden Abend in der Kälte und dem Schnee auf sie wartet. Trotz des Wohlwollens der Dorfbewohner machen sich in der Zwischenzeit manche Kinder über sie lustig. Man versucht, ihr im Wald Angst zu machen… Sie begreift, warum die Heilige Jungfrau gesagt hat, dass sie für sie beten würde.
Unsere Liebe Frau kehrt am Samstag, dem 11. Februar, dem Jahrestag der ersten Erscheinung in Lourdes wieder. Sie führt das Kind wieder zur Quelle und sagt: «Ich lindere das Leiden.» Und dann, wie jedes Mal: «Auf Wiedersehen.» Mariette berichtet daraufhin alles ihrem Pfarrer und bittet ihn, die erste heilige Kommunion empfangen zu dürfen. Das tut sie auch überglücklich am nächsten Morgen.
Die 6. Erscheinung findet erst am Mittwoch, dem 15. statt. Als Antwort auf das Zeichen, um das der Seelsorger gebeten hat, sagt die Heilige Jungfrau: «Glauben Sie an mich, dann glaube ich an Sie.» Dann vertraut sie ihr ein Geheimnis an, das sie «niemandem erzählen darf, nicht einmal Papa und Mama.» Und sie fügt hinzu: «Beten Sie viel...»
Am Montag, dem 20. kommt die Heilige Jungfrau nach dem zweiten Rosenkranz, den das Kind aus ganzem Herzen gebetet hat, wieder. Sie sagt noch einmal lächelnd und mit Nachdruck: «Mein liebes Kind, beten Sie viel.» Dann hört sie auf zu lächeln und sagt nur noch: «Auf Wiedersehen.»
Von nun an kommuniziert und betet Mariette mit einer ganz neuen Inbrunst und wartet ungeduldig auf ihre himmlische Besucherin. Am Donnerstag Abend, dem 2. März regnet es in Strömen. Etwa in der Mitte des zweiten Rosenkranzes erscheint Maria zum achten Mal mitten in einem Himmel, der plötzlich so aufhellte, dass die Sterne sichtbar wurden. Sie offenbart endlich ihre vollständige und tiefste Identität: «Ich bin die Mutter des Erlösers, die Mutter Gottes.» Mit Ernst und einer gewissen Traurigkeit empfiehlt sie ihr inständig: «Beten Sie viel.» Dann sagt sie ihr: «Lebewohl!» Sie würde also nicht mehr wiederkehren. Bevor sie geht, legt sie Mariette die Hände auf und segnet sie. Als Mariette aufsteht, vermischen sich ihre Tränen mit dem Regen, der unverändert heftig wieder eingesetzt hat...


