Die heilige Philomena eine machtvolle WundertäterinVon René Lejeune=> MARIA HEUTE 390 INHALT |
![]() |
Die Inschrift zeigt, daß die Reihenfolge der Steinplatten verwechselt worden war, was damals häufig vorkam, denn die Märtyrer mußten oft in aller Eile beerdigt werden. Die Inschrift weist zusammen mit den Symbolen des Martyriums einen Text auf, der nur dann einen Sinn ergibt, wenn man die 1. und die 3. Steinplatte vertauscht: «Pax tecum Filomena» (Friede sei mit dir, Philomena). Zeichen des Martyriums der Heiligen waren ein Anker als Ausdruck der Hoffnung; zwei Pfeile bezeugen wahrscheinlich die Art ihres Martyriums, ebenso eine Lanze und schließlich die Palme als Ausdruck für den Triumph der Märtyrin und eine Lilie, Symbol der Keuschheit.
Das Grab war unversehrt geblieben, wie es nur bei wenigen in der Epoche der Goten- und Lombardeninvasion der Fall war, als Plünderer auf der Suche nach Schätzen waren. Es enthielt die Reliquien der hl. Philomena, sowie ein kleines gläsernes Gefäß, das man mit dem Blut von der jungfräulichen Märtyrin gefüllt hatte. Das Blut war natürlich ausgetrocknet. Die Überreste wurden in einen hölzernen Behälter gegeben, der an Ort und Stelle versiegelt wurde. An der Oberfläche ist er offen und der Inhalt wurde von einer Kommission aus Theologen, Medizinern und Chirurgen untersucht. Es wurde festgestellt, daß der Schädel Frakturen aufweist und die Knochen die einer etwa 12-13-jährigen Jugendlichen sind. Über die Identität dieser jungfräulichen Märtyrerin wußte man nichts bis es zu seltsamen Offenbarungen kam
Drei fromme Seelen empfingen vertrauliche Mitteilungen der Heiligen. Sie lebten in drei verschiedenen Ländern und kannten einander nicht. Ihre übereinstimmenden Berichte wurden in einem Buch veröffentlicht, das am 21. Dezember 1833 vom Heiligen Offizium (die heutige Glaubenskongregation) das Imprimatur erhielt.
Folgende Offenbarungen der Heiligen wurden Mutter Marie-Luise, Generaloberin der Kongregation der «Schwestern der Schmerzen Mariens» zuteil:
«Meine liebe Schwester, ich bin die Tochter eines Fürsten, der ein kleines griechisches Fürstentum regierte. Auch meine Mutter stammte aus einem Adelsgeschlecht. Da sie kinderlos und beide noch Götzendiener waren, brachten sie unablässig ihren falschen Göttern Gebete und Opfer dar. Ein römischer Arzt namens Publius, der jetzt im Paradies ist, auch wenn er kein Märtyrer war, lebte im Palast und stand im Dienst meines Vaters. Er war Christ. Die Trauer und die Verblendung meiner Eltern berührte ihn, und gedrängt vom Heiligen Geist sprach er zu ihnen von unserem Glauben und versicherte ihnen, daß ihre Gebete erhört würden, wenn sie sich zum christlichen Glauben bekehrten. Die Gnade, die diese Worte begleitete, berührte ihr Herz und erleuchtete ihren Geist. Schließlich empfingen sie nach reifer Überlegung das Sakrament der Taufe. Ich wurde zu Beginn des folgenden Jahres geboren. Bei meiner Geburt gaben sie mir den Namen Lumena, denn ich war im Licht des Glaubens geboren worden, dem sich meine Eltern nun voll Eifer hingaben. Am Tag meiner Taufe nannten sie mich Philomena, was so viel bedeutet wie Freundin des Lichtes, das meine Seele nun durch die Gnade dieses Sakramentes erleuchtete
»
Die Heilige setzte den Bericht über ihr so kurzes Leben fort. Ihre Eltern liebten sie so sehr, daß sie das Kind immer bei sich haben wollten. So war es auch an dem Tag, als sie nach Rom fuhren. Ihr Vater wollte beim Kaiser das Anliegen seines Landes vorbringen, das in Gefahr stand, von den römischen Armeen angegriffen zu werden. Philomena begleitete ihre Eltern zur Audienz, die ihnen vom arroganten und aufbrausenden Kaiser Diokletian gewährt wurde. Philomena war fast 13 Jahre alt. Sie mußte bereits sehr schön gewesen sein, denn während ihr Vater sein Anliegen vorbrachte, ließ sie der Kaiser nicht aus den Augen. Zum Schluß gab er dem Fürsten zur Antwort: «Mache dir keine Sorgen, du kannst sicher sein, daß es keinen Grund zur Beunruhigung gibt. Anstatt euch anzugreifen, werde ich euch alle verfügbaren Kräfte des Kaiserreiches zur Verfügung stellen, unter der Bedingung, daß du mir die Hand deiner Tochter, die Hand der hübschen Philomena gibst.»
