Vor hundert Jahren starb die heilige
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Am 12. März 1878 wurde Gemma Galgani als fünftes von acht Kindern der Familie Heinrich Galgani und Aurelia Landi in Lucca geboren. Bereits am Tag nach ihrer Geburt empfing sie die Taufe.
Im Alter von fünf Jahren las sie das Offizium der Muttergottes mit der Leichtigkeit eines Erwachsenen. Eines Tages überraschte man sie in ihrem Zimmer, als sie vor einem Gemälde des Herzens Mariä kniete. Sie betete ganz gesammelt, mit gefalteten Händen. Der Onkel, der die Szene betrachtete, war betroffen und fragte sie diskret: «Was machst du da?» Das Mädchen erwiderte: «Ich spreche das Gegrüßet seist du, Maria, aber laß mich beten».
Dieses kleine Mädchen, in dem bereits das läuternde und lichtvolle Wirken des Heiligen Geistes war, besaß einen
ganz einzigartigen Charme. Sie bewahrte diesen Liebreiz, der ihr Gesicht bis zu ihrem Tod am 11. April 1903 verklärte. Sie war erst fünfundzwanzig Jahre alt. Ein kurzes Leben, das jedoch von einer großen Vielfalt an mystischen Phänomenen erfüllt war.
«Ich feierte so gut ich konnte die heilige Messe mit und betete für Mama, als mir plötzlich eine Stimme im Herzen sagte: Willst du mir deine Mama geben? Ja, antwortete ich, wenn du mich auch nimmst. Nein, sagte die Stimme, gib mir deine Mama freiwillig: ich werde sie in den Himmel führen, aber du sollst bei deinem Vater bleiben. Da mußte ich also Ja sagen.» So spielte sich wahrscheinlich die erste übernatürliche Einsprechung ab, die Gemma zuteil wurde.
Die überaus gute Familienmutter verließ diese Welt im Alter von 39 Jahren.
Gemma wurde nach dem Tod ihrer Mutter für einige Zeit ihrer Tante Helene Landi anvertraut. Es war eine Zeit der inneren Einsamkeit für die junge Halbwaise, obwohl ihre Tante, die ihre kleine Nichte bewunderte, sehr liebevoll war.
Gemma mußte weiterhin zur Schule gehen. Anfang 1887 kam sie als Pensionstochter in das Institut der Oblaten des Heiligen Geistes, das in Lucca einfach das «St.Zita-Institut» genannt wurde.
Für Gemma war die tief religiöse und ausgeglichene Atmosphäre des St.Zita-Institutes sehr wohltuend.
Ihre Seele fand dort jenes günstige Klima, das der Seele ermöglicht, Früchte zu tragen.
Am 19. Juni 1887 feierte Gemma ihre Erstkommunion. Am Vorabend schrieb sie ihrem Vater: «Mein lieber Papa, wir stehen am Tag vor meiner Erstkommunion: es ist für mich der Tag einer unendlichen Seligkeit. Ich bitte für alle Sorgen, die ich dir verursacht habe, um Verzeihung und ich bitte dich heute abend, alles zu vergessen
»
Für Gemma war diese Begegnung mit dem eucharistischen Jesus eines der herausragenden Ereignisse ihres kurzen Lebens.
Nach diesem großen Erlebnis lebte Gemma wieder den normalen Alltag im St. Zita-Institut.
«Ihre Intelligenz war größer als die der anderen», erklärte Sr. Julia Sestini. «Sie lernte vor allem sehr gut französisch und war auch in Mathematik begabt.»
«Ich spürte, wie in meiner Seele ein großes Verlangen erwachte, das Leben und die Passion Jesu in allen Details kennen zu lernen.»
Diese Sehnsucht, mehr von der Passion Jesu zu erfahren, entfaltete sich zunächst im schulischen Umfeld. Mit13 Jahren war Gemma bereits ein Mensch, der nach Gott dürstete. Daher waren die Exerzitien, die sie 1891 machte, für sie die Gelegenheit zu einer echten geistlichen Vertiefung. «Ich begriff, daß Jesus mir eine Gelegenheit schickte, um mich selbst besser kennen zu lernen und mich noch mehr zu läutern, damit ich ihm besser gefalle.»
