Die Propheten (2 Kön 17, 13)
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Propheten sind Gottes Diener, die in Treue seinen Liebeswillen ausführen. Diese Männer Gottes sind gegenüber dem Wirken des Heiligen Geistes gefügig; sie sind ein echtes Sprachrohr des Herrn, der seit alters her bis hinein in unsere Tage zu den Menschen spricht, um sie zu Sich zu führen.
Die Propheten greifen in die Geschichte ein, besonders in unruhigen Zeiten und wenn die Menschen vom Weg des Heils und vom Willen Gottes abgewichen sind. Als Menschen des Gebets und des Verzichts sind diese Freunde Gottes von Ihm durchdrungen und mit dem Heiligen Geist erfüllt, der sie immer erleuchtet. Ja, sie sind sogar die Stimme Gottes, weil sie seinen Willen in Gehorsam, in tiefer Demut, mit Mut und Liebe und mit einem unbesiegbaren und unerschütterlichen Glauben erfüllen. Sie sind die Gerechten. Die gesamte Schrift zeigt uns, daß die Propheten Menschen sind, die mit Leid vertraut sind. Als freiwillige Knechte Gottes arbeiten sie unermüdlich in seinem Dienst: nicht um vergängliche Güter zu erwerben, die sie nicht wollen und sogar verachten (vgl. 2Kön 5, 16f; Dtn 5, 17f), sondern um der ewigen Güter willen. Deshalb wollen sie nicht den Menschen, sondern allein Gott gefallen, indem sie ganz und gar in seiner Liebe leben. Aus Liebe zu Gott und den Menschen sprechen sie im Namen des Herrn. Im Buch der Könige finden wir einen wichtigen Abschnitt, der die heilige Sendung der Propheten, sowie die Umstände, in denen sie eingreifen, beschreibt:
2Kön 17, 12-13: «Sie [die Israeliten] dienten den Götzen, obwohl der Herr es ihnen verboten hatte. Der Herr warnte Israel und Juda durch alle seine Propheten, durch alle Seher: Kehrt um von euren bösen Wegen, achtet auf meine Befehle und meine Gebote genau nach dem Gesetz, das ich euren Vätern gegeben und euch durch meine Knechte, die Propheten, verkündet habe.» Wir wissen, daß die Propheten eingriffen, weil sich die Menschen von Gott und seinem Liebeswillen abwandten. Sie wollten sie zum Herrn zurückführen. Wenn die Verhärtung jedoch andauerte, kamen Drangsale und Gott schien dann fern zu sein. Deshalb sagt der Psalmist:Ps 74, 9-11: «Zeichen für uns sehen wir nicht, es ist kein Prophet mehr da, niemand von uns weiß, wie lange noch. Wie lange, Gott, darf der Bedränger noch schmähen, darf der Feind ewig deinen Namen lästern?
Warum ziehst du die Hand von uns ab, hältst deine Rechte im Gewand verborgen?»
