Fatima-Jahr

Das Leiden im Dienst am Sieg

Von Bernard Balayn

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> Literatur von Fatima

Am 13. Juli 1917 hat Unsere Liebe Frau den Triumph ihres Unbefleckten Herzens versprochen. Je mehr die Jahre vergehen, umso sehnlicher warten die Christen auf diesen Sieg am Ende einer mehr als bewegten Zeit. Diesen Punkt möchten wir gern betonen – über den man abgesehen von der Heiligen Jungfrau kaum spricht, weil der Mensch einen Widerwillen gegen das Leiden hat. Dabei ist das Leiden eine Wirklichkeit, und zwar derart, dass es offensichtlich ein Sprungbrett für den marianischen Sieg ist.

Das Leiden in der Botschaft von Fatima

Einfach schon beim Lesen ist man von der Dichte der Prüfungen beeindruckt, die darin beschrieben, erbeten oder ins Auge gefasst werden. Die Heilige Jungfrau geht hier weiter als bei den Ankündigungen der Rue du Bac oder von La Salette, wo die vorhergesagten Leiden auch schon nicht gerade schonungsvoll sind.
In Fatima wird das Leiden durch den Mund des Engels eingeführt. Bei der zweiten Erscheinung bittet er: «Opfert dem Höchsten ständig Gebet und Opfer auf... Vor allem sollt ihr alle Leiden annehmen und ertragen, die der Herr euch schickt.» Maria äußerte bei ihrer ersten Erscheinung dieselbe Bitte. Nachdem sie das akzeptiert hatten, bestätigte sie den Hirtenkindern: «Ihr werdet also viel zu leiden haben...» In Wirklichkeit sind Schwester Lucias Memoiren voll von Leiden aller Art, die sie durchgemacht haben. Es war ein Höhepunkt, als Jacinta auf die ausdrückliche Bitte Marias hin akzeptierte, dass die Schmerzen stärker werden. Im Krankenhaus von Lissabon stöhnte sie: «Ich dachte nicht, dass ich so viel leiden könnte!» Francisco starb als erster an dieser Krankheit. Lucia opferte ihre Leiden noch 78 Jahre lang auf!
Danach war von den Leiden der Christen und von derer Menschen die Rede. Am 13. Mai 1917 sprach Maria über das Fegefeuer, wo die Seelen ihre Schuld sühnen, bevor sie in den Himmel kommen. Am 13. Juli zeigte sie den entsetzten Hirtenkindern die Hölle. Sie kündigte für die Menschen große Leiden wie «Krieg und Hunger» an. (Maria sprach mehrmals über den Zweiten Weltkrieg.)
Lucia erinnerte an Jacintas Vision, die «Wege voller Menschen» beschrieb, die auf der Flucht vor den Plagen und den Leiden waren.
Schließlich wird über die großen Schmerzen gesprochen, die die Kirche erdulden muss. «Es wird Verfolgungen gegen die Kirche und den Heiligen Vater geben, der viel zu leiden haben wird. Die Guten werden gemartert werden.» Wir wissen, was der Nationalsozialismus und der Kommunismus gegen den Glauben unternommen haben: ein dezimierter Klerus, zerstörte Kirchen, Unterdrückung der christlichen Bevölkerung usw.
Warum dieser Ozean von Prüfungen? Weil er dem unendlichen mystischen Leiden Gottes und der Notwendigkeit entspricht, am Heil der Seelen mitzuarbeiten wegen unserer Pflicht zur Miterlösung.
Der erste Grund für dieses Leiden besteht darin, dass die Beleidigungen Gottes gesühnt, für die mystischen Leiden Gottes und insbesondere Jesu Christi muss, der von der heutigen Flut von Sünden beleidigt wird, Genugtuung geleistet werden muss. «Man darf Unseren Herrn nicht weiter beleidigen, der bereits so sehr beleidigt wird.» (Maria, 13.10.1917) Die Menschheit muss begreifen, dass Gott der Haupt-Leidtragende ist. Deshalb hat der Vater seinen Sohn gesandt, um die Sünde der ganzen Welt zu sühnen. Christus wird auch in Seiner Kirche, im unaussprechlichen Geschenk seiner Gnade, dem verhöhnten Geschenk Seines ganzen Wesens, der Eucharistie verletzt: «[Sühnt] die Beleidigungen und Gotteslästerungen... Tröstet euren Gott!» (Gebete des Engels) Die Kinder wurden berufen zu leiden, um die entsetzlichen Leiden des mystischen Leibes Christi, der Kirche im Osten zu mildern, die von einem militanten Atheismus verfolgt wird: Sie sollten wie ein Simon von Zyrene für sie sein. Und schließlich sollen sie zum Heil der Menschen beitragen, sie sollen in der Nachfolge ihrer Lehrerin Maria («Ich bin euer Weg») Miterlöser sein. Daher ihre heldenhaften Opfer für die Sünder, um ihnen die Hölle zu ersparen, um die langen Strafen im Fegefeuer zu abzukürzen. «Opfert euch für die Sünder auf... viele Seelen kommen in die Hölle, weil keine Opfer für sie gebracht werden...» Unter anderem war Jacinta entsetzt über die Höllenvision. Sie hat alles aufgeopfert, um zu verhindern, dass Seelen in die Hölle kommen. So haben die Hirtenkinder das Wort des heiligen Paulus wörtlich erfüllt: «Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt.» (Kol 1,24). Und: «Alle, die zu Christus Jesus gehören, haben das Fleisch gekreuzigt.» (Gal 5,24)
Im Geheimnis der Erlösung bedient sich Gott der Gläubigen, insbesondere jener, die er besonders erwählt hat. Deshalb hat Jacinta in ihrem armen kindlichen Leib erfahren, was der Apostel gesagt hat und worum Maria gebeten hat. Sie wiederholte im Krankenhaus mitten im schlimmsten Leiden: «Ich will leiden aus Liebe zu Jesus und zu den Sündern. So kann ich viele bekehren.» Um die Gotteslästerungen gegen die Eucharistie zu sühnen, akzeptierte sie das schwere Opfer, bis zu ihrem letzen Tag auf Erden nicht kommunizieren zu können. Am letzten Tag empfing sie endlich die Eucharistie.