Die Eltern gaben der Bitte des Kaisers nach. Sicher erwarteten sie nicht, was nun geschehen sollte. Als sie wieder Zuhause waren, weigerte sich Philomena ganz energisch. Sie versuchten, sie davon zu überzeugen, daß sie als Kaiserin Roms glücklich sein werde. Daraufhin enthüllte sie ihnen, daß sie mit elf Jahren das Gelübde der Keuschheit abgelegt habe und daß sie seitdem die Braut Jesu Christi sei. Der Vater redete weiter auf sie ein und entgegnete, daß ein so junges Mädchen nicht in diesem Ausmaß über sich verfügen dürfe, wie sie es getan hatte. Er übte seine ganze väterliche Autorität aus, um sie umzustimmen. Vergebens.
Als der Kaiser davon unterrichtet wurde, wollte er, daß die Prinzessin zu ihm gebracht werde. Bevor sich Philomena auf den Weg machte, warfen sich ihr Vater und ihre Mutter zu ihren Füßen nieder und flehten sie an, Mitleid mit ihnen und ihrem Fürstentum zu haben. Philomena blieb jedoch unbeugsam und erwiderte: «Gott und meine Jungfräulichkeit, die ich ihm geweiht habe, haben Vorrang vor allem, Vorrang vor euch, Vorrang vor meinem Land. Mein Königreich ist der Himmel!»
In tiefer Verzweiflung mußten die Eltern ihre Tochter zum Kaiser bringen, der seinerseits alles in seiner Macht Stehende tat, um sie zu gewinnen. Versprechen, Betörungen, Drohungen alles war vergeblich. Diokletian, der es gewohnt war, daß man sich seinen Wünschen fügte, wurde von einem heftigen Zorn gepackt. «Beeinflußt durch den Dämon der Unkeuschheit», ließ er Philomena in das Palastgefängnis werfen, wo sie in Ketten gelegt wurde.
Jeden Tag stattete Diokletian ihr höchstpersönlich einen Besuch in ihrem Kerker ab. Er ließ ihre Ketten lösen und gab ihr Brot und Wasser. Trotzdem waren seine Anträge vergebens. Philomena gab sich unablässig Jesus, ihrem Bräutigam, und der unbefleckten Mutter des Herrn anheim.
Die Gefangenschaft dauerte 37 Tage. Dann erschien ihr die Muttergottes «inmitten eines himmlischen Lichtes; sie hielt ihren Sohn auf dem Arm». «Meine Tochter», sagte sie, «noch drei Tage Gefangenschaft und nach diesen vierzig Tagen wirst du von deinen Schmerzen befreit werden.» «Mein Herz schlug vor Freude bei dieser Nachricht. Aber da die Königin der Engel hinzugefügt hatte, daß ich dieses Gefängnis verlassen sollte, um in furchtbaren Drangsalen einen noch schlimmeren Kampf als die vorangegangenen zu bestehen, ging meine Freude sofort in grausame Angst über. Ich dachte, er werde mich töten.»
Der Kaiser ließ das an eine Säule gebundene Mädchen geißeln. «Da sie so hartnäckig war und dem Kaiser einen von seinen eigenen Landsleuten zum Tode verurteilten Verbrecher vorzog, verdient sie eine entsprechende Bestrafung», sagte er. Nach der Geißelung war ihr Leib eine einzige klaffende Wunde. Man brachte sie in ihren Kerker zurück, damit sie dort sterben sollte.
Dort kam es jedoch zu einer Serie von Wundern, die zur Bekehrung vieler Römer führte. Während der Nacht erschienen ihr zwei Engel des Lichtes, die himmlischen Balsam auf ihre Wunden gossen. Augenblicklich wurde sie geheilt. Als der Kaiser davon erfuhr, ging er zu der Gefangenen; sie war schöner als jemals zuvor. Er sagte ihr, daß sie dieses Wunder Jupiter verdanke, der ihr die kaiserliche Krone bestimmt habe. Als Philomena den Schmeicheleien des Kaisers weiterhin widerstand, ordnete er an, daß man an ihrem Hals einen eisernen Anker befestigen und sie in den Tiber werfen solle. Ein zweites Wunder: zwei Engel durchschnitten die Schnur, so daß nur der Anker im Fluß unterging. Die Engel legten Philomena am Ufer nieder.
