Von Bernard Balayn
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Vor bald sechzig Jahren ereigneten sich in Rom die Erscheinungen von Tre Fontane, deren Protagonist vor kurzem verstarb. Sein Tod ist für uns eine Gelegenheit, uns mit einer Erscheinung zu befassen, über die das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Der Ausdruck «Muttergottes der Offenbarung» wurde von Maria selbst verwendet und verdient eine nähere Untersuchung. Gewiss, diese Marienerscheinungen wurden noch nicht ausdrücklich anerkannt wie auch jene von der Rue du Bac nicht aber das öffentliche Wohlwollen der Päpste seit Pius XII., sowie die unablässigen Besuche von Prälaten, die zu einem Besuch in der ewigen Stadt weilen, und auch die vielen Wunder bürgen für ihre Authentizität, die übrigens auch von niemandem bestritten wird.
In diesem ersten Artikel befassen wir uns mit der ersten der vier Erscheinungen, die zugleich auch die wichtigste ist.
I. «Ich bin jene, die in der göttlichen Trinität ist»
Wir befinden uns also in Italien, das sich von seiner Niederlage an der Seite der Nationalsozialisten nur schlecht erholt hat und sich als werdende Republik noch nicht so recht wohl fühlt. Rom ist das Zentrum der politischen Wirren, der sozialen Spannungen, der ungewissen Zukunft. 1946 hat die ausgedehnte Peripherie der Stadt einen schlechten Ruf, besonders die Viertel im Südosten. In den zahlreichen Pfarreien, die es wieder aufzurichten gilt, versuchen Priester manchmal aus dem Ausland, wie ein gewisser Karol Wojtyla den ernüchterten Menschen wieder Hoffnung zu geben. In diesem Sinne erhebt sich an der Via Laurentina eines der wichtigen Gebäude des christlichen Rom: die Basilika «St. Peter vor den Mauern». Sie steht an der Stelle, wo der Völkerapostel das Martyrium erlitt. Die Tradition besagt, dass sein Kopf, als er nach der Enthauptung zur Erde fiel, drei Quellen entspringen ließ. Daher hat dieses Viertel den Namen Tre Fontane. Nicht weit von dort entfernt wurde später das Generalat der Trappisten und ihre Abtei errichtet, die unter Pius IX. wieder eröffnet wurde.
Papst Pius XII. herrschte seit 1939 über die katholische Welt, die vom Krieg so hart geprüft worden war, und über seine römische Diözese. Er bereitete das Dogma der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel vor und bevor er es proklamierte, wartete er auf Zeichen der Bestätigung. Die Basilika Santa Maria Maggiore ist nicht nur ein Marienheiligtum, sondern auch der Göttlichen Liebe geweiht.
In der wüstenähnlichen, mit Eukalyptussträuchern bedeckten Landschaft von Tre Fontane öffnen sich hier und da im Tuffstein Grotten; Treffpunkte für alle möglichen Schandtaten, die von den Trappisten angezeigt wurden.
Am 12. April 1947 langweilte sich ein Familienvater, der in diesem Viertel wohnte. Er hatte den Zug nach Ostia an der Tibermündung verpasst. So beschloss er, daheim zu bleiben. Seine drei kleinen Kinder spielten: ein Mädchen und zwei kleine Jungen, die Fußball spielten. Aus seiner Mappe nahm er etwas zum Schreiben. Als Antiklerikaler (er hatte kaum Schulbildung) nahm er sich vor, etwas gegen die Dogmen über Maria zu schreiben und suchte nach einer Eingebung...
Auf einmal rollte der Ball in eine der Grotten und nach und nach verschwanden alle drei Kinder darin, in der Hoffnung, ihn dort wiederzufinden. Als der Vater keines der Kinder zurückkommen sah, war er beunruhigt, stand auf und fand seine Kinder kniend, unbeweglich, mit gefalteten Händen vor. Sie sagten, sie sähen am Ende der Grotte eine sehr schöne Frau. Er forderte sie auf, herauszukommen, versuchte, sie hochzuheben und mitzunehmen, aber schließlich konnte er nur sagen: «Gott, steh uns bei!».
