Von Jacques Magnan«Die Erlösung» (Kol 1,14)
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Als Jesus Christus, der Sohn Gottes, in unsere Welt kam, um sie zu retten, hat er sich freiwillig geopfert, um durch sein Blut, das er für uns vergoss, alle Menschen, die an ihn glauben, zu erlösen. Dieses Werk konnte allein Gott vollbringen. In Jesus Christus, dem Erlöser, ist dies ein für allemal geschehen. Die Erlösung, die uns ermöglicht, ganz und gar geheiligt und von unseren Sünden befreit zu sein, schenkt den Menschen aller Zeiten die Möglichkeit, Gott im Paradies nahe zu sein.
Im Wort Erlösung schwingt auch «Tilgung, Freikauf» mit. Das griechische Wort (apo-lytrosis) drückt das Mittel der Befreiung, des Lösegeldes (lytron) aus und das hebräische Wort (goel, von gaal befreien) bezeichnet denjenigen, der Güter oder Personen, die Eigentum von Fremden geworden sind, auslöst oder auslösen muss1. Letztlich ist nur Gott allein der Erlöser, der sein Volk, das in die Hände des Feindes, des Bösen, des Teufels geraten war, loskaufen kann. Das Alte Testament zeigt in großer Schönheit, wie die Erlösung des Menschen von Jahwe, von Gott abhängt.
Ex 6,6f: «Ich bin Jahwe. Ich führe euch aus dem Frondienst für die Ägypter heraus und rette euch aus der Sklaverei. Ich erlöse euch mit hoch erhobenem Arm und durch ein gewaltiges Strafgericht über sie. Ich nehme euch als mein Volk an und werde euer Gott sein.» (vgl. Dtn 7,8; 13,6)
Das Bild von der Befreiung Israels aus der Sklaverei trägt eine spirituelle Wirklichkeit in sich, die alle Völker und alle Menschen betrifft, da sie berufen sind, Kinder Gottes zu werden nach dem Beispiel der treuen Gläubigen Israels, die Gott, den Erlöser unverzagt bekannten.
Ps 19,15: «Die Worte meines Mundes mögen dir gefallen; was ich im Herzen erwäge, stehe dir vor Augen, Herr, mein Fels und mein Erlöser» (vgl. Ps 111,9; 130,7; Spr 3,11).
In dieser Geschlechterlinie des Volkes Israel rief der gerechte Ijob für die Nachfahren der späteren Jahrhunderte aus:
Ijob 19,25: «Doch ich, ich weiß: mein Erlöser lebt, als letzter erhebt er sich über dem Staub.»
Nach meinem Erwachen wird er mich zu sich nehmen und mein Fleisch wird Gott schauen (vgl. Röm 8,23).
Wie wir sehen, haben die Gläubigen über eine leibliche, irdische Befreiung hinaus, immer auch mehr oder weniger deutlich eine noch größere Wirklichkeit erahnt. Gott ist unser Verteidiger und durch seine Macht werden wir auferstehen, um ihn ewig zu schauen. Das ist das unerhörte Wunder, das in Jesus Christus geschah.
Die Fastenzeit eignet sich besonders, um über Jesus Christus, unseren einzigen Erlöser zu meditieren.
