Das Sakrament der Buße (4)

Wiedergutmachung geschieht nicht nach eigenem Gutdünken

Von P. Michel Gitton

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> Literatur über die Buße


Beichten ist für niemanden leicht. In der Fastenzeit erläutert und ermutigt uns P. Gitton, dieses für jeden Christen lebensnotwendige Sakrament wieder zu praktizieren.

Heute muss ich ein noch heikleres Thema behandeln. Zu den Schritten, die vom Pönitenten gefordert werden, damit seine Reue echt ist, gehört auch die «Buße», die früher «Sühne» genannt wurde, und vom Beichtvater vor der Absolution auferlegt wird. Es ist wichtig zu wissen, dass sie Bedingung für die Absolution ist. Damit betreten wir eine Welt, die den heutigen Katholiken kaum noch vertraut ist. Für die meisten ist die «Buße», falls sie überhaupt noch zur Beichte gehen, eine Formalität im Anschluss an die Beichte, ein Gebet, das man spricht.
Schwerwiegender ist die Tatsache, dass manche Beichtväter die Wiedergutmachung mit dem festen Vorsatz verwechseln und als Buße ein wirkliches Bemühen im Sinne des erwünschten Fortschritts aufgeben. Sie sind sich dabei nicht bewusst, dass sie damit eine Last auferlegen, die bei sensiblen Menschen in manchen Fällen sehr schwer sein kann: Gelingt der Vorsatz nicht, wird es unmöglich, die auferlegte Wiedergutmachung zu erfüllen und dann hat man Schuldgefühle. Nein, die Buße ist etwas Objektives, ein «Werk», sei es ein Werk der Frömmigkeit oder der Abtötung, dessen Inhalt der Pönitent akzeptiert hat, das in naher Zukunft verwirklicht werden kann und einen Abschluss hat.
Nur durch Zufall ist die Wiedergutmachung manchmal geradezu lächerlich gering geworden. Unsere Väter kannten Bußen, die noch wirklich welche waren: Fasten, Nachtwachen, Wallfahrten, große Almosen, usw... Bei einer regelmäßigen Beichte, deren Ziel der tägliche Kampf gegen die Schwächen ist, genügt sicher eine Wiedergutmachung, die aus einer bestimmten Anzahl an Gebeten besteht, die in dieser Intention gebetet werden sollen. Aber sobald es um eine schwere Verfehlung geht (und der Pönitent sie auch als solche erkennt), ist es lächerlich und fast respektlos gegenüber demjenigen, der sich anklagt, eine nachträgliche Wiedergutmachung anzuhängen. Sie wird natürlich immer symbolisch und in gewisser Weise «glücklich» sein: Wir werden uns nie der Illusion hingeben, dass wir für unsere Verfehlungen bezahlen, denn das hat nur Christus getan und zwar in überreichem Maß, aber da er uns so ernst nimmt, dass er von uns eine Anstrengung in seiner Nachfolge erwartet, muss diese Anstrengung trotz allem in einem gewissen Verhältnis zur begangenen Sünde stehen (zumindest nach meiner Vorstellung).
Ein Priester erzählte mir, dass an einem 15. August ein Mann abends zu ihm in den Beichtstuhl kam, als er etwas eingeschlafen war. Dieser Mann hatte einen Mord gebeichtet. In der Schläfrigkeit, in der sich der Beichtvater befand, sagte er ihm nichts anderes als einen kurzen frommen Satz über die Muttergottes und ihre Güte zu den Sündern. Er trug dem Pönitenten auf, ein Gesätz vom Rosenkranz zu beten und wollte ihm die Absolution erteilen, als ihn der Mann unterbrach und sagte: «Pater, ich habe getötet!» Wir können uns vorstellen, dass der Priester daraufhin ganz wach wurde, denn er hat die Geschichte selbst erzählt.
Kehren wir zum Grundprinzip zurück: Dass die Vergebung unverdient geschenkt wird, schließt einen ernsthaften, echten Schritt der Bekehrung nicht aus, sondern daran erkennen wir sogar, dass der Herr aufmerksam auf uns schaut und uns hilft, aus der Verstrickung der Sünde herauszukommen.
Die Daseinsberechtigung der «Wiedergutmachung» (die man nicht mit der Berichtigung unseres Verhaltens verwechseln darf, sondern die ein darüber hinausgehender Schritt ist – das sei nochmals wiederholt) liegt hierin: Eigentlich beinhaltet unsere Sünde zwei Aspekte, die sich einerseits in einer Beleidigung der Liebe Gottes und andererseits in einer Unordnung ausdrücken. Diese Unordnung lastet auf der ganzen Menschheit, mit der wir solidarisch sind. Der erste Aspekt kann getilgt werden, sobald man sich aufrichtig an Jesus gewandt hat, um ihn durch seinen Stellvertreter um Vergebung zu bitten. Der zweite Aspekt verschwindet deshalb aber noch nicht; in der Gemeinschaft der Heiligen hinterlassen Chancen in irgendeiner Weise Spuren und unsere Größe als Getaufte besteht darin, dass wir von dieser Verantwortung nicht auf magische Weise entlastet werden.
Indem uns die Mühe der Buße den Ernst unserer Sünde aufzeigt, gibt sie uns zugleich ein Mittel, durch das wir konkret (wenngleich symbolisch) an unserer Besserung mitwirken können. Letztlich ist sie eine Gnade, die uns geschenkt wird und die wir als solche annehmen sollen, indem wir die Buße, die uns aufgetragen wird, möglichst bald erfüllen.
Mit freundlicher Genehmigung von France Catholique

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