Der Mann, der zornig geworden war, aber auch Gott zu Hilfe gerufen hatte, hieß Bruno Cornacchiola. Er erblickte in einem römischen Vorort das Licht der Welt. Seine Familienverhältnisse waren sehr schwierig. Er wurde getauft, geriet aber schon als Kind auf die Straße, und wenn er heimkehrte schlug er seine Mutter oftmals heftig. Obwohl er fast zufällig zur Erstkommunion gegangen war, kannte er Gott nicht mehr und gab sich dem Elend und der Brutalität, die in seinem Umfeld herrschten, hin. 1936 heiratet er im Alter von 23 Jahren heimlich in der Sakristei Jolanda, die gleichwohl praktizierende Katholikin ist. Schon bald haben sie eine Tochter: Isola. Aber noch im selben Jahr lässt er sich durch die Aussicht auf Geld und aus Sympathie für die «Roten» als Freiwilliger für den spanischen Bürgerkrieg rekrutieren. Er begegnet dort einem Deutschen, der wie er ein Meldegänger ist und als fanatischer Lutheraner unablässig die Bibel in der Hand hat. Dieser Kollege lehrt ihn den Hass auf die Katholiken, besonders auf die Messe, die Muttergottes und den Papst. Es ist nicht schwer, Bruno zu beeinflussen, denn er hatte in seiner Kindheit nur wenig Glaubensunterweisung erhalten.
Bevor Bruno wieder nach Italien zurückkehrte, kaufte er in Toledo ein Messer, in dessen Griff er «Tod dem Papst» eingravierte. Nach seiner Rückkehr hatte er als Glaubensabtrünniger nur noch einen Gedanken: die Kirche zu zerstören, indem er die Heilige Schrift gegen sie richtete. Er wollte sogar so weit gehen, den Heiligen Vater zu erdolchen. Unverzüglich setzt er seine Pläne in die Tat um. Nachdem er Busfahrer geworden ist, bringt er eines Tages einen Priester so sehr zum Stolpern, dass dieser ins Krankenhaus eingeliefert werden muss. Bruno wird ein leidenschaftlicher Propagandist, eröffnet ein Zentrum für die Jugend und will seine Frau mit Gewalt zum Protestantismus bekehren. Obwohl er von ihr zwei weitere Kinder hat, bedroht er sie wegen ihrer Glaubenstreue und beginnt, sie vor den weinenden Kindern immer heftiger zu schlagen. Nachdem er die frommen Bilder in seinem Haus zerstört hat, will er noch die Madonna von Pompei zerstören. Er stellt sich lästernd vor sie. «Nein», fleht seine arme Frau, «tu das nicht, ich habe so inständig zu ihr gebetet, damit du heil aus Spanien zurückkommst!». «Ich tue, was ich will!», erwidert ihr Mann. Und in seinem teuflischen Hass verbrennt er nicht nur die Ikone, sondern reißt auch das Kreuz aus dem Zimmer, zerbricht es und wirft es in den Dreck. Sie macht einen letzten Versuch: die Novene der Herz-Jesu-Freitage, die augenscheinlich fehlschlägt. So folgt sie ihrem Mann aus Liebe, um die Ehe nicht zu zerstören und die Kinder zu retten, denen der Katechismusunterricht verboten ist. Wir befinden uns jetzt im Jahr 1947; der Verfolger Christi ist 34 Jahre alt. Wie der hl. Paulus wird er von einem Licht, dem Licht des Glaubens, zu Boden gestürzt...
Plötzlich antwortet Gott auf das inständige Flehen: «Ich sah, wie zwei makellose Hände auf mich zukamen und mein Gesicht leicht berührten. Ein Licht drang hindurch und in seinem Zentrum schaute ich das Antlitz einer jungen Frau, die im Glanz eines goldenen Lichtes gekommen war...». Es ist eine Frau, die nicht ihresgleichen hat und die ihn durch ihre Gnadenschönheit in Bann zieht. Er bemerkt zwei wesentliche Dinge: In ihren Händen, die sie über der Brust gefaltet hat, trägt sie ein Buch... und unter ihren jungfräulichen Füßen befindet sich ein zerfetztes, schwarzes Gewand und ein zerbrochenes Kreuz... Er beginnt sein Leben zu verstehen, ja noch mehr: er versteht, was die himmlische Schönheit, die ihm erschienen ist, sagen will.
