Schwester Lucia ist
nach Fatima zurückgekehrt

Von Bernard BALAYN

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Seit dem 19. Februar ruht der Leib von Schwester Lucia mitten in der «Erde der heiligen Maria» in Fatima, nachdem er seinem Geburtsdorf so lange fern geblieben war. Anlässlich dieses Ereignisses soll es hier darum gehen, weniger einen flüchtigen Lebensüberblick im Sinn eines Buches ihrer Heiligung zu geben, als vielmehr über ihre letzte Reise und die damit verbundene Lehre zu berichten.

Lucia, die Zeugin des Unbefleckten Herzens Marias

Lucia dos Santos wurde am Gründonnerstag, dem 28. März 1907, in dem kleinen Weiler Aljustrel in der Gemeinde Fatima in Portugal geboren. Diese Gegend war schon seit langem Maria und dem Gebet geweiht. Nach ihrer Erstkommunion wurde sie bald zusammen mit ihren jüngeren Verwandten Jacinta und Francisco Schafhirtin. Alle drei lebten glücklich, unbesorgt und rein inmitten der Heidelandschaft, während in Europa der Erste Weltkrieg wütete.
Von 1915 bis 1917 wurden die drei Schafhirten von der Dame mit dem Rosenkranz erwählt, um eine Botschaft von außergewöhnlicher Bedeutung für die Kirche und die Welt zu verbreiten. Es ging darum, der Menschheit ein neues Zeitalter zu verkünden, ausgehend von einigen einfachen, aber unerlässlichen Mitteln, die bewirken, sie vor dem Atheismus und dem Bösen zu bewahren. Das nächstliegende Mittel ist die Weihe an das Unbefleckte Herz Marias (das heißt an ihre allgemeine Mutterschaft), und zwar durch das Gebet des Heiligen Rosenkranzes und durch Buße. Das letzte und entscheidende Mittel ist Christus, der uns durch die Eucharistie zur Heiligen Dreifaltigkeit führt, dem glorreichen Ziel unserer ewigen Bestimmung. Deshalb ist die Offenbarung der Eucharistie (bei den Erscheinungen des Engels im Jahr 1916) wichtiger als die Erscheinungen Marias im folgenden Jahr. Maria, die Mutter Jesu, existiert und hat ihren Auftrag allein im Bezug auf Ihn. Und der Sieg ihres Unbefleckten Herzens kann nur der Auftakt zu einem noch größeren Sieg sein: dem Sieg der Eucharistie und der Heiligsten Dreifaltigkeit, einem Thema, das die ganze Botschaft umschließt.
Dieses neue Zeitalter der Brüderlichkeit und des Friedens nennen die Päpste die Zivilisation der Liebe.
Nach dem frühen Tod ihrer Kusine und ihres Vetters trat Lucia in den Karmel ein. Sie blieb in dieser Welt als Testamentsvollstreckerin dieser höchst bedeutungsvollen Botschaft in dieser Welt, die ihre Wurzeln in der Verheißung aus dem Buch Genesis hat: «Die Frau wird den Kopf der Schlange zertreten.»
Wir haben in unserer Zeitschrift bereits über die Seligsprechungsfeier von Jacinta und Francisco am 13. Mai 2000 berichtet, die Johannes Paul II., der eigentliche «Fatima-Papst» vollzogen hat. Dasselbe gilt für den Tod von Schwester Lucia, die am 13. Februar vergangenen Jahres diese Erde verlassen hat, um den Heimgang des Heiligen Vaters eineinhalb Monate später vorzubereiten. Und das Ganze mitten im Eucharistischen Jahr…

