San DamianoIn der Schule
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Wie jedes Jubiläum im religiösen Raum, lädt uns auch die Feier des vierzigsten Jahrestages der ersten Erscheinung Unserer Lieben Frau von den Rosen (16. Oktober 1964 16. Oktober 2004) ein, neu über den göttlichen Aufruf nachzudenken, den die Heilige Jungfrau ihrem Werkzeug Rosa di Gesù-Maria übermittelt hat.
Bei dieser Betrachtung lassen wir uns von der Seherin inspirieren denn während ihrer letzten Lebensjahre auf Erden wiederholte sie unablässig und ausdauernd, was ihr eine Bitte Gottes zu sein schien und was in ihr ein freudiges und schmerzliches Leitmotiv zugleich wurde. Ein solches Selbstverständnis äußerte sich ganz besonders in drei Punkten:
Eine immer größere und immer innigere Öffnung des Herzens für Gott, damit er in uns sein Geheimnis der Liebe lebt die Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten , die immer nur aus dem Wirken Gottes entspringen kann. Und für jene, die von der Hand Unserer Lieben Frau von den Rosen berührt werden, ist es die Liebe, die die Mutter Christi in jedem von uns aufbrechen, neu aufbrechen lassen oder fruchtbar machen soll.
Das Bittgebet, das jeder an Gott richten muss, um seinen besonderen Ruf als Christ in der heutigen Zeit zu entdecken und zu verstehen inmitten einer Gesellschaft, die die christlichen Werte verloren hat, und innerhalb des unendlichen Liebes- und Heilsplanes, den die Unendliche Liebe im Lauf der Jahrhunderte bis zum Ende der Zeit und für alle Ewigkeit aufzeigt.
Die Inspiration, aus der die besonderen Werke hervorgehen müssen, die Unsere Liebe Frau von den Rosen an diesem Ort und überall auf der Welt aufbauen will.
Rosa erinnerte unermüdlich an die fünf großen Bitten Unserer Lieben Frau von den Rosen, die die Seele dazu bringen, in inniger Vertrautheit mit Gott zu leben. «Beten. Lieben. Aufopfern. Leiden. Stille halten.» Diese fünf Bitten haben zum Ziel, jede Seele immer tiefer zu einer direkten und persönlichen Verbindung mit Gott zu führen. Es hat einen ganz besonderen Sinn, dass das «Schweigen» in dieser fünffachen Empfehlung den letzten Platz einnimmt. Es geht hauptsächlich um die Zeit der Stille im Leben jedes Menschen, die wir von Angesicht zu Angesicht und von Herz zu Herz mit Gott verbringen. Ein Schweigen, in dem sich der Mensch trotz der Ablenkungen, der Versuchungen, der Kälte vollkommen Gott überlässt, alles Gott hinhält und vor ihm steht, um seine barmherzige, erleuchtende und verwandelnde Liebe in sein Herz und von ganzem Herzen aufzunehmen.
Rosa di GesùMaria betont: «Wir brauchen lange Zeiten der Stille, in denen wir uns in die Gegenwart Gottes versetzen. In der Stille spricht er auf seine Art zu jedem Menschen. Dann verstehst du in der Stille, was er dir gesagt und in dir gewirkt hat. In der Stille lebt er und entflammt unser Herz. In der Stille sollst du glauben, dass Er bei dir ist und dass er handelt, auch wenn du zutiefst in Prüfungen und Finsternis stecken solltest.»
In den Augen Rosas trägt eine solche Stille zu einer Öffnung des Herzens bei, die entscheidend ist. Sie sagt und wiederholt unaufhörlich: «Die Heilige Jungfrau lädt uns unablässig zur Stille ein. Sie will, dass wir Jesus bitten, in unser Herz zu kommen und dort zu bleiben.»
«Jesus im Herzen tragen» bedeutet für sie nicht nur, Jesus bei der eucharistischen Kommunion in sich aufzunehmen, sondern «ihn immer in sich einzuladen, unaufhörlich bei ihm sein zu wollen, mit seinem Willen vereint zu sein durch eine unaufhörliche Bindung an seine Gegenwart.» (Geistige Kommunion, Stoßgebete, Verlangen, einfacher Aufschwung des guten Willens.)
