Fratel Cosimo (4)An der Quelle des Scoglio (Kalabrien) Konversionen, HeilungenVon René Laurentin
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Auf Rat des Fratels Cosimo hat Abbé R. Laurentin von den zahlreichen Konversionen und Heilungen je eine vorgestellt:
Die Konvertitin ist hier neben mir. Sie heisst Imma und ist 43 Jahre alt. Ich hatte sie bemerkt, diese junge Journalistin, Mitglied der Communità. Sie hat an der Universität studiert, hat aber ihre Bescheidenheit bewahrt; sie unterscheidet sich kaum von den Leuten hier, wo sich alle sozialen und kulturellen Ebenen unterschiedslos und gleichwertig begegnen wie in allen echten Gemeinschaften.
Ihr Zeugnis ist kurz, einfach, ohne Zutaten:
Ich war Atheistin, beginnt sie.
Ich glaube nicht an den Atheismus der Italiener und unterbrach sie:
Nicht eher Agnostikerin?
Doch, Atheistin! Ich war im dialektischen Materialismus ausgebildete Kommunistin. Nach vier Jahren Studium der Sozialwissenschaften an der Universität habe ich mich in der Partei engagiert. Ich war die Regionalverantwortliche in Reggio di Calabria. Ich sammelte Unterschriften für die Abtreibung und für die Scheidung. Ich war eine motivierte Kämpferin, aber unglücklich. Ich machte viel Eindruck und war sehr zielbewusst, aber ich war auch versucht zum Selbstmord. Ich hätte mich zwar kaum aus dem Fenster fallen lassen, aber ich rauchte drei Zigarettenpackungen pro Tag, um meine Angst zu überspielen. Ich verbrauchte mich wie in einem langsamen Selbstmord. Ich wohne in Placanica. Ich begegnete hie und da Fratel Cosimo am Sonntag, wenn er zur Messe kam. Er lud mich ein, ihn auf dem Hügel besuchen zu kommen, aber ich hatte keine Lust dazu.
Schliesslich bin ich doch einmal hingegangen, vielleicht aus Neugier und rasch ist alles umgekippt. Jetzt bin ich eines der 60 Mitglieder der Communità. Ich bin glücklich.
Sie war fast immer dabei während den zwei Tagen, die ich auf dem Scoglio verbrachte. Ich hatte ihre Intelligenz und die vollständige Integration dieser ehemaligen militanten Kommunistin in einer so andersartigen Umgebung bemerkt. Sie fügte bei:
Vor meiner Konversion, war ich mit einem anderen militanten Verantwortlichen der regionalen Partei verlobt. Nach meiner Konversion wollte ich diese Bindung auflösen. Der Herr genügte mir. Aber mein Verlobte liebte mich trotz meinem Bruch und er blieb mir treu, bereit auch mich so anzunehmen, wie ich jetzt war. Ich hatte nicht aufgehört, ihn zu lieben. Er hat der kirchlichen Trauung zugestimmt und wir leben in gutem Einvernehmen.
Aber wie empfindet Ihr Mann diesen Ort und Fratel Cosimo? Verflucht er ihn, weil er Sie abtrünnig gemacht hat?
Nein, manchmal kommt er hierher mit mir.
Was denkt er darüber?
Er ist offen für dieses unterschiedliche Zeugnis, aber das ändert seine Überzeugung nicht. Wir respektieren uns.
Der Partei gehört sie nicht mehr an. Sie ist Journalistin geworden mit all ihrer Dynamik und Schaffenskraft. Aber ihr Engagement Nummer eins gilt der Bewegung der Gnaden und Konversionen auf dem Hügel.
Sascha Fopp, ein junger Schweizer Jurist, der in der Zeitschrift Stella Maris Zeugnis abgelegt hat über seine Heilung nach einem schweren Unfall in einem Fitness-Center (Riss der Sakral Artikulation: die Ärzte waren hilflos) und über seine Konversion, zählt weitere Fälle auf:
Eine rund dreissigjährige Atheistin hat vor ihren Eintritt in den Orden der Karmelitinnen Zeugnis abgelegt; Priester und Bischöfe haben bezeugt, bei Fratel Cosimo eine spirituelle Heilung erfahren zu haben, was es ihnen ermöglichte, ihre Aufgabe mit neuem Elan anzugehen (zitiert Fopp weiter).
