Marthe Robin

Schwester der Menschen, Braut des Herrn

=> MARIA HEUTE 386 INHALT

Marthe, Schwester der Menschen

Marthe Robin wurde am 13. März 1902 auf dieser Erde geboren. Wenn sie 1981 nicht im Himmel geboren wäre, wäre sie dieses Jahr 100 Jahre alt geworden. Dieser Jahrestag ist eine Einladung, ein wirklich außerordentliches Geschick (1) zu betrachten und daraus heilsame Lehren für unsere Zeit zu ziehen.
Möge sie einem unwürdigen Landsmann gewähren zu entdecken, was Gott in ihr und durch sie zu Seinem Ruhm und zum Heil der Menschen gewirkt hat, deren Schmerzen und Hoffnungen sie geteilt hat. Marthe, unsere Schwester, die in gewisser Weise die Passion des gekreuzigten Christus forßetzte und so zur Erlösung beiträgt.

Eine Tochter Frankreichs

Als Zeugin Gottes übernimmt Marthe Robin die Fackel jener Jungfrauen, die die Älteste Tochter der Kirche geehrt und neu belebt haben, von der heiligen Blandina bis zu Yvonne-Aimée von Malestroit…
Sie wurde am 13. März 1902 in Châteauneuf-de-Galaure, einem kleinen Dorf im Norden des Departements Drôme geboren. Die Eltern Robin sind einfache Bauern, sie ist die Jüngste von sechs Kindern. Ihre Familie spiegelt den Charakter des Dorfes, des Departements und ganz Frankreichs wider, wie es direkt vor den schmerzlichen Ereignissen (religiöser Natur) von 1905 und jenen (patriotischer Natur) von 1914 aussah: ein «robuster» katholischer Haushalt. Und gerade in diesem Heim wollte Gott im Hinblick auf Seine Pläne der Liebe sein Zelt aufschlagen, indem er die Jüngste erwählte, wie seinerzeit den jungen David. Eine normale Familie, ein normaler Boden — Marthe hütete später die Ziegen —, denn Gott verherrlicht sich gern in dem, was in den Augen der Menschen nichts gilt: Auch für das Kind gelten die Verheißungen des Magnifikat.
In aufeinander folgenden, wachsendem Graden wird Marthe eine sichere, göttliche Vorliebe zuteil, auf die ihr Herz und ihr Willen immer mehr antworten, bis zu ihrem abschließenden Opfer. Sie wurde Anfang April 1902 getauft, bekam einen einfachen, aber soliden Religionsunterricht, wurde mit 9 Jahren gefirmt und ging mit 10 Jahren zur Erstkommunion. So entdeckte sie langsam Jesus und Maria. Den Sohn in der Eucharistie, die Mutter im Gebet, sei es in den Heiligtümern der Umgebung, in der Nähe einer kleinen Kapelle oder einfach unterwegs. Eines Tages vertraute sie jemandem an: «Wenn ich zum Einkaufen ins Dorf ging, hatte ich immer meinen Rosenkranz in der Tasche und betete ihn unterwegs.»Vor allem in der Natur — und später in der «Klausur» ihres Zimmers — lernte sie im direkten Kontakt mit Gott beten. Wie alle Hirten, die auf dem Feld von Gott erwählt werden, bezieht sie ihre kindlichen Überlegungen aus den schlichten, reinen Unterhaltungen mit dem Himmel, aus denen später ihre schönsten und tiefgründigsten Gebete und Meditationen entstanden sind.
Gleichzeitig entwickelte sie das, was man ihren «angeborenen Sinn für die Nächstenliebe» nennen könnte — und der in Zukunft so wichtig für sie werden sollte. Er stammte aus der Erfahrung der gegenseitigen Hilfe unter Bauern, die es schon immer und auch in ihrer Familie gegeben hatte: Sie erwies gern Dienste, half ihrer Mutter im Haushalt und genauso ihrer ältesten Schwester, einer Familienmutter (deren Mann im Krieg war), sie hatte immer eine Gabe für Obdachlose, die vorbeikamen, und besuchte gern die Leidenden. Später versicherte sie: «Ich wäre über Berge und Hügel gegangen, um Kranke zu besuchen. Weniger um sie zu pflegen, als um sie zu lieben.»
Das hinderte sie nicht daran, ein junges Mädchen zu sein wie alle anderen auch, solange Gott es ihr erlaubte. Ihr fröhliches, lebendiges Temperament äußerte sich in der Dorfschule, abends im Familienkreis oder bei Familienfesten. Sie spielte und tanzte gern.
So sah Marthes «menschlicher Boden» aus: Sie war ein Mädchen aus der Galaure, eine echte Lilie der Felder.