Man muss einfach an die Tür des Herzens Jesu klopfen, betont Rosa:
«Wiederhole sehr oft im Lauf des Tages: «Jesus, ich liebe dich. Komm in mein Herz, ich warte auf dich.» Je öfter du das sagst, umso tiefer bist du mit Jesus vereint. Jesus möchte immer im Herzen der Kinder seiner Mama sein. Jesus will in Liebe zu uns brennen, wie er sagt. Jesus sagt: «Wenn ihr meine Liebe begriffen hättet, würdet ihr unaufhörlich wiederholen: «Jesus, ich liebe dich. Jesus komm in mein Herz. Jesus, komm an meine Seite. Jesus komm und lass nicht länger auf dich warten.» Denn meine Liebe ist so groß, dass ihr nicht leben könntet, ohne mich zu rufen, wenn ihr meine ganze Liebe begriffen hättet», sagt Jesus. Die Liebe Jesu dringt immer tiefer in das Herz ein. Je mehr du ihn rufst, umso tiefer dringt er ein. «Jesus, ich liebe dich… Jesus, zieh in mein Herz ein, entflamme mein Herz.» Dieses Verlangen vereint dich immer, Tag und Nacht mit Jesus. Dein erstes Wort beim Erwachen sei: «Jesus, komm, zieh in mein Herz ein, entzünde mein Herz, damit ich immer in dir bleiben kann.» Und das sollst du unaufhörlich, Tag und Nacht und zu jeder Stunde tun.»
In den Augen Rosas macht eine solche Lebensweise die Seele demütig und klein und führt sie immer tiefer in das Leben der geistigen Kindschaft ein, die die Seele nach und nach in Gott taucht und nach und nach für all den Glanz öffnet, den er den Menschen von heute offenbaren will.
Man denkt an das Wort des Propheten Hosea über das treulose Israel: «Darum will ich selbst sie verlocken. Ich will sie in die Wüste hinausführen und sie umwerben. Dann gebe ich ihr dort ihre Weinberge wieder.» (Hos 2,16) Die Weinberge stehen für den Wein der Liebe, der Gott selbst ist:
«Jesus ist ganz und gar Liebe. Jesus will alle Herzen mit einer großen Liebe entflammen… Er will in die Herzen der Menschen mit seiner Liebe eindringen. Er will die Herzen entflammen. Er will sie reinigen und heiligen.» (29.11.1968)
Wie so viele andere Werkzeuge in der Kirchengeschichte erhält auch Rosa di Gesù-Maria von der Heiligen Jungfrau eine Unterweisung, die ihr zeigt, wie der göttliche Ruf sich in der Heilsgeschichte verankert und wie Gott am Ende der Zeiten wirkt, um alle seine Kinder zur göttlichen Liebe zurückzuführen, einerseits durch eine notwendige Reinigung und andrerseits durch eine Überfülle an Gnaden.
Unsere Liebe Frau von den Rosen verkündet die Zeit der großen Drangsal und zugleich die Zeit der Großen Erneuerung, die nicht auf einander folgen, sondern einander durchdringen. In den Botschaften von San Damiano ist oft die Rede von der Zeit der großen Drangsal, die «traurige Stunden», «Stunden der Angst und der Tränen», «Stunden der göttlichen Strafe» genannt wird. Doch die Tatsache, dass die Heilige Jungfrau unter dem Namen Unsere Liebe Frau von den Rosen zum Zeitpunkt der großen Drangsal gesandt wird, macht deutlich, dass Gott in seiner Barmherzigkeit und seiner unendlichen Liebe noch immer am Werk ist. Das heilige Symbol der Rose eint Schmerz und Freuden, Dornen, Duft und Pracht.