Einer von ihnen, der Fratel Cosimo feindlich gesinnt war, ist schliesslich gekommen, um ihm für seine Heilung zu danken. Fratel Cosimo hatte seine Krankheit aus der Ferne erkannt. Fopp erwähnt auch Menschen, die an diesem Gnadenort innere spirituelle Freiheit erlangt und darauf den mystischen Sinn des Leidens in ihrem Leben entdeckt haben. Auch Gebetsgruppen der Madonna dello Scoglio sind bereits vielerorts entstanden.
Die bis heute spektakulärste Heilung ist diejenige von Rita Tassone. Sie wohnt in den Bergen des Aspromonte, eine weitläufige Bergkette hinter Placanica. Sie wurde am 18. November 1946 geboren, ist Mutter von vier Kindern: Assunta, Gregorio, Catena und Raffaele. Kurz vor ihrem 30. Altersjahr war sie krank geworden. Es war 1975, sie wurde bettlägerig. Gegen 1979 wurde eine Osteomyelitis diagnostiziert. Sie degenerierte rasch in ein Knochensarkom. Seit 1980 nahm Rita schmerzstillende Mittel ein, um die unerträglichen Schmerzen zu lindern: Talwin- Tab und zuletzt auch Morphin. 1981hörte Michele, ihr Ehemann, über Fratel Cosimo sprechen. Er ging zu ihm, erklärte ihm die tragische Lage seiner Frau und erhielt folgende Antwort:
Für Ihre Frau kann mit menschlichen Mitteln nichts mehr ausgerichtet werden. Nur ein Wunder von Jesus könnte sie heilen. Man muss beten. Wenn Sie den Glauben haben, wird sie geheilt werden, (Rita e Michele Tassone, Testimonianza die Fede, S. 14ff ).
Von da an ging Michele jeden Mittwoch und Samstag auf den Scoglio und traf Fratel Cosimo mit einer Fotografie von Rita. 1982 gelang es ihm, seine Frau im Auto zu Fratel Cosimo zu bringen. Ab diesem Zeitpunkt brachte er sie mit grosser Opferbereitschaft regelmässig über die kurvenreichen, schlecht unterhaltenen Strässchen der Hügel und Berge des Aspromonte auf den Scoglio. Für die beschwerlichen Fahrten stattete er seinen Wagen mit Kissen aus, damit sie für Rita weniger unerträglich waren.
Im April 1988 war Michele erschöpft von diesem Opferleben. Er begegnete einer andern Frau, die ihn tröstete, aber auch verführerisch war. Er war völlig geblendet. Es war wie ein Traum für ihn. Obschon er bereits die Scheidung vorbereitete, ging er weiterhin auf den Scoglio. In seiner Not bat er Fratel Cosimo um seine Segen. Dieser antwortete:
Sie verdienen keinen Segen. Die Frau, die in Ihrem Herzen Platz genommen hat, müssen Sie aufgeben. Es ist Satan, der sie auf einem Silbertablett gesandt hat. Sie wird Sie und Ihre Familie zerstören und Ihre arme Ehefrau wird die Folgen zu tragen haben. All die Jahre, während denen Sie auf den Scoglio gekommen sind, sind nichts wert: sie wird nicht geheilt werden.
Michele wusste, dass alle bisher von Fratel Cosimo geäusserten Worte der reinen Wahrheit entsprachen. In seinem Herzen wurde es mit einem Mal hell und klar. Er wagte inständig zu bitten:
Fratel Cosimo, beten Sie für mich, denn allein kann ich mich nicht befreien.
Er antwortete:
Beten Sie auch für sich, Sie müssen das Ihre dazu beitragen, sonst kommen Sie nicht aus den Schwierigkeiten heraus.
Die Loslösung von dieser Frau war schwierig, stürmisch und gereizt.
Am selben Abend, erzählte er, habe ich Rita die Lage geschildert, in die ich mich hineinbegeben hatte. Sie hatte etwas vermutet und sagte mir, dass sie Jesus und Maria bitte, mir zu helfen, um aus dieser verzweifelten Lage herauszukommen.
Am folgenden Tag hat Rita den Wunsch geäussert, diese Frau kennenzulernen und bat ihren Mann, sie zu ihr nach Hause zu bringen. Nach einem gesitteten Wortwechsel, während dem die Rivalin ihrer Liebe und Macht bewusst auftrat, nahm Rita das geweihte Wasser, das sich immer neben ihrem Bett befand, und bespritzte damit ausgiebig die andere Frau. Die Folge war unbeschreiblich, erzählte Michele. Die Frau fiel in einen Trancezustand; sie schien wie eine Tollwütige.
Diese Exorzismen ohne Auftrag sind nicht ohne Kehrseite, auf die Michele hinweist. Ein Karthäuser Mönch aus dem nahen Kloster führte später einen Exorzismus durch und alles wurde wieder normal.
