Von André CastellaDie Propheten des Alten Testamentes
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Die Prophetenschriften des Alten Testamentes werden traditionellerweise in zwei Gruppen eingeteilt: die vier großen und die zwölf kleinen Propheten.
Die vier großen Propheten sind Jesaja, Jeremia, Ezechiel und Daniel.
Die zwölf kleinen Propheten sind Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja, Maleachi.
Diese sechzehn Propheten werden von zwei berühmten Personen «eingerahmt»:
Die Bibel stellt Mose an die Spitze der Propheten (Dtn 18, 15-18) und bezeichnet ihn als den größten aller Propheten (Dtn 34, 10-12). Mose schaute Jahwe von Angesicht zu Angesicht, er sprach mit ihm von Mund zu Mund und übergab Jahwes Gesetz dem Volk.
Die Reihe der Propheten erreicht mit Johannes dem Täufer ihren Höhepunkt; er taufte während einer denkwürdigen Theophanie Jesus von Nazareth im Jordan und stellte ihn öffentlich als den erwarteten Messias vor.
Etymologisch gesehen ist ein Prophet jemand, der an Stelle eines anderen spricht; er ist der Sprecher (Jer 14, 18), der Verkünder (Nah 6, 7), der Wortträger (vgl. Ex 4, 14-17), der Gottesmann (1Kön 17, 18).
Die Propheten haben Gottes Wort empfangen, das ihr Leben radikal veränderte (Jer 20, 7.13); es war für sie wie eine Überfülle, die sie notwendigerweise weitergeben mussten (Am 3, 7-8; Jer 20, 9; Apg 4, 19-20 und 5, 19).
Die göttliche Botschaft kann auf verschiedene Weisen zum Propheten kommen: in einer Vision wie beispielsweise bei Jesaja (Kap 6), Ezechiel (1, 3 und 8) oder Daniel (8-12), durch Audition oder wie in den meisten Fällen durch innere Eingebung.
Die prophetische Botschaft richtet sich selten an eine einzelne Person. Eine Ausnahme ist hier nur der König, weil er der Anführer des Volkes ist. Im allgemeinen wird der Prophet zum Volk gesandt.
Seine Botschaft betrifft Gegenwart und Zukunft. Bei den jüngeren biblischen Propheten kann der Schleier bis zum Ende der Zeit, bis zum endgültigen Triumph Gottes, gelüftet werden. Immer ist jedoch in einer Prophezeiung eine Lehre für die Gegenwart enthalten.
Die meisten Propheten künden eine göttliche Intervention an, die an einem bestimmten Tag, der «Tag des Herrn» genannt wird, geschehen wird. Darauf kommen wir später zurück.
Die Propheten des Alten Testamentes standen oft in Konflikt mit den religiösen Machthabern, weil sie zu einer geistlichen Erneuerung aufriefen und Drohungen aussprachen, die sich erfüllen würden, wenn das Volk nicht zum Herrn zurückkehrt und sich nicht bekehrt. Die Bibel ist hier voller Beispiele.
Jeremia 20, 7-10:
«Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt. Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag, ein jeder verhöhnt mich.
Ja, sooft ich rede, muss ich schreien, “Gewalt und Unterdrückung!” muss ich rufen. Denn das Wort des Herrn bringt mir den ganzen Tag nur Spott und Hohn. Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so war es mir, als brenne in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinem Innern. Ich quälte mich, es auszuhalten, und konnte nicht.»
«Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören.» Gott bittet diesen oder jenen Menschen, in seinem Namen zu sprechen. Wie Maria bei der Verkündigung bereit war, erwartet Gott, dass der Mensch dafür bereit ist. Er erwählt, aber er bittet um die Zustimmung. Ohne Zustimmung gibt es keine Sendung. Wenn aber die Sendung angenommen wurde, verfügt Gott nach seinem Gutdünken über den Propheten. Er lässt ihn sagen oder schreiben, was Er mitteilen möchte.
Jona, Kapitel 3 und 4:
«Mach dich auf den Weg, und geh nach Ninive, in die große Stadt (man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren), und drohe ihr all das an, was ich dir sagen werde: “Noch vierzig Tage, und Ninive ist zerstört!” Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus, und alle, groß und klein, zogen Bußgewänder an. Als die Nachricht davon den König von Ninive erreichte, stand er von seinem Thron auf, legte seinen Königsmantel ab, hüllte sich in ein Bußgewand und setzte sich in die Asche… Gott sah ihr Verhalten; er sah, dass sie umkehrten und sich von ihren bösen Taten abwandten. Da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er führte die Drohung nicht aus.»
Jona war darüber sehr verdrossen. Er war beauftragt worden, das Unglück anzukündigen, das schließlich aber nicht hereinbrach. Er sagte zu Gott: «Darum nimm mir jetzt lieber das Leben, Herr! Denn es ist für mich besser zu sterben als zu leben». Aber Gott brachte ihn in seiner Weisheit davon ab.
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Für den Propheten besteht die Gefahr, dass er aus seiner eigenen Sichtweise heraus auf eine Frage antwortet oder ein Ereignis interpretiert, ohne die Lösung oder die Erklärung Gottes zu erfragen oder abzuwarten. Interferenzen können auch vom Widersacher kommen.
Daher soll der Prophet seine Zunge siebenmal im Mund bewegen, bevor er spricht. Er soll beten und fasten.
Gott ist derselbe, gestern, heute und morgen; er sendet immer Propheten, um die Reinheit der Offenbarung zu wahren und sein Volk vor Abweichungen und Ideologien der jeweiligen Zeit zu schützen.
Wir alle sollen beten, damit der Heilige Geist die Propheten inspiriert und sie in ihrem Dienst vor Gott treu sein lässt.
Möge der Heilige Geist uns helfen, zu verstehen, was uns die Propheten sagen und es in die Tat umzusetzen.
André Castella
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