Der Erlöser zieht sie unmerklich auf Sein Kreuz

Gott begegnet seinen Lieblingsseelen gewöhnlich durch das Leiden, sagte die heilige Theresia von Lisieux. Marthe wurde ihre Gefährtin in ihrem Leiden und in ihrer Sendung: «Den Seelen, die mein Vater am meisten liebt, schickt er am meisten Prüfungen. Das Maß dieser Prüfungen ist das Maß seiner Liebe», sagte Jesus zu ihr.
Das Kreuz wurde ihre Schule in einem Jahrhundert, das von Kreuzen gerötet ist, wie die Menschheit sie seit dem Kreuz von Golgotha noch nie gekannt hat. Die Einmaligkeit und das Vorrecht von Marthe bestehen darin, dass sie fast gegen ihren Willen zur Bannerträgerin des Erlöserkreuzes für unsere Zeit bestimmt wurde.
Es begann schon in ihrer Kindheit (in der Schulzeit, die bald unterbrochen wurde, und zu Hause) mit immer schwereren und länger andauernden Krankheiten, die sie oft an das Haus fesselten, da auch noch die Krankheiten ihrer Mutter hinzukamen.
Ihr wahres Leiden begann im November 1918 (sie war erst 16 Jahre alt) und dauerte in einer ersten Phase bis zum Frühjahr 1921, also praktisch ununterbrochen zweieinhalb Jahre lang. Marthe litt unter schrecklichen Kopf- und Augenschmerzen mit einer rasch voranschreitenden Lähmung der Beine und langen Dämmerzuständen. Nur das Sakrament der Krankensalbung und eine erste Erscheinung Unserer Lieben Frau am 25. März 1921 brachten ihr Trost und Linderung.
Sie nützte diese «Ruhepause», um zu sticken und zu beten. Sie konnte wieder besser sitzen und bewegte sich an Stöcken fort. Sie ließ sich bei ihrer Lektüre von der Vorsehung leiten — wie im Fall jenes Andachtsbuches, das sie auf dem Dachboden einer ihrer Schwestern entdeckt hatte, und das ihr den Eindruck vermittelt, dass darin ihr eigener Weg vorgezeichnet sei… Dort las sie nämlich folgende Sätze (die sie mit anderen Zeichen in Zusammenhang brachte, die sie außerdem wahrnahm): «Warum suchst du das Vergnügen, da du für den Schmerz geschaffen bist?» und «Gott muss man alles geben.» Unter dem Einfluss dieser wiederholten Zeichen erwachte in ihr immer mehr der Wunsch, sich dem Herrn zu weihen. In Wirklichkeit dachte sie an den Karmel in jenen Jahren, in denen man sich auf die Heiligsprechung der «kleinen» Theresia im Jahr 1925 vorbereitete. Aber es gab immer noch Bindungen, die sie an die Welt banden. Im Alter von 23 Jahren hatte sie sich noch nicht endgültig entschieden.