Angesichts dieser Geschehnisse erklärte Diokletian, Philomena sei eine Hexe. Er befahl, sie mit Pfeilen zu beschießen. Schwer verletzt wurde sie wieder ins Gefängnis geworfen. Sie fiel dort in einen tiefen Schlaf und erwachte schöner denn je. Auf Anordnung von Diokletian sollte diese Tortur so lange wiederholt werden, bis Philomena gestorben sei.
Neue Wunder: es war den Bogenschützen unmöglich, die Pfeile abzuschießen. Die Pfeile waren im Feuer erhitzt worden, aber nachdem sie abgeschossen waren, richteten sie sich gegen die Bogenschützen, von denen sechs getötet wurden. Diokletian schrie, es handele sich um Magie, aber unter den Zuschauern bekehrten sich viele zu Philomenas Gott. Der aufbrausende Tyrann befahl aus Furcht eines Umschwungs der Menschenscharen, die von so vielen und faszinierenden Wundern beeindruckt war, ihr den Kopf abzuschlagen.
Philomena wurde an einem Freitag um drei Uhr nachmittags enthauptet. Es war der zehnte August. Ihr Fest wird am 11. August gefeiert, da der 10. August einem anderen Märtyrer, dem heiligen Laurentius, gewidmet ist.
An der Spitze jener Gläubigen, die die hl. Jungfrau und Märtyrin Philomena glühend verehren, stehen sechs Päpste: Gregor XVI., Leo XII. Pius IX., der hl. Pius X. und Benedikt XV. Diese Päpste haben kraft ihrer Autorität wiederholt erklärt, daß die heilige Philomena eine Heilige, eine Jungfrau, eine Märtyrin und eine Wundertäterin ist.
Leo XII. erlaubte, daß ihr Altäre und Kapellen geweiht werden.
Gregor XVI. war Zeuge der Heilung von Pauline-Marie Jaricot, die er in einer hoffnungslosen Lage gesehen hatte. Als sie kurz danach völlig geheilt von Mugnano zurückkehrte, wo die Reliquien der Heiligen aufbewahrt werden, nannte er die hl. Philomena «die große Wundertäterin des 19. Jahrhunderts».
Pius IX. war durch die Fürbitte der hl. Philomena, deren glühender Verehrer er war, von einer schweren Krankheit geheilt worden, als er noch Erzbischof von Imola gewesen war. Als Papst pilgerte er zum Heiligtum seiner Wohltäterin nach Mugnano, wo die Reliquien der Heiligen im Originalbehälter aufbewahrt werden. Er erklärte die hl. Philomena zur «Patronin des Königreichs Neapel» und ernannte sie 1849 zur «Patronin der Kinder Mariens».
Leo XIII. hatte, bevor er Papst wurde, zwei Wallfahrten nach Mugnano gemacht. Er bestätigte die «Bruderschaft der hl. Philomena» und erhob sie in den Rang einer Erzbruderschaft, die mit bedeutenden Ablässen versehen wurde.
Auch der hl. Papst Pius X. war ein glühender Anhänger der Heiligen. Er sandte einen goldenen Ring und weitere Geschenke nach Mugnano.
Es kann keine gewissere und herausragendere Schirmherrschaft als die jener Päpste geben. Sie engagierten sich nicht leichthin. Der Entdeckung des Grabes waren Untersuchungen und gründliche Studien von Experten mehrerer Disziplinen gefolgt. Sie alle kamen zu dem Schluß, daß diese Reliquien echt seien. Außerdem wurden ihre Ergebnisse von zahlreichen und erstaunlichen Wundern begleitet. Man wurde sich bewußt: diese Heilige war nicht nur echt, sondern sie war auch eine machtvolle Wundertäterin.
Es blieb aber noch das Geheimnis um ihr Leben, von dem man nichts wußte. Die vertraulichen Mitteilungen der hl. Philomena über ihr eigenes Leben waren aufgrund des untadeligen Lebenswandels jener Menschen glaubwürdig, denen die Heilige den Bericht über ihr Leben anvertraute.
Die glühende Verehrung, die der hl. Pfarrer von Ars der hl. Philomena entgegenbrachte, zerstreute das letzte zögerliche Verhalten bei denen, die noch an der Macht und sogar an der Existenz dieser Heiligen zweifelten. Er nannte sie «seine liebe kleine Heilige».
