Marthe Robin, Braut des Erlösers (2. Teile)
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Marthe Robin hat menschlich und geistig intensiv gelebt. Ihr menschliches Leben wurzelte in ihrem geistigen Leben. Ihre Genialität besteht darin, dass sie das Ideal der heiligen Johanna von Orléans begriffen und gelebt hat: «Gott als Erstem dienen!»
Man kann den Nächsten nur dann lieben dieses Gebot ist dem ersten gleichgestellt wenn man persönlich und als Erstes Jesus liebt, der die Quelle jeder Liebe ist. Und indem wir die anderen lieben, dienen wir immer Christus, wie es der heilige Vinzenz von Paul gemacht hat, der sagte: «Arme, ihr seid meine Meister!» Denn er wusste, dass er in ihnen dem eigentlichen Meister diente. Das hat auch Papst Johannes Paul II. in einer seiner denkwürdigen Predigten zum Ausdruck gebracht: «Auf dem Angesicht der Armen sehe ich das Antlitz Christi leuchten.»
Wir müssen wirklich den neuralgischen Punkt in Marthes Leben betrachten: Und zwar ihre Weihe an Jesus, durch die sie Seine Braut wurde um der LIEBE willen. Die bräutliche Liebe zu Ihm, die miterlösende Liebe zu ihren Brüdern. Ihr ganzes Leben konzentrierte sich auf diese Hingabe; von dieser Opferung war ihr ganzes Leben bestimmt. Diese Gabe hängt letzten Endes von der engen Verbindung zwischen ihrer Großherzigkeit und der Berufung ab, die der Erlöser an sie gerichtet hatte.
Das Ideal des wahren Christen besteht darin, Jesus möglichst vollkommen nachzuahmen, ein «anderer Christus» zu werden, und sich dafür seiner Person anzupassen und sich derart mit ihr zu identifizieren, dass man nur noch eins mit ihm ist wie in einer einzigen Existenz, um mit den Worten des heiligen Paulus zu sprechen: «Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.»
Das ist Vermählung im Sinn Gottes: Sich in Jesus eingliedern heißt aus Seinem Leben leben, das nicht nur menschlich, sondern auch göttlich ist. So verwirklicht sich sein Wort: «Ihr seid Götter.» Steht nicht in der Genesis geschrieben: «Gott schuf den Menschen nach seinem Abbild, ihm ähnlich» und «Er baute aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, eine Frau»? Dies ist die Wirklichkeit und zugleich das Symbol der liebenden Abhängigkeit der Braut von ihrem Bräutigam. Dies nannten die Kirchenväter «bräutliche Liebe». Eine Liebe, die vom Bräutigam ausgeht und von der Braut durch den freien Akt der Hingabe erwidert wird. Der Bräutigam gibt sich der Braut hin und umgekehrt. Er vermittelt ihr das Leben der Gnade und sie antwortet mit ihrer ganzen Seele darauf. Das ist die Weihe, die Jesus wünscht.
Nie gab es eine tiefere Vereinigung als jene, die Jesus mit seinem Vater verband. Niemand konnte dem Vater mehr geweiht sein als der Sohn: Zwei Personen, aber ein einziger Gott in dem die Verschmelzung vollkommen ist. Austausch, gegenseitige Durchdringung, Frucht das ist der Heilige Geist, der die reine Ausstrahlung Beider ist.
Der fleischgewordene Christus hat sich seinem Vater vollkommen ausgeliefert: «Ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht um meinen Willen zu tun, sondern um den Willen meines Vaters zu tun.» Das hat er oft wiederholt.
Die Liebe, die Weihe verlangen also Einheit. Der Wille Jesu ist mit dem seines Vaters vollkommen eins. Der Wille Jesu ordnet sich unter, er wird im Willen des Vaters geläutert, so dass es in gewisser Weise nur noch einen Willen gibt: «Vater, dein Wille geschehe, nicht der meine», hat Jesus in Gethsemani wiederholt.
Und da Jesus das Beispiel für einen Willen gegeben hat, der sich in allem dem Willen seines Vaters unterordnet, da er gehorsam geliebt und in Liebe gehorcht hat, müssen wir es genauso machen: «Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.» Auch wir müssen uns mit dem Vater in seinem Sohn Jesus identifizieren, der auch gesagt hat: «Wer mich sieht, sieht den Vater.»
