LEBEN aus Seinem LEBEN

Die Lehre der Bischofssynode
über die Eucharistie

Von Bernard Balayn

=> MARIA HEUTE 427 INHALT

Es ist an der Zeit, die ersten Früchte der Synode über «Die Eucharistie, Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche» zu erwähnen: Ihre Lehre. Es geht um die traditionelle Lehre der Kirche: Die Realität und die Gegenwart des eucharistischen Christus, aber auch um die Pastoral, die im Hinblick auf die gegenwärtige Zeit und die Hoffnung der Kirche voran gebracht werden soll.

Ich wollte lieber konkret, lebendig und echt über das berichten, was tatsächlich gesagt wurde, als ein Resümee des offiziellen Resümees zu verfassen, das bestimmt recht vollständig, aber abstrakt und relativ geworden wäre. Ich habe daher die 230 Eingaben1 der Synodenväter von vorne bis hinten aufmerksam durchgearbeitet und zusammengefaßt, ohne die Eingaben zu erwähnen, die noch angehängt wurden — um die großen Achsen herauszuarbeiten, d.h. jene Aussagen, die bei den Synodenvätern am häufigsten vorkamen und ein Widerschein ihrer Sorgen, Hoffnungen und Klagen sind. Das bedeutet, mit wenigen Worten den außerordentlichen Reichtum aufzuzeigen, den der Heilige Geist durch ihre Beiträge schenkt, die so wörtlich wie möglich zitiert werden, damit wir uns die Verschiedenartigkeit, die «Würze» und die fruchtbare Kraft zu eigen machen können, wenn das postsynodale Dokument das umsetzen wird, was der Heilige Geist, der Herr des Lebens ist, von der Kirche fordert.

DER LEHRAMTLICHE TEIL

Die neuerliche Bestätigung des Dogmas

Die allgemeine Atmosphäre. Die Offenheit der Arbeiten. Die groben Umrisse.

Die Synodenväter betonten ihrerseits die hervorragende Aufnahme, die ihnen zuteil wurde, die Geistesverfassung und den Ablauf der 17 Generalkongregationen (tägliche offizielle Versammlungen, oftmals in Anwesenheit des Papstes). Es kam zu vielen Gesprächen. Gewißheiten, aber auch Befürchtungen und Vorschläge wurden ausgesprochen.
Der Generalsekretär der Versammlung stellte sofort die Verbindung zwischen beiden Synoden her als er die Vorbereitung der jetzigen Synode darlegte. Der Generalberichterstatter zeigte auf, wie es zum gewählten Thema kam: die Wiederentdeckung der Eucharistie und die damit verbundenen pastoralen Herausforderungen.
Untersucht man die Berichte, so berührt einen die Universalität der Kirche, die verschiedenartigen Erfahrungen der Bischöfe zu diesem Thema, ihre pastoralen Sorgen angesichts einer Welt, die ihnen oft zu entgleiten droht, die Hoffnung, die sie auf diese letzte «Waffe» der Kirche — die Eucharistie — setzen.

