Gespräch mit Mirella Pizzioli

Das Fegfeuer: Eine so schöne Erfindung Gottes!

Von Christian Parmantier

=> MARIA HEUTE 441 INHALT

> Literatur von Mirella Pizzioli

Gott hat Mirella Pizzioli ein Charisma geschenkt, durch das sie insbesondere Verstorbene hören und sehen kann, wenn Angehörige von ihnen Mirella besuchen. Um die Wirklichkeit des Fegfeuers besser zu verstehen, haben wir sie über ihre Erfahrungen mit diesen Seelen befragt.

Mirella, wissen die Geschöpfe, die hierher kommen und reden, «wo» sie sind und von welchem «Ort» sie sprechen?
Ja, sie sind im Fegeuer oder im Paradies, das auch ein «Ort» ist: aber sie sind auch hier, ganz nah bei uns.
Das Paradies ist ein Zustand der Seele. Wenn wir glücklich sind, sagen wir: «Ich fühle mich wie im Paradies». Dieses Gefühl, das wir als vorübergehenden Zustand empfinden, ist für sie ein dauerhafter Zustand.
Und dann gibt es jene, die im Fegeuer sind und ich glaube – wenn der Herr mir diesen Ausdruck gestattet –, dass das Fegeuer die schönste Erfindung Gottes ist. Es ist der größte Akt der Barmherzigkeit für uns Menschen, weil Er Erbarmen hat mit uns, die wir unseren Weg auf der Erde gehen.
Das Geschöpf sagt: «Ich bin dein, du bist Gott und es ist fast deine Pflicht, mit mir Erbarmen zu haben. Aber gib mir auch noch nach dem
irdischen Leben eine Möglichkeit. Du erweist mir eine solche Liebe, dass ich mich vor dir niederknie und nicht weiß, wie ich meine Verfehlungen beweinen kann.» Es ist das «Maximum» der Liebe Gottes. Die Geschöpfe, die im Fegfeuer sind, leben in diesem Zustand der Reue und Dankbarkeit. Sie kommen hierher, an die Tür und bitten um unser Gebet. Ich sehe sie sehr oft.

Mirella, haben Sie das Fegfeuer gesehen?
Nein, ich war nie dort, ich habe nur die Geschöpfe gesehen, die im Fegfeuer sind. Ich kannte sie durch die Menschen, die zu mir kommen und mir erzählen und erklären, was sie dort erleben. Sie sind verzweifelt.

Wo ist das Fegfeuer?
Ich weiß nicht... Ich glaube, dass das Fegfeuer nicht so sehr ein Ort, sondern eher ein Zustand, eine Situation ist, was nicht ausschließt, dass es auch einen Ort hat. Der Herr lässt mich Seelen sehen und auch wenn ich sie nicht sehe, fühle ich sie. Sie haben aber nicht die Erlaubnis zu reden. Manchmal sehe ich sie, aber sie dürfen um nichts bitten. Es ist, als gäbe es verschiedene Zustände. Ich weiß nicht, ob es «Etagen» sind wie in einem Haus. Ich glaube, es ist eher eine Frage des Zustandes. Ich spüre die Intensität und ich glaube, dass diese unterschiedlichen Grade der Intensität des Leidens entspricht. Je nachdem in welchem Zustand der Läuterung sich die Seelen befinden, können sie sich nicht zeigen, können sie nicht sagen, was sich ereignet, können sie das, was um sie herum geschieht, nicht hören.
Und dann wissen sie, dass sie bald verstehen, bald schauen werden und sie haben diese unendliche Sehnsucht, dorthin aufzubrechen – vor allem kurz vor dem Weihnachts- oder Osterfest. Sie sagen oft, dass eine Glocke läutet und sie ins Himmelreich eintreten.

Wird man im Fegfeuer begleitet?
Ich habe sehr oft eine Seele im Fegfeuer gesehen und diese Person vernahm die Stimme einer befreundeten Person (im Himmel), die ihr Mut macht und ihr sagt: «Schon bald wirst du in der Schau sein, bald ist das Fegfeuer für dich zu Ende», so als wollten sie diese Geschöpfe trösten.

Worin besteht die Läuterung im Fegfeuer?
Diese Seelen sprechen auch von Flammen, von Hitze, die einen verbrennen. Es ist das Leid, der Schmerz über das eigene Verhalten, die Erkenntnis des Bösen, das man getan hat und der Wille, Gott zu lieben, die einen innerlich verbrennen. Ich habe Personen in den Flammen gesehen, so wie man es auf Bildern sieht. Diese Flammen sind nichts anderes als die Liebe, die so stark ist, dass sie einen innerlich verbrennt. Es ist schwer zu erklären.

