«Die Bundeslade wurde sichtbar» (Offb 11,19)=> MARIA HEUTE 385 INHALT
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In der griechischen Übersetzung der Bibel kommt das Wort «Arche» mehr als 200 Mal vor: einerseits wird damit die Arche Noachs (Mt 24, 38; Lk 17, 27; Hebr 11, 7) bezeichnet und andererseits die Bundeslade, in der unter anderem die Gesetzestafeln, in die die zehn Gebote eingraviert waren (Hebr 9, 4), aufbewahrt wurden, aber auch jene geheimnisvolle Bundeslade, die im Tempel Gottes im Himmel erschien (Offb 11, 19).
Um zu verstehen, was der Herr der Erkenntnis uns durch diese Vision des hl. Johannes offenbaren wollte, müssen wir uns sehr aufmerksam mit Gottes Wort beschäftigen; es ermöglicht uns, die herausragende Bedeutung zu erfassen, die dieser Abschnitt für unseren Glauben hat und zwar besonders in unserer Zeit.
Im Bericht der Genesis (Gen 6, 5-9, 17f) wird uns die Geschichte des gerechten Noach und seiner Familie erzählt, die vor der Sintflut, die sich 40 Tage lang über die Erde ergoß, gerettet wurde. (Wir nehmen hier keine analytische Exegese1 vor. Wichtig sind die Geschehnisse und ihre Bedeutung für den Gläubigen.) Auf Gottes Anordnung und nach seinen Weisungen baute Noach eine riesige Arche (eine gigantische Holzkiste mit einem Deckel). Es ist die Glaubenstat eines unverbrüchlich Glaubenden, durch die er und seine Familie Erben der Gerechtigkeit und des Heils wurden (Hebr 11, 7-8). Die Spötter, die sich weigern zu glauben, werden zunichte (1Petr 3, 20). Nur acht Menschen wurden gerettet, denn die Wasser vermochten nichts gegen die Arche (vgl. Offb 12, 15-16). Die Arche ist das Werkzeug, durch das göttliches Heil kommt. Als Werk des Glaubens ist sie ein heilbringendes Werk Gottes (vgl. Mt 7, 24-27; Joh 6, 28-29). Die Arche Noach leitete den ersten Bund des Allmächtigen mit den Menschen ein. Dieser Bund wird durch den Regenbogen am Himmel angezeigt (Gen 9, 13-17). Dieser Regenbogen ist das Zeichen dafür, daß Gott die Lebewesen nie mehr mit einer solchen Sintflut strafen wird (Gen 8, 21; 9, 11.15.16). Das schließt jedoch nicht eine «Feuerflut» aus, die sich die Menschen heutzutage leider selber zufügen können. Wie der Regenbogen, der am Himmel erscheint, so erscheint die Frau der Apokalypse (Offb 12, 1). Die Arche Noach ist ein Bild für die Kirche, die durch das Wasser der Taufe das Heil schenkt; sie ist auch ein Bild für Maria (siehe weiter unten).
Mose, der demütigste aller Menschen (Num 12, 3), baute auf Anordnung Gottes und nach seinen Anweisungen die mit Gold bedeckte Holzlade (Ex 25, 10-22; 37, 1-9). Als bewegliches, tragbares Heiligtum (Num 10, 33-35) ist sie das Zeichen der göttlichen Gegenwart. In der Wolke, die über der Lade schwebt, zeigt sich Gott, erscheint Gott. In der Lade befindet sich das Wort Gottes (Dtn 10, 1f; 1Kön 8, 9f). Nach verschiedenen Schicksalswendungen (1Sam 4, 3f) wurde die Lade des Bundes, die Lade des Zeugnisses im Allerheiligsten (debir) von Salomos Tempel niedergelegt. Bei der Zerstörung des Tempels im Jahr 587 v. Ch. ging sie wahrscheinlich verloren (vgl. 2Kön 25
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Im 2. Buch der Makkabäer (2Makk 2, 1-12) heißt es, daß diese Lade in einer Höhle auf dem Berg, auf den Mose gestiegen war, versteckt wurde und zwar auf Anordnung des Propheten Jeremia, der durch einen Gottesspruch dazu veranlaßt worden war. Dieser Textstelle zufolge wird die Bundeslade zusammen mit den Kultgegenständen wieder offenbar, wenn Gott sein Volk versammelt haben wird. Dann wird er sich wie früher in der Wolke zeigen. Festzuhalten ist ferner, daß auch Jeremia in seinen Schriften die Bedeutung dieser Bundeslade zu relativieren scheint (Jer 3, 16) und Gott ist es, der durch seine Propheten spricht.