Die letzte Reise: Ihre Rückkehr nach Fatima

Die Älteste der Seherkinder hat Fatima 1921 verlassen und hat 84 Jahre fern von diesem Ort gelebt! (Sie ist nur selten dorthin zurückgekehrt: im Jahr 1946, um die Orte zu bestimmen; im Jahr 1957 auf die Bitte von Paul VI. hin, der eine Wallfahrt in das Heiligtum unternommen hatte; und in den Jahren 1982, 1991 und 2000 mit Johannes Paul II.) Ihre Familie hatte ihren Grund auf der Cova da Iria der Kirche vermacht. Sie ist also in doppeltem Sinn zu Hause, wenn sie nun dorthin zurückgekehrt ist.
Die Überführung ihres Leibes war für den ersten Jahrestag ihres Todes vorgesehen. Das ist nun gerade geschehen. Das Datum war auf Sonntag, den 19. Februar 2006 festgelegt worden, direkt vor dem Festtag der beiden Hirten (dem 20. Februar), der mit dem Todestag von Jacinta im Jahr 1920 zusammenfällt.
Die Feiern begannen um 8h30 im Karmel von Coïmbra, wo Schwester Lucia seit 1948 gelebt hat.
Nach dem Abschied von ihrer Gemeinschaft begab sich der Zug von neuem zur Kathedrale, wo Bischof A. Mamede Cleto die feierliche Abschiedsmesse inmitten einer dicht gedrängten Menschenmenge feierte, die sich trotz des strömenden Regens an jenem Tag eingefunden hatte.
Kurz nach Mittag machte sich der Zug auf den Weg nach Fatima. Die 65 km wurden auf der Autobahn zurüccgelegt. Der Zug setzte sich aus dem hellgrauen Leichenwagen zusammen, vor dem Motorräder herfuhren und dem mehrere Wagen folgten, von denen einer die Blumenspenden beförderte. Dann kamen die religiösen Persönlichkeiten, darunter drei Schwestern aus dem Karmel, und schließlich die Familie. Über dem Zug flog in geringer Höhe ein Hubschrauber wegen des schlechten Wetters. Auf der Höhe von Leiria, dem örtlichen Bischofssitz, gelangte der Zug gegen 14 Uhr in die Stadt Fatima und fuhr bis zum Rand der Esplanade. Dann wurde der schwere Sarg von Männern auf die Schulter genommen und bis zur «Capelinha» getragen, der kleinen Kapelle, um die Maria damals gebeten hatte. Dort wurde, immer noch im Regen und in der Kälte, was die Zahl der Pilger gering gehalten hat der Rosenkranz gebetet: Es waren etwa 20’000. Die meisten haben das Ganze am Fernsehen verfolgt.
Schließlich wurde der Leib bis zur Schwelle der Basilika getragen vor das Angesicht der Statue Unserer Lieben Frau, die mit ihrer Krone geschmückt war, in die die Kugel des Attentates auf den Papst eingearbeitet ist. Langsam wurde der Sarg ins Innere getragen. Dort fand eine letzte Feier unter der Leitung von Bischof Serafim de Sousa Ferreira von Leiria zusammen mit dem Bischof von Coïmbra und in Gegenwart der Seelsorger der marianischen Stadt, der örtlichen Autoritäten und der Familie statt. Schließlich wurde der Leib in der linken Seitenkapelle des Heiligtums neben dem Sorg von Jacinta beigesetzt, wie es vor langem ausgemacht worden war. Alles spielte sich relativ unauffällig ab (die Pilger waren nicht ins Innere der Basilika eingelassen worden), entsprechend dem Wunsch der Verwandtschaft.
Ein wurde Blatt der Geschichte hat sich also gewendet. Es ist weder das letzte noch das glorreichste. Wir warten nun auf die Heiligsprechung der beiden Vettern von Lucia sowie auf die Eröffnung ihres Seligsprechungsprozesses. Und das Christenvolk wartet mehr denn je auf die Verwirklichung der großen Verheißung Unserer Lieben Frau: «Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz siegen», womit die Erfüllung der weiter oben erwähnten biblischen Verheißung gemeint ist. Uns bleibt, voller Vertrauen und innig darum zu beten. Dabei werden wir jetzt von Schwester Lucias Fürbitte begleitet, die ohne Zweifel zur ewigen Herrlichkeit gelangt ist. Danken wir Gott dafür.

Bernard BALAYN


Vom selben Autor:
«Johannes Paul II., der Grosse», 864 S. + 80 S. Farbbilder, 15,5x23,5 cm E 35.– CHF 54.–

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