Die heilige Margareta-Maria und das Herz Jesu (1)

«Siehe, das Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat.»

Von Bernard Balayn

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Jedes Jahr wird am 16. Oktober das liturgische Fest der heiligen Margareta-Maria, der Vertrauten des Herzens Christi, gefeiert. Sie ist eine privilegierte Heilige, denn ähnlich wie der Apostel Johannes hat sie nicht nur in mystischer Weise am göttlichen Herzen geruht, sondern sie wurde vor allem beauftragt, sein Evangelium der Liebe zu verdeutlichen, damit die Kirche und die Welt diese empfangene Liebe erkennen, sie mitteilen und sie ihrer Quelle — dem Herrn — zurückschenken kann.
Das ist die Botschaft, die dieser Ordensfrau, der mystischen Braut Christi, anvertraut wurde; eine Botschaft, die ihre Wurzeln nicht nur im Johannesevangelium hat, sondern in den Schriften des Alten Testaments und im göttlichen Ursprung der Unendlichkeit Dessen, der die Liebe ist.
In den großen Schwierigkeiten, mit denen sich die gefesselte Menschheit, die ihren Gott vergessen hat, herumschlägt, ist es mehr denn je dringend notwendig, die brennende Aktualität der rettenden Liebe wieder zu entdecken.

Das Leben der hl. Margareta-Maria

Margareta Alacoque wurde unter König Louis XIII. im Juli1 1647 in Vérosvres bei Charolais in einer recht begüterten Familie ländlicher Abstammung (ihr Vater ist Notar) geboren. Sie ist das fünfte von sieben Kindern. Unmittelbar nach der Geburt wird sie getauft; ihre Erstkommunion feiert sie im Alter von 10 Jahren: es ist ihr Eintreten in die eucharistische Unendlichkeit. Während ihrer schweren Kindheit und Jugend (mit 8 Jahren verliert sie ihren Vater, zwei Schwestern und zwei Brüder), und bei einem kurzen Aufenthalt in einem Pensionat in Charolles wo sie von Verwandten sehr streng erzogen wird, vernimmt sie allmählich einen Ruf zum Ordensleben: zunächst von Maria (die sie von einer schweren Krankheit heilt) und dann von Jesus (der ihr sagt: «Hier [im Kloster von Paray-le-Monial] will ich dich haben»).
Während dieser Leidensjahre und durch diese Leiden tröstet Christus sie und bereitet sie auf die außergewöhnlichen mystischen Gnaden vor, die in Verbindung mit ihrer Sendung stehen, und lässt sie diese Gnaden erahnen.
Mit 22 Jahren wird sie gefirmt und fügt ihrem Vornamen noch den Namen Maria bei. Sie tritt bei den Heimsuchungsschwestern in Paray ein, nicht ohne Schwierigkeiten und Prüfungen aller Art, denn dem Teufel war ihr Schritt keineswegs recht. Die Heimsuchungsschwestern sind eine Kongregation, die vom heiligen2 Franz von Sales gegründet und 1610 von einer seiner geistlichen Töchter, der späteren hl. Jeanne-Françoise Frémont, Baronin von Chantal (auch bekannt als hl. Franziska von Chantal) realisiert wird. Die Schwestern leben nach der Regel des hl. Augustinus; der Bischof von Genf gab den Ordensschwestern folgende Verhaltensregel: «Das Verdienst des Kreuzes liegt nicht in seinem Gewicht, sondern in der Art, wie es getragen wird». Paray ist die 26. Gründung (1626).
Im August 1671 legt die Novizin ihre Gelübde ab und weiht sich am 2. November als Opfer dem Herzen Jesu. Am 6. November — dieses Datum hatte sie schon von Jugend an gekannt — legt sie ihre feierliche Profess ab. Sie ist 24. Jahre alt.
Ihr gesamtes Ordensleben ist die Geschichte einer Seele, die Jesus durch herausragende Gnaden entsprechend der Anforderungen seiner Liebe gestaltet, um sie zur Verkünderin seiner Botschaft heranzubilden: für ihr Jahrhundert und für die kommenden Jahrhunderte, für ihr Kloster, für Frankreich, für die Kirche und die Welt.
1685 bat sie ihr damaliger Seelenführer, ihre Lebensgeschichte niederzuschreiben, obwohl sie das aufgrund ihrer Demut nicht gerne tun wollte.
Verzehrt vom göttlichen Liebesfeuer und ihrer vollständigen Hingabe wurde sie am 17. Oktober 1690, im Alter von 43 Jahren, für das ewige Leben geboren.

