Fatima: Die Dynamik der Botschaft

Auf dem Weg zur Verherrlichung der heiligsten Dreifaltigkeit (1. Teil)

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> Literatur über Fatima

Über Fatima zu sprechen ist wie ein Fass ohne Boden; so reich und tief ist die Substanz. Es ist eine Botschaft «variabler Geometrie», ein Foyer mit mehreren Zentren. Wir müssen daher auswählen und mit dem Wichtigsten beginnen: Fatima ist vor allem ein mächtiger Hymnus zu Ehren der glorreichen und heiligsten Dreifaltigkeit. Dafür gibt es viele und offenkundige Zeichen, wie beispielsweise Maria, die die Welt mit dem trinitarischen Licht erleuchten soll.

Eine unumstößliche Symbolik

«Ich glaube an den geistlichen Wert von Zeichen» (Johannes Paul II.).
Alle Exegeten und Spezialisten erkennen die unvergleichliche Tragweite der Botschaft von Fatima einhellig an, vor allem seitdem sich die Kirche in zweifacher Weise für sie verbürgt: Zum einen wurde sie von der Kirche offiziell anerkannt (13. Oktober 1930) und zum anderen kamen zwei Päpste nach Fatima (Paul VI. 1967 und Johannes Paul II. mehrmals).
Diese Tragweite beruht auf einer grundlegenden Bestätigung, die zugleich aus dem Text [der Botschaft] und den ihn begleitenden Zeichen hervorgeht. Es geht um die sehr starke, vorrangige Bekräftigung der heiligsten Dreifaltigkeit. Die ganze Botschaft strahlt in der Tat die trinitarische Anwesenheit aus. Die Zeichen1 dafür sind beweiskräftig. Man darf sie nicht außer Acht lassen, denn sie sind – ähnlich wie die Gleichnisse des Evangeliums – Sprache und Träger einer Wahrheit, was Msgr. Théas, der frühere, berühmte Bischof von Lourdes sehr gut erkannt hatte. Er sagte, dass man bei übernatürlichen Erscheinungen kein einziges Zeichen vernachlässigen darf, weil es im Kontext mit der gesamten Botschaft immer eine Bedeutung hat. Als der Heilige Vater Johannes Paul II. 1986 nach Lyon kam, konnte er fünf Jahre nach dem Attentat bestätigen: «Ich glaube an den geistlichen Wert von Zeichen2».
In diesem Jahr 2007, in das der 90. Jahrestag der Erscheinungen fällt, und insbesondere in diesem Herbst, als der Engel der Eucharistie das
trinitarische Gebet preisgab, machen wir es uns zur Pflicht, durch die Zeichen in das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit einzutreten.

