Fratel Cosimo René Laurentin
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Abbé René Laurentin ist im November 2002 zu Fratel Cosimo gegangen und hat seine Feststellungen in «Chrétiens-Magazine» dargestellt. «Maria heute» übernimmt die deutsche Übersetzung. In «Maria heute» von September hat der bekannte Spezialist R. Laurentin Fratel Cosimo kurz vorgestellt und die vier ersten Erscheinungen geschildert. Er schreibt jetzt weiter:
Rund drei Jahre nach der ersten Erscheinung der Madonna habe ich mit Hilfe der Gläubigen eine Kapelle unmittelbar neben dem Felsen bauen lassen.
Im Frühjahr 1976 machte ich mich auf die Suche nach einem Maler, um das Bild der Madonna entsprechend der Erscheinung zu verwirklichen.
Ich fand keinen professionellen Kunstmaler, aber man verwies mich an einen gewissen Ilario Tarsitani, einen Freizeitmaler aus Caulonia. Ohne Zögern erklärte sich dieser bereit, das Bild der Madonna nach meinen Anweisungen zu malen. Von Zeit zu Zeit ging ich zu ihm, um die Fortschritte des Bildes zu verfolgen. Der Künstler malte gut. Als er jedoch den Hals der Madonna malen wollte, blockierte sich seine Hand, und er kam nicht mehr weiter. Darauf beschloss er, nochmals von vorne zu beginnen. Aber auch beim zweiten Anlauf trat dieselbe Blockierung auf, als er beim Hals angelangte.
Er gab auch den zweiten Versuch auf, um sogleich ein drittes Bild in Angriff zu nehmen. Als sich auch diesmal die Hand beim Malen des Halses blockierte, fragte er mich niedergeschlagen und verzagt, was er machen solle, da er auch diesmal das Bild nicht fertig malen könne. Ich wusste keine Antwort auf seine Frage und sagte ihm:
Sorgen Sie sich nicht darum, die Madonna wird sich darum kümmern.
Beim Weggehen ließ ich ihn wissen, dass ich am anderen Tag zurückkommen werde. Am nächsten Abend ging ich erneut zu ihm. Er öffnete mir die Haustür, die Augen voller Tränen, nahm mich beim Arm und führte mich in sein Atelier.
Schauen Sie, was geschehen ist.
Angekommen vor dem Bild stellte ich mit großem Erstaunen fest, dass es fertiggemalt war mit Einschluss des Gesichtes. Ich sagte zu ihm:
Haben Sie es schon fertiggestellt?
Und er antwortete innerlich ganz aufgewühlt:
Ich habe nichts gemacht. Das Bild ist während der Nacht von selbst vollendet worden. Als ich heute frühmorgens ins Atelier kam, um das Bild fertig zu malen, war es zu meiner großen Überraschung vollendet.
Und er fügte hinzu:
Jetzt muss ich nur noch die Füße malen und einige Details ausbessern.
Ich antwortete ihm:
Machen Sie nichts mehr daran, lassen Sie es, wie es ist!
Am folgenden Tag ging ich mit einem Freund zu ihm, um das Bild zu holen. Wir haben es mit dem Auto zu mir nach Hause gebracht und ein paar Tage später in der Kapelle aufgestellt.
Nachdem das Bild installiert war, habe ich bemerkt, dass die Augen der Madonna mir folgten, wo auch immer ich mich in der Kapelle aufhielt, wie wenn sie eine lebende Person wäre. Zahlreiche Pilger haben dies seither immer wieder bestätigt.
Während meiner Kindheit war ich immer wieder beeindruckt durch das sehr schöne Portrait meiner Tante Pilet, das im großen Troglodytensaal meines Großvaters in Rochecorbon hing; und ihr Blick folgte uns überall hin, in die entferntesten Ecken, nach links und nach rechts. Es war faszinierend. Wenn ein Maler einen lebendigen Blick geradeaus ihm gegenüber malt, so bleibt dieser Blick immer von Angesicht zu Angesicht.
Die «wundersam» entstandenen Bilder sind im allgemeinen keine Meisterwerke der Malerei. Das Bild der Madonna entspricht in etwa dem, was Fratel Cosimo gesehen hat, ohne indessen auch nur im Entferntesten gleichwertig zu sein mit dem, was er gesehen hat. Er weiß genau, dass die Erscheinung unbeschreiblich und unnachahmlich ist, und dass man das Bild nicht «machen kann, wie es war», wie Bernadette es ausdrückte.