Die Zeit der Propheten ist eine Zeit, in der Gott machtvoll zu den Menschen spricht. Es ist eine Zeit der Gnade. Wir kommen hier nicht umhin, Parallelen mit den himmlischen Erscheinungen, besonders mit den Erscheinungen der Muttergottes, der Königin der Propheten, zu ziehen. Die Zeit ihrer Interventionen, ihrer Anrufe, ist eine Zeit der Gnade, die wir wirklich nützen sollen. Wir sollen an der Quelle trinken, die Gott uns schenkt, ohne daß wir erst darauf warten, den Durst der Wüste zu spüren
Damals hatte das untreu gewordene Gottesvolk kaum auf das Wort der Propheten, auf das Wort Gottes gehört. Es hat hartnäckig den falschen Weg eingeschlagen, es hat den Weg der Sünde verfolgt und immer größere Übel auf sich gezogen. Hier müssen wir sehr aufmerksam sein. Die Propheten haben wirkliche, göttliche Botschaften angekündigt und manchmal Bilder, Vergleiche und Symbole verwendet, um die Wirklichkeit auszudrücken. Der prophetische und apokalyptische «Symbolismus» ist nicht etwas Unbestimmtes und Vages, das so verschieden interpretiert werden kann, daß man sogar zu einander widersprechenden Auslegungen kommt, wenn man nicht aufpaßt. Der Symbolismus ist eine unersetzliche Sprache, die eine geistige, himmlische, irdische, historische, usw. Wirklichkeit beschreibt. Er besitzt die wunderbare Qualität, in jeder Zeit seine Gültigkeit zu bewahren. Wenn das Wort der Propheten nicht die Menschheitsgeschichte betreffen würde, wären ihre Vorhersagen umsonst. Sie fordern die Menschen unermüdlich zur Umkehr auf, das heißt: zu einem Leben in Treue zu Gottes Liebeswillen daher künden die Propheten auch genaue zukünftige Ereignisse an, seien es gute oder schlechte. So kündeten sie beispielsweise die Zerstreuung, die Deportation und die Rückkehr Israels im Voraus an (vgl. Dtn 4, 27-31; Lev 26, 33f; 2Kön 21, 10f; Jer 13, 15-27; Ez 12, 11 usw
).
Das Unheil, von dem das Volk Gottes getroffen wurde, das Greueltaten begangen hatte, hätte verhindert werden können, wenn auf die Mahnungen der Propheten gehört worden wäre. Wir müssen daher wissen, daß die prophetische und symbolische Sprache im Sinne Gottes eine genaue historische Realität meint, in der sich seine Mahnungen, sein Erbarmen (vgl. Jonas 3;4) und seine Verheißungen erfüllen. So wurde beispielsweise der Messias von den Propheten1 angekündigt und wir haben ihn erkannt. Die Sprache der Propheten hängt mit der geschichtlichen Situation zusammen, in der sich Gottes unzerstörbarer Plan erfüllt. Dasselbe gilt für die apokalyptische Sprache, die das Ausmaß des Kampfes enthüllt, der zwischen dem Licht und der vom Licht besiegten Finsternis besteht. Alle Gläubigen sollten mit der prophetischen Sprache vertraut sein, indem sie beharrlich die Heilige Schrift lesen. So könnte jeder besser erkennen, wo die Wahrheit ist, was Gott von uns fordert, in welche Richtung die Menschheitsgeschichte geht, die einer neuen Zeit entgegenschreitet, einer Zeit, in der die Gläubigen vor Freude jubeln werden. Ich möchte hier zu einer aufmerksamen und betenden Lektüre der Bibel auffordern, denn es gibt nur sehr wenige, die unabhängig von ihrem Rang, von ihrem Dienstgrad, usw
die Bibel vollständig gelesen haben. Nutzen wir daher die Zeit unserer irdischen Pilgerschaft, um Gott und seinen Willen besser kennenzulernen, damit wir ihm in Heiligkeit näher kommen.
Wenn wir die Herkunft des Wortes «Prophet» anschauen, werden wir die Bedeutung der prophetischen Sendung ein wenig besser verstehen. Das griechische Wort «Prophet» ist aus zwei Worten zusammengesetzt: «pro» (voraus) und «phemi» (sprechen). Das hebräische Wort «nabi» (rufen, verkünden) vervollständigt die Bedeutung. Der Prophet ist zunächst jemand, der die Menschen zur Umkehr ruft. Er verkündet das Wort Gottes und sagt Künftiges voraus. Er sieht im göttlichen Licht, wohin die Menschen gehen. Er weiß, was Gott will. Und das manchmal sonderbare Verhalten, die Wunder, die er wirkt, zeigen deutlich, daß er von Gott gesandt ist. Gott ist es auch, der ihn unterweist, sei es durch Visionen, durch Träume, Erscheinungen oder direkt durch den Heiligen Geist, der zu seinem Herzen spricht und ihn zum Eingreifen nötigt. Deshalb sagt der Prophet Jeremia:
Jer 20, 7-9: «Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt. Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag, ein jeder verhöhnt mich. Ja, sooft ich rede, muß ich schreien, Gewalt und Unterdrückung! muß ich rufen. Denn das Wort des Herrn bringt mir den ganzen Tag nur Spott und Hohn. Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so war es mir, als brenne in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinem Inneren. Ich quälte mich, es auszuhalten, und konnte nicht.»