Ist es eine unmögliche Liebe?
Das Beispiel, das sie mir oft geben, ist das Beispiel einer sehr starken, sehr großen Liebe, die deine Seele ergreift. Du glaubst, diese Liebe in dir zu haben, diese Leidenschaft für eine Person, aber diese Person lebt in einem anderen Land, daher leidest du furchtbar, denn du möchtest sie sehen, du möchtet bei ihr bleiben und zugleich kannst du es nicht, weil sie nicht da ist. Aber zugleich weißt du, dass du sie später sehen wirst. Du leidest also sehr, weil sie dir fehlt und zugleich freust du dich sehr, weil du weißt, dass sie lebt. Das ist das Beispiel, dass sie mir geben.

Sie haben keinen Leib mehr, leidet daher die Seele?
Die Seele leidet mehr als alles andere. Ein Leib könnte niemals so leiden wie die Seele. Das Leiden des Fegfeuers lässt sich mit überhaupt keinem Leiden auf der Erde vergleichen, so groß es auch sein mag. Der Zustand der Zerknirschung und Reue ist so intensiv, dass man ihn auf der Erde nicht leben könnte, es ist einfach nicht möglich.

Was sind die größten Leiden?
Man kann die Leiden nicht in eine Reihenfolge bringen, sondern sie hängen von den einzelnen Personen ab. Viele sagen mir, dass sie Gott nicht anerkannt hatten, dass sie nicht taten, was er ihnen aufgetragen hatte, dass sie nicht geliebt hatten. Je nach Person ist es Hochmut, Arroganz, Egoismus. Andere haben mir gesagt, dass es Eitelkeit war. Die Sünde, die jemand intensiver begangen hat als ein anderer, sticht besonders hervor.

In Band 1 Ihres Buches berichten Sie von einem Mann, der in seiner Pfarrkirche kniet.
Dieser Mann hatte seine Kinder nicht gelehrt, Gott zu lieben. Und als ich in die Kirche kam, habe ich ihn gesehen, wie er in der Nähe des Altars kniete und ich kann Ihnen genau sagen, wo und wie er war; alles.
Ich vergesse nichts, wenn man mich an ein Geschehnis erinnert. Er kniete rechts neben dem Altar und er sagte mir, dass er im Fegfeuer sei und dort bleiben und auf den Knien beten würde, bis sich auch sein letztes Kind bekehrt haben würde. Er hatte es versäumt, seinen Kindern die Liebe des Herrn nahezubringen.

In welcher Verfassung geht die Seele ins Fegfeuer?
Nun, sie geht mit Freude dorthin. Ich würde dorthin gehen wollen, denn ich habe die Realität vor Augen; sie ist wie ein Spiegel, in dem ich sehe, was ich bin und sie schenkt mir unmittelbare Erkenntnis im strengen Sinn des Wortes. Du hast keinen Zweifel mehr und du fühlst dich wie ein Wurm, du bist von Scham und Verwirrung erfüllt. Um uns das verständlich zu machen, sagen manche Seelen, dass sie vor Gott erröten, während er dich anlächelt und dir die Hand reicht. Gottes Erbarmen berührt die Menschen am meisten. Denn wenn Jesus käme und dich auffordern würde, Platz zu nehmen, würdest du doch eine Reaktion zeigen, oder? Wenn du aber weißt, dass du gesündigt hast, dass du der bist, der du bist, dass du dich selbst nicht belügen kannst – und dann siehst du, dass Er sich deiner erbarmt, dann zerschmilzt deine Seele und du bist bereit, alles zu tun.

Welches Gefühl hat die Seele im Fegfeuer?
Es ist ein Gefühl tiefer Liebe und unermesslicher Sehnsucht nach Gott; ein Gefühl, anderen helfen zu wollen, anderen sagen zu wollen: «Gebt acht, macht so etwas nicht» (zu denen, die die Gabe haben, sie zu sehen und zu hören – aber auch zu anderen).

Wie verbringt man seine «Zeit» im Fegfeuer, was macht man dort?
(Mirella lacht) Es gibt keine Zeit mehr! Sie langweilen sich also, sie müssen an so vieles denken. Dort gibt es keine Uhren mehr. Es ist eine Frage des Seins. Und sie sind... wie ein Kuchen im Ofen: sie gehen geistlich auf, sie läutern sich, sie werden weißer. Sie werden heilig, denn alle Geschöpfe, die vom Himmel kommen, sagen, dass sie in den Augen des Herrn heilig sind. Sie sind also dabei, sich zu läutern; sie wachsen im Geist, in der Erkenntnis und auch in der Meditation.