Die grosse Wende: Ihre vollkommene und endgültige Hingabe an Christus

Von 1923 bis 1925 war sie inneren Kämpfen ausgeliefert. Sie zögerte, denn durch die Begegnung mit geistlichen Begleitern, die mit ihr über Seine Passion sprachen, lud Jesus sie immer drängender ein, Ihm auf dem schwierigsten Weg nachzufolgen. Ein unerwartetes Ereignis brachte sie von selbst auf den Weg des Verzichts: Im August 1925 überließ sie einer anderen Kranken ihren Platz bei der Lourdes-Wallfahrt. Dieses große Opfer wurde für sie zur Quelle unermesslicher Gnaden, von denen schon die erste bemerkenswert ist: Da Marthe nicht zu Maria gehen konnte, kam Maria von da an immer zu Marthe.
Dieser unvorhergesehene Verzicht ging ihrem immerwährenden Opfer vom 15. Oktober desselben Jahres voraus und bereitete es vor. Jener Tag stellte die große Wende für ihr ganzes Leben dar: Denn Marthe sprach ihren feierlichen, unwiderruflichen Akt der Hingabe an den göttlichen Willen. Sie vertiefte und erneuerte diesen Akt im folgenden Jahr durch eine vollkommene Verpflichtung und eine unbedingte Weihe, die sie umfassender leben wollte. Mit Betonungen und Ausdrücken, die ihr vom Heiligen Geist eingegeben worden waren und die genauso realistisch wie zutiefst mystisch sind, gibt sie sich mit Leib und Seele Christus, dem Erlöser hin. Ihre Weihe folgt einer überzeugenden, theologischen Triebkraft, die aus ihrer Weihe eine der vollendetsten und perfektesten macht, die es seit der von Maria und Josef gegeben hat. Diese Weihe lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Verzicht auf sich selbst und vollkommene Hingabe ihrer ganzen Person an Gott. Um der Liebe zum Herrn willen und als Sühne für die ganze Welt durch die freiwillige Annahme des Leidens.
Zunächst prüfte Jesus ihre Entscheidung und ihre Treue, dann nahm er ihr Opfer an. Denn Er wollte, dass es rein, liebend, vertrauensvoll und grenzenlos sei, das heißt die vollkommenste Nachahmung seiner eigenen Weihe.
Im Oktober 1926 und im Sommer 1927 wurde sie erneut schwer krank. Ihr wurde jedoch Beistand zuteil durch die ersten Besuche von Theresia von Lisieux, die ihr bedeutet, dass sie weiter gehen müsse als sie selbst, sowohl was die Lebensdauer anlangt als auch den miterlösenden Schmerz. Trotz ihrer starken, stechenden Leiden nimmt sie nichts von ihrer Weihe zurück. Ihr Dasein als Opfer hat begonnen. Es sollte immer weiter zunehmen bis zur praktisch ununterbrochenen Kreuzigung. Am 25. März 1928 tritt sie mit der Unbeweglichkeit ihrer Beine in ihr «Zunichtewerden» ein. In jener Zeit begann Satan, sie zu quälen, da er in ihr ein großes Hindernis für sein Reich erahnte. Er machte sich auf aufsehenerregende Weise bemerkbar, indem er ihr einen brutalen Fausthieb versetzte und dabei zwei Zähne ausschlug. Maria erschien Marthe erneut, um sie zu trösten. Noch oft sollte sie das tun — sie, die Marthe ihre «liebe Mama» nannte. Das war am 2. November 1928.
Dann nahm Jesus ihre Hingabe von 1925 an, die sie durch so viele Prüfungen der Liebe und durch ihre Jungfrauenweihe vom 11. August 1930 bestätigt hatte. Diese Weihe war zunächst vertraulicher und persönlicher Natur, bekam dann aber eine Art kirchlichen und offiziellen Charakter. Wie oft sagte man, um Marthe zu charakterisieren: «Sie gehört ganz zur Kirche!» Im Oktober erschien ihr Christus am Kreuz und fragte sie fast feierlich: «Willst du so werden wie Ich?» Marthe hatte ihre Antwort bereits gegeben und konnte sie daher nur wiederholen. Christus wollte nur ihre Freiheit in der Liebe achten. Daraufhin machte er sie vollends seiner Passion gleich, indem er ihren Händen, ihren Füßen und ihrer Seite die Wundmale einprägte und ihr sogar die Dornenkrone aufdrückte.
Ihre Weihe wurde vollendet, als Marthe im Jahr 1929 ihre Hände nicht mehr benützen konnte. Wie ihr ganzer Leib waren nun ihre Arme gelähmt, wogegen ihre Beine unter ihr angewinkelt waren. Ihre Eltern konnten sie nur unter fürchterlichen Schmerzen von dem Sofa hochheben, auf dem sie bis zu ihrem Lebensende liegen sollte. 1940 verlor sie schließlich noch das Augenlicht und wurde zudem noch allergisch gegen jedes natürliche Licht. So war sie Gott wirklich ausgeliefert. Sie besaß nichts mehr außer ihrer Freiheit, ihrem Willen und der Gnade zu lieben, zu lieben und nochmals zu lieben.
Von da an war sie bereit, bis zu ihrem Tod Woche für Woche die Passion ihres göttlichen Meisters durchzumachen.
1930 trat Marthes Berufung, als Opfer zu leben, vollends zutage. Sie war eine Hostie geworden und sollte sich auf diese Weise — in einer Art «statischem Zustand» — ihr Leben lang verzehren. Fünfzig Jahre lang hat sie weder gegessen, noch getrunken, noch geschlafen und kommunizierte nur einmal in der Woche. So bestätigte sie — falls nötig — die Worte Jesu: «Mein Leib ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank.» War sie überhaupt noch von dieser Welt? Auch die Bewohner des Himmels essen, trinken und schlafen nicht. Ja, dem Fleisch nach war sie von dieser Erde, denn sie hatte den Auftrag, in ihrem Fleisch zu leiden «was am Leiden des Erlösers für seinen Leib, die Kirche, noch fehlen mag». Sie sollte für den Ozean von Sünden sühnen und die Kirche und die Menschheit heiligen. Sie war am «Baum» des Kreuzes gekreuzigt und konnte so für ihre Brüder, die Menschen, die besten Früchte tragen.