Das Wesen der Gnade besteht darin, in Einklang mit Gott, dem Höchsten Gut zu leben und radikal vom Bösen getrennt zu sein, das die Sünde ist. Und dies im Einklang der Liebe und der Unterwerfung Jesus gegenüber, der zutiefst Liebe und Gehorsam ist.
Da Jesus in diese Welt gekommen ist, um die Menschheit wieder auf den Weg der Gnade zu führen, die durch die Erbsünde beeinträchtigt wurde, braucht er Seelen, die alles hingeben, um in der Nachfolge Jesu ihren Mitmenschen diesen Weg der Selbstlosigkeit und des Verlangens nach dem Vater zu zeigen. Seit Maria, dem leuchtenden Beispiel für diese Gnade, erweckt er immer wieder mystische Seelen, die sein Leben der vollkommenen Vereinigung mit dem Vater nachahmen und sie durch ihre gelebte Erfahrung nachahmbar machen. Zu den Bekanntesten gehören die heilige Brigitta, die heilige Angela von Foligno, die heilige Marguerite-Marie, die heilige Theresia vom Kinde Jesus und aus unserer Zeit Schwester Josefa Menendez
Dies ist in einem außergewöhnlichen Grad auch bei Marthe Robin der Fall.
Versuchen wir nun, den tiefen und umfassenden Sinn von Marthes Weiheakten aus den Jahren 1925-1926 zu ergründen, die für ihr Leben richtungweisend waren.
Ihr grundlegendes Ziel besteht darin, dem Wunsch ihres Meisters zu entsprechen und auf seinen Aufruf zu
antworten, der Jahrhundert für Jahrhundert widerhallt: «Komm und folge Mir nach!» und zwar bis in ihr kleines Zimmer hinein: «Willst du sein wie Ich?»
Von da an wollte sie sich Ihm aus reiner Liebe vollkommen ausliefern. Es handelt sich um eine Liebe, die sie in Den eintaucht, den sie als mystischen Bräutigam erwählt hat: «Du hast von deiner kleinen Dienerin verlangt. Nimm und empfange alles
Oh Geliebter meiner Seele, Dich allein will ich, und um deiner Liebe willen verzichte ich auf alles!»
Dieser doppelte Akt der Hingabe, der alles einschließt, und von dem sie nichts zurücknimmt, stellt ein vollendetes Vorbild der Weihe dar, einen Höhepunkt des christlichen und geistlichen Lebens, sowohl in seiner Absicht als auch in der Verwirklichung, die er voraussetzt. Er ist die Vollendung der mystischen Vermählung Marthes mit Dem, den sie wirklich ihren Geliebten nennt.
Nebenbei bemerkt ist dieser Akt in dieser Form vollkommen neu. Während Maria zu Beginn des Jahrhunderts in Fatima die Weihe an ihr Unbeflecktes Herz anregt, bittet Jesus Marthe um die Hingabe an Seine erlösende Liebe. Diese Art Ausgleich macht uns verständlich, dass alles letztlich Christus, dem Göttlichen untergeordnet werden muss, und dass die Weihe an Maria so wichtig sie ist nur in Bezug steht zu der, die wir ihrem Sohn gegenüber leben müssen.
Diese Weihe an Jesus achtet die menschliche Freiheit. Sie ist ein Wunsch, kein Zwang. «Willst du
?» Marthe sagt, dass sie nicht ohne inneren Kampf zugestimmt hat
Doch in ihrer vollkommenen Freiheit und in der Erleuchtung durch den Heiligen Geist hat sie diese Auserwählung angenommen. Dabei ist sie sich bewusst, dass in Wirklichkeit weniger sie selbst gewählt hatte, sondern dass ihr Meister schon im voraus gewählt hatte: «Nicht ihr habt Mich erwählt, sondern Ich habe euch erwählt
»
Mit ihrer Antwort auf den drängenden Ruf ihres göttlichen Bräutigams hat Marthe mehrere Ziele erreicht:
Als Erstes tauchte sie in das vollkommenste göttliche Leben ein, indem sie nur von der Eucharistie lebte, sich am Ende jeder ihrer wöchentlichen Passionen zwei oder drei Tage lang von der Erde löste und sagte, dass sie jenseits ihrer körperlichen Blindheit die geistige Wirklichkeit von Oben in einem inneren Licht «sehe». Sie verwirklichte jeden Tag das Wort Jesu: «Meine Nahrung ist es den Willen meines Vaters zu tun.» Und umgekehrt nährte Jener, der die Vögel nährt, die seinem natürlichen Willen treu sind, erst recht seine «Taube», die in seinem Schoß ruhte.