Michel schloss seine Darstellung:
Ich erzähle diese Dinge nicht aus exhibitionistischen Gründen, sondern um den Menschen zu helfen: wer auch immer sich in eine ähnliche Situation begeben sollte, soll wissen, wie er sich durch die Barmherzigkeit daraus wieder lösen kann.
Die Reisen zum Scoglio wurden immer beschwerlicher, ausserdem kamen noch merkwürdige Autopannen dazu. Das Auto hielt immer am selben Ort und machte keinen Wank mehr. Fratel Cosimo riet:
Wenn das vorkommt, sagt folgendes Gebet mit viel Glauben: Die Macht Gottes sei immer mit mir und bleibe immer mit mir.
Sein Ratschlag wirkte.
Ritas Zustand wurde immer schlimmer. Michele glaubte, sie würde auf der Fahrt zum Scoglio sterben. Sie indessen zog es vor, lieber auf dem Scoglio als anderswo zu sterben.
Im Juli 1988 kehrte sie zu Fratel Cosimo zurück, der sie aufforderte, für ihre eigene Heilung zu beten, sie die immer und ausschliesslich für die andern betete.
Jesus will Ihre Heilung, damit viele verhärtete Herzen zu ihm zurückfinden, sagte er.
Wenn Sie akzeptieren, wird es einen grossen Kampf zwischen Jesus und Satan geben, aber am Schluss werden wir siegen. Satan wird Sie massiv bedrängen. Beten Sie und bewahren Sie einen starken Glauben!
(id.S.18).
Von da weg schien das Haus verwünscht zu sein. Sie hörten Lärm in den Schränken des Schlafzimmers und auf dem Balkon; elektrische Blitze erschienen auf dem Fernsehbild; ein starker Schwefelgeruch drang ins Haus; alldas dauerte bis zum 13.August.
Am 8. August ging es Rita sehr schlecht; der Ortspfarrer, Don Vicenzo Maiolo, wurde notfallmässig geholt; er brachte die Eucharistie. Er stellte fest, das Rita vom Teufel gehörig unter Druck gesetzt und unfähig zu sprechen war; aber sie hielt ihr Kruzifix aufrecht an die Brust gedrückt. Die Kommunion gab ihr die Kraft, zu sprechen und zu beten. Sie betete für die Sünden der Welt und die Sünder, ohne ihre eigenen Schmerzen in Betracht zu ziehen. Sie betrachtete eine Ikone, die an der Wand ihr gegenüber hing. Die Jungfrau schien sich ihr zu nähern und zu sagen:
Ich bin mit Dir, lass Dich nicht entmutigen (id cit.S.42).
Am 13. August war der Zustand kritisch. Seit drei Tagen ass Rita nichts mehr. Nur die Eucharistie hielt sie noch aufrecht. Manchmal hatte sie Atemnot, wie wenn eine Hand versuchte, sie zu erwürgen. Sie bat, zu Fratel Cosimo zu gehen, damit er für sie bete.
Das ist unmöglich in Deinem Zustand, sagte Michele.
Ich muss hingehen, koste es, was es wolle.
Michele wechselte seine Kleider und fand Rita bereits im Fond des Autos zur Fahrt bereit. Zwei ihrer Kinder hatten sie getragen.
Du willst also dort sterben?
Ja, ich spüre, dass mich die Madonna ruft; ich muss zum Scoglio gehen.
Auf der Fahrt weinte und schrie sie vor Schmerzen.
Kehren wir um, wiederholte Michele.
Fahr weiter und lass den Rest, antwortete sie.
Als sie gegen 17 Uhr angekommen waren, hatte Fratel Cosimo gerade die Begegnung mit den hundert Personen des Tages hinter sich. Man trug Rita zum Felsen der Erscheinung. Sie weinte und biss sich auf die Zähne vor Schmerzen, aber sie betete weiter von ganzem Herzen. Michele erzählte weiter:
Am Schluss ihres Gebetes sagte Rita freudig:
Schau die Madonna!
Und sie zeigte mit der Hand gegen den Himmel. Ich schaue hin und sehe nichts als den hellen wolkenlosen Himmel.
Wo siehst Du sie?
Schau doch all die Sterne, die aus ihren Händen fallen. Du willst nicht sehen! Nun denn, hole die Kinder!
Ich sah nichts. Ich rief Giuseppe Fazzalari:
Schau Du auch hin, wenn Du einen grösseren Glauben hast als ich, siehst Du vielleicht etwas?
Aber Giuseppe sah nichts. Beide gingen zu Fratel Cosimo.