Wahrung und Vertiefung der eucharistischen Lehre

Die Synodenväter haben ohne Umschweife das unantastbare Dogma von der Eucharistie in seiner theologischen Wahrheit und allen damit verbundenen Implikationen neu bestätigt. Dabei bezogen sie sich oft auf das Konzil von Trient. Alle wollten zunächst die Natur des Sakramentes in Erinnerung rufen. Mehrere betonten den trinitarischen Aspekt der Eucharistie: Der Vater, der seinen Sohn sendet; der Sohn, der sich für ihn aus Liebe und Sühne opfert; der Heilige Geist, der ihn in Maria Gestalt annehmen läßt und ihn in der Messe gegenwärtig setzt: «Die Eucharistie ist vor allem das Mysterium der trinitarischen Liebe» (Kard. Rigali). Die ostkirchlichen Vertreter priesen den Heiligen Geist: «Ohne Ihn gibt es keine Inkarnation, keine Eucharistie, es kommt zu keiner Transsubstantiation. Er bringt Jesus zum Menschen.»
Viele erwähnen den Aspekt des Opfers, durch das Jesus vom Himmel zu den Menschen kommt (Er ergreift immer die Initiative). Später gibt er sich als Sühneopfer für unser Heil hin: «Die Eucharistie ist der grundlegende Akt des neuen Bundes, den der Vater in seinem Sohn schließt» (Bischof Eyene). Viele entfalten die Grundlage der Eucharistie: «Das Sakrament des Leibes und Blutes Christi aktualisiert, erneuert, repräsentiert das Kreuzesopfer, das ein für allemal vollbracht [und beim Letzten Abendmahl vorweggenommen wurde]. Das Opfer ist der erste Ursprung der Eucharistie, das alle Wahrheiten, die damit verbunden sind, hierarchisiert.» (Bischof Ozorowski) Er fügte noch hinzu: «Man darf das Kreuz nicht verkleinern und den leichten Weg suchen, sonst besteht die Gefahr, dass die eucharistische Theologie protestantisch wird. Das Kreuzesopfer, das den Menschen erlöst, ist in diesem Mysterium das Entscheidendste. Die Auferstehung wird nur durch das Kreuz erreicht.» Bischof Roche präzisiert, dass das Opfer einen höheren Wert als die nachfolgende Kommunion und als das Wort hat, auch wenn dieses unerläßlich ist (es bewirkt, was es bezeichnet). Die Rangordnung Opfer - Wort beinhaltet eine «unauflösliche Komplementarität» (Bischof Muszinski).
Die durch die Auferstehung sublimierte Opfervorstellung eröffnet für diese den Begriff der Realpräsenz. Durch die Eucharistie ist Jesus wahrhaft und unaufhörlich in seinem verherrlichten Leib mit seiner Seele und seiner Gottheit gegenwärtig. Nun priesen und bestaunten die Synodenväter mit der Kirche diese «verwandelnde Präsenz. Und Christus ist nicht nur gegenwärtig, sondern er gewährleistet die Kommunion des Gläubigen mit Ihm und als Unterpfand der Herrlichkeit verwandelt er den Gläubigen mit sich. Die Fülle dieser Gegenwart muß wiederentdeckt werden.» (R.P. Francis)

Das «Sakrament der Sakramente»

Die Anbetung die Kraft der Eucharistie

Anschließend bezeugten die Synodenväter ihre Bewunderung für die Eucharistie, «den Höhepunkt der Sakramente, der sakramentalen Siebenzahl — ähnlich wie der Sonntag die Woche krönt» (Kard. Scola); «das Sakrament par excellence, das Sakrament der Liebe aller Liebe» (Kard R. Varela). Thomas von Aquin wurde zitiert: «Die Eucharistie ist die Erfüllung des geistlichen Lebens, das Ziel aller Sakramente». Sie verwandelt die anderen Sakramente. Die Bischöfe setzten alle Sakramente in eine innige Beziehung zur Eucharistie, insbesondere die Taufe, die Buße (mehrere betonten die Einzelbeichte; zwei Kardinäle wünschten die Rückkehr der Beichtstühle), die Ehe (mit dem Hinweis auf Kana) und natürlich die Priesterweihe: «Die Eucharistie ist strikt an das Weihesakrament gebunden; sie ist seine zentrale und hauptsächliche Daseinsberechtigung» (Kard. Grocholewski).
Die eucharistische Anbetung entspringt wie die Kommunion dem Opfer. Viele betonten deren Bedeutung in unserer zerrütteten Welt. Während die einen die Abnahme dieser Praxis beklagten, freuten sich statt dessen andere: «In Mexiko», sagte Bischof Rabago, «gibt es 4 Millionen nächtliche Anbeter. Solange die Kirche ausruft, dass Jesus einer ewigen Anbetung würdig ist, wird sie auch weiterhin ihre Feinde besiegen.» Kard. Dias lud «Bischöfe und Priester der ganzen Welt ein, Jesus eine Stunde täglich vor dem Allerheiligsten anzubeten».
Denn in der Realpräsenz liegt die größte Kraft. Die Bischöfe wetteiferten darin, diese Kraft zu preisen: Kard. O. Bravo bekräftigte, dass «es keine Liebe ohne die Eucharistie gibt». Der Bischof von Taiwan versicherte, dass «man alles aus der Eucharistie, dem Sakrament der Vereinigung und der communio schöpfen soll». Der Jerusalemer Bischof vertraute ihr den Frieden an. Die Gründerin einer Gemeinschaft sprach von ihrer eindrucksvollen Erfahrung: «Die Eucharistie versteht man nicht mit dem Kopf, man lebt sie mit dem Herzen. Sie schafft eine Dynamik. Mit ihr hat uns Jesus das außergewöhnlichste Licht hinterlassen, mit dem wir der Finsternis des Bösen entrinnen können.»