Fratel Cosimo fährt fort:
Lange Zeit bevor die Arbeiten für die Vergrößerung des Pilgerplatzes vor dem Scoglio und der Kapelle in Angriff genommen wurden, hatte ich bei mir zu Hause eine Vision: auf dem Terrain vor der Kapelle neben dem Scoglio sprudelte eine Wasserquelle hervor, und eine Menge von Pilgern bewegte sich auf dieses Wasser zu. Unter ihnen waren zahlreiche Kranke, andere hatten Wunden an den Beinen. Sie näherten sich der Quelle, nahmen Wasser, tranken es, benetzten sich damit und einige unter ihnen wurden von ihren Leiden geheilt. Da ich jedoch eine Täuschung des Teufels befürchtete, habe ich dieser Vision keine Bedeutung zugemessen.
Später, im September 2001, als die Vergrößerung des Pilgerplatzes fortgeschritten war, hatte ich erneut dieselbe Vision: das Wasser sprudelte an derselben Stelle hervor; viele Menschen gingen hin zum Wasser, tranken es, benetzten sich damit und Kranke wurden geheilt. Nach dieser zweiten Vision habe ich überlegt:
Ist es wahrhaftig eine Vision, die der Herr schenkte, oder eine Täuschung des Teufels?
Ständige Zweifel nagten an mir, so dass ich anlässlich der heiligen Messe vom ersten Samstag im Oktober 2001 (dem Tag im Monat, wo jeweils die Heilige Messe in der Kapelle und die Prozession stattfinden) im Augenblick der Wandlung die Madonna um ein Zeichen der Bestätigung bat:
Madonna, wenn die Visionen, die ich gehabt habe, von Dir kommen, und hier wirklich Wasser vorhanden ist, gib mir ein Zeichen der Bestätigung!
Kaum hatte ich diese Bitte an die Madonna gerichtet, durchströmte Frieden mein Herz und alle Zweifel verschwanden.
Am Ende der Messe stand ich am heiligen Ort ( auf dem Platz, wo der Felsen ist), und hörte das Rauschen eines Wasserfalles, das von der Stelle kam. Spontan wandte ich mich dem Ort zu und im selben Augenblick, bevor ich sprechen konnte, rief eine Person, die an meiner Seite stand, Rosa Bolognino, aus:
Fratel Cosimo, woher kommt jetzt dieses Wasser?
Das war das Zeichen, das ich von der Madonna erbeten hatte.
Zusammen gingen wir zu dieser Stelle, wir stellten fest, dass kein Tropfen Wasser vorhanden war. Seither hatte ich die Gewissheit, dass die Visionen von der Madonna kamen und ließ an dieser Stelle nach Wasser suchen. Nach einigen Unterbrechungen, die auf die Erweiterungsarbeiten des Platzes zurückzuführen waren, ist das Wasser am 28. Oktober 2002 um 10 Uhr plötzlich hervorgesprudelt und die verblüfften Arbeiter riefen:
Wir müssen sofort Fratel Cosimo informieren!
Eine Frau, die sich gerade auf dem Platz befand, Gisa Iannopollo, rannte, um mich zu holen.
Kaum angekommen beim Wasser, bin ich niedergekniet, machte das Kreuzzeichen, nahm das noch trübe Wasser in meine Hände, trank es und benetzte mich damit, so wie ich es in der Vision die Pilger habe machen sehen. Und ich dankte Gott und der Madonna.
Dies ist der unveröffentlichte Bericht von Fratel Cosimo. Er hat ihn mir in Originalschrift zum Lesen gegeben durch den Rechtsanwalt der Stiftung Madonna dello Scoglio, Avvocato Ferdinando Zappavigna. Und seine Tochter, Carmen, Studentin der Rechtswissenschaft, hat ihn am selben Tag fein säuberlich dactylographiert.
Ich will nichts anderes als das Echo seines transparenten Zeugnisses sein. Man empfiehlt mir, vorsichtig zu sein, dem Urteil der Kirche nicht vorzugreifen. Ich halte mich daran. Ich zeige Fakten auf. Ich sehe auch keine Nützlichkeit darin, den Bericht durch ständige Einschiebsel zu komplizieren, wie «der Seher hat zu sehen geglaubt», «die angebliche Erscheinung», etc. Die Vorbehalte sind selbstverständlich. Ich garantiere für nichts und zwinge zu nichts. Ich versuche, ein getreues Echo zu sein und überlasse es jedem, sein eigenes Urteil zu bilden entsprechend seiner Optik, entsprechend seiner Gnade. Die Kirche ist ein Ort der Freiheit, wenn dabei Ordnung und Harmonie hochgehalten werden. Der Ortsbischof beobachtet mit Klugheit, Sympathie und Verständnis; er bleibt im Kontakt, aber ohne zu urteilen oder sich zu engagieren; er wacht darüber und kanalisiert die guten Früchte entsprechend dem Auftrag, der dem Nachfolger der Apostel gegeben wurde, das sichtbare Fundament des Glaubens zu sein: Unterstützung und Ermutigung, nicht Polizist, wie das aus der Note von Kardinal Seper über die Kriterien der Erscheinungen vom 25. Februar 1978 hervorgeht: mit hoher Wachsamkeit und einem offenen Herzen.