Ihre Mitteilung bezieht sich auf sie selbst im Plan der Erlösung; sie bezieht sich aber auch auf die Bekehrung der Sünder, die durch Brunos Bekehrung bewirkt wird, und auf die Kirche und den Papst.
Sie gibt ihm ihr Buch und sagt ihm unverzüglich und mit unaussprechlicher Milde: «Ich bin jene, die in der göttlichen Trinität ist. Ich bin die Muttergottes der Offenbarung... Mein Leib konnte nicht verwesen und verweste nicht. Mein Sohn und die Engel holten mich im Augenblick meines Hinscheidens...» Dann fuhr sie fort: «Du verfolgst mich. Es reicht! Komm in die heilige Hürde, in den himmlischen Hof auf Erden. Wenn du viel betest und wenn du täglich den Rosenkranz betest, wirst du die Bekehrung der Sünder und die Einheit der Christen erwirken. Die Ave Maria, die mit Glauben und Liebe gebetet werden, sind wie goldene Pfeile, die das Herz Jesu berühren. Ich werde auf dieser sündigen Erde machtvolle Wunder wirken, damit sich die Ungläubigen bekehren.»
Nachdem sie ihm gesagt hatte, wie seine Bekehrung zustande kommt nämlich durch Leiden und Verfolgungen , führt sie ihm das erlösende Wirken seiner Ehefrau und die siegreiche Rolle ihrer Novene zum Heiligsten Herzen Jesu vor Augen.
Und schließlich erwähnt sie die Kirche: «...Du sollst zum Heiligen Vater, dem obersten Hirten der Christenheit gehen und ihm persönlich meine Botschaften überbringen...».
Nach einem Gespräch von eineinviertel Stunde Dauer verschwand die Muttergottes in der rückwärtigen Mauer. Nur ihr köstlicher Duft blieb erhalten und haftete an Bruno. Aber es blieb ihm auch ein großer innerer Friede und die Freude der drei Kinder.
Diese Lehre umfasst zunächst einen dogmatischen Teil, zu dem auch die Bedeutsamkeit der Offenbarung gehört, die durch das Buch, das Maria an ihrem Herzen hielt, dargestellt wird. Es ist natürlich die Bibel. Im Zentrum dieser Offenbarung steht die Heiligste Dreifaltigkeit, das Dogma schlechthin. Im Herzen der Dreifaltigkeit steht Maria, die sich wie in Lourdes durch ihre «Qualität» und nicht durch ihre «Identität» vorstellt, denn sie sagt nicht: «Ich bin Maria, oder die Muttergottes, oder Unsere Liebe Frau», sondern: «Io sono Colei che sono nella Trinità divina». So bestätigt Maria ganz offen, was sie in Fatima dreißig Jahre zuvor erahnen ließ. Sie legt die einzigartigen und vertrauten Beziehungen dar, durch die sie mit jeder der drei göttlichen Personen in der Dreifaltigkeit verbunden ist: Tochter des Vaters, vollkommenes Geschöpf, das seine Ebenbildlichkeit vollendet bewahrte; Heiligtum des Heiligen Geistes, der sie mit Unbeflecktheit beschenkte; Mutter Christi durch das Wirken des Heiligen Geistes und damit auch Mutter Gottes. Sie wurde von Ewigkeit her im Gedanken des Vaters erschaffen und so kann sie sich, wie es im Buch der Sprichwörter über sie heißt, durch eine ewige Gegenwart «definieren». Dieses Buch preist die ewige Weisheit, aber noch mehr preist sie die Mutter dieser Weisheit. Der falschen protestantischen Auffassung wollte Maria damit zeigen, dass sie im Herzen der Offenbarung ist «Sono la Vergine della Rivelazione» und dass sie aus dieser Offenbarung nicht ausgeschlossen werden kann. Sie stellt sich als Mutter der Wahrheit vor.