Die Eucharistie würdig feiern

Hier sind die Synodenväter einhellig und die ostkirchlichen Vertreter in ganz besonderer Weise. Wie der Erzbischof von Moskau haben viele von liturgischen Mißbräuchen gesprochen. «Angesichts der liturgischen Korruption ist ein neues, lehramtliches Schreiben erforderlich, das die notwendigen Normen wiederherstellt.» Die ostkirchlichen Prälaten fügten hinzu, dass dies eine der Bedingungen für ihre Rückkehr zur vollen Einheit sei. Sie sprachen sich für eine größere Wertschätzung des Sonntags aus.
Sie sprachen von Exzessen auf der einen Seite: «anarchistische Liturgien» (z.B. den Laien wird zuviel Eigeninitiative überlassen, «mangelnde Achtung vor dem Wort Gottes und den Zeichen, aus Sorge, dass das Spirituelle zu kurz kommen könnte»...) und von Fehlern auf der anderen Seite: «Bischöfe und Priester müssen ihre Verantwortung wirklich übernehmen»: gute liturgische Abläufe, angemessene und vorbereitete Predigten, gute Vorbereitung der Seminaristen bis hin zu Sorgfalt beim Bau von Kirchen und würdigen Radio- und Fernsehübertragungen (wie könnte man die vielen Synodenväter alle zitieren?) Drei Bischöfe aus der früheren kommunistischen Welt zeigten durch ihre schmerzlichen Erfahrungen, wie ihre Mitbrüder mit der Eucharistie umgehen sollten: «... Angesichts der Tatsache, dass derzeit in der westlichen Welt die Tendenz verbreitet ist, dem Tabernakel seine zentrale Position zu rauben und die Handkommunion zu praktizieren, nimmt man dem Erlöser seinen zentralen Platz und vergrößert die Risiken der Profanierung. Der Heilige Stuhl möge durch eine allgemeingültige Norm dem entgegenwirken...» (Bischof Lenga aus Karaganda). «Wie viele Messen wurden [während der Zeit der Verfolgung] heimlich mit Wein, der aus einigen Trauben, die auf der Straße gefunden worden waren, gefeiert — mit einem Löffel, einer Schöpfkelle. Die Verfolger hatten unsere Priester ins Gefängnis gesperrt, damit sie nicht mehr die Eucharistie feiern konnten. Nachdem die Synodenväter die Beispiele großer Priester: Thomas von Aquin, Bellarmin, Pfarrer von Ars... zitiert hatten, schloß Kard. Puljic (von Sarajevo...): Man muß «den Glauben, das Gewissen, die Verantwortlichkeit für eine äußerst würdige Feier der Eucharistie erneuern».

