Medjugorje

Die Leiden von Vicka Ivankovic

=> MARIA HEUTE 428 INHALT

Medjugorje, an einem Vormittag im Oktober 1987. Eine elegante Dame aus Basel (Schweiz) kam enttäuscht aus dem Dorf Bijakovici zu Andjelko Ostojic zurück. Sie betonte jede Silbe, als sie mit einer sanften, leichten Stimme sagte: «Heute konnten wir Vicka nicht sehen; sie hat ihre Leiden. Glauben Sie, Lise, dass sie morgen»
«Ja, sie wird da sein.» Und sie war da, selbstbewusst und strahlend stand sie in der Vormittagssonne.

Tod und Verklärung, so heißt die symphonische Dichtung von Richard Strauss1. Damit ist die ganze Existenz von Vicka Ivankovic seit jenem Frühlingsabend 1982 zusammengefasst, an dem das Leiden sie zum ersten Mal befallen hat: Migräne und Ohnmachtsanfälle, die in den folgenden Tagen stärker und häufiger wurden und mit Gelenkentzündungen einhergingen. Der Schmerz fesselte sie an ihr Bett und zwang sie aufzuhören. Nachdem ihre Kräfte zurückgekehrt waren, ging Vicka wieder zu ihren Pilgern hinaus ohne ein Wort der Erklärung für ihre Mutter Zlata, die sich schweigend Sorgen machte.
Vor dem Franziskaner Janko Bubalo, der sie im Dezember 1983 befragte, bemerkte Vicka schließlich: «Es gibt nicht viel zu sagen. Die Gospa erschien mir jeden Tag ganz fröhlich und riet mir, mein Leiden Jesus für die Bekehrung der Sünder aufzuopfern. Ich brauchte sie nur zu sehen, und schon war ich gestärkt.»
Bis dahin konnte es sich um bekannte Krankheiten handeln. Aber die Situation änderte sich am Abend des 15. September 1984, am Tag nach dem Fest der Kreuzerhöhung. «Gegen 23.00 Uhr war Vicka mit ihren beiden Schwestern Ana und Mirjana in ihrem Zimmer und machte sich bereit, um zu einer Gebetsnacht auf den Krizevac zu gehen. Plötzlich fühlte sie heftige Kopfschmerzen, die sie zwangen, sich hinzulegen. Man wollte auf der Terrasse kurz auf sie warten. Doch da sie nicht kam, ging Ana wieder hinein und fand Vicka auf ihrem Bett liegend vor, ruhig und mit einem Lächeln wie bei den Erscheinungen. Doch in dieser Nacht kam etwas Neues dazu: Man hörte ihre Stimme «Jesus!… Mein Gott…» und sie stöhnte vor Schmerz. Spontan kniete Ana nieder und sagte: «Mein Gott, hab Erbarmen mit ihr!»… Vicka nahm diesen Satz auf: «Hab kein Erbarmen!»
Darauf folgte bis zum 25. September 1988 ein tragischer Kontrapunkt von zeitweilig aussetzenden Leiden und Aufenthalten in den Krankenhäusern von Zagreb, wo sie körperlichen, psychologischen und psychiatrischen Untersuchungen unterzogen wurde. Man stellte zwei Hypothesen auf: eine inoperable Zyste zwischen dem Großhirn und dem Kleinhirn, die auf den Röntgenaufnahmen sichtbar geworden war, sowie eine hysterische Bekehrung.
Beide Hypothesen wurden widerlegt. Die Zyste war klein, es handelte sich nicht um Krebs und sie entwickelte sich nicht weiter, hatte also nichts mit den Schmerzen zu tun. Die hysterische Bekehrung überzeugte keinen der befragten Spezialisten, die eine allgemeine Schlussfolgerung unterzeichneten: «Vicka ist geistig gesund.»
R. Laurentin hat von inneren Wundmalen gesprochen. «Ich habe gesehen, wie sie zusammengesunken, leblos, wie ein Lumpen auf ihrem Bett lag. War sie bei Bewusstsein? Ja, wie sie mir später sagte. Sie litt, aber ohne Verkrampfung noch Seufzen. (…) Manchmal hatte sie Erscheinungen. Sie verschwand stundenlang, manchmal über 24 Stunden lang, und kam mit einem offenen Lächeln zurück, wenn alles vorbei war: Sie war dann voller Energie, ermutigend und hatte ihre Probleme bereits vergessen. Sie hat sich nie beklagt.» Das entspricht wörtlich dem, was ich selbst im Frühjahr 1988 gesehen habe.
Am 25. Februar 1988 schrieb sie in einem Brief an die bischöfliche Kommission von Bischof Pavao Zanic, dass ihre Krankheit keine Strafe sei, sondern eine freiwillig angenommene Gabe Gottes, die dazu beitragen sollte, die Krankheit der Sünder zu heilen, und dass ihr Opfer am 25. September zu Ende gehen würde, da sie dann geheilt sei. Dem war auch so.