Die marianische Lehre enthält mit der Bekehrung der Sünder aber auch einen pastoralen Teil. Sie soll mit der Bekehrung des Verfolgers beginnen und zur Rückkehr in die «heilige Hürde», die Kirche, führen. Damit zeigt Maria, dass die katholische Kirche die einzige, von ihrem Sohn gegründete Kirche ist, deren Mutter sie ist. Und als Mutter möchte sie, dass alle ihre Kinder zurückkehren. Sie hebt daher auch die Einheit aller Christen hervor und kündet das II. Vatikanische Konzil an. Die Kirche, deren Einheit abhanden kam, muss wiederhergestellt werden (das zerbrochene Kreuz war ein Symbol dafür). Verfolgungen, von denen das 20. Jahrhundert erfüllt war, sollen eingestellt werden. Das schwarze Gewand, ein Symbol für die Mächte der Finsternis, sollte dies versinnbilden.
Diese Einheit kann nur gemeinsam mit dem «allgemeinen Hirten», d.h. mit dem Papst verwirklicht werden: und das macht wie in Fatima den kirchlichen Teil aus. Bruno, der den Heiligen Vater erdolchen wollte, soll ihm nun eine Botschaft von der Königin der Kirche überbringen. Maria wollte Papst Pius XII. in seinem Wunsch, das Dogma von der Aufnahme Mariens in den Himmel zu proklamieren, bestärken. Dieses Dogma wurde dann auch drei Jahre später verkündet (der kleine Franzose Gilles Bouhours war von Maria ausersehen worden, um dem obersten Pontifex eine weitere Botschaft in diesem Sinn zu überbringen). Der Papst ist der Stellvertreter Christi mit allen Konsequenzen, die daraus folgen, wie z.B. an erster Stelle die Leitung der Kirche und die Verkündigung und Bewahrung der geoffenbarten Wahrheit. Um diese Bedeutung gut sichtbar zu machen, wirkte Maria von Rom aus.
Dieser Heimweg ist der erste Aspekt einer vollständigen Heimkehr. Es lohnt sich, den Bericht darüber zu hören.
Bevor Bruno die Grotte verließ, schnitzte er ein Zeugnis für diese Erscheinung mit seinem Taschenmesser: «Am 12. April 1947 erschien hier, in dieser Grotte, die Muttergottes der Offenbarung dem Protestanten B.C. und seinen Kindern und er bekehrte sich». Da die Muttergottes ihm anders als sein früherer protestantischer Kollege gesagt hatte, dass Jesus dem Evangelium zufolge in der Eucharistie wirklich zugegen ist (wie der Engel in Fatima gezeigt hatte und es später gegenüber Akita in Japan wiederholte), hielt der bekehrte Bruno vor der benachbarten Abteikirche an und sagte seinen Kindern: «Beten wir zum Herrn; beten wir ihn an». Die Älteste fragte: «Papa, welches Gebet sollen wir sprechen?» «Ich weiß nicht, meine Tochter.» «Sollen wir das Ave Maria beten?» «Aber das kann ich nicht!» «Aber ich kann es; ich habe es heimlich in der Schule gelernt, weil du mir verboten hast, zum Katechismusunterricht zu gehen...» Daraufhin lernte er von seiner Tochter wieder Wort für Wort das Ave Maria: «Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade...» Er betete und weinte.
Die Kinder können das Geheimnis nicht lange für sich behalten und rufen es bei ihrer Heimkehr heraus. Jolanda ist durch das erlesene Parfüm, das von ihrem Ehemann ausgeht, neugierig geworden... «Gib ihnen zu essen und bring sie zu Bett, dann werde ich dir alles erzählen...», sagt er mit ungewohnter Güte. Nachdem sie das getan hat, fasst er sie sanft an der Hand und sagt: «Ich habe dich zur Ablehnung der Eucharistie, usw. geführt. Ich weiß nicht, was geschehen ist, aber ich fühle mich verändert.» Dann kniete er sich vor sie hin und bat sie um Verzeihung. Die arme Frau erwiderte ganz fassungslos: «Das ist ein echtes Wunder: du kniest vor mir, während ich mich sonst immer vor dich hingekniet habe, damit du mich nicht mehr schlägst!» Dann berichtete er ihr alles und sie beteten bis zum Morgengrauen und dankten Gott und der Madonna.
Durch die Liebe einer Ehefrau und Familienmutter kehrte das Heil in ihr Haus ein.
(Fortsetzung folgt)
Bernard BALAYN
Literatur:
«Die Jungfrau der Offenbarung», Tre Fontane, Rom, von Msgr. Fausto Rossi, 128 Seiten + 8 S. s/w-Abb., 13x20 cm E 8. CHF 12.
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