DER PASTORALE TEIL

Die Notwendigkeit einer eucharistischen Katechese

Studiert man die verschiedenen Eingaben, berührt einen besonders die einhellige Sorge der Synodenväter hinsichtlich einer eucharistischen Unkenntnis im Allgemeinen und der Unkenntnis der heiligen Messe im Besonderen. Sie baten den Heiligen Vater inständig, eine vertiefte und klare Katechese dieser Fragen in Angriff zu nehmen, wenn man will, dass die Mitfeier der Messe und die Anbetung wieder zunehmen soll. Diese Unkenntnis schwächt das Zentrum des Katholizismus und bringt den Sekten, die besonders in Südamerika, Afrika, Indonesien, aber auch in unseren Ländern um sich greifen, neue Anhänger. Die Synodenväter fragten sich, wozu die Messen dienen, wenn die Gläubigen sie nicht kennen und sie daher auch nicht verstehen. In der Tat, was bedeuten die Begriffe für so entscheidende Wirklichkeiten wie es die Mystagogie, die Epiklese, die Anaphora, usw. sind? Darüber hinaus kennt man noch die Anamnesis... [Das ist] ein vorrangiges und unumstößliches Problem der Pastoral, die daher eine dringliche und breit angelegte Anstrengung im Bereich der Katechese, der Pädagogik der eucharistischen Realität unternehmen muß. Das forderte ein Synodenvater, der diesbezüglich einen besonderen Platz einnimmt: Kard. Hoyos (Präfekt der Kongregation für den Klerus). Ich möchte seine glühende und entscheidende Bitte zusammenfassen: «Die Größe des eucharistischen Mysteriums eines Gottes, der sich zu Brot und zum Gefährten macht, ist nicht tief genug bekannt (...). Wir bitten den Heiligen Vater ehrfurchtsvoll um:
1. Eine allgemeine Katechese auf allen Ebenen.
2. Einen effektiven und erleuchteten Wettbewerb der 400’000 Priester auf der Welt, damit der Auftrag: “Tut dies zu meinem Gedächtnis” nicht verloren geht. Sie haben eine unersetzliche Sendung als Lehrer und Führer für ihre Helfer, die Ordensleute, Katecheten, Familien, usw. Bei diesem katechetischen Unterfangen können wir auf zwei kraftvolle Instrumente bauen: auf den Katechismus der Katholischen Kirche und das Kompendium, das ihn zusammenfaßt.
3. Die universelle Heiligung der Diener der Eucharistie (...)
4. Die Rückgewinnung des Gespürs für das Mysterium und das Heilige, um Gottesdienste auf angemessene Weise zu feiern.»
Wie sollten solche Autoritäten, die die innigen Wünsche der Katholiken und die Erfordernisse des Glaubens kennen, nicht gehört werden?

Für eine Pastoral, die aus der Eucharistie lebt

Für wen ist die Eucharistie?