Diese Worte des Jeremia drücken mit Schönheit eine biblische Konstante der prophetischen Berufung all derer aus, die vom Mutterschoß an von Gott auserwählt sind. Prophet zu sein ist keine persönliche Wahl. Es ist vor allem anderen eine Sendung, die unmittelbar von Gott empfangen wird manchmal durch Vermittlung heiliger Menschen (Elija; Elischa vgl. 1Kön 19, 19-21), in Verbindung mit Salbungsriten (vgl. 1Kön 19, 15f usw.). Es ist eine Sendung, die mit der Gabe der Stärke des Heiligen Geistes verbunden ist (vgl. 1Sam 16, 13; Jes 61, 1; Lk 4, 18f). Diese Gabe ermöglicht es den Propheten, je nach den Gegebenheiten zu ermahnen, zu belehren, zu enthüllen, zu verkündigen, zu trösten, zu heilen, usw
Alle Christen empfangen diese Gabe durch die Sakramente der Taufe und der Firmung, die aus uns ein königliches, priesterliches und prophetisches Volk machen; ein heiliges Volk, das vom Heiligen Geist geführt wird. In der Kirche sind wir in Treue zu ihrer Lehre und in Treue zu Gott berufen, diese Gabe Gottes fruchtbar zu machen, damit sich in uns die Flamme des Glaubens entfacht. Auf Gott und die Kirche zu hören, heißt auf die Propheten und die Sprachrohre Gottes zu hören auf die früheren Propheten und auf die Propheten aller Zeiten.
Die bleibende Botschaft, die Gott an uns alle richtet, ist eine dringliche Aufforderung zur Umkehr unseres Lebens. Wir sollen zurückkehren und Gott demütig im beharrlichen Gebet begegnen (der Rosenkranz ist ein machtvolles Mittel, das uns ganz tief mit Gott vereint). Gott spricht im Gebet zu uns. Er spricht zu uns durch die Bibel, die uns verstehen hilft, was Gott von uns will. Der Wille Gottes ist Liebe, Frieden, Versöhnung, Vergebung, Gebet, Freude, Geduld, Güte
(vgl. Gal 5, 16f). Alles, was Gott von uns will, bringt im Heiligen Geist echte Glückseligkeit hervor. Der Weg eines wahren Gläubigen ist wie der Weg der Propheten ein Weg der Demut und nicht der Größe oder des Ansehens nach den Maßstäben der Welt, denn es heißt schon bei Lukas (16, 15): «Was die Menschen für großartig halten, das ist in den Augen Gottes ein Greuel». Wir sollten über diese Worte intensiv meditieren, um besser im Willen des Herrn zu leben.
All das sagt uns auch die Muttergottes in ihren Botschaften. Die Königin des Friedens fordert uns auf, die Heilige Schrift zu lesen, um die Gründe ihres Kommens zu verstehen. So führt sie uns zurück zu der prophetischen, historischen Ankündigung ihrer Erscheinungen wie sie in der Apokalypse des heiligen Johannes angeführt sind. Es ist eine klare Sache, die von der Mutter Gottes, von ihren Worten und der Art, wie sie erscheint (Krone mit zwölf Sternen, usw, vgl. Offb 12, 1f), beglaubigt ist. Ein jeder sollte in der Kirche dieses Mysterium, das sich uns enthüllt und uns erleuchtet, mit großem Ernst annehmen. Selig, ja, selig, wer wirklich auf die Anrufe Gottes hört, die Er durch die Allreine, die uns zum Paradies geleitet, an uns richtet. Selig, wer an diese Anrufe glaubt!