Das Leiden und die Herrlichkeit

Es ist nun Zeit, uns auf das Geheimnis der wechselseitigen Beziehung zwischen der Prüfung und dem Triumph einzulassen. Es enthüllt sich und erleuchtet uns in einem strahlenden Licht durch das Wort Christi, das er zu den betroffen Emmaus-Pilgern gesagt hat: «Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?» (Lk 24,26)
Der Triumph der Heiligsten Dreifaltigkeit, den wir durch den des Unbefleckten Herzens erwarten, ist nichts anderes als die Fortsetzung und die Erfüllung des Geheimnisses der Erlösung, an dem Gott uns teilhaben lassen will, wie wir gerade gesagt haben. Das Geheimnis des Bösen ist das eine, das der Verherrlichung ist das andere. Doch sie sind durch ein Drittes verbunden: durch das Geheimnis des Leidens.
Da das Böse in die Welt eingezogen ist, benützt Gott – der nichts mit dem Bösen gemein hat – dieses Böse dennoch für seinen Heilsplan. Und das Leiden, das aus dem Bösen hervorgeht, nimmt von nun an den Wert der Miterlösung an der Seite des gekreuzigten Christus an, wenn es verstanden, akzeptiert und aufgeopfert wird. Das hat die Jungfrau Maria in höchstem Maß erlebt. Sie ist nicht nur geboren, um den Messias auf die Welt zu bringen, sondern auch um den leidenden Messias bis zu seinem letzten Atemzug zu begleiten. Seit der Erbsünde hat jeder Mensch die Macht und die Pflicht, seinen «Wassertropfen» zum Kelch des Erlösers hinzuzufügen, um am Heil der Welt mitzuarbeiten. Und jedes Mal, wenn eine Seele bewusst für ihren Nächsten leidet, vermehrt sie die Herrlichkeit Gottes. Denn die Herrlichkeit Gottes, wie Irenäus sagt, ist der «lebendige Mensch», der aus der Gnade lebt, der sein Leiden zum Leiden Christi hinzufügt, dem Lamm, das die Sünde besiegt hat. Was prophezeite Simeon Maria bei der Darstellung Jesu im Tempel? Keine Freuden, sondern ein Schwert, das ihr Herz durchbohren sollte! Jeder begreift, warum die drei Hirten am 13. Juni 1917 das Unbefleckte Herz Unserer Lieben Frau mit einem Dornenkranz gesehen haben. Und Lucie hat sie vor allem in der Nacht vom 12. Juni 1929 ganz nahe bei Christus gesehen, der am Kreuz seinen Todeskampf durchmachte. Die abschließende Vision von Tuy, die das ganze Geheimnis von Fatima zusammenfasst, ist die Dreifaltigkeit, die durch den Tod Jesu verherrlicht wird, während von seiner durchbohrten Hand ein Strom von Gnaden fließt, um die Welt zu retten. Die Erlösung, die durch das Leiden Christi erlangt wurde, sühnt beim Vater die Sünde der Welt, und durch die sakramentale Kirche, die vom Heiligen Geist beseelt wird, erlöst sie die Menschheit. Der Triumph der Dreifaltigkeit ist im Gange! Damit wir eines Tages «alles in allen» sind. Durch seinen miterlösenden Schmerz hat das Herz Marias seinen Triumph begonnen, der der «Vorläufer» des Triumphs der Dreifaltigkeit ist. Als Magd des Herrn der Herrlichkeit bittet sie in Fatima und mehr denn je im Jahr 2007 darum, dass wir uns mit ihrer mütterlichen Heilssendung verbinden, um die Dreifaltigkeit zu verherrlichen, indem wir uns mit ihr und an ihrer Seite aufopfern, denn das Leiden ist die Selbstabtötung aus Liebe zu Gott und zum Nächsten. Der Sieg ist auch folgendes Wort Christi: «Es gibt keine größere Liebe, als sein Leben hinzugeben für seine Freunde.» Maria hat uns in bewunderungswürdiger Weise das Vorbild gegeben. Deshalb ist sie wirklich der «Weg» zu Gott.
