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Johannes Paul II. in der Schweiz=> MARIA HEUTE 406 INHALT
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Vor der Ankunft Seiner Heiligkeit Johannes Paul II. in der Schweiz veröffentlichte Hebdo, eine Schweizer Wochenzeitschrift, ein Interview mit Msgr. Bernard Genoud, dem Bischof von Genf, Lausanne und Fribourg.
Die Redakteure dieser bekannten Wochenzeitschrift wollten die Ansicht unseres Bischofs über einen Brief wissen, der von 40 Persönlichkeiten avantgardistischen Katholiken oder Ungläubigen unterzeichnet war und in dem der Papst zu nichts Geringerem aufgefordert wurde als zurückzutreten. Gemäß einer Umfrage unter 1’000 Personen wünschen zwei Drittel der Schweizer Katholiken den Rücktritt des Papstes.
Hier geben wir einige der Fragen aus diesem Interview mit unserem Bischof wieder:
«Im Licht unserer Konsumgesellschaft, in der alles nach den Kriterien der Leistungsfähigkeit und des Gewinns beurteilt wird, ist das Empfinden der meisten Schweizer verständlich. Wenn ich aber die Überlegungen auf die Ebene des Glaubens hebe, ist es klar, dass die Antwort ganz anders aussieht. Was zählt, ist die innere Jugend und Kraft eines Glaubens an ein stets junges Absolutes: an Gott.
Der Papst hat selbst gesagt, dass sein Rücktritt im Moment nicht in Frage kommt. Er wartet auf ein Zeichen von Gott.
Es bleibt jedoch dieser Graben zwischen dem «Sonnenpapst» vom Anfang des Pontifikates und dem Papst der untergehenden Sonne aus den letzten Jahren…
Das stimmt, aber er gleicht einfach der Welt von heute, die voller Leiden ist. Er erinnert uns täglich daran, dass die Welt nicht nur für junge, schöne, reiche und gesunde Menschen gemacht ist. Und wenn man schon von Sonnenuntergang spricht, so muss man auch vom Sonnenuntergang vor der Weihnachtsnacht sprechen: Es ist die Nacht der Fleischwerdung, die Nacht, in der alles begonnen hat.
Aber ist das nicht entmutigend für mögliche Berufungen in einer Zeit, in der Leistung und Tüchtigkeit gefordert wird?
Dazu nur eine Zahl: Am Anfang des Pontifikates von Johannes Paul II. gab es 68'000 Seminaristen. 25 Jahre später, im Jahr 2003, gab es 118'000.
Auf dem «Alten Kontinent» Europa ist es aber umgekehrt.
Das ist ja gerade das Problem! Wir müssen unsere Kantone verlassen und in «katholischer Kirche», das heißt allumfassender Kirche denken. Die Berufungen nehmen in Afrika, in Lateinamerika, in Osteuropa und auch in Asien zu. Diese jungen Seminaristen müssen wir als die unseren betrachten und der Entmutigung widerstehen, die durch das Absinken der Berufungen hier ausgelöst werden kann. Man könnte nämlich denselben Kriterien zufolge auch den Tod der Kultur und der philosophischen Tradition des Alten Kontinents erklären…
Kann man diese Berufungen wirklich Johannes Paul II. «zuschreiben»?
Schauen Sie doch, was bei den Weltjugendtagen geschieht: Es ist verblüffend. Wer alle Lebensabschnitte durchquert und eine derartige Kraft zu sammeln bewahrt hat, der bewegt mich zutiefst.
Sichtlich sind jedoch nicht alle Schweizer Katholiken dieser Ansicht…
Man muss in Begriffen des Glaubens denken. Dieser Mann ist kein Staatschef, er ist der Stellvertreter Christi, der mit dem Beistand des Heiligen Geistes ausgewählt wurde. Wenn man Johannes Paul II. mit einem todkranken Glauben betrachtet, dann sieht man in der Tat auch nur einen todkranken Mann. Was in der Schweiz manchmal fehlt, ist ein echter mystischer Blick…»
(Auszug aus: Hebdo, Nr. 22 vom 27. Mai 2004, Verlag Ringier-Romandie, Pont Bessières 3, Postfach 3733, CH1200 Lausanne)
Das Flugzeug aus Rom landete auf dem Militärflughafen von Payerne, und Seine Heiligkeit Johannes Paul II. wurde von den bürgerlichen und kirchlichen Autoritäten der Schweiz begrüßt. Joseph Deiss, der Präsident der Konföderation, hieß den Papst auf Französisch, Deutsch und Italienisch willkommen. Er wurde von Vizepräsident Samuel Schmid und von der Außenministerin der Schweiz, Micheline Calmy-Rey begleitet.
