Von Bernard Balayn
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Das Episkopat von Karol Wojtyla ist aufgrund seiner eigenen Aktivität und aufgrund von zwei beachtlichen Ereignissen, die seine Bischofszeit prägen, kurz, aber von großer Dichte: seine Teilnahme am Konzil und die Tausendjahrfeier der polnischen Kirche. Die starke Originalität des neu ernannten Bischofs liegt darin, dass er alles offen angeht und zugleich weitere bereichernde Aktivitäten ausübt.
Diese Etappe lässt sich aufteilen in das eigentliche Episkopat (1958-63) und in seine Zeit als Erzbischof (1963-67), bevor Karol zum Kardinal ernannt wurde.
Wenn wir die überreichen Aufgaben des Krakauer Bischofs in so wenigen Zeilen skizzieren, können wir dadurch kaum zum Wesentlichen vordringen. Um den Umfang dieses Dienstes besser zu verstehen, müssen wir auf unser Buch verweisen: «Johannes Paul II. der Große, Prophet des dritten Jahrtausends».
In der polnischen Kirche ist die Diözese von Krakau aufgrund ihres historischen Prestiges und des Martyriums des heiligen Bischofs Stanislaus die angesehenste. Die Stadt wurde die unvergleichliche kulturelle Metropole einer riesigen Industrieregion. Sie ist, wenn der kommunistische Staat es erlaubt, Kardinalssitz. Auf den berühmten Kardinal Adam-Stefan Sapieha, der 1951 starb, folgte Bischof Eugeniusz Baziak. Nachdem sein Weihbischof geboren war, hatte der Erzbischof keine Scheu, einen seiner besten Priester, der überdies an der Universität Brillanz gezeigt hatte und über offene und wirksame Pastoralmethoden in verschiedenen Milieus verfügte, vorzuschlagen.
Als Karol Wojtyla im Juli 1958 ein Jugendlager leitete, erfuhr er zu seiner großen Überraschung vom Kardinalprimas Stefan Wyszynski, dass Papst Pius XII. ihn zum Weihbischof von Krakau ernannt hatte. Mit 38 Jahren war er der jüngste Bischof des Landes. Am 28. September wurde er in der Kathedrale des Wawel in Anwesenheit der Priester aus seiner Jugendzeit (Zacher und Figlewicz) zum 76. Bischof geweiht. Als bischöfliches Wappen wählte er das Kreuz mit dem M von Maria und die Inschrift Totus Tuus, nach der karmelitischen und montfortanischen Spiritualität, der er so viel verdankte. Er vertraute also seine ganze Zukunft der Muttergottes, der Mutter des Priestertums und der Kirche an.
Totus ist ein Wort ein «Programm», das auch die Radikalität, das ganze Engagement des neuen Bischofs kennzeichnet. Er wollte ganz und gar Priester sein; nun bemühte er sich, ganz und gar Bischof zu sein.
Was für ihn zählt, ist die Verwirklichung seiner Berufung, die Verwirklichung dessen, was Gott ihm aufträgt, ganz im Dienst der Kirche, der Gläubigen und jetzt auch der Priester zu stehen. Er will weder Karriere, noch Beförderung. Er möchte nur mit Hilfe seiner übernatürlichen Mutter seine Aufgabe zu einem guten Ende bringen unter der Autorität seines Erzbischofs, der ihn zugleich zum Studentenseelsorger der Diözese ernennt und ihm erlaubt, auch weiterhin seine Vorlesungen an der Universität von Lublin zu halten.
Er handelte mit derselben Schlichtheit wie vorher in seiner Haltung wie in seinen Worten. Er wohnte in derselben Wohnung wie vorher, in einer Straße am Fuße des Wawel, wo er viele Besucher empfängt. Seinem Freund Malinski sagte er, als er dessen Firmlinge besuchte: «Eine kanonische Visitation ist keine Kontrolle». Hier wird der ganze Karol sichtbar: Sein Gespür für den Menschen, für die Nächstenliebe, für das Konkrete und für Toleranz.