Kommen Sie! Rita sagt, sie sehe die Madonna, die Millionen von Sternen auf uns fallen lasse. Fratel Cosimo ging ein paar Treppenstufen hinunter, schaut gegen den Himmel und sagt mir:
Ja, sie ist wahrhaftig dort.
Unterdessen wurde Rita in einen Nebenraum der Kapelle getragen. Michele hat den nun folgenden Dialog aufgeschrieben:
Warum wollten Sie mich sehen? Fragte Fratel Cosimo Rita.
Um wenn möglich auf meinen eigenen Füssen nach Hause zurückzukehren.
Glauben Sie, dass Jesus das machen kann?
Ja, nur Jesus kann das erwirken.
Nun denn, wollen wir sehen, ob Ihr Glaube stark genug ist. Wenn er so stark ist, wie Sie sagen ist es möglich, dass Jesus Sie erhört.
Die 13 Personen, die an diesem 13. August anwesend waren, drängten sich um Rita. Michele gab seinem Sohn Gregorio den Auftrag, den Eingang zu bewachen, um jede Störung zu vermeiden. Die anwesenden Zeugen bestätigen, dass Fratel Cosimo in diesem Moment wie verwandelt war; er glich Jesus und sagte folgende Worte:
Das sind nicht meine Worte, sondern jene von Jesus an den Gelähmten von Galilea: STEHAUF UND GEHE!
Rita stand auf ohne sich auf den Sessel zu stützen. Sie ging zur Tür, ohne den Boden zu berühren. Michele wollte ihr helfen, den sie war seit 13 Jahren nicht mehr auf ihren Beinen gestanden und hatte keine Muskeln mehr: nur noch Haut und Knochen.
Berührt sie nicht, sagte Fratel Cosimo, lasst Jesus sein Werk vollenden!
Rita stieg die Stufen herab zum Felsen und legte ihre Hände darauf; sie betete. Darauf stieg sie die Treppe zur Kapelle hinauf. Sie ging bis zum Altar, neigte sich nach vorne, um das Bild der Erscheinung zu berühren. Sie verharrte während fünf Minuten so im Gebet. Darauf schritt sie problemlos weiter, obschon ihre Beine nur noch ausHaut und Knochen bestanden. Da erwachte sie aus ihrer Ekstase und entdeckte unvermittelt, dass sie auf ihren Beinen stand.
Ich gehe auf meinen Füssen. Nein, das ist nicht möglich!
Fratel Cosimo lud alle ein, das Lob Jesu zu singen. Die Zeit schien still zu stehen. Michele telefonierte. Die unglaubliche Neuigkeit verbreitete sich im ganzem Land.
Als sie nach Hause kam, erwarteten Rita Tausende von Personen bei ihrem Haus. Der behandelnde Arzt, Cosimo Tassone, schreibt ganz ergriffen:
Mein Gott, Du allein konntest das tun!
Er verfasste sein Zeugnis (id.S.45-47); hier das Wichtigste:
Ich kenne Rita Tassone seit 1982. Ich habe sie behandelt. Die typhoide Osteomyelitis mit Knochen-Sarkom erlaubte keine Hoffnung. Seit August 1988 ist Rita Tassone wieder eine gesunde und normale Frau geworden, glücklich in ihrer Familie, frei von jeder Abhängigkeit von Medikamenten. Sie widmet ihr Leben dem Guten und dem Gebet. Das nennt man ein Wunder. Ja, für mich ist das ein Wunder. Aber, was ist ein Wunder? (Dr. Cosimo Tassone, 11. Februar 1991, id. S.47). Sein medizinisches Zertifikat und diejenigen seiner Kollegen sind im erwähnten Büchlein wiedergegeben (S. 48-62).
Vor Antritt meiner Reise liess ich sicherstellen, dass der Bischof von Locri, Monsignore Giancarlo Maria Bregantini, 54, über meinen Besuch informiert wurde, damit er mich davon abhalten könnte, falls Probleme bestünden. Das war nicht der Fall, aber ich hatte keinen direkten telefonischen Kontakt zu ihm herstellen können. So versuchte ich es nochmals, mit dem Nachfolger der Apostel hier unten direkten Kontakt aufzunehmen. Mit Erfolg. Er schlug mir vor, uns am anderen Tag um die Mittagstunde zu treffen.
