Wir sollten beten,
anstatt uns zu beklagen!

=> MARIA HEUTE 423 INHALT

Wir sind ein japanisches Ehepaar. Fast jedes Jahr unternehmen wir eine Wallfahrt nach Frankreich, um der Heiligen Jungfrau für die große Gnade zu danken, die sie uns gewährt hat... Wir haben beschlossen, unser Zeugnis zu geben, damit die Welt weiß, dass die Heilige Jungfrau sich um alle Seelen kümmert, selbst um die armseligsten.
Die schmerzlichen Wege des Lebens führten uns zu Gott. In der ersten Hälfte unseres Lebens waren wir ein ganz normales japanisches Ehepaar: Wir arbeiteten ununterbrochen, da wir meinten, dass man das Glück im materiellen Reichtum findet. Nach der Geburt unserer Tochter arbeiteten meine Frau und ich noch mehr.
Nachdem unsere Tochter ihr erstes Jahr an der Universität absolviert hatte, erkrankte sie an einer unheilbaren Krankheit. Achtzehn Monate später, am 1. Januar 1981, verließ unsere Tochter diese Welt trotz all der guten Pflege, die ihr zuteil geworden war. Sie war 21 Jahre alt. Mit ihr verschwand unser Glück.
Von da an folgte ein Unglücksfall dem anderen. Innerhalb der folgenden zehn Jahre verließen meine Mutter, meine Schwester und meine Schwiegermutter diese Welt. Die Krankheit, die Pflege, das Krankenhaus, der Tod, alles mahnte uns, zu Maria zurückzukehren. Doch damals hatte uns die Verzweiflung so blind gemacht, dass wir das nicht begriffen.
Dank des Vorbildes, das meine Mutter mir als überzeugte Katholikin hinterlassen hat, habe ich beim Bauen der Gruft für meine Tochter begriffen, dass ich eines Tages dort zu ihr kommen würde. Nach dem Tod meiner Mutter waren meine Brüder mir böse, so als hätte diese Gruft meine Mutter sozusagen aufgefordert zu sterben. Das war für mich ein so harter Schlag, dass ich mein ganzes Selbstvertrauen verlor.
Alles was ich unternahm, schien schief zu gehen. Einige Zeit später kam die älteste Schwester meiner Frau, die in Kanada wohnt, unangemeldet zu uns zu Besuch. Kaum war sie eingetreten, begann sie zu schreien. Sie hatte einen Brief von ihrer Mutter erhalten, in dem ich angeklagt wurde, ihr Geld und Schmuck gestohlen zu haben. Meine Schwägerin merkte jedoch recht schnell, dass ihre Mutter den Verstand verloren hatte, und so entschuldigte sie sich und bat mich um Vergebung. Das war die erste große Gnade der Jungfrau Maria in meinem Leben.
Unser Leidensweg wurde von Jahr zu Jahr schmerzlicher. Nach zehn Jahren erreichte er mit der Krankheit meiner Frau seinen Höhepunkt. Der Tod unserer Tochter und der ihrer Mutter lasteten zu schwer auf ihr. Ich verstand nicht, warum Gott, der den Menschen liebt, uns so viel Schmerz und Trauer erdulden lassen konnte.
Zehn Jahre Erschöpfung und Leiden hatten die Gesundheit meiner Frau angegriffen. Sie war der Medizin gegenüber so misstrauisch, dass sie jeden Eingriff ablehnte...
Der 19. März 1991, der Festtag des heiligen Josef, war ein Tag großer Gnaden für unsere Ehe. Gegen 10.00 Uhr abends ging ich aus dem Haus, um in einem Kloster in der Nähe zu beten. «Selbst er hat sich in keiner Weise um uns gekümmert!»
Es war der letzte Tag meiner x-ten Novene. Ich fühlte mich leer und kraftlos... Ich war vollkommen entmutigt, meine Frau so kurz vor dem Tod zu sehen.
Kaum hatte ich an jenem Tag das Zimmer meiner Frau betreten, bat sie mich, sie ins Krankenhaus Hl. Maria in Kobe zu bringen. Nach einer Woche Aufenthalt in diesem Krankenhaus sagten alle Untersuchungsergebnisse übereinstimmend aus, dass sie sich im Endstadium ihrer Krankheit befand...
Da sagte ich zu Maria: „Heilige Maria, wenn du meiner Frau die Gnade einer wunderbaren Heilung schenkst, weihen wir dir den ganzen Rest unseres Lebens, um zu deiner Ehre in der Welt Zeugnis zu geben.“ Nachdem wir das Krankenhaus verlassen hatten, gingen wir nach Nagasaki und beteten zu Unserer Lieben Frau von Lourdes und zum heiligen Josef. Wir weihten uns der Verbreitung der Wundertätigen Medaille.