Wohin er auch kommt, entspannt er die Atmosphäre, entkräftet er alle Vorurteile durch seine Freundlichkeit und seinen guten Humor. Zu den Priestern ist er wie ein Bruder und Vater. Er hört ihnen zu und unterstützt sie. Oft ist er mit ihnen vor Ort, teilt ihre Sorgen, nimmt an ihren Feiern teil, singt mit ihnen koledy (Weihnachtslieder).
Er ist ein Mensch des Kontaktes, er will kein Verwalter sein. Dazu hat er die kommunistische Bürokratie und ihre Menschenverachtung zu sehr kennengelernt. Seine Werdegang, seine Überzeugungen, sein evangelischer Sinn widerstreben dem. Er verwaltet durch Liebe, Achtung, Dienst. So hat er Gottes Gefallen gefunden, denn Er hat ihn bis auf den Petrusstuhl erhoben. Erst nachdem er Erzbischof wurde, hat er seinen kleinen Lebensraum etwas besser ausgestattet.
Alle Pflichten seines Amtes die religiösen wie die menschlichen erfüllte er. Dabei betrat er oft die Häuser und sprach in aller Schlichtheit mit den Menschen. Er war bereits ein «ausgebuchter» Mensch: man konnte ihn Montags um 7.00 Uhr in der Frühe in einer Bergkapelle sehen, wo er eine Trauung hielt…
Er ging in der Tat in geradezu bestürzender Weise von einer Aktivität zur anderen, ohne jedoch daraus Aktivismus zu machen, denn seine erste Beschäftigung blieb immer sein tägliches, tiefes und anhaltendes Gebet.
Er setzte seine Vorlesungen über Moralphilosophie an der Universität von Lublin fort, obwohl seine Reisen zunahmen. Er beschäftigte sich intensiv mit seinen Studenten und gab den Ärmsten sein ganzes Gehalt.
Zugleich setzte er seine wissenschaftlichen Arbeiten fort, schrieb Artikel, veröffentlichte Gedichte und vor allem Bücher wie beispielsweise das berühmte «Liebe und Verantwortung» über Ehe und Familie.
1962 starb Bischof Baziak, und Karol Wojtyla wurde zum Generalvikar eingesetzt. Im Dezember 1963 ernannte ihn der neue Papst, Paul VI., zum Erzbischof und Metropolit von Krakau. Im März nahm er seine Kathedrale von Wawel in Besitz und sprach die prophetischen Worte: «Die ewigen Dinge sind die einfachsten und die tiefsten. Es geht nicht darum, neue Programme zu schaffen, sondern man muss sie nur auf neue Weise in das ewige Programm Gottes einordnen und sie in Hinblick auf unsere Zeit realisieren.»
Von nun an muss er am Bischofssitz wohnen; er unterwirft sich mehr denn je einer strengen inneren Disziplin, organisiert seinen Tagesablauf und seine Dienste, empfängt unablässig Menschen, findet immer Zeit für das Gebet, betet regelmässig seinen Kreuzweg im benachbarten Franziskanerkloster. Und wenn es ihm möglich ist, flieht er in seine geliebten Berge, um zu entspannen, Ski zu fahren und in engen Kontakt mit der Schönheit und Größe Gottes zu kommen.
Aber unabhängig davon wo er ist, bleibt sein Geist ganz tief mit der Kirche verbunden, die sich damals wegen des Vatikanischen Konzils in völliger Umwandlung befindet. Daher muss er wie alle Bischöfe nach Rom reisen.
