Die Erscheinungen des Jesuskindes bei Pater Pio=> MARIA HEUTE 421 INHALT |
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P. Ignazio von Lelsi war vom 10. September 1922 bis zum 25. August 1925 Guardian im Kloster von San Giovanni Rotondo. In seinem Tagebuch schreibt er:
«Es ist überflüssig zu sagen, mit welcher Bewegung Pater Pio das Weihnachtsfest feiert. Er denkt unablässig daran und zählt bereits am Tag nach Weihnachten die Tage, die ihn vom nächsten Weihnachtsfest trennen. Das Jesuskind übt auf ihn eine besondere Anziehung aus. Es genügt, wenn er ein Hirtenlied oder ein Wiegenlied hört und schon erhebt sich sein Geist in schwindelnde Höhen, so dass es den Anschein hat, er sei in Ekstase.» (24. Oktober 1923)
In der Biographie des engelgleichen Bruders von Pietrelcina gibt es drei dokumentierte Erscheinungen.
Von Ende Oktober bis zum 7. Dezember 1911 war Pater Pio im Konvent von Venafro (Isernia). Dort wurde er krank, und wie P. Agostino von San Marco in Lamis berichtet, hatte er mehrere teuflische Angriffe und viele Ekstasen.
Diese Ekstasen hatten, wie P. Agostino bezeugt, «fast keine Unterbrechung: sie traten zwei oder dreimal täglich ein. Sie dauerten eine Stunde oder länger, manchmal sogar zweieinhalb Stunden.» Stets gingen ihnen teuflische Erscheinungen voran oder folgten ihnen. Sie waren begleitet von Visionen des Herrn, der Muttergottes, der Heiligen, des Schutzengels und manchmal auch des hl. Franziskus.
Während einer Ekstase P. Agostino gibt kein genaues Datum an erschien Pater Pio das Jesuskind. Diese Erscheinung war mehr als jede andere einzigartig, und meines Wissens ist sie in der ganzen christlichen Hagiographie einmalig: das Jesuskind erschien ihm bedeckt mit Wunden.
Nach dem Bericht von P. Agostino, der uns in seinem «Tagebuch» wertvolle Informationen über die Zeit gibt, die Pater Pio in Venafro verbrachte, lässt sich diese Ekstase wie folgt rekonstruieren:
Eines Morgens brachte P. Agostino die hl. Kommunion zu Pater Pio, der krank war und auf seinem armseligen Bett in der Zelle lag. Er war in Ekstase und nahm daher nichts wahr.
P. Agostino war gezwungen, ihn aus seiner Ekstase herauszurufen, indem er sich auf den heiligen Gehorsam berief. Er sagte zu ihm: «Pater Pio, empfange im heiligen Gehorsam Jesus aus meinen unwürdigen Händen». Mit scherzender Miene und liebevoller Stimme fügte er auf französisch hinzu: «Kindlein, Kindlein!»
Dieses Wort, das er zweimal ausgesprochen hatte, prägten sich dem Geist von Pater Pio so sehr ein, dass er sie während der Ekstase, die er nach dem Kommunionempfang hatte, fast wie ein Echo oder einen Refrain wiederholte.
Während dieser Ekstase erschien ihm Jesus als kleines Kind. Pater Pio war darüber sehr erstaunt und wandte sich an Jesus: «Mein Jesus, warum bist du heute morgen so klein?… Du bist auf einmal so klein geworden!…»
Aber Pater Pios Erstaunen wurde noch größer, als er genauer hinschaute und bemerkte, dass dieses kleine Kind mit Wunden bedeckt war. Da richtete er sich an seinen Schutzengel und flehte ihn an: «Mein Engel, sieh Jesus!… Oh! Verneige dich…» Der Schutzengel machte gehorsam eine Geste der Verehrung vor Jesus, aber Pater Pio fuhr fort: «Das genügt nicht…, küsse die Wunden Jesu…» Der Engel tat es unverzüglich. Und Pater Pio: «Gut!… Bravo! Mein Schutzengel. Bravo, Pausback… Schau, er wird ernst!… Er schmollt… Wie soll ich dich nennen? Wie lautet dein Vorname? Verzeih mir, mein Schutzengel, preise Jesus für mich…»
Gleichwohl war der Gegenstand von Pater Pios Aufmerksamkeit nicht der Schutzengel, sondern vielmehr Jesus. Aus diesem Grund richtete er sich wieder an ihn und sprach: «Mein Jesus, mein Jesus, warum so klein?… Sag mir…, komm ein wenig näher zu mir…, sag mir, kannst du sprechen? Du bist so klein!»