Wozu das Leiden?

Vicka war bemerkenswert zurückhaltend, wenn es darum ging, den Sinn ihrer Leiden zu deuten. «Leiden heißt schweigen», sagte sie in jenen Jahren. «Man darf nicht zuviel darüber sprechen. Wenn wirklich Gott uns bittet zu leiden, bittet er uns um das vollkommene und demütige Opfer. Alles spielt sich zwischen Ihm und mir ab.»
Wir sind also gezwungen, ihre Gedanken aus einigen vereinzelten Satzfetzen in der Geschichte der Erscheinungen zu entnehmen. Dem Franziskaner Janko Bubalo hatte sie im Dezember 1983 gesagt: «Die Gospa riet mir, mein Leiden Jesus für die Bekehrung der Sünder aufzuopfern.»
Bischof Franic gegenüber sagte sie mit einer erstaunlichen Ruhe: «Das Leben, der Tod, die Krankheit, die Gesundheit: all das sind Gaben, wenn Gott es will…» Ihrer Mutter Zlata, die ihr gesagt hatte: «Meine Tochter, warum bittest du nicht die Gospa, dein Leiden wenigstens ein bisschen zu verkürzen?», antwortete sie sanft: «Mama, wenn du wüsstest, wie vielen Seelen das Leiden zugute kommt, würdest du mich nicht um so etwas bitten.»
Diese Bemerkungen Vickas erinnern an die Botschaften des Friedens2 Unserer Lieben Frau, deren Schülerin sie gewesen war: «’Promisli.’ Denkt nach. Ihr sollt wissen, warum ihr leidet: Damit ihr solidarisch seid mit dem Allmächtigen, der heute noch wegen eurer Sünden und für eure Heilung leidet. Ihr sollt auch wissen, dass das Leiden, das sich menschlich gibt, das Abbild des Leidens Gottes ist: ein Opfer seiner selbst, das Gott dargebracht wird, wie Jesus es getan hat. Und schließlich sollt ihr wissen, welche Kraft dabei freigesetzt wird: die Kraft Christi selbst. Der heilige Paulus hat geschrieben: «Er hat durch Leiden den Gehorsam gelernt. Zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden.» (Heb 5) Allein die Gnade kann diese göttliche Kraft herabrufen, die nur dann erlangt wird, wenn man ohne Unterlass betet.»