Während wir diesen Begriff (apolytrosis), der die Befreiung der Erwählten bei der Parusie bezeichnet, im Evangelium nur ein einziges Mal finden (bei Lk 21,28), kommt er häufiger in anderen Texten des Neuen Testamentes vor. Der Gedanke der Erlösung der Menschheit ist im ganzen NT allgegenwärtig. Jesus Christus, der Erlöser der Welt, gibt sein Leben als Lösegeld für die Vielen. Durch sein Blut, das er für uns vergossen hat, durch sein hingeopfertes Leben haben wir die Vergebung unserer Sünden und das ewige Leben. Das Opfer des Sohnes Gottes ist das wichtigste historische und spirituelle Ereignis der Menschheit. Wenn sich Jesus für uns hingibt, heißt das, dass er bereits gekommen ist, geboren aus der Jungfrau Maria, der Allreinen. Weil sich Jesus als wahrer Gott und wahrer Mensch für unsere Erlösung hingegeben hat, sind wir gerettet. Unser Heil nimmt seine ganze heilbringende Dimension in der heiligen Opfergabe Jesu am Kreuz an. Der Mensch hatte sich durch eigene Schuld von Gott getrennt; er missbrauchte seine Freiheit, um in die Sklaverei der Sünde zu fallen, die noch weit furchterregender ist als die Sklaverei der Ägypter. Der Mensch ging unter der tyrannischen Macht des Bösen, des Widersachers, auf dem breiten Weg der ewigen Verderbnis, auf dem es keine Gnade gibt, weil der ungläubige Sünder sie starrköpfig ablehnt. Aus eigener Kraft konnte sich der Mensch nicht retten. Er war verloren. Deshalb hat Gott ein einzigartiges, außergewöhnliches Werk vollbracht. Er ist gekommen, um die Fülle der göttlichen Vergebung anzubieten. Er ist als Erlöser gekommen. Jesus Christus befreit uns durch seine Liebeshingabe, die bis zum Tod ging, aus der Macht des Widersachers und von dem Schuldschein unserer Sünden. Er schenkt uns von neuem und unwiderruflich Zugang zum Gnadenleben, indem er unsere Sünden verzeiht und uns durch sein kostbares Blut von jeder Verunreinigung wäscht:
Offb 5,9: «Würdig bist du, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du wurdest geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erworben, aus allen Stämmen und Sprachen, aus allen Nationen und Völkern.»
Jesus, das Lamm Gottes, das für uns hingegeben wurde, nimmt die Sünde der Welt hinweg. Er führt uns auf dem Weg der Heiligkeit und des ewigen Heils wieder zur Freundschaft mit Gott. Wir können uns nicht selbst erlösen. Unsere Erlösung kommt durch die Initiative des allmächtigen Gottes, der aus Liebe wirkt, der dem Menschen aber auch die Freiheit lässt, seine Liebe anzunehmen oder nicht. Die Erlösung ist wirklich Ausdruck von Gottes Allmacht, der das Mittel findet, um uns zu erlösen und uns doch die Freiheit lässt, sein Geschenk anzunehmen oder abzulehnen. In Jesus Christus findet die Barmherzigkeit, die Gott ungeschuldet anbietet, ihre tiefste Bedeutung. Er gibt sich aus Liebe hin für die Vergebung unserer Sünden und um uns mit Gott zu versöhnen. Die Erlösung ist ein Werk der unendlichen Gerechtigkeit des Herrn, der voll Schmerz sieht, dass der Mensch in die höllische Falle der Sünde geraten ist. Deshalb kommt er, um ihn zu befreien und ihm Heilung zu schenken. Um jedoch gesund zu werden, muss der Mensch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist, annehmen. Wir sollen die Gnade akzeptieren, sie annehmen, sie durch unsere Mitwirkung am Erlösungswerk in uns wachsen lassen. Der Gläubige macht das Werk der Erlösung, das seinen Höhepunkt am Kreuz hat, durch seinen Glauben und seine Treue fruchtbar und wirksam. Die Wirklichkeit des Erlösungswerkes wird in jeder Eucharistiefeier, die vom Herrn, dem Osterlamm, eingesetzt wurde, erneuert. Er ist unsere Rechtfertigung2 und verwirktlicht die Erlösung, auf die Jahrhunderte lang gewartet worden war (vgl. Lk 1,68; 2,38; 21,28; 24,21).