Der Anruf zur Liebe

Die gefährdete Liebe

Jesus erzieht unerbittlich — aber nicht ohne Barmherzigkeit — das Herz von Margareta-Maria, um es dem Seinen ähnlicher zu machen, damit sie eine neue Zeugin ist und durch ihr Zeugnis die Botschaft glaubhaft machen kann, die Gott uns durch sie übermitteln will.
Voll Dankbarkeit können wir feststellen, dass Jesus sich das Recht vorbehält, Margareta-Maria unmittelbar auf seinen eigenen Wege zu führen, auch wenn er ihr besondere Seelenführer erwählte, wie beispielsweise den hl. Claude La Colombière. Dadurch wollte er seine besondere und grenzenlose Liebe zeigen, die er jedem Menschen entgegenbringt und die Heiligkeit, die jeder erreichen kann, wenn er Gottes Willen tut, der unweigerlich über das Kreuz führt. Die «anbetungswürdige Dreifaltigkeit» schenkte sich ihr und der Vater sprach zu ihr: «Schau, meine Tochter, ich mache dir dasselbe Geschenk wie meinem geliebten Sohn.» «Und ich», sprach der Sohn, «werde dich daran befestigen wie ich selbst befestigt war». «Und der Heilige Geist sagte mir, dass Er, der nichts als Liebe ist, mich dort läutern und verzehren würde.» Daher gab es auch die vielen Erscheinungen des heiligsten Herzens Jesu in Gestalt einer glühenden Sonne oder in Begleitung der Marterwerkzeuge seiner Passion. Die Wunde des Herzens Jesu, die Margareta-Maria betrachtet, ist das Zeichen der unendlichen Liebe, mit der er uns liebt, denn es schien dem Herrn, als hätten die Leiden und der Tod am Kalvarienberg diese unausdenkbare und unerschöpfliche Liebe nicht ausreichend zum Ausdruck gebracht. Das durchbohrte Herz des Erlösers hat keine andere Bedeutung: es verliert sich im Ozean der Liebe.
Diese Botschaft geht über den göttlichen Wunsch nach Genugtuung durch die Geschöpfe hinaus und verbindet sich mit dem ersten Gebot: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihn mehr lieben als alles andere»: die Botschaft verlangt ausdrücklich eine gelebte Heiligkeit nicht nur als persönliche Erfahrung und als ein Geschenk der göttlichen Liebe, die unter Brüdern geteilt wird — als eine «horizontale» Heiligkeit, sondern auch eine Heiligkeit, die in ihrer «vertikalen» Dimension als ein Zurückgeben der Liebe an Jesus betrachtet wird, da die eine Form ohne die andere nicht möglich ist — vergleichbar mit der Gestalt des Kreuzes. Das ist das Neue und das macht die Echtheit der großen Offenbarungen aus, die sich auf die Jahre 1673 — 1675 verteilten.
Um den Kern dieser Offenbarungen zu verstehen, muss man sich in das geistige Klima der damaligen Zeit zurückversetzen, das der Herz-Jesu-Verehrung, die damals außer vom hl. Franz von Sales vor allem von Johannes Eudes, den Meistern der französischen Schule, der Gesellschaft vom Allerheiligsten gepflegt wurde, das Klima des Jansenismus entgegenstellt. Der Jansenismus fürchtete Gott überaus und hielt die Menschen von der Eucharistie (bzw. von der Kommunion) ab, während der Quietismus eine gemessenere Version dieses Glaubens war und der erstarrte Rationalismus eines Descartes die Tragödie der Aufklärung ankündigte, in der man die Vernunft dem Glauben, den Leib dem Geist, Mensch und Gott entgegensetzte, was zu einem grundlegenden Irrtum führte, dessen unermessliches Unheil noch in der Moderne und unter unseren Zeitgenossen wiederzufinden ist. Was hier auf dem Spiel steht, ist in einem Dialog zwischen dem hl. Johannes und der hl. Gertrud, einer anderen Vertrauten des Herzens Jesu, illustriert:
-«Als du beim Letzten Abendmahl an der Brust Jesu ruhtest, hast du da nicht den Liebreiz dieses Herzschlages gespürt?»
-«Ja, ich gestehe, dass ich ihn gespürt habe. Seine Süßigkeit durchdrang mein Sein und meine Seele begann zu glühen.»
-«Und warum hast du vollständig geschwiegen? Kein einziges Wort, das dieses unaussprechliche Mysterium zum Nutzen der Seelen enthüllt hätte!»
-«Meine Sendung bestand darin, der jungen Kirche das menschgewordene Wort des Vaters zu verkünden. Es war den kommenden Zeiten vorbehalten, die beredte Süßigkeit des liebenden Herzschlages wahrzunehmen. Das kalte Altsein der Welt wird sich in der Berührung mit Gottes Zärtlichkeit erwärmen.»
-Es ist daher kein Zufall, dass die erste große, zur Nachahmung aufrufende Offenbarung am 27. Dezember 1673, dem Fest des Evangelisten Johannes, stattfand.