Gemma suchte die Einsamkeit und die Sammlung, denn sie fand dort «allein Jesus». Die Gegenwart Gottes absorbierte sie so sehr, daß ihr das gemeinschaftliche Leben immer mehr zu einer Prüfung wurde.
Es ist erkennbar, wie sehr Gemma von ihrer frühesten Kindheit an mit einem hohen Grad der Kontemplation beschenkt worden war. Sr. Julia achtete äußerst sorgfältig darauf, ihren jungen Schützling in vollkommener Ausgeglichenheit zu bewahren.
Es ist auch bekannt, daß Gemmas Mutter dem Kind von frühester Kindheit an häufig das Kreuz zeigte. So lebte Gemma in ständiger Berührung mit der Passion Jesu. Von Jahr zu Jahr sollte diese Sehnsucht größer werden.
Gemma war empfindsam für menschliche Not. Sie erzählt: «Jedesmal, wenn ich aus dem Haus ging, bat ich meinen Vater um Geld und wenn er mir keines gab, bat ich ihn darum, Brot, Mehl oder andere Dinge mitnehmen zu dürfen. Ich begegnete auf meinem Weg immer bedürftigen Menschen. Bettlern, die zu unserem Haus kamen, gab ich Wäsche und was ich gerade unter den Händen hatte, aber schon bald wurde mir das von meinem Beichtvater verboten
Wenn ich hinausging, begegnete ich nur armen Menschen und alle liefen hinter mir her. Ich konnte ihnen nichts geben und deshalb weinte ich unablässig vor lauter Kummer.»
Das Jahr 1897 wurde für sie und die ganze Familie zum «schmerzhaften Jahr». Heinrich Galgani erkrankte schwer und jeder nutzte seine Großzügigkeit aus: manche kamen, um sich von ihm Geld zu leihen, ohne es ihm wieder zurückzugeben, andere zahlten keine Miete. Nach und nach war die Familie ruiniert und geriet in größtes Elend.
Gemma lernte nun die Passion Jesu nicht nur durch die Berichte, über die sie gerne meditierte, sondern vor allem durch die Ereignisse in ihrem eigenen Leben, die sich ihr wie Feuerspuren einprägten.
Das erste, sichtbare Eingreifen des Schutzengels geht in den September 1895 zurück. Gemma hatte eine goldene Armbanduhr geschenkt bekommen und sie ging, geschmückt mit diesem «Juwel», aus. Als sie wieder nach Hause zurückkehrte, stand sie auf einmal vor dem Engel, der ihr sagte: «Denke daran, daß kostbare Dinge, die der Braut eines gekreuzigten Königs zum Schmuck dienen, nur Dornen und das Kreuz sein können».
Gemma wurde von Furcht ergriffen und ihr Herz ahnte jetzt, was sie werden sollte: die Braut eines gekreuzigten Königs. Sie schrieb:
«Jesus, ich will dir folgen, egal, welchen Schmerz das kosten mag; ich will dir mit Eifer folgen.»
Nach dem Tod von Herrn Galgani wurde die Lage für Gemma und ihre Familie beängstigend. So schreibt sie: «Nach dem Tod meines Vaters hatten wir nichts mehr, wir wußten nicht mehr, wovon wir leben sollten».
Anfang 1898 zog die Familie Galgani in das Haus Nr. 13 in der Via Viscione, einem Armenviertel.
Gemma wurde für einige Monate von Caroline Lancioni, einer Tante väterlicherseits, aufgenommen. Aus diesem Grund mußte sie Lucca verlassen und nach Camaiore ziehen.
Gemma wurde zunehmend krank. «Eines Abends», so erzählt sie, «war ich unruhiger als sonst und ich beklagte mich bei Jesus, daß ich bald nicht mehr beten können würde, wenn er mich nicht heilt. Ich fragte ihn, warum er mich krank sein lasse. Da antwortete mir der Schutzengel: Wenn Jesus dich in deinem Leib betrübt, so tut er es, um deine Seele noch besser zu läutern.»
Am Morgen des 3. März 1899 wurde Gemma von ihrem Beichtvater, Monsignore Volpi, besucht. Sie schreibt: «Ich beichtete und am frühen Morgen empfing ich, noch immer ans Bett gefesselt, die heilige Kommunion. O, ich verbrachte köstliche Augenblicke mit Jesus
Ich erneuerte Jesus mein Versprechen und er erwiderte mir: Gemma, willst du geheilt werden? Die Gnade wurde mir zuteil und ich war geheilt.»