Im Rahmen der Welt nach Adam schließen die Verdienste der Erlösung das Leiden nicht aus: Die Passion Christi gibt ein beredtes Zeugnis davon. Wir können uns also nicht heraushalten. Wichtig ist, dass man dieses «Gesetz» akzeptiert und ein Mittel der Heiligung und der Herrlichkeit daraus macht. Die Herrlichkeit wird durch verschiedene Mittel erreicht, die die Göttliche Vorsehung uns schenkt: das Gebet, der Gehorsam, die Praxis der Gebote und der Tugenden, die gelebte Weihe... Doch das Anspruchsvollste ist das Verdienstvollste, das heißt das Leiden. Deshalb ist es das Leitmotiv von Fatima und des ganzen Evangeliums: die Herrlichkeit Gottes und der wahre Ruhm des Menschen bestehen darin, dass dieser zum Vater zurückkehrt, indem er über sein Fleisch hinauswächst und das Primat des Geistes behauptet. Denn Christus sagt: «Meine Worte sind Geist und Leben.»1
Die Herrlichkeit Gottes ist wirklich die Niederlage Satans. Seine Sünde hat ein unsagbares Leiden hervorgebracht, da Jesus selbst ihm nicht entgangen ist. Dieses Leiden ist unsterblich und nützt im Abgrund der Hölle nichts: Angesichts dessen, der das Leben ist, ist das höllische Leiden das dramatische Symbol des Misserfolgs, der Ablehnung und des Todes, so dass der heilige Paulus sagte: «Tod, wo ist dein Sieg?» Dagegen ist die Erniedrigung eines Gottes zur Quelle von Leben und zur Verheißung von Glückseligkeit und Ewigkeit geworden. Es gibt keine Auferstehung ohne Kreuz, und also keinen Triumph ohne die entsprechende Prüfung. Je mehr die Welt in Gefahr ist, umso strahlender wird der Sieg sein2. Der göttliche Triumph wird auf dem aufbauen, was in der Geheimen Offenbarung steht:
«Danach sah ich eine große Schar, die in weißen Gewändern vor dem Lamm stand und Palmzweige in den Händen trugen. Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht...» (Offb 7,9-17) «Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von der Gott sagte: Das ist meine Wohnung unter den Menschen! Ich werde in ihrer Mitte wohnen. Ich werde alle Tränen von ihren Augen abwischen: der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Ich mache alles neu. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Wer durstig ist, den werde ich umsonst aus der Quelle trinken lassen. Wer siegt, wird dies als Anteil erhalten: Ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein...» (Offb 21,1-7)
An uns ist es, diese Worte der unüberwindlicher Hoffnung zu meditieren, um dem so sehnlich erwarteten Triumph zu dienen und an ihm teilzuhaben.
Bernard Balayn

Bemerkungen:
1. Der heilige Paulus sagt dasselbe in seinen lichtvollen Briefen: «Der Geist macht lebendig, das Fleisch ist schwach... es ist Sklave der Sünde.»
2. «Habt großes Vertrauen zum vollkommenen Triumph Gottes über diese arme Menschheit, die so krank und so weit entfernt von ihm ist.» (Maria an Don Gobbi, 21.10.1993)

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