Bruder EliaKarwoche 2007
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Jedes Jahr nimmt Bruder Elia während der Fastenzeit und insbesondere in der Karwoche an der Passion des Herrn teil. Hier geben wir einige Auszüge aus den Notizen wieder, die Fiorella Turolli, seine Biografin und Assistentin, 2007 aufgezeichnet hat.
Am Telefon sagte mir Bruder Elia, dass er am selben Morgen gegen 7.30 Uhr übel zugerichtet worden war und nun ganz in Blut bade. Er hatte die ganze Nacht über nicht geschlafen und beschloss daraufhin aufzustehen und die Hühner zu füttern. Doch da wurde er von einer wild gewordenen Furie angegriffen, die ihn mehrmals ins Gesicht und am ganzen Leib schlug, so dass er ohnmächtig am Boden liegen blieb. Schwester Dominica eilte ihm zu Hilfe und wischte so gut sie konnte das Blut auf, das reichlich aus seinem Mund und seiner Nase floss. Sie half ihm, wieder aufzustehen und begleitete ihn in sein Zimmer zurück.
Dieses Jahr haben die heftigen Schläge am 20. Februar begonnen. Das war der letzte Tag des Karnevals und sein Geburtstag. Bruder Elia begann an diesem Tag, «sich unwohl zu fühlen». Von diesem Tag an fastete er vollständig und nahm nur Wasser, Tee und Gemüsebrühe zu sich.
Die Brüder hörten einen Schrei, der aus Bruder Elias Zimmer kam. Bruder Serge lief schnell hin, daraufhin verschwand der Feind.
Bruder Elia sah mitgenommen aus und seine Augen glänzten vom Fieber. Er war sehr unruhig. Er arbeitete wie besessen, um nicht an das zu denken, was ihn erwartete... Gegen 18.00 Uhr stieg das Fieber an. Da er nicht mehr stehen konnte, begleitete ich ihn in sein Zimmer. Er legte sich auf das Bett und schloss die Augen. Das Thermometer zeigte 41,5°C an. Plötzlich quoll schwarzes Blut aus beiden Nasenlöchern. Er war sehr schwach. Wir rieten ihm, liegen zu bleiben, doch er antwortete nicht. Die Atmosphäre hatte sich verwandelt, ein intensiver Lilienduft erfüllte das Zimmer, und wir hörten ganz leise Geräusche und ein sanftes Rauschen. Nach ein paar Minuten hob Bruder Elia, mit einem kaum wahrnehmbaren Lächeln, die Arme, als würde eine unsichtbare Person ihm helfen aufzustehen und ihn am Arm ziehen. Und in der Tat stand er ganz leicht auf. Er wurde gedreht und unterstützt, um sich auf den Bettrand setzen zu können. Dann begann sein Kopf sich zu drehen: nach unten, nach oben, nach rechts, nach links, wie wenn jemand eine Gymnastikübung mit ihm machen würde. Er lächelte. Dann sprang Bruder Elia mit einem Satz auf und war wieder bei Kräften. Er ging ins Bad, um sich die Blutspuren vom Gesicht zu waschen. Weil er Angst hatte, ging er zu seinen Eltern in den Fernsehraum und streckte sich auf dem Sofa neben ihnen aus. Doch da musste er plötzlich stark husten und ein Blutstrom rann aus seinem Mund. Er fing ihn mit einem Taschentuch auf und ging hinaus. Wir hörten ihn im Nebenraum stark husten, wussten aber nicht, was wir tun sollten. Es war Zeit fürs Abendessen. Schweigend gingen wir in den Speisesaal. Einige Minuten später kam auch Bruder Elia und setzte sich in die Nähe seiner Mama. Es gelang ihm, mit ihr zu scherzen, doch nur kurze Zeit: Das Blut begann wieder, aus der Nase zu fließen. Elia musste sich mit einem Taschentuch auf dem Gesicht zurückziehen.
Bruder Elia nahm an den Laudes und unserem Frühstück teil. Er trank eine Tasse Tee. Es war der Tag der Betrachtung und der Vorbereitung auf das «Geheimnis», das ihn erwartete, und auch wir mussten uns vorbereiten. Jeder ging dann an seine Arbeit...