Der Sinn dieser Botschaft

Unter der Hülle der wenigen Worte der Dame verbirgt sich eine echte Glaubensunterweisung und wird ihre liebevolle Mutterschaft deutlich. So wird das goldene Herz veranschaulicht, das vor kurzem in Beauraing offenbart worden war. (Es ist offensichtlich wichtig, die beiden Erscheinungsreihen miteinander in Verbindung zu bringen.) Stellen wir die wesentlichen Themen heraus.
Als Erstes fällt auf, dass Maria das Leben der Gnade nicht von dem des Körpers trennt und uns daran erinnert, dass ihr Sohn Gott und Mensch ist. Denn obwohl er göttlicher Abstammung ist, hat er unsere schwierigen Lebensbedingungen kennen gelernt. Die Quelle bestätigt von neuem – über Lourdes hinaus – dass die einzige und wahre Lebensquelle in allen ihren Formen Christus ist. Maria ist nur ihr Kanal, wie der Pfarrer von Ars sagte. Jesus schenkt alles Leben: Das des Körpers, den er am Leben erhält, sowie das des Geistes durch die Sakramente seiner Kirche und die Kraft des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist hat Mariette eingegeben, ihr eucharistisches Leben zu beginnen, und Er hat ihren Vater bewegt, zur Reue und zur Umkehr zurückzukehren. «Tauchen Sie ihre Hände ins Wasser»: Maria lädt zu einem Schritt ein, der den Sünder dazu bringt, sich zu reinigen, indem er unablässig in das «Taufwasser» taucht.
«Diese Quelle ist mir vorbehalten»: Maria ist wirklich der «Lebensbrunnen», wie sie einst zu Juan Diego gesagt hatte, der alle ihre Kinder vertritt. Sie ist die Mittlerin der Gnaden, die Schatzmeisterin der göttlichen Verdienste der Erlösung, die Mutter der Kirche und der Gnade. Jesus überlässt ihr die Zweckmäßigkeit ihrer Fürbitte und die Verteilung Seiner Barmherzigkeit.
«Ich bin die Jungfrau der Armen.» Damit erinnert sie an die Geschichte des israelitischen Volkes, aus dem sie stammt, dem Volk der «anawim», die ihre Armut vor Gott und ihre tiefe Armseligkeit ohne Ihn kennen. Maria ist im besonderen Sinn verfügbar, weil sie gesagt hat: «Ich bin die Magd (= die Sklavin) des Herrn.» Ihr Sohn, der in der totalen Armut der Krippe geboren und in noch größerer Armut am Kreuz gestorben ist, Er der gesagt hat: «Der Menschensohn hat nicht einmal einen Stein, auf den er sein Haupt legen kann», ist der Prototyp der radikalen Armut. Er lehrt den Menschen, dass sein wahrer Reichtum Er ist, der «der Weg, die Wahrheit und das Leben» ist, und dass alles andere Strohfeuer ist. «Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei jedoch seine Seele verliert?» Maria erscheint einem kleinen Mädchen aus einer armen Familie. Denken wir an Bernadette! Die 30er Jahre erinnern konkret an die neue Armut, die aus der Wirtschaftskrise von 1929 entstanden ist, von der als erste die ärmsten Familien betroffen waren. Das war der Grund für diese acht Erscheinungen: die Bevölkerung dieses industriellen und wirtschaftlichen Zentrums Europas sollte beruhigt werden, die der Ungewissheit, der Arbeitslosigkeit und manchmal dem Elend ausgeliefert war. Über die sozialen Lösungen hinaus, die in den Bereich der Verantwortlichen der Nationen fallen, wiederholt die Heilige Jungfrau im Gefolge ihres Sohnes: «Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt.» Unsere Liebe Frau kommt, um uns an dieses Wort, an diese christliche Hoffnung zu erinnern.
Diese Quelle ist «für alle Nationen» da: Die 30er Jahre erleben auch das Aufkommen der Nationalisten, die dann im Blut des Zweiten Weltkrieges ertrunken sind. Sie stehen im Gegensatz zum Geist des Evangeliums: «Liebt einander...» Maria zeigt hier, dass sie die Mutter aller ist, dass sie den Auftrag hat, alle ihre Kinder zu vereinen. In Gott gibt es weder Rassen noch Gegensätze noch Ausgeschlossene («alle»), sondern nur Söhne, die durch ein einziges unschuldig vergossenes Blut erlöst wurden, durch das Blut des Erlösers. Der Begriff Nation spielt auf die Gemeinschaft der Menschen an, aber in der legitimen Vielfalt der historischen und unterschiedlichen Charaktere der Völker. Ihr Heil ist nicht im Reichtum oder politischen Versprechen, sondern einzig in Jesus.
«Ich lindere das Leiden der Kranken»: Zu den Nöten, die aus der Erbsünde entstehen, gehört die Anfälligkeit des Lebens, das der Krankheit und dem Tod ausgeliefert ist. Maria kann weder das eine noch das andere noch das Leiden verhindern, das allein dazu beiträgt, uns zu erlösen. Sie sagt: Ich «lindere». Sie mildert und erleichtert den Schmerz im Namen ihres Sohnes, der gesagt hat: «Kommt alle zu mir, die ihr leidet und schwere Lasten tragt, ich will euch Ruhe verschaffen. Denn meine Last ist leicht. Lernt von mir, der ich sanft und demütig von Herzen bin.» Die Leidenden weckten das große Mitleid Christi: «Man brachte die Kranken zu ihm und er heilte sie alle.» Er hat sogar Tote auferweckt. Maria erinnert sich an die Prüfung des heiligen Joseph und an seinen Heimgang. Maria kann zwar nicht