Und was können sie tun?
Sie können nicht für sich selbst beten und deshalb kommen sie nackt und bitten um unsere Gebete. Aber sie beten für die anderen. Sie beten flehentlich.
Wenn ich eine sehr große Gnade erbitte, bitte ich die Seelen im Fegfeuer um ihre Hilfe. Und ich glaube, dass der Herr angesichts einer so zerknirschten Seele, die sich in einem solchen Zustand des Leidens befindet und Seine Barmherzigkeit für ein anderes Geschöpf erfleht, niemals nein sagen kann. Und für die Seelen ist es eine große Freude, den Menschen auf der Erde zu helfen. Beten wir unsererseits für sie: «Herr, vergib die Sünden dieses Menschen, vergib, er wusste es nicht besser oder er hat es nicht verstanden».

Können die Seelen im Fegfeuer Gott schauen?
Selbst wenn sie Gott nicht sehen, bedeutet das nicht, dass sie ihn nicht hören, dass sie nichts erkennen. Sie sehnen sich nach dem Augenblick, wo sie ihn schauen dürfen und dieses krampfhafte Warten bereitet ihnen Leiden, denn diese Seelen wollen aufbrechen, aufbrechen, aufbrechen, obwohl sie zugleich noch nicht dazu bereit sind.

Sehen sie sich gegenseitig?
Manche Seelen sehen sich gegenseitig, andere sagen, dass sie einander nicht sehen. Wieder andere sind wie isoliert. Manchmal können sie sich gegenseitig hören.

Gibt es zwischen ihnen Beziehungen? Zum Beispiel zwischen Familienangehörigen?
Ich weiß es nicht. Ich habe nicht die geringste Vorstellung darüber.

Und was wissen sie von uns?
Ich denke, dass sie manchmal etwas von uns wissen und manchmal nicht. Das hängt von dem Zustand ab, in dem sie sich befinden. Wenn der Herr ihnen erlaubt, die Geschehnisse in der Welt zu verfolgen, so wurde mir das nicht enthüllt. Vielleicht enthüllt es der Herr anderen Menschen, um sein Werk zu vervollständigen. Jedem enthüllt er einen kleinen Teil.

Wie können wir den Seelen im Fegfeuer am besten helfen?
Vor allem mit heiligen Messen und indem wir die Kommunion für sie empfangen.
Es gibt nichts Größeres als das Opfer Jesu. Das ist der Höhepunkt. Keine menschliche Geste kann das übertreffen. Und dann auch die Werke der Nächstenliebe, der Barmherzigkeit, und die Gebete, die wir für dieses Geschöpf verrichten.

Genügt eine Messe, um eine Seele zu befreien?
Manchmal ja, manchmal braucht es aber mehrere...

Und die Opfer?
Alles, was wir aus Liebe tun, ist gut, aber das Beste, was wir für diese Seelen tun können, ist die Mitfeier einer hl. Messe für sie, aber auch: für sie zu kommunizieren.
Im Evangelium sagt Jesus: «Man wird euch mit dem Maß messen, mit dem auch ihr gemessen habt».
Mir wurde gesagt, dass der Herr gewissen Seelen bisweilen nicht gestattet, von der hl. Messe zu «profitieren», weil sie die Messe während ihres Lebens verachtet haben: «Schau, was du verworfen hast. Das, um was du jetzt inständig flehst, lasse ich dir nicht zuteil werden, um es dich besser verstehen zu lassen». So könnte man es in unsere irdische Sprache übersetzen. Auf diese Weise sollen jene Geschöpfe verstehen, was sie abgelehnt haben. Denn die Beziehung zu Gott und das Gespräch mit ihm ist für jeden Menschen einzigartig. Gott spricht mit jedem persönlich.

Und wenn eine Messe für mehrere Seelen gefeiert wird, ist dann die Gnade weniger als wenn sie nur für eine einzige gefeiert wird?
Ich glaube nicht. Denn das Kreuzesopfer ist universell. Wir sagen «heilige Messen», aber das ist nicht richtig, eigentlich müßte man sagen: «die heilige Messe», weil es nur eine einzige gibt. Jeder empfängt die Gesamtheit der Gabe, die Gott ihm schenken will.