Fatima, eine Explosion trinitarischer Zeichen

Fatima ist ein starker Hinweis auf die Trinität, zu diesem «Motor» des Universums, der vor Anwesenheit und Liebe überschäumt: der Vater, der erschafft, insbesondere sein Meisterwerk Maria; der Sohn, der durch seine Menschwerdung in Maria rettet; der Heilige Geist, der durch die Kirche und ihre Mutter Maria heiligt.
Das erste sichtbare Zeichen ist das Licht, das vom Mysterium von Fatima ausgeht.
Das zweite Zeichen umhüllt das erste und ist übernatürlicher Art: Es ist die verborgene, aber lebendige Anwesenheit der heiligen Dreifaltigkeit, die sich durch die beständige Wiederholung eines Dreierrhythmus im Zusammenhang mit den Erscheinungen offenbart. Es gab zwei Serien mit 3 Erscheinungen eines Engels (1915 und 1916); sie wurden 3 Kindern in 3 verschiedenen Jahreszeiten zuteil. Der Engel verneigte sich und betete mit 3 Wiederholungen; er gab seinen Namen mit 3 besonderen Anrufungen bekannt (Engel des Friedens, Schutzengel Portugals, Engel der Eucharistie); dreimal sprach er von den Herzen Jesu und Mariä. Die dritte Erscheinung bezog sich ausdrücklich auf die Dreifaltigkeit und nannte die 3 Personen: «Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, ich bete dich an...». Er verneigte sich vor der Hostie, sprach dieses Gebet und wiederholte es anschließend dreimal. Die Muttergottes erschien in 3 Etappen (1917, 1925, 1929) und zeigte dreimal ihr Unbeflecktes Herz. 1917 wurden den Kindern drei Geheimnisse anvertraut. Bei der letzten Erscheinung kam es zu 3 Ereignissen: das Kommen der Muttergottes, die Kinder hatten die Vision der drei Rosenkranzbilder3, die Menschenschar sah das Sonnenwunder, das seinerseits in 3 Episoden aufgeteilt war. Bei der letzten großen Erscheinung (1929) sah Sr. Lucia in der Kapelle die drei göttlichen Personen... Später kam Papst Johannes Paul II. dreimal nach Fatima. Usw. Das ist also eine beredte Einführung in das trinitarische Geheimnis.
«Auf! Werde Licht! Denn dein Licht kommt...» (Jesaja)
Eines dieser Zeichen, das alle anderen umfängt, muss besonders hervorgehoben werden. Es ist das Zeichen des allgegenwärtigen Lichts, dem Charakteristikum der Dreifaltigkeit, da sie selber dieses ungeschaffene Licht ist, das unendliche Liebe und vollkommene Wesenheit ist. Das Licht hat den Vorrang vor allem anderen, da Gott Licht ist, wie Jesus selber sagt: «Ich bin das Licht der Welt» (vgl. die Verklärung und vor allem die Auferstehung). Vor dem Kommen Jesu hatte sich Gottvater dem Mose im brennenden Dornbusch offenbart. Nach Jesus erstrahlte der Heilige Geist am Pfingsttag in Gestalt von Feuerzungen.
Die Botschaft ist von Anfang bis Ende (1915-1929…) in dieses funkelnde Licht getaucht. Es genügt, einige Aspekte davon zu betrachten. Die Erscheinungen ereigneten sich in einem mediterranen, von Licht durchfluteten Land. Die Erscheinungen von 1915-1917 fanden in den sonnigsten Monaten zwischen der Tagundnachtgleiche statt. Sie ereigneten sich mittags, als die Sonne im Zenit stand und der Himmel stets klar war (außer anfangs am 13. Oktober 1917). Der verschwommen sichtbare Engel von 1915 ist weißer als Schnee; der Engel von 1916 ist «wie aus Licht gemeißelt», notierte Lucia. Bei seiner zweiten Erscheinung prägen sich seine Worte in das Herz der Kinder «wie ein Licht» ein. Beim dritten Mal trägt er Christus, der das Licht der Welt ist. Lucia hat einen prädestinierten Vornamen, der «Licht» bedeutet. Maria ist strahlender als die Sonne, ihr Gewand gleichförmig rein mit einer goldenen Kugel auf ihrer Brust und einem schimmernden Stern am Saum ihres Kleides. Weiteren Schmuck trägt sie nicht. Ihr Antlitz