Von der ErlЪsung zur Auferstehung

Ihre Teilnahme an der Erlösung der Menschheit, in die sie sich selbst einschließt, hat Vicka die Heiligung gebracht, die eine echte Verklärung ist. Bereits 1986 beeindruckte sie R. Laurentin: «Ihre Geduld, die doch in solchem Gegensatz zu ihrem Temperament steht, ist unerschöpflich geworden.» 1990 schrieb er: «Bis heute bewundere ich die Heiligkeit der Seher von Medjugorje. Ich fühle mich recht klein neben diesen Jugendlichen. Ihnen gegenüber, vor allem Vicka gegenüber, verliere ich den Boden unter den Füßen.»
Ich verstehe R. Laurentin. Sie hatte den Tod besiegt: «Die Gospa sagt, dass wir den Himmel auf Erden leben sollen. Für mich gibt es keinerlei Unterschied zwischen hier und dort. Sogar die Krankheit ist eine Gabe Gottes. Ich bin bereit, hier und jetzt zu sterben. Ich bete gern. Diese Zwiegespräche sind die große Freude meines Lebens. Ich bete richtig: «od srca» (sprich: «od sertsa»), aus dem Herzen. Ich erfahre Gott. Ich höre ihn, ich sehe ihn. Ich habe eine echte Beziehung mit ihm. Ich kann nur sagen, das Gott der Wahre, der Unfassbare ist. Diese Liebe kann man nur in seinem Herzen empfinden.»
Hier befinden wir uns im Erhabenen, in dem ,was Ambroise Gardeil durch Thomas von Aquin als normale Vollendung eines menschlichen Lebens in der Gnade erkannt hat: Die Erfahrung Gottes, die man durch die göttlichen Tugenden und die Gaben des Heiligen Geistes erlangt, und zwar insbesondere die Weisheit, die uns die Größe des Dreifaltigen Gottes lieben lässt: seine unendliche Transzendenz, «das, wodurch er am meisten Gott ist», und sein absolut unergründliches Geheimnis.3