Wir reisten nach Europa mit dem Ziel, verschiedene Marienheiligtümer aufzusuchen: die Rue du Bac in Paris, Lourdes, Fatima und in Polen den heiligen Maximilian Kolbe, Tschenstochau und Kalisz.
Sechs Monate später lebte meine Frau immer noch und war geheilt...
Im Juli 1994 reisten wir nach Europa, um Maria in der Kapelle der Wundertätigen Medaille und in Lourdes zu danken. Nach fünf Tagen Aufenthalt in Paris machten wir uns auf den Weg nach Lourdes. Dort erwartete uns eine herbe Prüfung. Ich war gerade in einer Telefonzelle und rief ein Reisebüro in Paris an, um unsere Wallfahrt nach Polen vorzubereiten, als ich ohnmächtig wurde. Ich kam in einem Bett im Krankenhaus von Lourdes wieder zu mir.
Meine erste Reaktion war Zorn. Fünf Tage in Paris, vier Tage in Lourdes, wir waren glücklich und konnten uns nicht vorstellen, dass ein Unglück passieren könnte. Ich sagte zu Maria: «Heilige Maria, warum muss ich in Lourdes krank werden, wo die Kranken doch gerade geheilt werden?» Wir waren aus Japan, also vom anderen Ende der Erde hierher gekommen, um für die Heilung meiner Frau zu danken, und nun wurde ich krank. Mit Tränen in den Augen klagte ich ununterbrochen und unermüdlich bis zum nächsten Morgen.
Gegen 6.00 Uhr berührte mich endlich ein Lichtschimmer, der ich völlig im Zorn und in der Verzweiflung gefangen war. Plötzlich begriff ich den Sinn dieser Prüfung und wurde sofort von schrecklichen Gewissensbissen gepackt.
Wir sollten beten, anstatt uns zu beklagen!
Ich hätte mein Leiden für die Kranken unserer Vereinigung aufopfern sollen. Ich schämte mich über meine Klagen, die sechzehn Stunden lang angedauert hatten... Warum hatte ich nicht sofort begriffen? Doch besser spät als nie. Ich wollte alle meine Leiden für die Kranken unserer Vereinigung aufopfern.
«Heilige Maria, gib mir noch einmal eine Chance, auch eine ganz unerwartete. Du wirst sehen, dies Mal werde ich sofort beten — ohne zu zögern und ohne zu klagen. Dein Wille geschehe!
Diese Chance wurde mir 165 Tage später geschenkt, und zwar am 17. Januar 1995, in Form des Erdbebens von Kobe.
Wir wohnten in Nishinomiya-shi, einem nahegelegenen Vorort von Kobe. Um 6.45 Uhr wurden wir von einem starken Beben geweckt. Während der folgenden, ebenso heftigen Beben betete ich in meiner vollkommenen Hilflosigkeit. So absurd das scheinen mag, ich war voller Vertrauen und Gelassenheit…
Gegen 7.00 Uhr verließ ich das Haus und ging in Richtung Kirche. Ich war erstaunt zu sehen, dass das ganze Viertel in einem entsetzlichen Zustand war. Kein Haus stand mehr richtig gerade, die Straßen waren verwüstet. Die Leute schleppten sich durch die Straßen wie Schlafwandler. Mir wurde die Schwere des Unglücks bewusst…
Da es kein Wasser mehr gab, verteilten wir unseren Vorrat an Mineralwasser an die alten Leute in unserer Nachbarschaft… Am 21. Januar machten wir einen Umweg, um ein Haus in Ibaragi (in der Gegend von Tokio) zu besichtigen, das eine Person der Vereinigung uns zur Verfügung gestellt hatte. Denn unser Haus in Kobe war wegen des fehlenden Wassers und des Stromausfalls gesundheitsschädlich geworden. Wir dankten Gott und beschlossen umzuziehen.
In Ibaragi haben wir unseren Dienst zur Verbreitung der Wundertätigen Medaille wieder aufgenommen. Ich ordne alles, was an Bestellungen von Medaillen auf die eine oder andere Weise bei uns eingeht: die Namen in alphabetischer Reihenfolge, dann die Bestellungen nach der Metallart der Medaillen sowie nach der Art ihrer Krankheit usw…
Zum Abschluss möchte ich hier ein kleines Geheimnis weitergeben, wie man Gnaden von Maria erhalten kann. Wir richten gewöhnlich zu viele Gebete an sie, in denen wir sie bitten, uns das Leiden wegzunehmen. Wenn wir Dankgebete an sie richten würden, wäre Maria schneller bereit, uns weitere Gnaden zu schenken.

Pierre und Marie Hanada

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