Gibt es einen bestimmten Tag, an dem die Seelen des Fegefeuers in besonders großer Zahl befreit werden?
Sie sagen, dass es besonders in der Weihnachts- und Osterzeit ist: «Wenn die Glocken in der Weihnachtsnacht läuten, werde ich ins Himmelreich eingehen». Sie sagen es ihren Familien. Sie bezeugen es und manchmal geben sie Zeichen: Menschen hören Melodien, andere riechen einen Duft und sie verstehen, dass ihre Verwandten in den Himmel kommen.
Ich glaube aber, dass sie das nicht nur für ihre Verwandten sagen, sondern auch für uns, damit wir verstehen, was diese Daten bedeuten, denn das einzige Ziel, das der Himmel mit diesen Offenbarungen verfolgt, ist unsere Bekehrung. Das ist, was in Gottes Augen zählt. Daher dient all das der Bekehrung derer, die die Botschaften empfangen. Es würde nichts nutzen, wenn es nicht etwas für unsere Bekehrung wäre. Es gilt uns! Ihnen geht es gut, auch ohne uns. Wir sind es, die nicht ohne sie bleiben sollen.

Können die Geschöpfe des Himmels ins Fegfeuer gehen?
Ich weiß es nicht. Manchmal habe ich einen Raum gesehen, aber es war kein Raum, denn es gab keine Wände... Stellen Sie sich einen Raum im Dunklen vor, wo man kaum etwas erkennen kann. Und dann entfernen Sie die Wände und die ganze Dunkelheit bleibt. Die Geschöpfe, die ich sehe, knien, ihr Gesicht ist zur Wand gewendet (aber ist dort keine Wand) und manchmal hatte ich dann das Empfinden, leuchtende Gesichter zu sehen. Und ich habe verstanden, dass diese Seele, die kommt, eine Mutter ist, die ihren Sohn tröstet.

Und geht die Muttergottes ins Fegfeuer?
Das ist mir nie gesagt worden.

Ist es möglich, das Fegfeuer zu vermeiden? Was müssen wir dafür tun?
Ein Leben der Heiligkeit führen, so weit es uns möglich ist, denn wie man auch bei den Heiligen sieht, haben sie ebenfalls Verfehlungen begangen. Wird eine Verfehlung freiwillig begangen, wird sie zu einer Sünde. Wenn ich aber Böses tue, ohne es zu wollen, ist das anders.

Und für alles Böse muss Wiedergutmachung geleistet werden?
Ich denke ja. Ziel ist es, dass der Mensch wirklich bereut, was er Böses getan hat. Ich glaube, dass der Herr jedem eine letzte Möglichkeit gibt, um sich für den Glauben oder den Unglauben zu entscheiden. So viele Verstorbene, die mir Botschaften aus dem Jenseits schicken, haben mir erzählt, dass sie im letzten Augenblick ihres Lebens die Möglichkeit hatten, um Verzeihung zu bitten und Erkenntnis erlangten. Manchmal zeigt sich Jesus oder Maria am Bett des Sterbenden, oder die Engel, oder ein Papa oder eine Mama. Allen wird die Möglichkeit gegeben, um Verzeihung zu bitten...

Was bedeutet das Gebet für eine Seele im Fegfeuer?
Es ist wie Leben, wie ein erquickendes Getränk.

Was wissen die Seelen über das, was auf der Erde geschieht? Was wissen sie zum Beispiel von ihren Angehörigen?
Ja, ich glaube, manche wissen etwas, denn ich sehe, dass sie an familiären Fragen Anteil nehmen; andere haben nicht einmal die Erlaubnis «zu reden». Es ist je nach Seele unterschiedlich.

Erhalten Sie persönliche Bitten von Seelen im Fegfeuer?
Ja, sie bitten um Gebete, Mitleid, Barmherzigkeit und sie sehen verzweifelt aus. Mich persönlich haben sie noch nie um besondere Opfer gebeten. Sie bitten mich, die Eucharistie für sie zu empfangen. Ich spüre Stimmen hinter mir, die mich fragen: «Mirella, würdest du den Leib Christi für mich empfangen?» Ich tue es, ohne zu wissen, wer mich darum bittet.

Literatur:
«Weit offen steht der Himmel» Band 1, 176 Seiten, 13x20 cm, Euro 12.– CHF 18.–
«Weit offen steht der Himmel» Band 2, 144 Seiten, 13x20 cm, Euro 12.– CHF 18.–
«Jesus, das Licht der Welt» 320 Seiten, 13x20 cm, Euro 15.– CHF 23.–

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