ist aber noch strahlender, so dass die Hirtenkinder wie geblendet waren. Am Arm trug sie einen leuchtenden Rosenkranz. Ihrem Kommen gingen immer Blitze voran, ihre jungfräulichen Füßen waren auf einer Wolke (Symbol für Gott, dessen Gesandte sie ist) und sie kam aus dem Osten (Symbol für den Sonnenaufgang, die Auferstehung, das Leben). In derselben Weise entfernte sie sich auch. Am 13. Juni war bei ihrem Eintreffen Donner zu hören, die Helligkeit des Himmels nahm zugunsten der Sterne, die mitten am Tag erschienen, ab — Maria ist der strahlende Stern, von dem die Offenbarung des Johannes spricht — und die Sonne sandte mehrfarbige Strahlen über die Menschenmenge. Am 13. September wurde die Muttergottes von einem sich erneuerndem Blumenmeer begleitet. Am 13. Mai hüllten ihre Hände die anwesenden Kinder in ihr übernatürliches Licht ein.
Lucia schrieb, dass sie in Gott, «der dieses Licht war», eintauchten. Maria sagte: «Ich bin vom Himmel», das Reich des Lichtes, in das die Hirtenkinder seitdem gehen wollten. Johannes sagte von Maria: «Ein großes Zeichen erschien am Himmel: Eine Frau, mit der Sonne bekleidet und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt». Am 13. Juli spricht Maria vom «unbekannten Licht», durch das die furchtbare Strafe des Zweiten Weltkriegs (die Nacht vom 25. auf den 26. Januar 1938) angekündigt wird. Am 19. August bat sie darum, dass bei der Prozession die Trage von den Kindern in weißen Gewändern getragen werden sollte. Jacinta wollte, dass man ihr nach ihrem Tod weiße Kleidung anziehen sollte. Am 13. Oktober gebot die Lichtdame der Sonne, die daraufhin in einem zauberhaften Farbenspiel aufsprang und die Kleidung der Pilger trocknete. Das grandiose «Sonnenwunder» hat die ganze Welt erstaunt. Im November 1950 sah es Papst Pius XII. im Vatikan bei der Verkündigung des Dogmas von der Aufnahme Mariens in den Himmel. 1917 fanden die Marienerscheinungen ausdrücklich zweimal an einem Sonntag, dem Tag des Herrn, der die «Sonne der Gerechtigkeit» ist, statt. Am 13. Mai war die Erscheinung unmittelbar vor dem Fest Christi Himmelfahrt, dem Fest, an dem der Herr strahlend in die Herrlichkeit auffährt. Kurz bevor Francesco starb, sagte er zu seiner Mutter: «Schau, das schöne Licht, dort, bei der Tür!»
Lucia sah 1925 in Pontevedra das von Licht strahlende Jesuskind. Dasselbe geschah 1926.
In Tuy hatte sie 1929 gegen Mitternacht in der auf geheimnisvolle Weise erleuchteten Kapelle die abschließende Vision der allerheiligsten Dreifaltigkeit, die Licht par excellence ist. Sie sah, wie sich im Zentrum ein großes leuchtendes Kreuz erhob, von der linken Hand des Gekreuzigten ging ein kristallener Strahl aus, Symbol für Gnade und Barmherzigkeit. Zu alldem kam noch das Phänomen der Tauben, die der Wandermuttergottes auf ihrem Weg durch die Welt folgten. Ich habe es 1978 mit eigenen Augen in Lourdes gesehen, als sich die beiden Statuen in der Grotte begegneten. Die Devise des Fatima-Papstes lautet nach der Prophezeiung des Maleachi: «De labore Solis» («Von der Mühe der Sonne»: sein beachtliches Werk unter der «Sonne» Gottes)...
Diese Aufeinanderfolge von Zeichen weist offensichtlich genug auf die entscheidende Bedeutung der Dreifaltigkeit im großen Mysterium von Fatima hin.
Das göttliche Licht spiegelt sich in der Schöpfung: In den Sternen und in den Menschen, wie Fatima auf eklatante Weise zeigt. Es spiegelt sich in den Geschöpfen, die besonders aufnahmebereit und besonders liebend sind. Deshalb erstrahlt die Dreifaltigkeit in Maria, der Unbefleckten, und macht sie zum Kleinod dieser Schöpfung, die ihrerseits das reine, trinitarische Licht ausstrahlt.