Nun nahm das Leben wieder seinen gewohnten Lauf. Gemma, die durch die Krankheit sehr geschwächt war, hätte sich schonen sollen, aber ihr übernatürlicher Eifer führte sie täglich vor den Tabernakel. Jeden Morgen machte sie sich eilends auf den Weg, um Jesus zu empfangen, der sie mit so vielen Gnaden erfüllte.
Sie schreibt: «Am zweiten Freitag im März 1899 ging ich zum ersten Mal aus dem Haus, um die heilige Kommunion zu empfangen. Und seitdem habe ich kein einziges Mal mehr bei der heiligen Messe gefehlt
»
Jesus, der in der Eucharistie gegenwärtig ist, wurde für Gemma zum lichtvollen Pol ihres gesamten geistlichen
Lebens.
Als sie vor einem Bild des Herzens Jesu stand, sagte Gemma zum Herrn: «O mein Jesus, ich möchte dich so gerne lieben, aber ich weiß nicht, wie!» «Da hörte ich eine Stimme, die mir sagte: Willst du Jesus immer lieben? Dann höre keinen Augenblick auf, für ihn zu leiden. Das Kreuz ist der Thron derer, die Jesus wahrhaft lieben. Das Kreuz ist das Erbe der Erwählten in diesem Leben.»
Am Abend des 8. Juni 1899 empfing Gemma die lieblichste und zugleich die furchtbarste Gnade ihres ganzen
Lebens: sie erlebte, wie sich die heiligen Wundmale der Passion, die lebendigen Abbilder der Wunden Christi, ihrem Leib eindrückten.
In der Stadt Lucca lebte eine Familie Giannini, die in Gemmas Leben eine herausragende Rolle spielen sollte. Im Monat Juni wurde der Herz-Jesu-Monat begangen und Gemma hatte die Gewohnheit, in Begleitung einer gewissen Palmira zur Kirche zu gehen. Vergessen wir nicht, daß Gemma auf wunderbare Weise geheilt worden war. Frau Cäcilia Giannini lud, durch die Vermittlung von Palmira, Gemma zu sich ein, um dieses junge Mädchen, das geheilt worden war und nun die Stigmata trug, kennen zu lernen.
Monsignore Volpi hatte Cäcilia empfohlen, Gemma möglichst nahe zu sich zu nehmen, weil es notwendig sei, daß sie liebevoll umgeben und doch verborgen leben könne. Daher nahm die Familie Giannini, die zu jener Zeit elf Kinder hatte, Gemma als zwölftes Kind auf.
***
Gemeinsam mit meiner Frau bin ich zwischen 1975 und 1980 nach Lucca gefahren und ein Mitglied der Familie Giannini zeigte uns den Platz, an dem Gemma Galgani bei Tisch gesessen hatte. Dieser Mann erinnerte sich noch gut an sie, obwohl Gemma starb, als er erst fünf Jahre alt gewesen war.
In diesem Haus spürten wir Gemmas unsichtbare Gegenwart und sind noch heute davon beeindruckt.
Wir bitten diese große Heilige, das Wirken des Parvis-Verlags zu beschützen und alle Mitarbeiter zu inspirieren, damit Gottes Wille geschieht.
(Dieser Text ist ein Auszug aus Band 1 «Die Torheit des Kreuzes». Außer diesem ersten Band, der weitere wertvolle Unterweisungen enthält, stellen die Bände 2 und 3 die verschiedenen, zumeist außergewöhnlichen Charismen dieser großen Mystikerin dar.)
André Castella
Literatur:
Die Torheit des Kreuzes (Band 1)
Der Aufstieg einer Seele
152 Seiten, 14,5x21 cm
E 8. CHF 12.
Die Torheit des Kreuzes (Band 2)
Die Versenkung in das Mysterium
180 Seiten, 14,5x21 cm
E 8. CHF 12.
Die Torheit des Kreuzes (Band 3)
Überströmende Liebe
144 Seiten, 14,5x21 cm
E 8. CHF 12.
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