Es entsponn sich nun ein Gespräch mit dem göttlichen Kind, das ungefähr so verlief: «Sag mir, Jesus, habe ich heute morgen die Kommunion empfangen?» Jesus: «Natürlich hast du kommuniziert». Pater Pio: «Ja?… Und wer hat mir die Kommunion gebracht?» «P. Agostino hat dir die Kommunion gebracht. Frage ihn doch selbst.» «O, er ist noch immer da. Wenn ich ihn frage, wird er mir dasselbe sagen. Ich habe dir die Kommunion gebracht!… Und er spricht auch französisch: Kindlein, Kindlein!»
Das Gespräch geht weiter und berührt noch andere Punkte der Kommunion. Schließlich endet es mit den Worten von Pater Pio: «Danke, mein Jesus, danke!… Geh an deinen Platz, mein Jesus…»
In diesem Augenblick erscheint die Muttergottes. Sie ist sehr schön und Pater Pio richtet in Ekstase glühende Worte der Liebe und der Verehrung an sie.
Bei dieser Vision scheinen mir zwei Punkte besonders erwähnenswert zu sein: Den ersten habe ich bereits genannt: das Jesuskind erscheint mit Wunden, offensichtlich mit den Wunden der Kreuzigung an Händen, Füßen und der Seite. Der zweite Punkt betrifft die große Familiarität, mit der Pater Pio seinen Schutzengel und sogar Jesus behandelt.
Diese Familiarität ist zweifellos das Zeichen der innigen Vertrautheit, die Pater Pio in seinen Beziehungen mit den himmlischen Personen hatte.
Die Vision des mit Wunden bedeckten Jesus macht uns deutlich, welche Bedeutung das Weihnachtsmysterium für Pater Pio hatte.
Für ihn musste das Jesuskind im Licht des gekreuzigten Jesus gesehen werden und das Weihnachtsfest musste in enger Beziehung zum Osterfest bleiben.
Diese zweite, überaus schöne und anregende Erscheinung, wird von P. Raffaele von Sant’Elia in Pianisi in seinem Manuskript «Einige Aufzeichnungen über das Leben von Pater Pio und meinen langen Aufenthalt bei ihm» erwähnt (P. Raffaele lebte mehr als vierzig Jahre mit Pater Pio und war vom 28. August 1928 bis zum 26. August 1941 Guardian des Klosters von San Giovanni Rotondo).» Nach dem Ende des Weltkriegs (1915-1918) wurde ich im August 1919 durch die Gnade des Herrn befreit. Auf meiner Fahrt nach Foggia besuchte ich mit Erlaubnis von Pater Provinzial (P. Pietro von Ischitella) am 17. September 1919 San Giovanni Rotondo. Ich blieb vier Tage dort. Es kamen viele Ausländer dorthin und in jenen Tagen war auch der Bischof von Lecco, Msgr. Costa, und der Erzpriester von Pietrelcina da, dem ich zum ersten Mal begegnete.
Pater Pio empfing mich nach den langen Jahren der Prüfung mit großer brüderlicher Wärme. Bei dieser Gelegenheit konnte ich feststellen, dass alles, was man über ihn sagte, der Wahrheit entsprach.
Am Abend des 19. legte ich im Chor bei ihm meine Generalbeichte ab, während die Gemeinschaft beim Abendessen war. Nach den Kriegs- und Leidensjahren machte er mir wieder Mut und versprach mir seinen geistlichen Beistand.
Ich war nicht mehr ein kleiner Junge und nach acht Jahren Militärdienst musste ich das Theologiestudium fortsetzen und mich auf die Priesterweihe vorbereiten.