Zwischen Dreifaltigkeit und Menschheit: Marias erste Aufgabe ist die Verherrlichung der Dreifaltigkeit

So wichtig diese Zeichen sind, so gering ist ihr Wert, wenn man sie aus ihrem Kontext und ihrem Bedeutungszusammenhang löst. Sie führen zum Verständnis und zur praktischen Umsetzung der Botschaft.
Untersuchen wir die Früchte: Marias Sendung, die darin besteht, die heilige Dreifaltigkeit zu verherrlichen, ihre menschliche und kirchliche Mutterschaft, die dieser Verherrlichung dienen soll.


Marias Mysterium an der Nahtstelle von Dreifaltigkeit und Menschheit

Dieses Mysterium wird durch die Dreifaltigkeit erhellt, die sich allmählich durch die Heilige Schrift erkennen ließ. Hatte die Muttergottes nicht in Tre Fontane (bei Rom) 1947 mit der Bibel in der Hand gesagt: «Ich bin diejenige, die in der göttlichen Dreifaltigkeit ist»? Die biblischen Texte von der Genesis bis zur Geheimen Offenbarung, wie beispielsweise das Buch der Sprichwörter, das Buch der Weisheit, das Hohelied… erwähnen allegorisch die jüngere Tochter des Vaters, die Wohnstätte des Heiligen Geistes, die Mutter Christi, die Mutter der Kirche und die Mutter der Menschen. Die Rolle Marias in Fatima besteht — in Hinblick auf die Erfüllung der sie betreffenden Prophezeiungen — darin, ihre dreifache Sendung in Abhängigkeit von jeder der drei göttlichen Personen, mit denen sie jeweils in besonderer Weise verbunden ist, mitzuteilen.
Fatima lässt sich durch folgende, grundlegende Interaktion charakterisieren: Einerseits hat die heiligste Dreifaltigkeit der Kirche und der Welt etwas zu sagen; andererseits hat Maria von der Trinität als Tochter, Braut und Mutter den Auftrag erhalten, die Botschaft zu überbringen und in die Praxis umzusetzen. Und zwar nach dem «Gesetz» himmlischer Mediation, um die Menschheit wieder in den Schoß der Dreifaltigkeit zurückzubringen. Das doppelte marianische Ziel besteht also darin, das allgemeine Heil zu fördern, damit der eine und dreifaltige Gott verherrlicht wird. Das ganze Mysterium von Fatima, der heiligsten Dreifaltigkeit und der Muttergottes ist darin enthalten.


Maria, gesandt von der Dreifaltigkeit, um ihre Pläne zu erfüllen

Vom Anfang bis zum Ende der Botschaft, von den trinitarischen Gebeten des Engels bis zur unvermittelten Erscheinung der Dreifaltigkeit in Tuy, ist Maria die reine Transparenz des Mysteriums und des dreifaltigen Willens. Die Entwicklung der Welt, die Beschleunigung der Geschichte zeigen ganz offenkundig die progressive Manifestation der heiligsten Dreifaltigkeit, damit sie vom ganzen Universum gekannt und gefeiert wird. Je mehr die Welt der Parusie entgegengeht, desto mehr trachten die Geheimnisse unseres Glaubens danach, enthüllt und gerühmt zu werden. Wenn die Liebe Christi durch seine Werke und seine Barmherzigkeit besser bekannt wird, wenn das Mysterium Mariens durch ihre Kinder immer stärker wahrgenommen wird — wie der hl. G. von Montfort lehrt — um wie viel mehr gilt dann, dass jede der drei göttlichen Personen in ihrem Wesen, ihrer Majestät, ihrer Wirkweise in jeder der drei Personen und in ihnen gemeinsam offenbart und gefeiert werden soll, und zwar nicht nur im Himmel, sondern bereits auf Erden.
Die kraftvolle Offenbarung der Dreifaltigkeit war schon in La Salette (es wurde bereits der 160. Jahrestag gefeiert) in der geheimen Botschaft, die erst später veröffentlicht wurde, spürbar. Die weinende Muttergottes hat lange und auf indirekte Weise über die ins Lächerliche gezogenen Rechte der Dreifaltigkeit gesprochen. In Fatima wurde es mit den Worten des Engels und dann in der Vision von Tuy offen erwähnt. In keiner bislang anerkannten Erscheinung wurde die trinitarische Vorrangstellung mit solcher Deutlichkeit aufgezeigt. Das ist das Zeichen der Zeichen von Fatima.
Als Emanation der drei göttlichen Personen verherrlicht Maria die Dreifaltigkeit als Tochter des «Allerhöchsten», als Braut des Heiligen Geistes, als Mutter des Erlösers. Sie verherrlicht sie, indem sie sich mit ihrem wechselseitigen Wirken verbindet: Leben schenken, die Erlösung weiterführen, die Menschen durch die Kirche heiligen. Zugleich lässt sie, die zwischen der Dreifaltigkeit und den Menschen ist, uns durch ihre mütterliche Liebe aktiv an dieser Verherrlichung teilnehmen, so dass wir alle eines Tages wieder in den trinitarischen Schoß zurückkehren werden, wo wir «alles in allem» sein werden.
Im nächsten Artikel betrachten wir, wie Maria gemeinsam mit ihren Kindern diese Verherrlichung der Dreifaltigkeit vorbereiten soll.
Bernard Balayn

Anmerkungen:
1. Wer mehr über die Zeichen von Fatima erfahren will, kann sich an folgendes Buch halten: «Fatima, message extraordinaire pour notre temps», S. 47-82.
2. Auch die Sakramente sind sinnenfällige Zeichen, die die göttliche Gnade hervorbringen oder wachsen lassen sollen.
3. So war es bis zu Johannes Paul II.

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