Unsere Liebe Frau von den Rosen betont das ausgesprochene Elend der heutigen Welt, die sich radikal von Gott abgewandt hat. «In diesen Tagen sind die Menschen Gott gegenüber kalt. Sie sind eisig. Sie wollen ihn nicht mehr kennen, sie wollen ihn nicht lieben, sie wollen ihm nicht dienen. Sie wollen nur in den Vergnügungen der Welt leben.» (6.1.1965) Voller Hochmut und Bosheit eilen die Menschen dem Abgrund zu.» (14.4.1968) Ihr Geist ist von Satan verwirrt und daher begreifen sie nicht mehr, was sie sagen oder tun. (25.1.1968) Sie können das Gute nicht mehr vom Bösen unterscheiden. (29.11.1968) Sie lieben einander nicht mehr (16.7.1968), es gibt keine Liebe noch Frieden in den Herzen, in den Familien, in den Nationen. (3.5.1968) Der Mensch will alles ohne Gott machen und richtet sich so zugrunde: «Die Welt zerstört sich gerade selbst.» (5.9.1967) «Sie wollen alles alleine machen, aber alleine können sie nichts tun. (17.3.1967) Die Welt ist das treulose Babylon.» (21.9.1976)
Zusammen mit dem Leiden kündigt die Heilige Jungfrau eine Reinigung an, die gerade stattfindet… Eine «schreckliche! schreckliche! schreckliche! Gerechtigkeit.» (30.8.1968) Man denkt an die Worte YHWHs in der Schrift: «Ich werde dich verwüsten wegen deiner Sünden.» (Jes 6, 13-16) «Das Strafgericht über die Stadt ist nahe.» (Ez 9,1)
Aber all diese Ausdrücke müssen im Licht der göttlichen Pädagogik entschlüsselt werden. Wie in der Bibel haben die schlimmen Ereignisse, die Maria ankündigt, einen Sinn und dienen der Entfaltung des letzten Heils: «Alles, was eintreten wird, dient dazu, euch zu reinigen, euch zu heiligen und euch zum Himmel zu führen.» (14.3.1969) Wir gelangen hier zum biblischen Begriff von Strafe, die von der Liebe des Vaters zugelassen wird im Hinblick auf eine Bekehrung oder eine letzte Umkehr (Röm 8,1; 1 Kor 5,5; 2 Kor 2,6). Es ist ein chirurgischer Eingriff der Liebe im Hinblick auf die Rückkehr zu Gott und die allerletzte Glückseligkeit der Seele. (Hos 2,8.11; Lk 15,14-20)
Diese schrecklichen Botschaften, die den Zorn Gottes zum Ausdruck bringen, übermitteln zugleich auch eine Vorstellung von der Erneuerung. Rosa macht ihre Gesprächspartner mehr als ein Mal darauf aufmerksam, dass die Seelen in San Damiano aufgerufen sind, vor dem «kleinen Paradiesgarten» zu beten, wie die Heilige Jungfrau selbst ihn genannt hat. Dieser Garten ist ein Sinnbild für das Neue Paradies, das Gott in den Herzen entstehen lassen will, und zwar als Vorwegnahme auf Erden, wenn der Mensch beginnt, in der Liebe Gottes zu leben, sowie als Vorbereitung auf den Tag, an dem die alten Dinge nicht mehr sein werden und Gott den Neuen Himmel und die Neue Erde erstehen lassen wird.
Unsere Liebe Frau von den Rosen kommt immer wieder auf unsere gegenwärtige Zeit zurück, die Drangsal und Erneuerung zugleich ist.
Sie gießt Gnaden der Umkehr und der Berufung aus; es sind geistige und körperliche Gnaden. Sie benützt alle möglichen Zeichen, die Offenbarungen der ständigen Gegenwart Gottes, der Liebe Gottes sind, der seine Schafe nach und nach über Umwege in den Schafstall zurückführt. Sie lädt alle ihre Kinder und die Kirche zu einer Erneuerung im Geist des Evangeliums ein.
Seit dem Beginn seines Pontifikates hat Papst Johannes Paul II. unermüdlich betont, wie dringend notwendig es ist, im Licht der immer neuen Liebe Gottes neue Lösungen für die Probleme von heute zu finden.