Der ehrwürdige Pfarrer entdeckte die hl. Philomena durch eine Freundin: Pauline Jaricot. Der Bericht über ihre Heilung und die Wunder, die sich in Mugnano ereigneten, aber auch die Kontakte, die Pauline zu Papst Gregor XVI. hatte, beeindruckten den heiligen Pfarrer sehr. Und Wunder über Wunder: Pauline Jaricot schenkte ihm einen Teil der Reliquien, die sie mit heimbrachte. Unverzüglich ließ der Pfarrer von Ars daraufhin eine Kapelle zu Ehren der hl. Philomena in seiner Kirche erbauen. Sofort wurde sie zu einem Ort, an dem Wunder geschahen, die immer zahlreicher wurden. Es kam dort auch zu vielen Bekehrungen. Der hl. Pfarrer erachtete sie schon bald als seine heilige, himmlische Schutzpatronin.
Durch den hl. Pfarrer von Ars, der in ganz Frankreich und darüber hinaus hohes Ansehen genoß, verbreitete sich die Verehrung der hl. Philomena so sehr, daß die Altäre, Kapellen und Kirchen, die dieser großen Wundertäterin geweiht waren, in allen Diözesen Frankreichs und in vielen anderen Ländern zunahmen. Der Pfarrer von Ars wurde im Mai 1843 selbst von einer schweren Krankheit geheilt, nachdem er bereits die Letzte Ölung empfangen hatte. Am Morgen jenes Tages, an dem mit seinem Tod gerechnet wurde, bat er, man möge am Altar seiner «lieben kleinen Heiligen» eine Messe für ihn feiern. Es scheint, daß sie ihm während dieser Messe erschienen ist. Sicher ist jedenfalls, daß der Heilige am Ende der Messe geheilt war
Wundertäterin der kommenden Jahrhunderte.
Die hl. Philomena wirkt als mystische Braut Christi noch immer Zeichen, die Zeugnis für die außergewöhnlichen Gaben sind, mit denen der Herr sie begnadet hat. Die Menschen, die zu Philomenas Fürbitte Zuflucht nehmen, werden immer auf die eine oder andere Weise erhört.
Was Bekehrungen anbetrifft, wollen wir den herausragenden Fall eines Wissenschaftlers aus Lyon aufgreifen, der zur Zeit des Pfarrers von Ars lebte. Eines Tages wurde dieser Wissenschaftler namens Massiat von einem Freund eingeladen, ihn nach Ars zu begleiten, um dort «einen Pfarrer zu sehen, der Wunder wirkt». Er lachte darüber, denn er glaubte nicht an Wunder. Aus Neugier und um seinem Freund eine Freude zu machen, ging er mit ihm nach Ars, das nicht weit von Lyon entfernt ist. Er war sogar bereit, an der Messe teilzunehmen, die vom hl. Pfarrer zelebriert wurde, obwohl er seit seiner Erstkommunion keine Messe mehr besucht hatte.
Herr Massiat saß gegenüber der Sakristei, die der Pfarrer, bekleidet mit den priesterlichen Gewändern, verließ. Dabei kreuzten sich die Blicke der beiden für einen kurzen Augenblick. «Ich fühlte mich unter seinem Blick wie zermalmt», sagte er später. «Ich habe den Kopf gesenkt und mein Gesicht mit den Händen bedeckt. Während der ganzen Messe blieb ich wie erstarrt.»
Am Ende der Messe ging der Pfarrer von Ars direkt auf ihn zu und forderte ihn auf, ihm in die Sakristei zu folgen. Ergriffen von Gottes Gnade beichtete der Wissenschaftler. Dann schickte ihn der Heilige zum Altar der hl. Philomena: «Sagen Sie ihr, sie möge von Gott Ihre Bekehrung erbitten». «In der Sakristei habe ich nicht geweint, aber am Altar der hl. Philomena habe ich reichlich geweint.» Seit jenem Tag führte der vornehme, von Skeptizismus durchdrungene Wissenschaftler ein sehr überzeugtes christliches Leben.
Neben den vielen Bekehrungen gibt es zahllose Wunder, die der Fürbitte dieser Heiligen zugeschrieben werden, der die Päpste erinnern wir uns den Titel «größte Wundertäterin des 19. Jahrhunderts» gegeben hatten. Mehrere Blinde erlangten das Augenlicht. Alesandro Serio, ein Advokat aus Neapel, wurde von einer sehr schweren inneren Krankheit geheilt, die ihn schon an den Rand des Todes gebracht hatte. Der Kanoniker Vincent Redago litt an fortgeschrittener Tuberkulose, die von Blutungen begleitet wurde. Sein Bischof empfahl ihm, die Fürsprache der hl. Philomena zu erbitten und gab ihm ein Bild der jungfräulichen Märtyrin. Der Kanoniker nahm das Bild und legte es liebevoll an seine Brust. Er wurde sofort geheilt! Der Bischof von Lucena nannte sie im Priesterseminar «Professorin der heiligen Beredsamkeit».