Bischof Hamao (Präsident des Päpstlichen Rates für die Migranten) sagte zu Recht, dass die Eucharistie eine universelle Finalität hat: «Da die Kirche unterwegs und pilgernd ist, ist die Eucharistie als Zentrum der Einswerdung und des gemeinsamen Strebens unsere Pilgernahrung.» Sie integriert sich sofort in eine andere Universalität, in die der Kulturen, wie Kard. Poupard sagte: «Die Eucharistie ist “Verwandlungskraft der Kulturen, Samen einer neuen Welt”». Der französische Kardinal betonte mit Nachdruck die Qualität der Liturgie, die Gnaden Gottes anziehen soll: «Sie ist schön wenn sie Gottes Heiligkeit ausdrückt, wenn sie “Gott wohlgefällig” ist. Für den Gläubigen geht die Schönheit über die Ästhetik hinaus». Bischof Pakiam (Indien) sprach ebenfalls in beeindruckender Weise: «Die heilige Eucharistie erkennt die grundlegende Würde jedes Menschen an». Sie ist also das Sakrament aller Menschen. «Das Beispiel des hl. Franz-Xaver gilt noch immer: Durch die Eucharistie haben unsere Gläubigen den Mut, am Glauben festzuhalten. Auch wenn unsere Fischer Analphabeten sind, lehren sie mich durch ihre Begeisterung für den Sonntag und ihre Anbetung des Allerheiligsten, was das Allerheiligste ist.»
Der Sifer für die Eucharistie bewahrt die Gläubigen vor den herrschenden Irrtümern, die uns an die Erde binden und uns von unserer ewigen Bestimmung abwenden: «Die Eucharistie übersteigt die Enge der Säkularisierung und schenkt wieder Hoffnung», versicherte ein Synodenvater. Die Wahrheit der Eucharistie, die Liebe, die uns drängt, vertreibt die Irrtümer wie den Relativismus, von dem uns Benedikt XVI. sprach. Deshalb «muß man die Gläubigen für die Hoffnung der Eucharistie interessieren», sagte ein Bischof aus Korea. Diese Hoffnung führt zum Himmel, zur Auferstehung, verkündete ein Mitbruder: «Das Hauptziel der Eucharistie besteht in der Verkündigung des Evangeliums von der Auferstehung des Fleisches und darin, es schon jetzt zu leben.»
Als Angelegenheit des ganzen Gottesvolkes «muß man eine Laienspiritualität fördern, die unbedingt eucharistisch sein muß, um die Welt wieder zu christianisieren», bekräftigte Bischof Rylko (Präsident des Päpstlichen Rates für die Laien).
Die Zuhörer erwähnten die «Lieblinge» des hingeopferten Christus: Arme, Kranke, Einsame, Gefangene: «Ein authentisches christliches Leben öffnet das Herz, um Christus in den Gekreuzigten unserer Zeit zu erkennen. Der hl. Paul vom Kreuz sah den Namen Christi auf der Stirn der Armen geschrieben» (A. Riccardi, von der Gemeinschaft Sant’Egidio). Die Eucharistie ist die große Nahrung der Familien: «Nur die Eucharistie, Quelle der trinitarischen communio, kann gespaltene Familien einen», sagte Kard. Ouellet. «Die Eucharistie ist die Startrampe, um die Kultur von der Familie aus zu evangelisieren. Wenn die Eucharistie die Familie schafft, schafft die Familie auch die Eucharistie», lautete die Aussage des Bischofs von Medellin. Wie in Kana wird Jesus durch die Hochzeit in der Familie gegenwärtig (die Hochzeitsmesse ist dafür das Unterpfand). Die sonntägliche Messe vereint die ganze Familie. Sie ist die Triebfeder der Liebe in der Gesellschaft.
Aber wo sollen wir diese Liebe finden, wenn nicht in der Eucharistie? «Nur das Erlernen der menschlichen Liebe, die der Eucharistie entstammt, kann den Nihilismus der aktuellen Kultur, die das Band zwischen Freiheit und Wahrheit zerrissen hat, besiegen», sagte ein polnischer Spezialist.
Die Synodenväter vergaßen die Jugend nicht und waren dabei in brillanter Weise durch Johannes Paul II. belehrt worden: «Man muß ihnen zuhören, ihnen Irrtümer ersparen und daher die Katechese verstärken, ihnen die Eucharistie als ein vitales Zentrum vor Augen stellen, das ihren Glauben erneuert und stärkt.» Und ein Bruder ging noch darüber hinaus: «Die Eucharistie ist die Kraft, die sie zu den Gipfeln zieht».

«Ihr sollt meine Zeugen sein»

Alle Synodenväter waren von der Dringlichkeit einer Neuevangelisierung durchdrungen, die durch die Mission und die Ökumene geschieht.
Bischof Durocher sagte: «Die Eucharistie ist nicht nur etwas Persönliches; man muß auch ihre missionarische Dimension verstärken». Ihr oberstes Ziel ist es, «uns zu heiligen, uns zu vergöttlichten». Kard. Sepe (Präfekt der Päpstlichen Kongregation für die Evangelisierung der Völker) zeigt das Grundproblem auf: «fünf Milliarden Menschen kennen Christus nicht und entbehren seiner Wegzehrung. Die Kirche hat das Recht und die Pflicht, ihnen Christus zu bringen (…)».
Dafür reicht die Lehre nicht aus. Man muß in die Mitte des Problems gehen und die christlichen Gemeinschaft auf die Eucharistie zentrieren. Um sich dieser Herausforderung zu stellen, muß man sehen, dass die Mission nicht von der Kirche, sondern die Kirche von der Mission ausgeht», sagte ein lateinamerikanischer Bischof. Alle konkreten Lösungen, Inhalte und Methoden brauchen die Erneuerung der Pfarrgemeinden, eine Erneuerung, die sich auf die Eucharistie und den Heiligen Geist konzentriert.
Die Delegierten der Schwesterkirchen sagten, dass diese Bekenntnisse einen besonderen Missionsweg darstellen. Wenn sie die Sakramente respektieren, ohne ihnen vollständig anzuhängen, wenn sie die Annäherung erwähnen, so verbergen sie jedoch weder die bestehenden Schwierigkeiten auf theologischer Ebene, noch die Schwierigkeiten, die aus manchen Wunden der Vergangenheit entstanden sind. Ein Moskauer Professor guten Willens war überzeugt, dass die gegenseitige Durchdringung der Charismen aller die Trennung überwinden und den Prozess der Einheit beschleunigen kann.
Daher muß man sich an die Mutter der Einheit wenden.