Die drei großen Christophanien

An jenem Tag sah Margareta-Maria Christus und sein Herz, das wie ein Schmelzofen glühte, voll liebender Leidenschaft für jeden einzelnen Menschen. Er sagte ihr, dass er sich «nicht mehr zurückhalten könne und es durch dich in der Welt ausbreiten müsse, um die Welt mit dem Schatz meiner Gnaden zu bereichern und sie vor Satans Reich zu beschützen». Als Gegengabe bittet er um die öffentliche Verehrung dieser Liebe, die Er in Gestalt eines Herzens aus Fleisch in eigener Person ist.
Die zweite Erscheinung ereignete sich an einem ersten Freitag eines Monats im Jahr 1674. Jesus beklagt sich in derselben Weise über die Undankbarkeit der Menschen und setzt die offizielle Verehrung seiner Liebe für die ersten Freitage im Monat fest («Herz-Jesu-Freitage»), um die Menschheit zur Eucharistie zu führen, die «Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens ist» (II. Vatikanisches Konzil). Aus diesem Grund sagte die hl. Teresa von Avila zu einer Ordensschwester, der sie nach dem Tod erschien: «Was wir im Himmel vor Gott tun, sollt ihr auf der Erde vor dem Allerheiligsten tun». Die Eucharistie: unser Paradies auf Erden.
Die dritte Vision ist die Neubelebung der Offenbarung des göttlichen Herzens Christi an die Menschheit. Jesus sagt zu seiner Vertrauten: «Siehe, das Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat, dass es sich in keiner Weise geschont hat, sondern sich erschöpfte und verzehrte, um ihnen seine Liebe zu bezeugen, und dafür ernte ich von den meisten Menschen nur Undankbarkeit: durch ihre Ehrfurchtslosigkeit und ihre Sakrilegien, durch die Kälte und die Verachtung, die sie mir in diesem Sakrament der Liebe entgegenbringen. Am schmerzlichsten sind für mich aber die Herzen der Gottgeweihten, die sich mir gegenüber so verhalten.» (Eine Anspielung auf den Konvent der Heiligen.)
Daraufhin erbittet Jesus von der Kirche die Einsetzung eines Festes zu Ehren seines heiligen Herzens, das am ersten Freitag nach der Oktav von Fronleichnam gefeiert werden soll.
1685 empfängt Margareta-Maria Verheißungen, die mit der oben beschriebenen Verehrung verbunden sind, unter der Bedingung, dass die Forderungen des Evangeliums, wie sie beispielsweise in den Seligpreisungen angeführt sind, gelebt werden.

Die Erinnerung an Frankreichs Sendung

1689 schreibt Margareta-Maria ihrer früheren Oberin, Mutter Saumaise, dass es der Wille Jesu sei, dass diese Verehrung nicht nur die einfachen Menschen im französischen Königreich betrifft, sondern auch den Sonnenkönig selbst, den «Erstgeborenen meines heiligen Herzens», damit durch ihn in dieser besonderen Zeit, in der Frankreich in der ganzen Welt erstrahlt, die anderen Völker bei dieser Verehrung der göttlichen Liebe mitwirken.
Das bedeutet, dass in dem Augenblick, in dem Satan in den geheimen Logen das Komplott der allgemeinen Revolution gegen das Reich der Liebe Jesu Christi schmiedet, Jesus sich bemüht, den Strom des diabolischen Hasses einzudämmen, indem er schon im Voraus durch die älteste Tochter der Kirche (Frankreich) Ströme lebendigen Wassers aus seinem Herzen über die Erde fließen ließ. Dieses Komplott wird besonders mit Hilfe des oben erwähnten Rationalismus geschmiedet, aber auch im Namen der Menschenrechte, wenn sie gegen die Rechte Gottes eingefordert werden, denn Gott soll — wie es die hl. Johanna von Orléans sagte — «zuerst gedient werden».
Bernard BALAYN
Von der Vereinigung Cor Christi, für eine Zivilisation der Liebe
Abgesehen von den «großen Offenbarungen», die hier im Wesentlichen beschrieben wurden, hatte die Heilige auch viele andere Erscheinungen, Visionen oder innere Einsprechungen, die entweder von der heiligen Dreifaltigkeit (in Gestalt dreier junger Männer, die von Licht leuchteten), oder von Christus, von Maria, den Engeln, den Heiligen, oder sogar vom Teufel ausgingen, der sie — wie er es auch bei allen anderen Heiligen tut — verfolgt, wo er nur kann, mit Ausnahme des Bereiches der Reinheit, was ein Zeichen für den großen Schutz ist, mit dem Maria ihre Tochter umgibt.
(Fortsetzung folgt)

Anmerkungen:
1. Der Monat Juli wird von der Kirche dem kostbaren Blut Jesu -geweiht.
2. Im Jahr 1665.

Literatur:
«Die Botin des Herzens Jesu»,
Heilige Margareta Maria Alacoque von Paul-H. Schmidt,
128 S. + 8 S. Farbtafeln, 13x20 cm
E 6.– CHF 9.–


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