Die Schöpfung (Offb 3,14)
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Die Aufsehen erregenden Fortschritte der Wissenschaft haben für die gesamte Menschheit die Kenntnis und die Ansicht über das von uns beobachtete Universum beträchtlich erweitert. Die Schöpfung ist ein Thema zunehmender Bewunderung; Entdeckungen, Überraschungen und Fragen scheinen endlos zu sein und führen uns zu einer noch tieferen Kontemplation der unendlichen Weisheit und Größe unseres Schöpfergottes.
Gott, der allmächtig und ewig ist, brauchte nichts Präexistierendes, um das Universum zu erschaffen. Gott ist Gott und hat alles aus dem Nichts erschaffen. So lautet die Lehre der Kirche und der Bibel:
2Makk 7, 22-23.28: «Ich weiß nicht, wie ihr in meinem Leib entstanden seid, noch habe ich euch Atem und Leben geschenkt; auch habe ich keinen von euch aus den Grundstoffen zusammengefügt. Nein, der Schöpfer der Welt hat den werdenden Menschen geformt, als er entstand; er kennt die Entstehung aller Dinge. Er gibt euch gnädig Atem und Leben wieder, weil ihr jetzt um seiner Gesetze willen nicht auf euch achtet... Ich bitte dich, mein Kind, schau dir den Himmel und die Erde an; sieh alles, was es da gibt, und erkenne: Gott hat das aus dem Nichts erschaffen, und so entstehen auch die Menschen.»
Jes 44, 24: «So spricht der Herr, dein Erlöser, der dich im Mutterleib geformt hat: Ich bin der Herr, der alles bewirkt, der ganz allein den Himmel ausgespannt hat, der die Erde gegründet hat aus eigener Kraft».
Der Bericht im Buch Genesis, den man mit Weisheit und Liebe lesen sollte, ist für uns Gläubige der herrliche und wahre Ausdruck des Anfangs, der Ordnung und der Organisation der göttlichen Schöpfung. Gott spricht und sogleich geschieht es (vgl. Gen 1, 1.3, usw.). So heißt es auch in Psalm 33, 9: «Der Herr sprach, und sogleich geschah es; er gebot, und alles war da». Der Apostel Johannes sagt im Prolog seines Evangeliums: «Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.» (Joh 1, 1-3) Ja, alles wurde im und durch den ewigen Sohn erschaffen. Das Werk der Schöpfung ist das Werk des dreifaltigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Im Römerbrief heißt es: «... Gott, der die Toten lebendig macht und das, was nicht ist, ins Dasein ruft». Das ist der Glaube der Apostel, das ist unser Glaube. Wir glauben und wissen durch den Heiligen Geist, dass der Schöpfer, der «alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet hat» (Weish 11, 20), mächtig genug ist, um die Toten aufzuerwecken und ewiges Leben zu schenken.
Die Schöpfung und ihre Größe war für die Gläubigen nie eine Bagatelle. Die Heilige Schrift führt die Winzigkeit des Menschen im Kosmos vor Augen und auch die Erde ist im Universum nichts als ein Staubkorn (vgl. Ps 8; Ps 62, 10; Ijob 26, 7; Jes 40, 15f...). Der Mensch war sich seit jeher der Unermesslichkeit der Schöpfung bewusst; seit einigen Jahren können wir jedoch durch den Fortschritt der Wissenschaft und Forschung die sichtbare Schöpfung im unendlich Kleinen wie auch im unendlich Großen tiefer ergründen. Durch den Geist der Einsicht, den Gott in uns gelegt hat, können wir in das Innere der Materie eindringen und sie uns dienstbao machen. Computer, elektronische Geräte, Satelliten, Medikamente und andere Technologien sind die praktischen und sichtbaren