P. François Zannini

Das Gebet und seine biblischen Quellen

Im Alten Bund

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Gott hat den Menschen erschaffen, damit er Ihn anbetet, Ihn liebt und Ihm dient. Die Anbetung, die der Mensch Gott entgegenbringt, kleidet sich in ein Gebet. Sie ist das erste Gebet, das Gott in seiner Schöpfung, die sich zu Ihm erhebt und Ihn als ihren Gott, ihren Schöpfer und ihren Vater anerkennt, liebt.

Im Alten Bund wird das Gebet zwischen dem Fall und der Wiederaufrichtung des Menschen, zwischen dem schmerzlichen Ruf Gottes an seine ersten Kinder «Wo bist du? Was hast du getan?» (Gen 3,9f) und der Antwort des eingeborenen Sohnes bei seinem Eintritt in die Welt: «Ja, ich komme, um deinen Willen, Gott, zu tun» (Heb 10,5-7), offenbar.
Im Alten Testament ist das Gebet der Weg des Menschen mit seinem Gott; er macht sich auf den Weg, um Gott zu gehorchen und ihm zu dienen.
Abel opferte dem Herrn die Erstgeborenen seiner Herde und seine Gabe fand Gnade vor Gott. Henoch, der Sohn Seths, war der erste, der Gottes Namen anrief.
Noah fand Gnade in den Augen Gottes, und seine Familie wie auch die ganze Schöpfung wurde gesegnet, weil sein Herz rechtschaffen war. Auch er ging seinen Weg mit Gott (vgl. Gen 6,9).
Abraham, der Vater der Glaubenden, zeigt uns noch deutlicher die Bedeutung des Gebetes im Alten Testament. In ihm entdecken wir einen Menschen, dessen Herz sich Gottes Wort vollständig unterwirft, der dem Herrn gehorcht und der sein Land verlässt, um Gottes Ruf zu folgen. Sein Gebet drückt sich in Taten aus. Bei jeder Etappe baut er einen Altar für den Herrn. Abrahams Gebet zeigt sich in der Prüfung seines Glaubens. Er soll glauben, dass Sara einen Sohn bekommen wird, Isaak, Präludium der Verkündigung des wahren Sohnes der Verheißung: Jesus, der Retter.
Gott verheißt Abraham eine große Nachkommenschaft: «Du wirst Stammvater einer Menge von Völkern» (Gen 17,4). Abraham hat wie der Herr Mitleid mit den Menschen und wagt, für Sodom mit kühnem Vertrauen Fürsprache einzulegen: «Willst du auch den Gerechten mit den Ruchlosen wegraffen? Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt: Willst du auch sie wegraffen und nicht doch dem Ort vergeben wegen der fünfzig Gerechten dort?» (Gen 18,23f)
Als Gott Abraham auffordert, ihm seinen einzigen Sohn zu opfern, wird er abermals mit einem reinen Glaubensakt konfrontiert. Aber sein Glaube zeigt keine Schwäche: «Gott wird sich das Opferlamm aussuchen.» (Gen 22,8)
Abraham ist nach dem Abbild des himmlischen Vaters geformt, der seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingibt. Isaak ist eine Vorausgestalt des Menschensohnes, der für das Heil der Welt dem Tod ausgeliefert wird. Das Gebet stellt den Menschen wieder in seiner Gottähnlichkeit her und lässt ihn an der Liebesmacht Gottes, die viele rettet, teilhaben.
Mit Jakob, der gegen ein «geheimnisvolles» Wesen kämpft, das im Morgengrauen verschwindet und niemand anderer als Gott selbst ist, bekommt das Gebet einen symbolischen Aspekt und kann als ein Kampf des Glaubens und als sicherer Sieg der Beharrlichkeit gesehen werden.