Die Treppe

Wenn einer von uns auf dieser Erde den Gehorsam durch die Leiden der Passion lernt, wird er wie Jesus Grund zu ewigem Heil für all jene, die zu ihm ihre Zuflucht nehmen. (Heb 5). Und Vicka weiß, wie sehr das stimmt: «Seid zuerst im Herzen Gottes. Dann könnt ihr bitten», hat sie gesagt. Durch ihre Leiden ist sie dort, wo er ist. (Joh 14)
Und die Pilger von Medjugorje haben das überdeutlich gesehen. Der Gedanke, hierher zu kommen ohne Vicka zu sehen, ist ihnen unerträglich. Sie empfängt sie in ihrem elterlichen Haus im Dorf Bijakovici, am Fuß des Podbrdo, wo Unsere Liebe Frau im Juni 1981 erschienen ist. Sie spricht zu uns von der fünften Stufe der Betontreppe aus, die außen am Haus zu den Zimmern im ersten Stock führt.
Die Szene ist immer dieselbe. Es ist ein Morgen wie jeder andere, am 26. Juni 1998, gegen 9.00 Uhr. Unter der grellen Sonne steht dicht gedrängt im Innenhof und bis auf die Straße hinaus eine Gruppe und wartet bereits auf sie. In der ersten Reihe stehen an das schmiedeeiserne Geländer gedrückt zwei jugendliche Mädchen, die vom Leben lädiert sind. Sobald Vicka oben auf der Treppe erscheint und herabeilt, flehen sie mit ihrem Blicken zu ihr. An jenem Morgen strahlt sie. Aber sie könnte auch mit 40° Fieber hier stehen. «Diese Leute kommen von weit! Also stehst du auf und sagst dir: ‚Gospa, hilf mir!’ Du hast das Gefühl zusammenzubrechen, du hältst dich am Geländer fest. Du siehst alles undeutlich und sagst dir: ‚Du darfst hier nicht zusammenbrechen...’ Also hilft dir die Gospa, und dann vergeht es.»
An jenem Morgen spricht sie mit Leidenschaft, sie spricht nur noch über die Botschaft, wie in den ersten Jahren, aber ohne die Prägnanz aufzugeben. Das Wesentliche, das Unsere Liebe Frau «glavne poruke», die Hauptbotschaften nennt: «Mir, Vjera, Obracenje, Molitva, Post». Frieden, Glauben, Umkehr, Gebet und Fasten, ist in 15 Minuten übermittelt, Übersetzung inbegriffen.
Seit Mai 1985 habe ich den Eindruck, dass jedes Mal dieselbe Gruppe dasteht. Immer steht in der letzten Reihe ein stiller Mann, der nicht zu ihr kommt, aber der froh wieder geht, weil er begriffen hat, dass nicht der Schmerz ihn bedrückte, sondern wie Teresa von Avila sagte, die dichte und beängstigende Finsternis, in der die Seele ewig vom Wesen getrennt ist.4 Er wurde durch die Verdienste von «Vickas Leiden» befreit und weinte in der kommenden Nacht wie ein Kind. Endlich einmal weiß er sich mit dieser reinen Liebe geliebt, die unser Papst Benedikt XVI. «die Agape, die Caritas»5 nennt, und die für ihn nie so deutlich sichtbar, nie so ergreifend war wie in dem Lächeln dieses unschuldigen jungen Mädchens, das für ihn leidet, ohne Rechenschaft von ihm zu verlangen.
In diesem Innenhof sind auch jene, die sie keinen Augenblick aus den Augen lassen und die mit diesem «Gospa kaze da...» «Unsere Liebe Frau sagt...» im Herzen wieder gehen und die Gewissheit haben, dass sie auf Vickas Fürbitte hin vom Siegel des Heiligen Geistes gezeichnet worden sind: das Fasten, das man liebt, das Gebet, die herzliche Unterhaltung mit Gott, der Frieden, die Umkehr und der Glaube, der sich konkret in dem Vertrauen äußert, das wir unserer Kirche entgegenbringen.
Vicka hat immer gewusst, warum sie gezeichnet wurden: «Die Botschaft richtet sich in erster Linie an mich. Ich fühle die Verpflichtung sie zu leben, um sie mit dem Herzen weiterzugeben.»
Die Begegnung endet mit einem kurzen Gebet. Kaum hat sie das Kreuzzeichen gemacht, liegt bereits eine italienische Jugendliche in ihren Armen, die an Leukämie leidet. Ihre Gesicht ist leichenblass, sie hat keine Augenbrauen mehr, der Kopf ist fest in ein großes weißes Kopftuch gebunden, das Mädchen hat bereits den Tod in ihrem Blick. «Weine nicht mehr», sagt Vicka sanft. «Wir werden beten.» Die Tränen hören plötzlich auf. Vicka segnet sie, betet lange, umarmt sie liebevoll. Das Lächeln kehrt auf dieses Gesicht zurück.
Christus lebt in ihr. «Denn da er selbst in Versuchung geführt wurde und gelitten hat, kann er denen helfen, die in Versuchung geführt werden», schreibt der heilige Paulus. (Heb 2)
In der Zwischenzeit, während die folgende Gruppe ankommt, gehen wir in ihr Zimmer im ersten Stock hinauf. Sie setzt sich, sie ist außer Atem und ganz rot. Ein großer Seufzer, ein strahlendes Lächeln und dann sagt sie:
«Ich freue mich so sehr, dich zu sehen, Lisa!»
«Ich frage mich, wie du das hier überlebst...»
«Es braucht Geduld... Ich würde so gern für alle alles tun! Aber da sind die Franzosen, die Engländer, die Polen, die Koreaner, die Brasilianer... Und du, wie geht es dir: deine Gesundheit? Der Krebs?
«So gut, dass ich bereits daran denke, wieder Gruppen hier zu führen.»
Sie wird plötzlich ganz ernst. «Wenn Gott dir eine Krankheit schickt, dann will er das in diesem Moment. (Sie spricht laut, ich bin überrascht.) Wenn du später wieder Gruppen führen sollst, wird es geschehen. Entscheidend ist, was Gott will, nicht was du willst! Das Leiden ist eine große Gabe. Es baut dich auf. Leide in Begleitung Gottes, dann wird alles gut ausgehen.»