Zur allgemeinen Überraschung hatte Papst Johannes XXIII. im Januar 1959 die Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils angekündigt, um nach dem I. Vatikanischen Konzil (1870) Bilanz zu ziehen und die Kirche mehr für die Welt zu öffnen, zumal ein großer Teil der Kirche nämlich in den Ländern unter kommunistischer Herrschaft seinem Einfluss entzogen war. Dazu gehörte auch Polen, die Bastion des Katholizismus im Osten. Man muss betonen, dass Bischof Wojtyla, der so kultiviert und offen war und sich für eine Kirche des Dialogs einsetzte, diese große Hoffnung voll Freude annahm und sich danach sehnte, mit dem Mythos der «Kirche des Schweigens» Schluss zu machen. Während der vier Sessionen, die in der Zeit vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1968 abgehalten wurden, widmete er dem Konzil seine ganze Energie, ohne jedoch seine Pflichten in der Diözese zu vernachlässigen, wie wir im nächsten Artikel sehen werden.
Seine Teilnahme an der Eröffnungssession war zurück-haltend, beobachtend, überlegend, ohne viele Interventionen, außer zur Sakramentenlehre. Darüber hinaus war durch den Tod des Papstes im Juni 1963 der Fortgang des Konzils fraglich. Sein Nachfolger Paul VI. setzte das Konzil jedoch fort und sein kirchliches Charisma ermöglichte es ihm, das Konzilsabenteuer durch viele Klippen hindurch zu einem guten Abschluss zu bringen. Bei der zweiten Session im Herbst 1963 wurde man auf den Krakauer Bischof durch seine wichtige Intervention zum vorbereitenden Schema der dogmatischen Konstitution Lumen Gentium (die Kirche als «Licht der Völker») aufmerksam. Dort sagte er, dass «es keine Öffnung zur Welt geben könne, ohne Treue zu den Wurzeln der Kirche, die durch den Glauben und die Gnade alle natürlichen Formen der zivilen Gesellschaft transzendiert. Die Kirche ist als Gemeinschaft, als Gesellschaft, die Manifestation einer essentiellen, unsichtbaren Wirklichkeit, die mit dem ≠Geheimnis der Menschwerdung verbunden ist…»
Zwischen den Sessionen kehrte Karol Wojtyla nach Krakau zurück, wo er von seinen Erfahrungen, die er an der «Quelle der Kirche» gemacht hatte, berichtete. Wenn er wieder in Rom war, unternahm er neben den großen Zusammenkunften in St. Peter eine Menge Dinge; er las, studierte, schrieb, empfing Besucher, machte selber Besuche, diskutierte, entspannte sich, reiste und machte seine erste Wallfahrt in das Heilige Land (Dezember 1963).
Die dritte Session (1964) war entscheidend. Es wurde über zwei miteinander verbundene Probleme debattiert: die Würde des Menschen und die Religionsfreiheit das berühmte 13. Schema das der Pastoralkonstitution Gaudium et Spes (die Kirche in der Welt von heute) voranging. Karol, der aus dem Osten kam, war sehr geeignet, um mit seinen Mitbrüdern darüber zu reden. Er intervenierte in der Aula oder in Radio Vatikan und stellte die Kirche als befreiende Kraft und die Würde des Menschen als Ausdruck seiner Größe dar. Er zeigte, dass diese Würde von Gott kommt, dass sie auf Wahrheit, Freiheit, Respekt gründet, dass sie ein Anruf ist, ein Ausgangspunkt zu einem unendlichen Horizont von Hoffnung. Er war mit dem Projekt, das aus den Kommissionen hervorgegangen war, nicht zufrieden und schlug ein anderes Schema vor. Im Januar 1965 kehrte er nach Rom zurück, um sich mit den westlichen Theologen zu treffen, die sich schwer taten, die Probleme des Ostens zu verstehen und setzte schließlich eine realistischere Sichtweise durch: eine neu belebte Kirche, die alle Kulturen und alle Konfessionen respektiert, die nun direkt in die Welt inkulturiert werden soll. Bei der letzten Session (1965), wurde dieses durch Bischof Wojtyla erneuerte Schema zur Grundlage dafür, dass Gaudium et Spes mit überwältigender Mehrheit angenommen wurde. Karol kehrte nach Krakau zurück, voll Freude über das verwirklichte Werk und die neue Hoffnung.