Mose ist der Repräsentant des fürbittenden Gebetes, da er der Mittler Jahwes bei seinem Volk ist. Gegen die Amalekiter: «Wähl uns Männer aus, und zieh in den Kampf gegen Amalek! Ich selbst werde mich morgen auf den Gipfel des Hügels stellen und den Gottesstab mitnehmen» (vgl. Ex 17,8-13), oder um die Heilung Mirjams, die an Aussatz erkrankt war, zu erflehen: «Ach, heile sie doch!» (Num 12,13). Mose legte für dieses undankbare und ungerechte Volk Fürbitte ein und flehte den Herrn an, das Volk, dem er durch Abraham, Isaak und Jakob eine große Nachkommenschaft und eine besondere Sendung auf der Erde verheißen hatte, nicht zu zerstören. In Seiner Liebe kann sich Gott nicht widersprechen und aus Liebe bleibt er seinem Volk treu und erweist ihm Barmherzigkeit.
Bei David wird das Gebet zum Gebet eines Hirten, der für sein Volk und in dessen Namen betet. Es ist das Gebet eines Königs, der sich dem Willen Gottes unterwirft. Er versteht es, Gott zu preisen und für die begangene Sünde sein Erbarmen zu erflehen. So sagt er zu Nathan, nachdem er mit Batseba, der Frau des Urija, gesündigt hatte und den Hetiter Urija hatte ermorden lassen: «Ich habe gegen den Herrn gesündigt.» (2Sam 12,13)
Die Propheten rufen auf, von ganzem Herzen zu beten, um erhört zu werden.
Jesaja erinnert das Volk daran, dass es den Herrn mit den Lippen und nicht mit dem Herzen ehrt. «Dieses Volk nähert sich mir nur mit Worten und ehrt mich bloß mit Lippen, aber es hält sein Herz von mir fern.» (vgl. Jes 29,13)
Jeremia fordert Jerusalem ebenfalls auf, sich zu reinigen und das eigene Herz zu wandeln, wenn es aufrichtig zu Gott beten will: «Wasche dein Herz vom Bösen rein, Jerusalem, damit du gerettet wirst. Wie lange noch wohnen in dir deine frevelhaften Gedanken?» (Jer 4,14)
Gott kommt, um das Herz dieses Volkes zu verwandeln, damit es endlich die Güte des Herrn für sein Volk erkennt: «Ich gebe ihnen ein Herz, damit sie erkennen, dass ich der Herr bin. Sie werden mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein.» (Jer 24,7)
Ezechiel erinnert an das Verlangen des Herrn, das Herz der Menschen zu verwandeln: «Ich nehme das Herz von Stein aus ihrer Brust und gebe ihnen ein Herz von Fleisch.» (Ez 11,19)
Der Herr ruft Israel die Notwendigkeit der Bekehrung und der Lebensänderung in Erinnerung: «Werft alle Vergehen von euch, die ihr verübt habt! Schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist!» (Ez 18,31)


Die Psalmen

Die Psalmen werden das Gebet des Volkes und sind ein Meisterwerk des jüdischen Betens, das von den Christen im Stundengebet oder im göttlichen Offizium aufgegriffen wird. Die Psalmen sind der gemeinschaftliche Gesang, der aus dem Heiligen Land und den im Exil lebenden jüdischen Gemeinden aufsteigt und die gesamte Schöpfung umfasst.
Dieses Gebet erinnert an die vergangenen Ereignisse des Volkes Israel und reicht bis zur Vollendung der Geschichte. Es erinnert an die Verheißungen Gottes, die Er für Israel realisiert hat, und es wartet auf den Messias, der alle diese Verheißungen endgültig erfüllen wird. Die in Christus gebeteten und erfüllten Psalmen bleiben auch das Gebet seiner Kirche.
Die Psalmen sind vom Heiligen Geist inspiriert und stellen Gottes Wirken und die Antwort des Menschen dar. Christus wird stets das göttliche Werk durch seine Schöpfung und die Antwort des betenden Menschen mit seinem Gott vereinen. In diesem Sinn sind die Psalmen eine Schule des unablässigen Gebetes.
P. François Zannini

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