Das Martyrium der schwierigen Situationen

Im Juni 2004 macht Vicka wie jede Frau, die zwei Kinder hat, das normale Leiden des Lebens durch, das Teresa von Avila sehr treffend beurteilt hatte: «Das Martyrium ist nicht nur vollkommen, wenn Blut fließt. Es ist auch das Einhalten der Gebote Gottes. Die wahre Geduld in schwierigen Situationen bringt auch Märtyrer hervor.»6
Diese Martyrium hat Vicka immer reichlich kennen gelernt, sogar in den Jahren ihrer mystischen Leiden: Mandeloperation, Blinddarmdurchbruch, Tumor auf der Darmwand, Verwachsungen, Infektionen und Komplikationen durch einen Wattebausch, der bei der Blinddarmoperation vergessen wurde, Verbrennungen im Gesicht durch einen Unfall am Herd. Ich habe sie am 30. April 1988 in diesem Zustand gesehen. Sie hatte ein Gesicht wie aus Leder, dabei war sie es, die uns tröstete! In den letzten Jahren ist sie oft nicht auf ihrer Treppe, weil sie Schmerzen in den Beinen hat, die sie durch Spezialisten in Zagreb behandeln lassen muss.
Darin gleicht sie uns und wurde ein unauffälliger Grund zur Heiligkeit für die Menschheit. «Keiner von uns lebt sich selber und keiner stirbt sich selber», sagt der heilige Paulus. (Röm 14). Die Lehre der Kirche führt dies aus: «Die geringste unserer Handlungen wirkt sich, wenn sie aus Liebe geschieht, zum Vorteil aller aus. Dies geschieht in der Solidarität mit allen lebenden und toten Menschen, die auf der Gemeinschaft der Heiligen gründet.»7