Bischof Amédée Grab, der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz, sowie Bischof Bernard Genoud von Lausanne, Genf und Fribourg sprachen mit dem Papst.
Vertreten waren auch die beiden Schweizer Kardinäle Schwery und Cottier letzterer ist der theologische Berater des Heiligen Vaters sowie die in der Schweiz ansässigen Bischöfe.
Der Heilige Vater wurde von etwa 30 Bischöfen begleitet, unter denen mehrere Kardinäle der römischen Kurie waren. Er war von vier Schweizer Gardisten umgeben.
Die Begegnung mit den Jugendlichen am Samstag Abend verlief in einer Atmosphäre des Vertrauens und der Freude, ohne in derzeit umstrittene Fragen abzugleiten (Zölibat der Priester, Priesterweihe für Frauen usw.)
Der Papst sprach von der möglichen Hoffnungslosigkeit der Jugendlichen, von den Trugbildern der Konsumgesellschaft, die verführen und von der wahren Freude abbringen, von der Gleichgültigkeit, der Oberflächlichkeit und dem Zweifel, wollte den Jugendlichen aber eine Botschaft der Hoffnung übermitteln: «Gerade in diesen Momenten nähert sich Christus jedem von euch und richtet an euch wie an den jungen Mann von Naïm jenes Wort, das aufrüttelt und aufweckt: «Steh auf. Nimm die Einladung an, die dich wieder auf die Beine stellt!»
Der Papst erinnerte daran, dass auch er zwanzig Jahre lang dieselben Wünsche und dieselben Sorgen hatte wie alle Jugendlichen und bezeugte, dass er einen Sinn für sein Leben gefunden hat, indem er dem Herrn nachfolgte: «Habt keine Angst davor, Ihm zu begegnen. Sucht ihn im persönlichen und gemeinschaftlichen Gebet, in einer aktiven Teilnahme an der Eucharistie, im Sakrament der Versöhnung, in der Kirche, die ihr in den Gruppen der Gemeinden, in den Bewegungen und Vereinen findet. Sucht ihn im Gesicht eurer leidenden Brüder, die bedürftig oder fremd sind.»
Unterbrochen von tosendem Beifall führte der Papst zwei weitere Botschaften an die Jugendlichen des dritten Jahrtausends aus:
Es geht darum, auf den Herrn zu hören. «Wenn es dir gelingt, in völliger Verfügbarkeit dein Herz und deinen Geist zu öffnen, wirst du die Berufung und den Plan entdecken, die Gott in seiner Liebe seit jeher für dich gefasst hat.»
Es geht auch darum, sich auf den Weg zu machen. «Gib dich nicht damit zufrieden zu diskutieren. Warte nicht auf Gelegenheiten, die sich vielleicht nie ergeben werden, um Gutes zu tun. Es ist Zeit zu handeln!»
Der Papst fügte hinzu: «Es ist nicht die Zeit, wegen des Evangeliums zu erröten. Vielmehr ist es Zeit, es von allen Dächern herunter zu verkünden!»
Am Sonntag Morgen waren 70'000 Gläubige versammelt, um an der heiligen Messe teilzunehmen.
In seiner Predigt ging Seine Heiligkeit Johannes Paul II. insbesondere auf zwei Themen ein:
Die Welt braucht mehr Hoffnung.
Die Christen müssen sich in die Schule der Gemeinschaft begeben, um vom Gift des Egoismus gereinigt zu werden, das Eifersucht, Misstrauen und schädliche Konflikte hervorbringt.
Die Persönlichkeit von Johannes Paul II., die Entschiedenheit, die er an den Tag legt, wenn es darum geht, Schwierigkeiten zu überwinden, zwingt seine Zuhörerschaft zu Achtung.
Auf internationaler Ebene hat sich der Heilige Vater mit den jungen Schweizern bereits für Köln in Deutschland verabredet, wo vom 16. bis 21. August 2005 der nächste Weltjugendtag stattfindet. Kardinal Joachim Meisner, der Erzbischof von Köln, war beim Fest in Bern dabei, um die Schweizer Jugendlichen zu diesem großen Treffen einzuladen.
Johannes Paul II. kommt am 15. August dieses Jahres nach Lourdes. In der September-Ausgabe unserer Zeitschrift werden wir darüber berichten.
André Castella
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