Marthe, Dienerin ihrer Brüder

Sie wusste es und lebte es: Ihre Berufung bestand darin, Jesus Tag für Tag, Seele für Seele nachzufolgen. Und daher gab sie ihr Leben für den Dienst an den Menschen hin: Blut für Blut.
Marthe bemühte sich, den Ihren so wenig wie möglich zur Last zu fallen. Sie empfing sie besonders gut, sprach nie über sich selbst und noch weniger über ihre himmlischen Gunsterweise und Erlebnisse. Sie war immer barmherzig (das konnte ich selbst feststellen) und sprach nie schlecht über jemanden. Sie war einfach, führte die Menschen zur Einfachheit und nahm den Problemen ihre Dramatik. Sie hielt keine Moralpredigten und tadelte nicht; sie verlieh ihren Worten nur unauffällig das Gepräge der Gnade. Nach außen hin blieb sie ein normales Familienglied.
Im Juni 1936 verlor sie ihren Vater und im November 1940 ihre Mutter – die Hauptzeugin ihres Lebens. Beide starben in bester religiöser Vorbereitung. Es wurde jedoch bekannt, dass Marthe neun Monate lang das Fegefeuer für ihre Mutter auf sich genommen hatte.
Noch zu ihren Lebzeiten, schon ab 1930, wurde der Ruf der Heiligkeit ihrer Tochter in die Ferne getragen, sprengte Vorurteile und zog mit Macht die ersten Besucher zu diesem einfachen, halbdunklen Zimmer, in dem ein Funke des Göttlichen strahlte. Dies war der Anfang der ununterbrochenen Prozession all jener, die ein größeres Wohlbefinden, ein Mehr für ihre Seele suchten. Doch Gott sah weiter. Seine Vorsehung bewegte einen Priester aus Lyon, Abbé Georges Finet, Marthes Seelenführer zu werden: der «Pater». Am 10. Februar 1936 kam er in La Plaine an — mit einem Gemälde von Maria Mittlerin aller Gnaden, das Marthe bestellt hatte. Dieser ausgesprochen marianische Priester bekam von Gott und von Unserer Lieben Frau den Auftrag, nicht nur der kleinen «Hostie» beizustehen, sondern auch ein Geistiges Zentrum der Liebe zu gründen, das «Foyer de charité» (Haus der nächsten Liebe) genannt wurde. Dort sollten Exerzitien gehalten werden, die auf die Seelen ausstrahlen.
Zunächst für Frauen, dann für Männer, Priester und schließlich für Familien. So sind seit jenen ersten Exerzitien vom 7. September 1936 Zehntausende von Personen gekommen, um sich dank der «Foyers», die sich in der ganzen Welt ausgebreitet haben, am Lebendigen Wasser zu erfrischen.
Das Gebet und das Opfer von Marthe trugen die «Foyers», wie sie bereits die neu entstandene Schule trugen.
In Wirklichkeit hatte das Apostolat von Marthe mit der Jugend begonnen. Die Heilige Jungfrau hatte zunächst darum gebeten, in Châteauneuf eine katholische Mädchenschule zu eröffnen. (Infolge der Trennung von Kirche und Staat im Jahr 1905 war die alte Schule geschlossen worden.) Nachdem dies mehrere Jahre hinausgezögert wurde, erreichte Marthe im Oktober endlich, dass ihr Priester diese Schule eröffnete. Aus einer Grundschule mit 7 Schülern wurden in sechs Jahrzehnten mehrere Gebäude mit etwa 1000 Schülern.
Während ihres schmerzhaften Daseins hat Marthe viele Mütter, Kinder und Jugendliche empfangen, angefangen bei den Jugendlichen aus den Schulen der «Foyers». Sie liebte sie und sagte den Eltern, dass man sie lieben, ihnen helfen und sie beten lehren müsse.
Sie hat insgesamt eine unschätzbare Zahl von Menschen empfangen. Jedes Gespräch brachte den Menschen Erleuchtung, Hoffnung, das Versprechen der Fürbitte. Der Besuch endete nicht ohne ein kurzes gemeinsames Gebet.