Im Rahmen der christlichen Glaubensfreiheit kann sich jeder Fragen stellen über das Charisma, welches in Placanica zu Tage getreten ist. In den letzten von der Kirche anerkannten Erscheinungen trägt die Heilige Jungfrau nicht immer die gleichen Gewänder: in Guadalupe ( Mexiko), in La Salette trägt sie erstaunlich barocke Kleider, sagt man, in Lourdes oder Fatima weder dieselbe Größe, noch dasselbe Alter, noch dieselbe Hautfarbe. Sie passt sich an, an die Zeit, an den Ort, an den Seher. Sie war ganz klein für die kleine Bernadette, größer für Fratel Cosimo. Man kann an diesen Varianten herumdeuteln, aber eines steht fest, sie versteht es, sich zu erkennen zu geben. Man kann betroffen sein durch die Annäherungen: die Jungfrau ist «traurig» über den Zustand der Welt wie in Lourdes, aber ohne Tränen wie in La Salette. Sie wendet sich an Fratel Cosimo mit Ehrerbietung, sie bittet ihn um «die Gunst», dieses Tal zu verwandeln, wie Bernadette, «die Güte» zu haben, während 15 Tagen nach Massabielle zu kommen. Sie erscheint in einem Licht, das ihr vorausgeht und das nach ihrem Entschwinden auch wieder verschwindet wie in Lourdes und an einigen anderen Erscheinungsorten. Man kann darin positive Erkennungszeichen sehen, eine Art Erscheinungscode, um sich erkennen zu geben. Ich weise auf diese Indizien hin, ohne daraus Beweise zu konstruieren. Dasselbe gilt für die Früchte. Ich zeige sie so, wie sie sich darstellen, ohne offizielles Protokoll, ohne Garantie, wie man mir das oft genug unterstellt. Mein Bericht soll aufzeigen, nicht nachweisen. Wenn ich außerdem erstaunliche Ähnlichkeiten mit Bernadette feststelle, ohne mich bei den Unterschieden aufzuhalten, hüte ich mich indessen davor (wie es in ähnlichen Fällen vorkommt) zu sagen, dass es ein neues Lourdes sei: Lourdes ist ein bedeutendes und andauerndes Ereignis des Kirche.
«Comparaison nest pas raison»
Nach dieser Lektüre habe ich Fratel Cosimo über seine Kindheit an diesem abgelegenen Ort befragt, wo die Erscheinungen seinem Leben eine ganz andere Richtung gegeben haben. Das Gebet ist für ihn eine Art zweite Natur geworden. Er hat mir zugestanden, ihn lange und freimütig auszufragen; ein Aufnahmegerät wollte er indessen nicht. Ich habe ihn auf sein Gebetsleben angesprochen. Die Kirche ist zu weit entfernt, um jeden Tag in die Messe zu gehen, aber er betet inständig und lange am Morgen und länger noch am Abend bis Mitternacht. Morgens steht er um 8 Uhr auf.
Er gehört seit dem 17. Januar 1987 dem franziskanischen Dritten Orden an.
Die Begegnungen mit der Jungfrau Maria haben sich während rund zehn Jahren in monatlichen Abständen fortgesetzt. Jedes Mal hat er sofort alles aufgeschrieben und die Berichte seinem Ortspfarrer übergeben; einige davon wurden damals bekannt gemacht. Diverse Aufzeichnungen sind seit dem Hinschied jenes Ortspfarrers unauffindbar. In einer Atmosphäre der Freude und des Friedens, der Gemeinschaft und des Vertrauens haben sich das Leben und das Gebet rund um den Scoglio entwickelt mit geistlich- spirituellen Früchten, Konversionen und Heilungen.
(Fortsetzung folgt)
Videofilm «Fratel Cosimo der Eremit in den Bergen und das Wunder im Aspromonte», Gino Cadeggianini,
VHS - 45 Min., E 29. CHF 46.
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