Jesus und die kanaanäische FrauJesus und die Frauen im Evangelium (2)von Jacques Magnan
|
![]() |
Nachdem Jesus fünftausend Menschen mit 5 Broten und zwei Fischen gespeist hatte, rief er seine Jünger und ging von Galiläa in das Gebiet von Tyrus. Er wollte sich von der begeisterten Menge, die ihn zum König machen wollte, entfernen. Deshalb ging er inkognito und vermied, dass man ihn erkannte. Er wollte die Einsamkeit nutzen, um die Belehrung seiner Jünger zu vollenden, bevor er in die Hände seiner Feinde fallen würde, die seinen Tod planten.
Er trat in ein Haus und begann seinen Aposteln die wahre Natur seiner Sendung und seiner Königsherrschaft zu erklären, die entgegen der Erwartung ihrer jüdischen Zeitgenossen eine geistige Königsherrschaft und nicht eine Herrschaft in dieser zeitlichen Welt ist. Die zahlreichen Wunder, die er wirkte, und sein Ruf als Wundertäter eilten ihm jedoch überall voraus. Deshalb, so schreibt der hl. Evangelist Markus, konnte er nicht unerkannt bleiben. Kaum hatte er das Haus betreten, hörte eine Frau, deren Tochter von einem unreinen Geist besessen war, von ihm sprechen. Sie kam sogleich und fiel ihm zu Füßen. Diese Frau war eine Syrophönizierin, das heißt, sie war eine Heidin. Sie bat ihn, den Dämon aus ihrer Tochter auszutreiben. Wir halten hier inne, um einem Dialog zu folgen, der einzigartig im Evangelium ist. Es ist ein verblüffender, um nicht zu sagen bestürzender Dialog, den Christus mit der kanaanäischen Frau führt. Je inständiger diese leidgeprüfte Frau Jesus unter Tränen für die
Heilung ihrer vom Dämon gequälten Tochter anfleht, desto härter reagiert er und gibt keine Antwort. Die Apostel, die von ihrem Geschrei berührt und erschöpft sind, sagen ihrem Meister: «Befreie sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her». Er tut als höre er nicht. Hier ist dieses zugleich überraschende und bewundernswerte Gespräch, das der hl. Matthäus überliefert hat und das jeden Kommentar übertrifft.
Er schreibt: «Jesus zog sich in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück. Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befreie sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her. Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! Er erwiderte: Es ist nicht recht,
das Brot den Kindern wegzunehmen und es den Hunden1 vorzuwerfen. Da entgegnete sie: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt2.
Eine Heidin, die durch ihren großen Glauben und ihre überaus große Demut selbst bei Gott Bewunderung auslöst und ihn zu einem Wunder bewegt!
Geliebter Jesus, lass uns diese heidnische Frau herzlich preisen und beglückwünschen und lass uns deine göttliche Bewunderung teilen. Geliebter Jesus, du wolltest diese ergreifende Szene, um uns zu einem festen Glauben an deine unaussprechliche Güte zu führen, zu einem Glauben, der mit großer Demut verbunden ist. Wir sind zu Tränen gerührt und danken der Kanaanäerin und dir, geliebter, guter Herr Jesus!
Msgr. Georges Habib Hafouri
Syrisch-katholischer Erzbischof, Damaskus (Syrien)
Annmerkung:
1) Jesus soll sich dem Heil der Juden, die «Kinder» Gottes und «Kinder» der Verheißung sind, widmen, bevor er sich um die Heiden kümmert, die in den Augen der Juden nur «Hunde» waren. (siehe Anmerkung in der Jerusalemer Bibel)
2) Matthäus 15, 21-28 Markus 7, 24-30
|
Copyright © 1999 - 2009 - Alle Rechte vorbehalten für Text und Fotos
PARVIS-VERLAG - MARIA HEUTE - CH-1648 HAUTEVILLE / SCHWEIZ. TEL.: 0041 (0)26 915 93 93 // FAX: 0041 (0)26 915 93 99 // E-MAIL buchhandlung@parvis.ch HOMEPAGE PARVIS // ZEITSCHRIFT MARIA HEUTE |