Das Mysterium Mariens in der Eucharistie

Die Synodenväter konnten nicht umhin, von der «eucharistischen Frau» (J.P.II.) zu sprechen.
Um die Mission zu unterstützen wie Maria die Mission ihres Sohnes unterstützte, erwähnte ein libanesischer Patriarch die Mutterschaft Mariens — als Antwort auf viele Problematiken der Sendung, wobei er den hl. Ephrem zitierte: «Maria hat uns das Brot des Lebens gegeben, um das Brot der Mühsal zu ersetzen, das Eva uns gab.» «Denn Maria ist nicht allein, sondern in Begleitung des Gottesvolkes zu sehen» (Kard. Bergoglio).
Der Pater von Egidio faßte die Rolle der Muttergottes bei der Mission treffend zusammen: «Durch die Gabe Jesu an seine Mutter: “Frau, siehe, dein Sohn”, wird eine neue Welt im Zönakel unter dem Kreuz geboren. Man muß sich daher fragen, ob Maria die eucharistische Frau ist, die betrachtet und anbetet und an der Schwelle der Eucharistie stehenbleibt, oder ob sie durch ihre wunderbare und geheimnisvolle Mutterschaft dazugehört? In der Eucharistie ist Jesus vollständig gegenwärtig, mit dem Mysterium seiner Menschwerdung, seiner Passion, seines Todes und seiner Auferstehung: Könnte man daher Maria nicht unter dem Titel Mutter der Eucharistie anrufen?»
Die Synodenväter reisten wieder heim. Ihre Eingaben wurden in Propositionen umgewandelt, die als Grundlage für das postsynodale Schreiben, das die großen Orientierungslinien für die Kirche aufzeigen soll, dienen.
Es bleibt noch das, was für unsere Zeit das Wesentlichste ist und Bischof Tesfay Medhin aus Äthiopien soll das letzte Wort haben: «Unsere Welt braucht mehr als je zuvor Ordnung und Erlösung und ich glaube nicht, dass es etwas mächtigeres gibt als die verwandelnde Kraft der Eucharistie.»
So kann die Welt aus Seinem Leben leben; aus Seinem Leben, das Licht und Gnade ist.

Bernard Balayn

Anmerkung:
1. Siehe mein früherer Artikel (Nr. 426, MH): «Leben aus Seinem Leben (1)»
Detaillierte Ausführungen über die hier skizzierte Lehre findet man im Osservatore Romano, Nr. 2901 bis 2907.


Literatur:
«Johannes Paul II., der Große - Prophet des dritten Jahrtausends», von Beranrd Balyan, Vorwort von Kardinal F. Etsou, 864 S. + 80 S. Farbbilder

Copyright © 1999 - 2009 - Alle Rechte vorbehalten für Text und Fotos
PARVIS-VERLAG - MARIA HEUTE - CH-1648 HAUTEVILLE / SCHWEIZ.
TEL.: 0041 (0)26 915 93 93 // FAX: 0041 (0)26 915 93 99 // E-MAIL buchhandlung@parvis.ch
HOMEPAGE PARVIS // ZEITSCHRIFT MARIA HEUTE