Ihre grenzenlose Nächstenliebe dehnte sich auf alle sozialen Ständen aus, von den Bedürftigsten bis hin zu den am weitesten Entfernten und den Missionen. Sie galt den materiellen sowie den geistigen Bedürfnissen.
Sie schrieb und ließ später jenen schreiben, die nicht zu ihr kommen konnten. Ich erinnere mich, dass auf dem Küchentisch Berge von Briefen und Päckchen lagen. Sie unterhielt Briefkontakt mit Gefangenen, schickte ihnen Gegenstände, die sie von Besuchern bekommen hatte: das war «Marthes Korb». Wie sie die Lasten der Besucher auf sich nahm — bis in ihre Ewigkeit, wie uns Pater Finet versichert hat — so begleitete sie wie Theresia von Lisieux auch die zum Tod Verurteilten. So hat sie auch Jacques Fesch bis zu seiner Hinrichtung «getragen».
Sie hat sich auch für die Kirche aufgeopfert, vor allem für die Institutionen der Kirche: für die gesamte Hierarchie, von den Priestern ihrer Diözese bis zum Papst. Und das war weiß Gott dringend nötig in der wirren Zeit nach dem Konzil. Gott hatte ihr eine klare Sicht der damaligen und kommenden Dinge geschenkt. So war sie beim Tod von Pius XI. dabei und hat Paul VI. «geholfen», Maria als Mutter der Kirche zu verkünden (1964). Mit ihm und seinen Nachfolgern hat sie den neuen Frühling der Kirche vorhergesagt: das große «Pfingsten der Liebe». Johannes Paul II. schätzt sie sehr. Bei unserem Besuch im Jahr 1987 haben wir uns ihm mit folgenden Worten vorgestellt: «Heiliger Vater, wir kommen aus der Diözese von Marthe Robin.» Sogleich erhellte sich sein Gesicht, er hob die Arme und den Blick zum Himmel und sagte einfach: «Ah, Marthe!» Das genügte, um zu verstehen.
Das Konzil verdankt dieser zurückgezogenen Bewohnerin von La Plaine sicher viel: ihrem Gebet, ihrem aufgeopferten Leidensweg oder auch ihren verschiedenen Eingebungen, die dann von Theologen wie Pater Garrigou-Lagrange wiederaufgenommen wurden, der von der übermenschlichen Weisheit dieser einfachen und unwissenden Bauerntochter beeindruckt war. Das Laienapostolat der Kirche verdankt ihr viel wegen der guten Initiativen, die aus ihrem Zimmer hervorgegangen sind. Sie hatte die große Fruchtbarkeit jener Gläubigen vorhergesagt, die sich in den Dienst einer Kirche stellen, die vorübergehend zu wenig Priester hat. Als «Tochter der Kirche» hat sie also wie Katharina von Siena die Kirche in ihrer derzeitigen Prüfung sowie ihrer Hoffnung buchstäblich getragen. Wie viele sogenannte kirchliche Bewegungen unserer Zeit sind aus dem Geheimnis von Marthes Zimmer geboren? Wie viel «Eis» ist dort geschmolzen; wie viele Feuer sind dort entzündet worden!
Wer kann sagen, was dieses Opferlamm Christi für uns erlangt hat, was sie uns als lebendiger «Blitzableiter» erspart hat!
Die heilige Theresia vom Kinde Jesus hat gesagt, dass sie ihren Himmel damit zubringen werde, auf Erden Gutes zu tun. Marthe zog zu ihren Lebzeiten den Himmel auf diese verdorrte und trockene Erde herab, um sie mit den Fluten der Liebe, der Barmherzigkeit und der Vergebung der Herzen Jesu und Mariens zu bewässern. Um Seelen für diese beiden Herzen zu gewinnen, die um den höchsten «Preis» «erkauft» worden waren: den Preis eines Opfers, das bis zum Äußersten gegangen ist. Danke, Marthe!

Bernard Balayn

In der nächsten Nummer: «Marthe, Braut des Erlösers»

Anmerkung:
1) «Der außerordentlichste Mensch unserer Zeit ist weder Johannes XXIII., noch General De Gaulle, sondern Marthe Robin», sagt Kardinal Daniélou.

HOCH


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