Als sie in diesem Zustand angekommen war, schenkte sie ihrem Geliebten eine spontane, überlegte, ausdauernde, freie und leidenschaftliche Liebe.
Eine spontane Liebe: Weil sie aus ihrem jungen Mädchenherzen entsprang: «Mein Geliebter, nimm mich mit! Allein in dir will ich leben
» Eine kraftvolle und entschiedene Liebe, die nichts mit Geziertheit zu tun hat. Es ist das Erbeben der Verlobungszeit, die der Vermählung vorausgeht und diese in der Schönheit des Hohenliedes vorbereitet. Marthe gehört nun ganz Christus.
Eine überlegte Liebe: Marthe hat sich nicht leichtsinnig auf etwas eingelassen. Sie ist sich der Liebe Christi bewusst, sie will seine Liebe mit Liebe erwidern, und das Gebet des Engels von Fatima leben (das sie jeden Tag betete): «Mein Gott, ich glaube
ich bitte dich um Verzeihung für jene, die nicht glauben, dich nicht anbeten, nicht auf dich hoffen, dich nicht lieben.» Und sie fügt hinzu: «
für die Millionen von Herzen, die dich nicht lieben
Ich hoffe bewusst und aus freien Stücken für sie.»
Eine ausdauernde Liebe: Ihr «kleines» Herz brannte unablässig für ihren Jesus, als wäre diese Liebe grenzenlos. In den fünfzig Jahren leidenschaftlicher Liebe scheint diese weder gebrochen noch schwächer geworden zu sein. Ganz im Gegenteil.
Eine freie geschenkteLiebe: In seiner Botschaft zur Fastenzeit hat Johannes Paul II. wie der Apostel gesagt: «Umsonst habt ihr erhalten, umsonst sollt ihr geben!»
Das hat Marthe getan: Sie hat gegeben, ohne etwas im Austausch dafür zu erwarten und ohne sich je zu beklagen. Ihre Selbstlosigkeit wurde ein «Zunichtewerden».
Eine leidenschaftliche Liebe: Unablässig verzehrte sie ihren Leib als immer größer werdendes Opfer. Unablässig opferte sie Leiden und Gebete auf als Ausdruck einer unglaublich innigen Liebe.
Ausgehend davon konnte sie sich einem zweiten Ziel zuwenden: Die Hingabe ihres ganzen Wesens, die Annahme aller Forderungen, die im Geheimnis der Weihe an den Erlöser enthalten sind. Sie lieferte sich Ihm mit Leib und Seele aus und starb sich selbst. So wurde sie vollkommen verfügbar, um seinen göttlichen Willen zu erfüllen. In der Nachfolge Christi, der am Kreuz gestorben ist, ermöglicht die vollkommene Selbstverleugnung, «eine unermesslich große Zahl von Seelen» zu retten. So konnte sie dazu beitragen, gleichzeitig die göttliche Gerechtigkeit zu befriedigen, indem sie sie besänftigte, und die göttliche Barmherzigkeit, indem sie sie verherrlichte. Auf diese Weise stellt sie sich «vor die Hölle» und hält mit Macht Fürsprache für die Seelen im Fegefeuer.