alle heilen, doch in Banneux sind zahlreiche Heilungen bezeugt. Ihre Geste der Handauflegung bei Mariette bezeugt eine Wirklichkeit aus dem Evangelium: «Sie werden den Kranken die Hände auflegen und sie werden geheilt.» Pater E. Tardif, der einen Heilungsdienst ausübte, sagte folgendes: «Wenn man die Zeichen und Heilungen Christi aus dem Evangelium entfernen würde, blieben nur noch wenige Seiten übrig.» Heute ist die Welt voller Kranker, voller neuer Krankheiten, die vor dem Herrn des Lebens um Barmherzigkeit schreien. Ohne von den psychologischen, moralischen und geistlichen Krankheiten zu sprechen. Das Leiden der Kranken wird durch Seine Barmherzigkeit, durch die Nächstenliebe der Menschen, durch die Heiligung des Pflegepersonals und durch das Gebet der Angehörigen und der Gläubigen gelindert. Sie stehen im Zentrum der Miterlösung und sind in den Augen des Herrn sehr wertvoll.
All das führt uns zum zweiten Merkmal von Banneux: Eine zutiefst menschliche Botschaft, die im Evangelium verankert ist: Das Lächeln und die Zärtlichkeit der Heiligen Jungfrau, ihr Erbarmen mit den Armen und Kranken der Völker, alles erinnert uns an das Evangelium der Seligpreisungen: «Selig die Armen, selig die Leidenden, selig die Sanftmütigen und Friedfertigen... denn ihnen gehört das Himmelreich.» Deshalb sind diese Erscheinungen so friedvoll und tröstlich. Und durch die Quelle und den Aufruf zum Gebet ist alles auf Christus ausgerichtet.
Die dritte Lehre erhebt sich in den Bereich des Göttlichen: Maria bittet um die Kapelle, um das Gebet (das Opfer ist in der Aufopferung der Krankheit eingeschlossen), um den Glauben.
Die «kleine Kapelle» erinnert uns daran, dass wir ein eucharistisches Leben führen müssen, wenn wir aus Jesus leben und in Ihm Erleichterung und den wahren Reichtum finden wollen. Die Kapelle ist eine feste Größe bei allen Erscheinungen.
«Beten Sie viel»: Die Leute damals wussten noch nicht, welch grauenhafte Ereignisse sie in Kürze erwarteten, den schrecklichen Konflikt zwischen 1939-1945. Denn man muss an die Notwendigkeit des Dialogs in Gott erinnern, vom Dank und Lobpreis bis hin zur Bitte. Es gibt keine Erscheinung, in der Maria nicht zum ständigen und glühenden Gebet aufruft. Der Rosenkranz an ihrem Arm ist das Zeichen dafür.
Der Glaube schließlich ist auf allen drei Ebenen entscheidend.
Maria sagt zunächst: «Glaubt an mich». Das ist ein Aufruf zum Vertrauen, ein Aufruf dazu, sich ihrer Mutterschaft, ihrem Unbefleckten Herzen anzuvertrauen. Das ist das erste – menschliche – Stadium des Glaubens an Gott, der göttlich ist: die göttliche Tugend des Glaubens.
Daraufhin sagt sie: «Ich bin die Mutter des Erlösers...» und bestätigt so von neuem ihre Mutterschaft der Erlösung. Wir sind alle in Christus erlöst. Das gilt als erstes für sie, die durch die Vorwegnahme der Erlösung durch ihren Sohn begnadet wurde. Wir müssen daran glauben, um gerettet zu werden, wir müssen an die Hauptgehilfin der Erlösung glauben, die Sie ist. Unsere Stammeltern haben alles verloren. Der neue Adam und die neue Eva haben gemeinsam alles gerettet.
Und schließlich sagt sie: «... Ich bin die Mutter Gottes.» Dabei bestärkt sie neu das Dogma ihrer immerwährenden Jungfräulichkeit (Ich bin die Jungfrau der Armen!), sie bestätigt ihre göttliche Mutterschaft, sie ist die Theotokos des Konzils von Ephesus. Die Transzendenz, die höchste Würde der Unbefleckten werden ebenfalls in Erinnerung gerufen. Das ist der Höhepunkt der Marienerscheinungen von Banneux.
Die Erscheinungen wurden vom Ortsbischof Msgr. L. J. Kerkhofs am 22. August 1949 anerkannt, im selben Jahr wie Beauraing. Die Wallfahrt hat nicht erst dieses Datum abgewartet, um zu einer festen Einrichtung zu werden. Außer der ursprünglichen Kapelle (1933) werden die Pilger von einem ganzen Gebäudekomplex empfangen, in dem es besondere Einrichtungen für die Kranken gibt. Der Heilige Vater Johannes Paul II. hat am 21. Mai 1985 – drei Tage nach seinem Besuch in Beauraing – in Banneux-Notre-Dame gebetet. 1 Er hat sich auch über die Quelle gebeugt und folgendes gesagt (Lassen wir ihm das letzte Wort!): «Die Armen von heute sind in Banneux zu Hause. Sie schöpfen hier Trost, Mut, Hoffnung und die Vereinigung mit Gott in ihren Prüfungen. Beten wir zu Maria, die immer und überall in der Kirche das Angesicht der Barmherzigkeit Gottes widerspiegelt. Wir möchten uns hier geistlich erneuern, indem wir den Sinn der messianischen Wahrheit neu entdecken, die in den Seligpreisungen Christi enthalten ist.»

Bernard Balayn

Anmerkungen:
1. Mariette Beco hat geheiratet und mehrere Kinder gehabt. Sie lebt noch und ist 87 Jahre alt. Sie wohnt zurückgezogen und still in der Nähe von Banneux. Johannes Paul II. konnte 1985 in der Sakristei des Wallfahrtsortes mit ihr zusammentreffen.

> Literatur von Bernard Balayn

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