Wir gingen hin: Fratel Cosimo, meine Schweizer Freunde, der Rechtsanwalt der Fondazione, seine Ehefrau Rosa, eine der tragenden Säulen der Communità und deren Tochter Carmen. Mittags waren wir dort, aber die Sitzung des Pfarreirates dauerte etwas länger. Ab ein Uhr stand der Bischof ganz zu unserer Verfügung. Ich begegnete ihm zuerst allein: ein ruhiger Mann, von beeindruckender Gestalt, aber direkt und kommunikativ. Er ist Geistlicher und Pastor, besorgt, das Spirituelle mit seiner administrativen und rechtlichen Funktion in Einklang zu bringen. Rom will diese Ordung des forum externum. Er hat mir unter vier Augen Fragen gestellt zu meiner internationaler Erfahrung über die Erscheinungen sowie zu meinen ersten Eindrücken bei Fratel Cosimo. Ich habe sie ihm mitgeteilt. Ich bin immer dankbar für die Zeichen von Gottes Werken, bin mir aber auch der Fallen bewusst, die von überall gestellt werden, sobald Charismen oder Erscheinungen vorkommen: Täuschungen und Hinterhalte, die menschlicher Schwachheit entspringen, oder Versuchungen, die von unten kommen. Das gab es schon zur Zeit von Paulus bei den Korinthern. Monsignore Bregantini hat die spirituelle Dimension von Fratel Cosimo verstanden. Er schätzt seine Demut, seinen Gehorsam, aber er hat die Aufgabe, ihn zu führen, damit er mit dem Pfarrer von Placanica zusammenarbeite, einem jungen Priester, den dieser Erscheinungsort als Staat im Staat einschüchtern kann: ein Pilgerort mit bereits internationaler Bedeutung, der inmitten seines Pfarrgebietes liegt und naturgemäss eine gewisse Autonomie hat, die sowohl im Spirituellen wie auch in Charismatischen begründet liegt. Fratel Cosimo muss mit seinem Ortspfarrer den Kontakt finden und pflegen: leben in der Kirche.
Der Bischof begleitete mich darauf in den angrenzenden Empfangssaal, um Fratel Cosimo mit den andern zu empfangen. Der Bischof wiederholte hier seine Wünsche an Fratel Cosimo.
Monsignore Bregantini, der lange vor seinem 50. Altersjahr Bischof wurde, ist ein Mann des Glaubens und des Dialogs. Im Einklang mit seinem Volk, seiner Autorität und seiner Funktion; trotz seiner Bildung teilt er den selben Glauben mit seinem Volk. Das hat mich beim italienischen Klerus schon oft beeindruckt. Sein klarer Dialog fernab jeder Überheblichkeit lässt mich für die Zukunft nur Gutes erwarten. Keine ungesunden und endlosen Konflikte, die sooft an Erscheinungsorten zu beobachten sind, wie zum Beispiel in Schio, wo spontan eine tiefgläubige und aktive Gemeinschaft im Dienste der Armen und Unglücklichen entstanden ist.
Seit je ist das Problem de Erscheinungen, die schwierige Harmonie zu finden zwischen den Charismen einerseits und der Autorität anderseits; die spirituelle Autorität des
Sehers schafft Probleme, insbesondere dann, wenn das Umfeld diese noch verstärkt. Das ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen; öfter gibt es Misserfolge denn Erfolge. Aber es gibt auch positive Beispiele wie San Nicolas in Argentinien oder Citvitavecchia, wo die Seelsorge erfreulich gute Früchte trägt, trotz aller rechtlichen Probleme. Aber hier finden wir die Quadratur des Kreises im spirituellen Bereich.
Fratel Cosimo befindet sich in der glücklichen Lage, ein konstruktives Klima vorzufinden und nicht die Konfliktsituationen, die anderswo alles so mühsam machen.
Der Bischof von Locri hat die Zustimmung zur Gründung der Stiftung «Fondazione Madonna dello Scoglio» gegeben und ist der Commnità persönlich begegnet. Noch nie ist er indessen am Pilgerort offiziell aufgetreten. Er wartet damit noch zu. Es ist nicht einfach, die kirchliche Ordnung und den Elan des Heiligen Geistes gegenüber Rom sowie gegenüber der ganzen Diözese immer klar unter einen Hut zu bringen. «Löscht den Heiligen Geist nicht aus», sagt Paulus, aber passen wir auf, nicht einen Brand zu verursachen. Wie soll man den manchmal abwegigen Elan der Charismen mit dem Zusammenhalt der Diözese und der Kirchenordnung in Einklang bringen?
Der Auftrag der Bischöfe erinnert mich an denjenigen von Noah, dem Kapitän der Arche, wo alle Tierarten vereint waren, ohne sich gegenseitig zu verschlingen.
Abbé René Laurentin
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