Ich schlief in einer engen Zelle, die gegenüber der Zelle Nr. 5 lag, wo Pater Pio wohnte.
In der Nacht vom 19. auf den 20. konnte ich nicht einschlafen. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht lag es an der Hitze… Gegen Mitternacht stand ich etwas furchtsam auf. Der Flur war dunkel; es leuchtete nur das schwache Licht einer kleinen Petroleumlampe. Als ich aus der Tür trat, kam Pater Pio ganz strahlend mit dem Jesuskind auf seinem Arm vorbei. Er ging langsam und murmelte Gebete. Er ging an mir vorbei, strahlend vor Licht und bemerkte mich nicht. Erst einige Jahre später erfuhr ich, dass der 20. September der erste Jahrestag seiner Stigmata war.» (ms. f 38s)
Wie man sieht, ist auch diese Erscheinung mit den Stigmata und also mit der Passion Jesu verbunden.
Den Bericht dieser Erscheinung verdanken wir Lucia Landanza, einer geistlichen Tochter von Pater Pio. Sie war von Kindheit an unter der Leitung des Padre in Pietrelcina aufgewachsen, hatte bei ihm den Katechismus, Hymnen und Frömmigkeitsübungen gelernt.
Lucia erzählte, dass sie, als Pater Pio nach San Giovanni Rotondo versetzt wurde, oft in den kleinen Ort Gargano fuhr, um von ihm Rat oder Hinweise für ihr geistliches Leben zu erhalten.
Am 24. Dezember 1922 wollte Lucia die Weihnachtsnacht in der Kirche bei Pater Pio verbringen. An jenem Abend war es kalt und die Brüder hatten einen Kohlenofen in die Sakristei gestellt. Neben diesem Ofen wartete Lucia mit drei anderen Frauen darauf, dass es Mitternacht wurde, um an der Messe teilzunehmen, die Pater Pio zelebrieren sollte.
Die drei Frauen nickten ein, während Lucia weiterhin Rosenkranz betete.
Pater Pio kam die innere Treppe zur Sakristei hinab und blieb am Fenster stehen. Auf einmal erschien in einem Lichtglanz das Jesuskind und setzte sich auf die Arme von Pater Pio, dessen Gesicht strahlte.
Als die Vision verschwand, bemerkte Pater Pio, dass Lucia, die wach geblieben war, ihn ganz fassungslos anschaute.
Er ging zu ihr und fragte sie: «Lucia, was hast du gesehen?» Lucia antwortete: «Padre, ich habe alles gesehen».
Darauf mahnte er sie streng: «Sag niemandem etwas!».
Weihnachten 1924 notierte P. Ignazio von Lelsi in seinem «Tagebuch»: «Eine fromme Seele schrieb Pater Pio und sagte ihm, verbunden mit Grüßen: “Ich habe das Jesuskind mit einem Kreuz auf seinen Schultern gesehen. Sobald es bei mir war, hat es das Kreuz auf mein Bett geworfen und gesagt: Nimm es und schicke es Pater Pio, denn ich bin klein und kann es nicht tragen”.
Ich könnte nicht sagen, ob die Freude Pater Pios eine wirkliche Freude ist, oder ob er lieber mit dem Jesuskind unter Seinen Augen leidet.»
Wer war Pater Pio für das Jesuskind? Hören wir ihn selbst. Im ersten Buch seiner Briefsammlung schreibt er:
«Ich bin das Spielzeug vom Jesuskind. Das sagt Jesus mir immer wieder. Aber schlimmer ist, dass sich Jesus ein völlig wertloses Spielzeug ausgesucht hat. Ich bedauere nur, dass dieses Spielzeug seine göttlichen Patschhände schmutzig macht. Ich glaube, eines Tages wird er mich in einen Graben werfen und nicht mehr spielen. Ich werde damit zufrieden sein, denn mehr verdiene ich nicht.» (Brief an P. Agostino vom 18. Januar 1913, Briefsammlung, I, 331)
Fr. Gerardo Di Flumeri,
(La Voix de Padre Pio,
Nr. 4, S. 12-14,Okt.-Dez. 2002)
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