Das dritte Ziel steht in Bezug zur Sendung der Kirche, die von Natur aus missionarisch ist aufgrund des Wortes Christi, das vom II. Vatikanischen Konzil wieder in Erinnerung gerufen wurde. (Dekret Ad gentes)
Da Marthe wirklich «Tochter der Kirche» ist, wie man oft gesagt hat, kann sie nicht umhin, ihr zu dienen. Der Heilige Vater sagt sehr zurecht: «Wir wählen unsere Sendung nicht selbst, der Herr weiht uns und sendet uns aus.» (Manila 1995) Marthe war sich immer deutlich bewusst, dass es eine wesenhafte Beziehung zwischen dem Vorsatz und den Taten, der Betrachtung und dem Zeugnis gibt. Für sie kann es kein leeres geistliches Leben geben, sonst hätte sie keinen Sinn und wäre eine falsche Mystikerin. «Glaubt wenigstens aufgrund der Werke», bat Jesus die Pharisäer. Man hat den Eindruck, dass Marthe das ganze Kapitel 15 des Johannesevangeliums gelernt und gelebt hat: Darin wird der Wille des Vaters, die Heiligung durch Jesus Christus, die Verwirklichung der Früchte durch den Heiligen Geist in Beziehung zueinander gesetzt. Dort heißt es im Wesentlichen: «Der Wille meines Vaters ist, dass ihr viel Frucht bringt.» Dieses Kapitel, dass man immer wieder lesen und sich aneignen muss wenn man Marthes Berufung begreifen will verbindet die innige Vereinigung mit Christus mit der Trennung von der Welt, weil «der Geist der Welt» zur Sünde verleitet: «Wenn ihr nicht in Mir bleibt, werdet ihr wie ein vertrockneter Rebzweig hinausgeworfen.» Marthe lebte zurückgezogen von der Welt dann kam die Welt zu ihr und so hat sie «viel Frucht» gebracht. In unserem vorhergehenden Artikel haben wir all das Gute angedeutet, das sie auf Erden getan hat. Aber die Ausdehnung und Bedeutung ihres Werkes werden wir erst in der Ewigkeit wirklich erkennen. Mit etwas Abstand wird immer deutlicher werden, dass Marthe die Sendung hatte, dazu beizutragen, die Kirche für das Neue Pfingsten hervorzubringen, und dass ihre Hingabe der Bedeutung dieses Ereignisses angemessen war. Denn Maria gab ihr zu verstehen, dass dieses zweite Pfingsten ein Ausmaß annehmen würde, das es in der Geschichte der Kirche noch nie gegeben hat.
Am 6. Februar 1981 ging Marthe endgültig in die Ewigkeit ein, nachdem sie ein letztes Mal die Passion durchlitten hatte. Es war der erste Freitag des Monats
Bemerkenswerterweise war sie an einem Donnerstag geboren. Das erinnert an den Gründonnerstag
Sie wusste, dass Satan sie bis zum Schluss verfolgen würde. Doch sie antwortete ihm, dass dies nichts nütze, weil sie weiter gehen würde als er
In der Tat, als Pater Finet an jenem Freitagabend Marthes Zimmer betrat, war alles durcheinandergeworfen und Marthe lag mitten im Zimmer leblos auf dem Boden. Nachdem der Menschenmörder ihr einige Zeit zuvor die Wirbelsäule verbogen hatte, hatte er ihr nun das Leben genommen. Die Rufe des Paters vermochten genauso wenig wie die Medizin.
Als er meine Frau und mich später empfing, versicherte er uns nochmals, dass er bei ihrem Leichnam wirklich Marthes Stimme vernommen habe: «Er hat mich umgebracht.»
Dann führte er uns in ein Nachbarzimmer seines Hauses (in dem «Foyer» von Châteauneuf), öffnete einen Glasschrank und nahm ein Tuch heraus, das uns an das der heiligen Veronika erinnerte und voller brauner Flecken war. Es war ein blutbefleckter Schleier, den er an einem Freitag auf Marthes ehrwürdiges Angesicht gelegt hatte. Es war beeindruckend. Wir hatten wirklich nie an Marthes Martyrium und ihrer «Heiligkeit» gezweifelt. Wir erinnern uns, dass wir sie am Montag Abend, den 9. Februar, zum letzten Mal gesehen haben. Sie lag leblos ausgestreckt in ihrem weißen Kleid, mit ihrem ausgemergelten Gesicht. Ihre Stirn war «eingefasst» von den Spuren der Dornenkrone.
Sie war endlich an jenem Ufer angelangt, das nur die Liebe kennt und belohnt.
Bernard Balayn
Literatur:
Martha Robin
Das Kreuz und die Freude
Martha Robin lebte über fünfzig Jahre lang sie völlig ohne Nahrung und ohne Schlaf und trug die Stigmata, wobei sie jeden Freitag am Passionleiden des Herrn teilnahm. Durch ihr Gebet und ihre Initiative ist in ihrem Dorf das erste Foyer de Charité entstanden, ein Werk, das sich noch zu ihren Lebzeiten über die ganze Erde ausbreitete.
179 Seiten, 20 Fotos,
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