Die lange Zeitspanne von 1945 bis 1990 war für die Kirche und das polnische Volk aufgrund der kommunistischen Herrschaft sehr bewegt. Höhepunkte waren in dieser Zeit die Inhaftierung des Kardinalprimas Wyszynski (1953) und der Aufruhr von Poznan (Juni 1956). Aus Angst vor Nachahmungen entließ Gomulka (1956-70) den Kardinal in die Freiheit und brachte Ruhe in den «polnischen Oktober» (1956). Der Primas hatte während seiner Haft die Weihe seines Volkes und seiner eigenen Person an die Muttergottes von Tschenstochau erneuert, um das Verderben abzuwenden. Von da an beabsichtigte er, den tausendsten Jahrestag der Taufe Polens (966-1966) feierlich zu begehen. Er bereitete eine neunjährige Novene vor: das Millenium. Dazu lud er den gesamten Episkopat, die Kirche und alle Gläubigen (95% der Polen) mit einem Programm der religiösen und sozialen Erneuerung ein, das von Katechesen, Wallfahrten und Gottesdiensten geprägt war. Diese Erneuerung der gesamten Nation wurde von der Spitze der Hierarchie bis hin zur kleinsten Pfarrei in einem pastoralen Klima von Gebet, Sakramentenempfang und Fürbitte Unserer Lieben Frau vollzogen. Eine Kopie der schwarzen Muttergottes von Jasna Gora wanderte, nachdem sie von Pius XII. gesegnet worden war, in diesen Jahren durch das ganze Land. Der neue Erzbischof von Krakau engagierte sich intensiv für dieses Erneuerungsprogramm, das durch den Aufruf des Konzils noch verstärkt wurde. Er beflügelte seine Diözese in jeder Hinsicht und mit allen Initiativen. In dem finsteren Jahrzehnt, das mit dem Jahr 1980 begann, erwähnte er jene Epoche, die ganz von der Marienfrömmigkeit geprägt war: «O Maria, Königin von Polen, ich bin mit dir, ich erinnere mich, ich wache… Alle haben deine Gegenwart gespürt und waren überzeugt, dass man dir den Weg nicht versperren kann… Ich berufe mich auf diesen Glauben, o Unsere Liebe Frau von Jasna Gora…»
Die Abschlussfeierlichkeiten Anfang Mai 1966 bildeten den Triumph. Am 2. und 3. Mai drängten sich 800.000 Gläubige im Heiligtum von Jasna Gora, während sich am 8. Mai in Krakau zum Höhepunkt der Milleniumsfeier 500.000 Gläubige versammelten. Der Metropolit, Erzbischof Wojtyla, hatte die Ehre, die Feierlichkeiten mit einem prophetischen Hingabeakt Polens an die Muttergottes abzuschließen: «Jungfrau Maria, Mutter Gottes, wir legen unser Taufgelübde in deine Hände… Ich, der Hirte der Kirche von Krakau, übergebe dir diese Kirche für die Gegenwart und für die Zukunft ganz und gar… Du bist unsere Hoffnung und wir gehören dir. O Mutter, nimm uns als dein eigen an… Hilf uns!…» Es war die Wiederaufnahme des «Totus Tuus» seiner Bischofsweihe, die er nun auf sein ganzes Vaterland und später auch auf die ganze Welt ausweitete…
Paul VI. war eingeladen worden, erhielt aber keine Einreiseerlaubnis. Im Mai 1967 ernannte er jedoch voll Klarsicht Karol zum Kardinal…
Das war also die Spur der kurzen, aber intensiven Bischofsetappe im langen Leben Johannes Paul II., der ein so beispielhafter Bischof war, dass Gott ihn eines Tages zum Bischof von Rom erwählte…
Literatur:
«Johannes Paul II., der Grosse», 864 S. + 80 S. Farbbilder, 15,5x23,5 cm E 35. CHF 54.
Bernard BALAYN
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