Maria-Eva

Im Juni 2004 habe ich mich bereit erklärt, für eine Großmutter aus Quebec zu übersetzen, die durch Vicka seit 1989 Gnade über Gnade für die drei Generationen ihrer Familie erhalten hat. Sie will ihr sehr herzlich danken. Vicka, die im sechsten Monat schwanger ist, war nicht auf ihrer Treppe. Zlata sagt uns, dass man ihr viel Ruhe verordnet hat und schickte uns zu ihrem Haus in Krehin Gradac, einige Kilometer östlich von Medjugorje.
Sie war nicht da. Wir wurden von ihrem Mann Mario Mijatovici empfangen. Der Mann ist beeindruckend. In dem Wohnviertel Bijakovici hat er den Ruf eines Kriegshelden, weil er zu einem Kommando von Freiwilligen gehört hat, die während der Belagerung von Sarajewo durch die serbischen Truppen einen Tunnel gegraben haben, um einen Fluchtweg für die Kroaten und Muslime zu eröffnen, die in einem feindlichen Sektor der belagerten Stadt eingeschlossen waren.
Während dieser Fluchtmanöver wurde er an den Beinen verletzt. Man transportierte ihn nach Medjugorje, wo Bruder Slavko Barbaric und dann Vicka sich um ihn kümmerten. Sie ließ ihn in Italien durch Bekannte in Rom pflegen. Der Kämpfer hat sie durch sein Heldentum beeindruckt, der Verletzte hat sie durch seine Fähigkeit erobert, still zu leiden, dankbar zu lächeln, alles klar zu erkennen. Das alles sind Eigenschaften eines zutiefst menschlichen Wesens.
Am nächsten Morgen empfing uns Vicka. Sie musste sich setzen. Während der Unterhaltung näherte sich Maria-Eva, die Enkelin von Ghislaine. Vicka hat dieses kleine, achtjährige Mädchen bemerkt, das von diesen Geheimnissen der Wege der Kindheit beherrscht ist, die zu viel Zurückhaltung und zu viel beunruhigende Ruhe auferlegen, die Stille gebieten und es nicht zulassen, dem Leben zuzulächeln.
Vicka nahm sie in ihre Arme, setzte sie auf ihren Schoß. Auch wenn sie ganz aufmerksam allem folgte, was gesagt wurde, war sie eine ganze Weile lang woanders, weit weg in den Höhen der Seele, sicher bei Gott, so sehr ging ihr Blick über die Zeit hinaus, die in diesem Raum verstrich.
Die Kleine überließ sich ihr mit geschlossenen Augen, sie war genauso entspannt wie die Pilger, die im Geist ruhen, wenn Pater Jozo Zovko sie in Siroki Brijeg segnet.
In diesem Augenblick folgte Vicka der Unterhaltung nicht mehr. Sie war ein einziger langer, tragischer Blick. Aber nicht traurig. Sie war in der Freude, die Unsere Liebe Frau von Gott empfangen hat: ein Leiden, das Freude wird, weil es die Glückseligkeit des mystischen Leibes wiederherstellt. «Eine Herzensfreude, nichts Oberflächliches oder Äußeres. Ich habe Gott gesucht. Er hat mir die Freude gegeben. Sie strahlt aus.»
Vicka ist unter uns die Freude der Verklärung. Ihre Leiden haben sie unter uns auf Erden zum auferstandenen Wesen des Paulus von Tarsus gemacht: «Der auferstandene Leib wird in erstaunlicher Weise verwandelt, er wird unverweslich, glorreich, stark, geistlich...» (1 Kor 15)
Thomas von Aquin hat diesen Leib als dem Geist vollkommen untergeordnet gesehen. Die absolute Herrschaft der Seele über den Leib wird der Grund für dieses ganz starke Gefühl, sich selbst zu sein. Und doch wird uns das alles gering erscheinen im Vergleich dazu, dass die Seele den unendlich schönen, liebenswerten und liebenden Gott besitzt.8
Wenn man es versteht, das Familienfoto von Vicka zu betrachten, begreift man genau das. Es kommt noch besser zum Ausdruck, wenn man sieht, wie liebevoll sie mit ihrem Schäferhund und ihrem Griffon umgehen, den das Kind Maria Sofia sanft streichelt. Da begegnet man dem Frieden von Medjugorje, welcher der Frieden der Auferstehung aus der Summa theologiae ist, wo in der Gesellschaft der Erwählten die Freuden der einen sich durch die Schönheit der anderen vermehren, alles zusammen in einem großen Lächeln der ganzen Schöpfung.9
Aus: «Le Nic» (Die neue katholische Informationszeitung) C.P. 4629, Rawdon, QC, JPK 1S0

Anmerkungen:
1. Richard Strauss (1864-1949), «Tod und Verklärung», opus 24.
2. «Poruke Kralijce Mira», Medjugorje, Medjugorje, Informativni Centar «Mir», 1996. Botschaften vom 29. März 1984; 19. Juni 1986; 11. September 1986; 25. September 1996.
3. Gardeil, Ambroise, O.P.: La structúre de l’âme et l’expérience mystique, Imprimatur: Parisiis, die 22°feb. 1927, Paris, Librairie Victor Le-coffre, 1927.
4. Theresa von Avila, «Leben», Kapitel 12, Gesamtausgabe .
5. Benedikt XVI., «Deus Caritas Est», 25. Januar 2006.
6. Teresa zietiert den heiligen Chrysostomos in «Gedanken und Aussprüche», Gesamtausgabe.
7. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 953
8. Thomas von Aquin, Summa Theologiae: Die Auferstehung, kommentiert von J. Webert O.P., Paris, Cerf, 1937. S. 323-328.
9. Umschreibung des Ausdrucks: «Wie ein Lachen des Universums», von Dante Alighierai in der «Göttlichen Komödie»: Das Paradies,
27. Gesang.

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