Röm 3,23-26: «Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren. Ohne es verdient zu haben, werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus. Ihn hat Gott dazu bestimmt, Sühne zu leisten mit seinem Blut, Sühne, wirksam durch Glauben. So erweist Gott seine Gerechtigkeit durch die Vergebung der Sünden, die früher, in der Zeit seiner Geduld, begangen wurden; er erweist seine Gerechtigkeit in der gegenwärtigen Zeit, um zu zeigen, dass er gerecht ist und den gerecht macht, der an Jesus glaubt.» (vgl. Röm 8,23)
Kol 1,14: «Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden» (vgl. 1Kor 1,30; Heb 9,12-15).
Ja! Jesus Christus ist der Erlöser. Er kam auf die Erde, um uns zu retten. Er hat dreißig Jahre lang in größter Verborgenheit unter den Menschen gelebt. Er hat gearbeitet, hat zugehört, ihre Freuden und Nöte geteilt. Er wurde durch den allmächtigen Geist Gottes empfangen, von der reinen Jungfrau Maria in einem Stall geboren und hat uns den Weg der Armut, der Demut gezeigt. Jesus, der Messias, kam, um das Leben der Menschen zu teilen; er lebte sein ganzes Leben lang arm, ohne einen Ort zu haben, wo er seinen Kopf hinlegen konnte, obwohl er doch als Schöpfer, als Wort Gottes reich an allem ist. Aber er hat sich erniedrigt (vgl. Phil 2,6-11), um uns zu erhöhen. In dreieinhalb Jahren hat der Messias die Welt verwandelt, die Geschichte zurückgedreht, um sie zum Heil zu führen. Jesus hat alle Erniedrigungen erlitten, aber sein unvergleichliches Wort leitet uns alle. Und Jesus hat uns die Kirche hinterlassen, die äußerst sorgfältig das heilige Glaubensgut bewahrt. Wer das Wort des Herrn in Treue zur Lehre der Kirche hört, ist gerettet. Das Heil ist gekommen und der Erlöser hat sich am Kreuz hingegeben. Er nahm alles Leid auf sich, gab sein Leben hin, um uns das ewige Leben zu schenken. Jesus ist für uns Menschen gestorben, seine Auferstehung zeigt, dass auch wir einmal auferstehen werden. Wir wissen, dass wir das ewige Leben haben, weil wir mit unerschütterlichem, unbe-siegbarem Glauben an Jesus Christus glauben.
In dieser Gnadenzeit für die Menschheit, die mehr denn je zur Bekehrung aufruft, haben wir zahlreiche Zeichen Gottes erkannt. Wir wurden über viele prophetische Geheimnisse unterrichtet, insbesondere über jene, die unsere Zeitenwende betreffen. Lassen wir uns niemals entmutigen, sondern machen wir uns fest am Herrn, der unsere Mühen sieht, aber auch unsere Freuden, unseren Glauben und unsere glühende Sehnsucht, wahrhaft zu lieben. Gott hat uns große Gnaden geschenkt. Er gießt sie auch weiterhin über alle Menschen aus und unser unerschütterliches Zeugnis für die Erlösung und das ewige Leben bei Gott ist wirklich kostbar.
Komm, Herr Jesus, und
erleuchte alle Menschen,
damit sie glauben, dass in dir allein unsere Erlösung, unser Heil ist. Amen.
Jacques Magnan
Anmerkungen:
1. Erlösung im AT. Derjenige, der befreit, erlöst (vgl. Lev 25,23-55; Ex 6,6; Jes 43,14; 44,6-24; 47,4).
2. Jesus gab sein leben als Lösegeld für die Vielen (vgl. Mt 20,28 und. 1Thess 2,6; Tit 2,14; Röm 3,21-25). Jesus hat unsere Erlösung durch sein Blut erkauft (agorazo). Er ist der Erlöser (vgl. 1Kor 6,20; 7,23; Gal 3,13; 4,5; Eph 1,14; 4,30; 2Petr 2,1; Phil 2,5-11; Heb 10,5-10...).
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