Wir stehen in einer besonderen Epoche der Menschheitsgeschichte. Den immer dichter werdenden Finsternissen des Bösen, der Ungerechtigkeit und des Hasses zum Trotz scheint im Herzen dieser bedrohten Welt das Licht Gottes. Der Glaube ist ein unerschöpflicher Schatz, der den treuen Gläubigen ermöglicht, Liebe, Frieden und frohe Hoffnung auf das ewige Leben zu verbreiten. Daher besitzen die folgenden Worte des Apostelfürsten große Aktualität:
Apg 3, 19-21: «Also kehrt um, und tut Buße, damit eure Sünden getilgt werden und der Herr Zeiten des Aufatmens kommen läßt und Jesus sendet als den für euch bestimmten Messias. Ihn muß freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung von allem, die Gott von jeher durch den Mund seiner heiligen Propheten2 verkündet hat.»
Ja, komm, Herr Jesus! Komm in unsere Herzen. Offenbare dich allen Menschen, damit sie dich erkennen und im Frieden leben im Heiligen Geist, in der Liebe des Vaters.
Jacques Magnan
Anmerkungen:
1) Messianische Ankündigungen (vgl. Gen 3, 15; 48, 10; Num 24, 17; 1Sam 24, 7; 2Sam 7, 12-16; Ps 2, 2; 45, 7; 72, 12; 89, 37; 110, 1; 132, 7; Jes 7, 14f; 8, 14; 9, 6f; 40, 10; 42, 7; 43, 8; 49, 9; 54, 5; 60, 1; 61, 1; 1Chron 22, 10; Jer 23, 5; 30, 10; Ez 16, 60; 36, 23f; 47, 1f; Dtn 7, 14-27; 9, 27; Micha 4,7; 5,1; Mal 4,6 usw
)
2) Zu den Propheten: einige biblische Charakteristiken (AT und NT). Sie sind Männer Gottes, die mit Ihm gehen (Num 12, 6-8; 1Kön 13, 1; 2Kön 4, 22; Jes 9, 10), Heilige (2Kön 4, 9; Apg 3, 21). Manchmal werden sie Seher genannt (1Sam 9, 9). Sie sind Diener Gottes (Jer 7, 25; Amos 11, 18), die man sich als Vorbild nehmen soll (Jak 5, 10). Sie werden verfolgt und haben oft ein schweres Schicksal, um das jedoch der Ehrenglanz des Martyriums schimmert (Mt 5, 12; 13, 57; 23, 37; Heb 11, 36f). Zur Zeit des Elija gab es Prophetengemeinschaften (1Kön 20, 35; 2Kön 2, 3.5.7.15f). Die Propheten haben in der biblischen Tradition keine besondere Berufung zum Zölibat. Sie sind wie die Priester meistens verheiratet (1Kön 13, 11; 2Kön 4, 1; Jes 8, 3; Hos 1, 2f, usw.). In dieser Hinsicht gibt es keine Regel. Elija, Elischa, Jeremia waren vielleicht ehelos
Bereits Abraham wurde Prophet genannt (Gen 20, 7), ebenso wie Mose (Dtn 18, 15f), Samuel (Sam 3, 20), usw. In der Schrift ist auch manchmal die Rede von Prophetinnen (Ex 15, 20; Rich 4, 4; 2Kön 22, 14-20; Jes 8, 3; Lk 2, 36; Apg 2, 17; 21, 9). Im NT verschmilzt das Prophetentum mit dem apostolischen Dienst, mit dem Dienst am Wort. Es ist eine charismatische Gabe (vgl. Lk 1, 17.76; 3, 11-14; Apg 2, 4.17f; 19, 6; 11, 27; 13, 1; 21,9; 1Kor 14,1-5f; 1Thess 5,20; 1Tim 1,18). In der Geheimen Offenbarung wird uns dieser Dienst in seinem ganzen biblischen Glanz gezeigt (vgl. Offb 10,7; 10,11; 11,3.6.10.18; 16,6; 18,20.24; 22,6.9)
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