Pauline-Marie Jaricot gehört zu den berühmtesten Personen, denen auf die Fürsprache der hl. Philomena ein Wunder zuteil wurde. Sie war in Lyon die Gründerin des «lebendigen Rosenkranzes» und vor allem der «Gesellschaft für die Glaubensverbreitung». Durch diese blühende missionarische Gesellschaft stand sie mit dem Vatikan in Kontakt. Das erklärt, wieso sie während ihrer schweren Erkrankung Zugang zu Papst Gregor XVI. hatte und zwar vor und nach ihrer Wallfahrt nach Mugnano. Während die Ärzte mit einem fatalen Ausgang ihrer Krankheit rechneten, wurde sie auf die Fürbitte der hl. Philomena ganz plötzlich auf wunderbare Weise geheilt. Als der Papst Pauline Jaricot nach ihrer Heilung sah, eröffnete er den Seligsprechungsprozeß der Jungfrau und Märtyrin. Gregor XVI. bat Pauline-Marie Jaricot in Rom zu bleiben, um eine intensivere Untersuchung ihrer Heilung vornehmen zu können, die der Seligsprechung dienen sollte. Sie blieb ein Jahr in Rom und kehrte dann nach Lyon zurück.
Man müßte auch über die Blutwunder dieser Heiligen, über erstaunliche Metamorphosen einer Statue der hl. Philomena sprechen, aber auch über ihre gelegentlichen, kristallklaren Absonderungen durch eine Urne, in der ein Bild der Heiligen aufbewahrt ist, sowie über die Vermehrung von Büchern, die dem Leben der hl. Philomena gewidmet sind, usw. Die Wunder dieser Jungfrau und Märtyrin erstrecken sich sowohl über Gegenstände, die in Beziehung mit ihr stehen, als auch über Menschen.
Kurz gesagt: die hl. Philomena ist die größte Wundertäterin der beiden letzten Jahrhunderte. Und so wird es, wenn es Gottes Wille ist, auch in den kommenden Jahrhunderten sein.
* * *
Im 20. Jahrhundert ist es zur Gewohnheit geworden, das Leben der Heiligen strengen Untersuchungen zu unterziehen: eines Teils, um sich der guten Grundlage vergangener Traditionen zu versichern und anderen Teils, um Anschuldigungen zu entrinnen, die den Katholiken Leichtgläubigkeit bei ihrer Heiligenverehrung vorwarfen.
Daher konnte die hl. Philomena nicht den kritischen Blicken dieser Zensoren entkommen. Die Quellen, denen man Angaben über das Leben der Heiligen entnommen hatte, wurden als «Privatoffenbarungen» verworfen.
Aus allen diesen Debatten resultierte ein Dekret der römischen Kongregation für die Riten, die für die Heiligenverehrung einen neuen Codex von Rubriken veröffentlichte. Dieses Dekret wurde von Johannes XXIII. approbiert; es wurde durch die Instruktion über eine Neuordnung des Heiligenkalenders vervollständigt. Die Instruktion schrieb vor, daß sogenannte «Devotionsfeste», zu denen auch das der hl. Philomena gehört, entfallen.
Das bedeutet jedoch keineswegs, daß die Verehrung der hl. Philomena untersagt wäre. Sie kann wie früher gehalten werden. In der Tat: diese Verehrung hat ihre Grundlage in äußerst zahlreichen Wundern und in der Autorität von sechs Päpsten, sowie in der Verehrung eines großen Heiligen. Da ihr Leben aber schlichtweg nicht durch historische Dokumente bezeugt ist, wurde ihr Name aus dem Heiligenkalender entfernt. Dieser Kalender enthält aus den oben dargelegten Gründen nur noch die Namen der Heiligen, deren Leben historisch gut dokumentiert ist.
René Lejeune
Literatur:
Gebete und Novene zu Ehren der heiligen. Philomena
10,5x14,8 cm, 88 Seiten E 1.65 CHF 3.
|
Copyright © 1999 - 2009 - Alle Rechte vorbehalten für Text und Fotos
PARVIS-VERLAG - MARIA HEUTE - CH-1648 HAUTEVILLE / SCHWEIZ. TEL.: 0041 (0)26 915 93 93 // FAX: 0041 (0)26 915 93 99 // E-MAIL buchhandlung@parvis.ch HOMEPAGE PARVIS // ZEITSCHRIFT MARIA HEUTE |