Konsequenzen für den Menschen, die wohltuend, aber manchmal auch unheilvoll sind... Durch die Intelligenz des Menschen, den Gott nach seinem Bild erschuf (vgl. Gen 1, 27), kann jeder die Weite des Himmels mit seiner Schönheit und seinen Geheimnissen betrachten: Galaxien mit Milliarden Sternen und Sonnen; Milliarden und Abermilliarden Galaxien, weit entfernte Quasare, die weiten Räume des staunenswerten Universums. Es wurden Galaxien entdeckt, die mehr als dreizehneinhalb Milliarden Lichtjahre entfernt sind. Je mehr der Mensch das Universum beobachtet, desto größere Überraschungen gibt es. Im Universum gibt es mehr Sterne als Sandkörner auf der Erde... Eine Vielzahl von «Objekten», erstaunliche Sterne bevölkern unsere Galaxien. Super Novae, weiße Zwerge, Neutronensterne, Pulsare, kosmische «Leuchttürme», die sich mit schwindelerregender Geschwindigkeit wie Kreisel drehen. Sterne und Sonnen der verschiedensten Arten. Manche sind mehr als vierhundert Mal so groß wie unsere Sonne. Schwarze Löcher, die mit einer vieltausendfach stärkeren Masse als unsere Sonne wie riesige kosmische Staubsauger alles verschlingen, was in ihre Nähe kommt, sogar das Licht. Die Beobachtungen setzen uns immer wieder in Erstaunen. Im gesamten Universum ist unermessliche Energie, sichbare und unsichtbare Materie. Phantastische Nebelsterne, die voller Geheimnisse und unerhört schön und vielgestaltig sind: sie dehnen sich über Weiten aus, die sich nur mit Lichtjahren messen lassen; sie sind die Wiege neuer Sterne. Einzigartige Satelliten, die alle unterschiedlich sind, kreisen um die Planeten. Und vor kurzem wurden extrasolare Planeten entdeckt: mehr als 120 bis auf den heutigen Tag. Jeden Monat überraschen uns neue Entdeckungen und versetzen uns in staunende Bewunderung. Inzwischen wissen wir, dass es auf dem Mars Wasser und Salz gibt... Früher gab es auf diesem Planeten ein Meer und Flüsse. Es gibt eine ungeheure Menge von Planeten.
Wir werden mit den Entdeckungen an kein Ende kommen. Es ist einfach fesselnd und spannend! Der Menschen besitzt einen Geist, der ihn drängt, Gottes Wunder zu erforschen. Aber die sichtbare Schöpfung ist im Vergleich mit der unsichtbaren Schöpfung weniger groß und sogar weniger real, weil sie zeitlich begrenzt ist. Vergleicht man sie aber mit Gott, dessen «Hoheit sich über den Himmel ausbreitet» (vgl. Ps 8, 2) und dessen «Größe unerforschlich ist» (Ps 145, 3), so ist sie verschwindend klein.
Als Schöpfer aller Dinge ist Gott auch der Urheber des Lebens. Er selber ist das Leben in Fülle. In Gott «bewegen wir uns, leben und sind wir» (vgl. Apg 17, 28). Wenn wir unsere Erde betrachten und erforschen, stellen wir fest, dass sich Leben auch an unglaublichen Orten entwickelt: auf den Meeresgründen, wo Bedingungen herrschen, unter denen man Leben für unmöglich hält (Fehlen von Licht, enormer Druck, äußerst wenig Sauerstoff, extreme Temperaturen, Nähe von heißen Quellen, usw.). Es hat den Anschein, dass sich Leben überall ausbreitet, wo es nur irgend möglich ist und so taucht in uns die Frage auf: gibt es auch außerhalb der Erde Leben? Gibt es auf anderen Planeten Leben? In unserem Sonnensystem? In anderen Sonnensystemen? Vielleicht überall im Universum? Oder sind wir, die auf der Erde leben, die einzigen Lebewesen in dieser unermesslich großen Schöpfung?