«Erschüttert vom gesellschaftspolitischen Ungleichgewicht, von wissenschaftlichen Entdeckungen, über die er nicht mehr ganz die Kontrolle hat, von technischen Errungenschaften in unerhörtem Ausmaß, fühlen die Menschen vage den Untergang alter Ideologien sowie die Verschlissenheit alter Systeme… Die Jugendlichen suchen nach einem Ideal und verlangen nach einem Sinn, der für das Abenteuer des menschlichen Lebens taugt… Die Intelligenz und der Unterricht suchen nach einem Licht, das erleuchtet, sowie nach einer Liebe, die wärmt… Unsere Zeit macht sichtbar, wie groß der geistige Hunger und wie unermesslich die Hoffnung des Gewissens ist…
Wir stehen am Beginn einer gewaltigen Aufgabe: Die Evangelisation der modernen Welt, die sich in neuen Begriffen darstellt. Wir treten in eine neue Zeit der menschlichen Kultur ein, und die Christen stehen vor einer unermesslichen Herausforderung. Wir ermessen heute besser das Ausmaß der prophetischen, dringenden Bitte von Papst Johannes XXIII., der uns inständig nahelegte, uns von den Unheilspropheten zu trennen und uns mutig ans Werk zu machen bei dieser großartigen Aufgabe der Erneuerung der Welt und ihrer Begegnung mit dem Antlitz des auferstandenen Jesus… das durch die ganze Kirche hindurch erstrahlt, um die menschlichen Nationen zu erlösen, zu erfreuen und zu erleuchten.» (Botschaft Ecclesia Christi, Lumen Gentium, Osservatore Romano, 21. Januar 1986)
Rosa empfängt durch Unsere Liebe Frau von den Rosen dasselbe Licht und lädt all jene, die zum «Paradiesgarten» kommen, inständig ein, Gott zu bitten, dass er sie zu einem immer beschaulicheren Gebet und einer immer umfassenderen Liebe zu Gott und zu unseren Brüdern führt, damit wir erleuchtet werden, Orientierung und neues Leben bekommen durch jene neue Liebe, von der Johannes Paul II. spricht, und die die Welt verklärt. Dann können die Werke erblühen, die Unsere Liebe Frau von den Rosen wünscht, und die allen die Wunder der erlösenden und heilbringenden Liebe Gottes enthüllen sollen:
«Der Heilige Geist wird euer Licht sein. Er wird euch entflammen. Er wird euch seine sieben Gaben schenken. Und mehr als alles wird er euch die Liebe schenken. Die Liebe. Die Liebe ist das Schönste, was es gibt. Mit der Liebe herrscht Frieden in allem und überall.» (14.6.1969)
Jeder ist berufen, eine Figur auf dem göttlichen Schachbrett zu sein, wie uns eine von Rosas Visionen zeigt:
«Ich sehe ein großes Tal, wo die Heilige Jungfrau hingeht. Ein Tal voller Blumen und in der Mitte ganz vielen Straßen. Auf jeder dieser Straßen befinden Sie sich. Und jeder hat eine Straße. Der eine hat ein rotes Feld. Ein anderer ein gelbes, wieder ein anderer ein hellblaues Feld, ein anderer ein violettes und wieder einer ein orangefarbenes. Jedes dieser Felder hat so viele Farben, Tausende und Tausende von Farben! Aber jeder von ihnen hat seinen Weg.»
Bemerkenswert ist die Vielschichtigkeit und die Tiefe dieser Vision. Jeder hat seinen Weg, befindet sich jedoch auf allen Wegen. Das bedeutet, dass jedes menschliche Leben seine besonderen Eigenschaften hat wie auch jeder Ruf, dass aber alle großen und kleinen Rufe, alle Berufungen, jedes Leben, das Gott übergeben wird, in den Augen Gottes denselben Wert haben und dieselbe unendliche Liebe von Gott bekommen.
Rosa di Gesù-Maria betont stets die Vielfalt der Wunder, die Gott in allen entfalten und durch alle heute verwirklichen will. Sie beziehen sich auf die innige Vertrautheit des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes, oder auf die einmalige Schönheit der Schöpfung, oder auf die von der Barmherzigkeit gezeichnete Heilsgeschichte, oder auf die geistigen Schätze der Kirche, der Mutter der Heiligung, oder auf den Gnadenregen, der wie bei einem neuen Pfingsten in Überfülle auf die Menschheit herabkommt, damit sie den wahren Sinn ihres Lebens entdeckt oder neu entdeckt.
Darin stimmt die kleine, demütige Bäuerin Rosa mit den tiefgründigen Gedanken von Papst Johannes Paul II. überein.
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Durch diese drei Betrachtungen, die Rosa di Gesù-Maria so viel bedeuteten, konfrontierte uns der vierzigste Jahrestag am 16. Oktober 1964 mit dem Anspruch einer immer größeren Verinnerlichung unseres Lebens als Christen und als Pilger von San Damiano, damit wir in unserer Schwäche auf Gott gestützt und verbunden mit Maria dort, wo Gott uns hinstellt, Werkzeuge der göttlichen Erneuerung sein können, die Gott auf vielfältige Weise auf unserer Erde wirkt.
Roland Maisonneuve
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