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Msgr. Tarcisio Bertone hat für Radio Vatikan die hervorstechendsten Elemente des Schreibens von Johannes Paul II. erklärt:
Ohne den Rahmen der traditionellen Geheimnisse (freudenreiche, schmerzhafte, glorreiche Geheimnisse) zu verändern, fügt der Papst dem Rosenkranz fünf weitere Geheimnisse hinzu, die er «Die Lichtreichen Geheimnisse» nennt. Wie kommt er zu dieser Bezeichnung? Weil Jesus Christus das Licht der Welt ist, wie wir in der Osternacht rufen. In seinem öffentlichen Leben strahlt Jesus das Licht der vollen und endgültigen Offenbarung auf Gott, auf den Menschen, auf den Kosmos und auf das Schicksal der Erde aus.
Welches sind diese neuen Lichtreichen Geheimnisse? Da ist zunächst die Taufe Jesu im Jordan, bei der man den Vater im Himmel hört: «Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.» Dies ist die Offenbarung der Sendung des Sohnes Gottes. Dann die Offenbarung Jesu als Wundertäter bei der Hochzeit zu Kana und das Wunder, das er bei dieser Hochzeit wirkt. Es ist nicht nur ein materielles Wunder, bei dem Wasser in Wein verwandelt wird. Vielmehr ist es das Zeichen für die Verklärung und Heiligung jeder erschaffenen Wirklichkeit und vor allem der menschlichen Person, die durch den Sohn Gottes verklärt wird. Dieses Wunder öffnet also das Herz der Jünger für den Glauben, für den Glauben an den wahren Gott. Das dritte Geheimnis ist die Ankündigung des Reiches Gottes durch Gleichnisse und Zeichen des Heils. In gewisser Weise stellt das öffentliche Leben Jesu in sich selbst ein Geheimnis und die eigentliche Predigt Jesu dar. Das vierte Geheimnis ist die Verklärung Jesu, die traditionell auf dem Berg Tabor angesiedelt wird. Und schließlich das fünfte Geheimnis, die Einsetzung der Eucharistie als österliches Geschenk Jesu. Es ist das Sakrament, das alle Sakramente des Heils in sich vereint und zusammenfasst, die Christus der Kirche für das Heil der Menschheit anvertraut hat.
In seinem Dokument über den Rosenkranz verleiht der Papst diesem Gebet von neuem seine ganze Bedeutung. Es ist ein christologisches Gebet. Und wer den Rosenkranz mit dem Herzen betet weiß, dass es dort heißt: «Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.» Jesus stellt die Einheit zwischen dem ersten und dem zweiten Teil des Ave Maria dar. Der Papst bezeugt, dass die in zahlreichen Gebetsgruppen verbreitete Tradition gültig und gut ist, gerade zwischen diesen beiden Teilen des Ave Maria, nach dem Namen Jesu, der im Mittelpunkt, im Herzen des Rosenkranzes steht, die entsprechende Betrachtung anzufügen: Jesus, den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast; Jesus, der für uns das schwerekreuz getragen hat; Jesus, der für uns ist gekreuzigt worden
Auf diese Weise wird mit knappen Worten das Geheimnis bezeichnet, das man betrachtet und meditiert. Der Rosenkranz führt auch zur Anbetung der Dreifaltigkeit mit dem Ehre sei dem Vater und anderen kurzen Gebetsrufen, die das Rosenkranzgebet gewöhnlich begleiten.
Johannes Paul II. schlägt zudem zwei besondere Gebetsanliegen für dieses Jahr des Rosenkranzes vor: den Frieden und die Familie. Im Hinblick auf den Frieden ist zu sagen, dass der Rosenkranz als inbrünstiges Gebet zu Maria, der Königin des Friedens, schon immer die tragischen und dramatischen Zeiten der Kirchen- und Menschheitsgeschichte begleitet hat. In unserer geschichtlichen Situation lädt der Papst uns also ein, um das Geschenk des Friedens für die ganze Menschheit zu flehen und vor allem für das Land Jesu. Und dann das Gebet in der Familie, das Gebet für die Familien: Der Rosenkranz ist traditionell ein Gebet der christlichen Familien. Der Papst will den Rosenkranz als das Gebet der Familie wiederbeleben, die im Lobpreis Gottes und in der Fürbitte geeint ist. Der Heilige Vater will also, dass für die Familien gebetet wird, damit die Familie mit ihrer Bestimmung zur unauflöslichen und treuen Liebe gemäß dem Plan Gottes geachtet wird.