Zunächst: wir haben die Gewissheit, dass wir nicht allein sind! Gott ist überall in seiner Schöpfung zugegen (vgl. Gen 1, 2; Weish 1, 7). Und andererseits gibt es eine Vielzahl von intelligenten, machtvollen und prächtigen himmlischen Geschöpfen: Erzengel, Engel, Kerubim, Seraphim, Throne, Mächte, Gewalten, usw., denen die himmlischen Räume bekannt sind... Kann es aber sein, dass es in unserem sichtbaren Universum auch noch anderswo Leben gibt? Zu diesem Thema gibt es keine kirchlichen Stellungnahmen. Aber wir dürfen und sollen diese Möglichkeit in aller Schlichtheit in Betracht ziehen. Es ist wahrscheinlich, dass sich Leben auch an anderen Stellen im Universum in einfacher, aber auch differenzierterer, ja intelligenter Weise ausgebreitet hat. Die Bibel hat nichts dagegen einzuwenden. Man sollte allerdings die erforderliche Vorsicht walten lassen, denn durch Unwissenheit kann man die heiligen Texte falsch, mehrdeutig, abenteuerlich oder auch häretisch auslegen.1 Ob es an anderen Stellen in der sichtbaren Schöpfung des Universums Leben gibt oder nicht, ändert nichts an unserem Glauben. Ob wir nun allein sind oder nicht: wir haben immer Grund genug, Gott für seine Allmacht, seine Weisheit, seine Herrlichkeit und seine unendliche Liebe zu preisen. Gott hat in seiner Allmacht alles mit vollendeter Einsicht erschaffen. Das Ziel und die Grenzen der Menschheit wurden von Gott festgesetzt:
Dtn 32, 8: «Als der Höchste (den Göttern) die Völker übergab, als er die Menschheit aufteilte, legte er die Gebiete der Völker nach der Zahl der Götter fest» (vgl. Dtn 32, 43). In diesem Sinne sagt auch der Apostel Paulus:
Apg 17, 24-27: «Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind. Er lässt sich auch nicht von Menschen bedienen, als brauche er etwas: er, der allen das Leben, den Atem und alles gibt. Er hat aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen, damit es die ganze Erde bewohne. Er hat für sie bestimmte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnsitze festgesetzt. Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern.»
Es kann sein, dass der Mensch nicht das einzige intelligente Wesen in diesem Universum ist und dass es nicht nur auf der Erde Leben gibt. Wir sollen über diese Hypothesen gründlich nachdenken, um unseren Glauben zu festigen und nicht von künftigen Entdeckungen erschüttert zu werden... Die Schöpfung ist unermesslich groß, unendlich vielfältig und voller Überraschungen; der Mensch ist jedoch die Krone der Schöpfung. Wir sind vernunftbegabte Wesen von großer Schönheit und Würde. Der Mensch ist ein geheiligtes Wesen, geheiligt durch Gott. Und unser Leben ist ebenfalls geheiligt. Wie schön und wie wunderbar wurde der Mensch geschaffen! Durch unsere Augen, die so klein sind, können wir das Unendliche, die sagenhafte Weite des Universums mit seiner Herrlichkeit betrachten. Durch unseren vernunftbegabten Geist, den wir mit unserem Leben bekamen, ohne dass wir ihn verdient hätten, können wir Gottes Schöpfung verstehen und sie in den von Gott festgesetzten Grenzen erforschen. Der Mensch ist der Gipfel der Schöpfung und er hat das Privileg, anderen Menschen Leben zu schenken und sich nach Gottes Plan zu vermehren (vgl. Gen 1, 28). Das ist wundervoll! Es ist ein Vorrecht, das die Engel nicht haben. Der Mensch ist ein Wesen aus Geist und Fleisch. Wir sind aber auch spirituelle Wesen und besitzen eine unsterbliche Seele. Es gibt in jedem von uns eine unsichtbare und ewige Realität und wir alle sind zum ewigen Leben berufen und sollen mit der Liebe Gottes übereinstimmen. An unserem Lebensabend werden wir nach unserer Liebe gerichtet werden. Der christliche Glaube ist die schönste Schule der Liebe. Wenn wir an Jesus Christus glauben, haben wir das ewige Leben. Er ist der wahre Gott und Schöpfer. Wir sind sein Abbild. Er hat Ähnlichkeit mit uns. Er liebt uns auf unaussprechliche Weise, so dass wir Mühe haben, es uns vorzustellen. Gott hat alles gegeben und seine Liebe erfüllt alles. Er hat uns das Leben geschenkt. Bleiben wir stets mit Ihm in Seiner Liebe vereint durch Gebet und Kontemplation.
Jacques Magnan
Anmerkung:
1. In der Geheimen Offenbarung (Offb 12, 12) ist von Himmelsbewohnern die Rede, die Geschöpfe des Himmels sind; sie sind himmlischer als andere Bewohner des Kosmos. Das Buch Genesis (Gen 6, 2-4) spricht von «Söhnen Gottes», die sich mit Menschentöchtern vereinten und Helden zur Welt brachten. Dieser Ausdruck meint wie auch an anderer Stelle (vgl. Ps 29, 1; 89, 7; Ijob 1, 6; 38, 7 usw.) keine Engel, denn Engel heiraten der Lehre des Herrn zufolge (vgl. Mt 22, 30) nicht. Was die nephilim (Riesen) anbetrifft, so bezeichnen sie hochgewachsene Männer (vgl. Num 13, 33f).
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