Um 19.30 Uhr, genau am selben Ort und zur selben Zeit wie letztes Jahr und in Gegenwart derselben Personen ... begann Bruder Elias Passion: Aus dem Kopf quoll Blut, er verlor das Bewusstsein, und bald bildeten sich kleine vertikal verlaufende Verletzungen um die Stirn herum.
Während Dr. Marcelletti und Schwester Domenica ihn in die Küche begleitet hatten und ihn stützten, bemühten wir uns schweigend, das Abendessen zu beenden.
Bevor sich Bruder Elia in sein Zimmer zurückzog, kam er voller Prellungen und blutüberströmt in den Speisesaal, um uns zu begrüßen. Bewegt und erstaunt über diesen unerwarteten Besuch blieben wir stocksteif an unserem Platz sitzen und waren nicht einmal fähig, auf seinen Gruß zu antworten. Wie konnten wir ihm eine gute Nacht wünschen...?
Nach den Laudes und dem Frühstück öffneten wir die Tür von Bruder Elias Zimmer. Ein intensiver Rosenduft kam uns entgegen. Sein Gesicht war entstellt und von Blutspuren bedeckt. Seine Augen glänzten im Fieber. Auf den verbundenen Handgelenken und Armen zeichnete sich die Form seiner Wunden ab und genauso auf seinem weißen Unterhemd, das ganz von Serum getränkt war. Wir wechselten das Handtuch unter seinem Kopf und er klagte. Er war bei Bewusstsein und sagte, dass er eine schreckliche Nacht verbracht habe...
Nach 9.00 Uhr gingen Priester zu Bruder Elia hinauf, um ihn zu besuchen und wenn möglich ein paar Minuten mit ihm zu sprechen. Keinerlei Neugier, nur Friede, Gebet und Stille.
Ich betrat Bruder Elias Zimmer, sein Gesicht war eine einzige Maske aus Blut. Die Augen waren blau geschwollen; ein Auge war völlig geschlossen, wie wenn er einen Fausthieb bekommen hätte. Der Mund war geschwollen und an einem Mundwinkel eingerissen. Seine Zähne waren voller Blut. Am linken Ohrläppchen war eine Wunde wie ein tiefes Loch zu sehen, aus dem dunkles Blut strömte.
Ich hob die Decken und sah überall Blut: Bruder Elia lag auf einem Laken, das völlig von seinem Schweiß befleckt war. Dasselbe galt für die Binden an den Füßen und für das Laken, das ihn bedeckte und das wie ein Löschpapier das Serum aus dem Unterhemd und aus den Wunden aufgesaugt hatte.
Wir wollten das durchnässte Laken gern durch ein trockenes Laken ersetzen, doch Bruder Elia wollte nicht, dass man ihn berührte, so blieb er drei Tage lang in diesem duftenden See liegen. Ich machte Fotos.
Pater Oronzo Saponaro, der Pfarrer von Trevi, der seit 15 Jahren sein Seelenführer ist, kam gegen 10.00 Uhr an. Wir ließen sie eine Zeit lang allein, dann rief uns Pater Oronzo, damit wir gemeinsam beteten. Er betete bei geöffneter Tür im Zimmer mit Bruder Elia, und wir draußen.
Bruder Elia empfing die heilige Eucharistie, er war erschöpft... Die Stunde nahte.
Wir ließen ihn allein und gingen zum Kreuzweg in die Kapelle hinunter.
Jeden Tag untersuchte Dr. Marcelletti ihn drei Mal...
Kurz von 15.00 Uhr ging sein unerträglicher Todeskampf zu Ende.
Bruder Elia murmelte. Sein geschwollenes Gesicht brachte ein unsagbares Leiden zum Ausdruck. Die halboffenen Augen waren glasig, sie sahen nichts. Seine rechte Hand ließ langsam die Perlen des großen Holzrosenkranzes durch die Finger gleiten, den er die ganzen drei Tage hindurch nicht losgelassen hat. Er blutete nicht mehr... Gegen 15.00 Uhr war alles zu Ende.
In der Tat hörte ich Schritte auf der Treppe. Ich öffnete die Tür uns sah Bruder Elia herunterkommen. Er war vollkommen «geheilt». Er machte mir ein Zeichen mit ihm hochzukommen, um die letzten Fotos zu machen, denn die Spuren der Passion gingen sehr schnell zurück...
Fiorella Turolli, Auszüge aus Angeli e Arcangeli, Nr. X, S. 5-7
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