Wie wir wissen und wie der Heilige Vater selbst bekennt, liebt er den Rosenkranz sehr. Er bekennt in diesem Schreiben, dass der Rosenkranz sein «Lieblingsgebet ist, ein wunderbares Gebet in seiner Einfachheit und in seiner Tiefe». Es ist ein Gebet, das ihn in den schwierigen Zeiten seines Lebens begleitet hat, vor allem als Erzbischof von Krakau, als er zum Berg Kalwaria hinaufstieg (woran er bei seiner letzten Polenreise erinnert hat), und der Heiligen Jungfrau seinen Kampf für die Wahrheit, für die Religionsfreiheit und für den Glauben seines Volkes anvertraut hat. Er hatte also das Bedürfnis, zu Beginn des 25. Jahres seines Pontifikates seine Meditation über den Rosenkranz zu übermitteln. Dabei tritt er in die Fußspuren anderer Päpste, die dieses Gebet so dringend empfohlen haben. Ein sozusagen «chronologischer» Anlass für sein Schreiben ist nämlich der 120. Jahrestag eines Dokumentes von Leo XIII., der zahlreiche Schreiben über den heiligen Rosenkranz veröffentlicht hat. Dieser 120. Jahrestag fällt auf das Jahr 2003. In einem gewissen Sinn will der Papst also auf das Jahr 2003 vorbereiten, indem er die Zeit von Oktober 2002 bis Oktober 2003 zum «Jahr des Rosenkranzes» bestimmt.
Die Überlegungen von Johannes Paul II. erinnern an das, was andere Päpste bereits über dieses spezielle Gebet des zweiten Jahrtausends geäußert haben. Es ist ein marianisches Gebet mit einem christologischen Mittelpunkt, wie es Paul VI. in Marialis Cultus gesagt hat, und wie es Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben wiederaufnimmt. Dieses Gebet hat einen christologischen Mittelpunkt, weil es betrachtend die Geheimnisse des Lebens und der Sendung Christi aufgreift, die in den Horizont der Sendung Mariens, der Mutter Christi und der Mutter der Kirche eingebettet sind, die zu Beginn des Christentums die wichtigste Mitarbeiterin am Erlösungswerk war. Der Papst betont den betrachtenden Charakter dieses Gebets, das in sich selbst kein liturgisches Gebet ist, das aber auf das liturgische Gebet und auf die zentrale Stellung Christi in der Feier der Liturgie vorbereitet: Das Zentrum des Rosenkranzes ist Christus, Maria aber begleitet und leitet unser Gebet. Sie betet mit uns und führt uns zu Christus, dem allumfassenden Erlöser.
In seinem Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariae (Nr. 38) schlägt Papst Johannes Paul II. eine neue Wochenordnung für die Betrachtung der verschiedenen Rosenkranzgeheimnisse vor. Das betrifft jene, die nur einen Rosenkranz täglich beten:
«Nach der üblichen Praxis sind Montag und Donnerstag den freudenreichen Geheimnissen, Dienstag und Freitag den schmerzhaften Geheimnissen, sowie Mittwoch, Samstag und Sonntag den glorreichen Geheimnissen gewidmet. Wo sollen nun die «Lichtreichen Rosenkranzgeheimnisse» eingefügt werden? Unter der Rücksicht, dass die glorreichen Geheimnisse sich in der Abfolge von Samstag und Sonntag direkt wiederholen und der Samstag traditionell als ein Tag besonderer Marienverehrung begangen wird, scheint es zweckmäßig, die zweite wöchentliche Betrachtung der freudenreichen Gesätze auf den Samstag zu verlegen, in denen die Gegenwart Marias am stärksten betont ist. So bleibt der Donnerstag für die Betrachtung der lichtreichen Geheimnisse frei.
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