Offb 11, 19: «Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar
»
Hier ist die Bundeslade, die der hl. Johannes schaut, nicht dieselbe wie die, von denen bereits gesprochen wurde, sondern eine dritte, wobei die beiden anderen uns helfen, ihre Größe und ihre Schönheit zu verstehen. Diese Lade erscheint im Himmel und damit übertrifft sie die früheren. Mit denselben Begriffen («erscheint», «Himmel») ist sie die Bezeichnung und die Ankündigung für die Ankunft der mit der Sonne bekleideten Frau in den Versen, die unmittelbar auf diese Vision folgen. Sie bezeichnet jene Frau, die das Heil der Menschen, das Wort Gottes, den treuen und wahren Zeugen, den Ursprung der Schöpfung, Jesus Christus in sich trägt (Offb 3, 14). Die Frau und die Arche bezeichnen also die Jungfrau Maria, durch die der neue und ewige Bund allen Menschen offenbar wird. Das ist eine Gewißheit, die bedeutungsvoll ist, denn sie wirft uns ein Licht auf das Verständnis vieler biblischer Texte und besonders auf die Geheime Offenbarung, die uns geschenkt wurde, um zur beabsichtigten Zeit enthüllt zu werden, damit sich die Menschheit mit ganzem Herzen Gott, dem Erlöser, zuwendet.
In 2Sam 6, 1-23 lesen wir den Bericht über David, der sich erhob und aufbrach, um die Lade Gottes nach Baala in Juda bringen zu lassen. Desgleichen machte sich Maria eilends auf und ging in das Bergland von Judäa (Lk 1, 39). Vor der Lade sagte David: «Wie soll die Lade des Herrn jemals zu mir kommen?» (2Sam 6, 9; 1Chr 13, 12). Elisabeth sagte zu Maria: «Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?» (Lk 1, 43). Von der Lade Gottes heißt es noch: «Drei Monate lang blieb die Lade des Herrn im Haus des Obed-Edom aus Gat» (2Sam 6, 11). Von Maria heißt es: «Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr» [=Elisabeth] (Lk 1, 56).
Es gibt zahlreiche Argumente in der Heiligen Schrift! Die große Ähnlichkeit zwischen den Texten, in denen Salomo vor der Lade im Tempel als Antwort auf seine Gebete sieht, wie Feuer vom Himmel kommt (2Chr 5, 2-7.10f) und dem Pfingstfest, an dem die Apostel, die sich im Abendmahlssaal in Jerusalem um Maria geschart hatten, beteten und auf einmal sahen, wie der Heilige Geist in Gestalt von Feuerflammen herabkam, die sich auf all die im Gebet versammelten Menschen niederließen (Apg 2).
Verschiedene Parallelen sind hier festzuhalten: Salomo, der König Israels / Petrus, der Anführer der Kirche (vgl. Reden, Haltungen, usw.); die Bundeslade / Maria; der Tempel / die Kirche; Israel (12 Stämme) / 12 Apostel, die Kirche; Feuer vom Himmel / Heiliger Geist; der Glaubensakt Israels / die Bekehrung der Heiden, die Universalität des Heils, usw
Auf eine weitere prophetische Interpretation ist ebenfalls noch hinzuweisen: es ist Psalm 132 (Ps 132, 6-8.17). Folgende Parallelen könnten noch genauer studiert und betrachtet werden: Vers 6: Die Lade in Ephrata / Maria in Bethlehem Ephrata; Vers 7a: Gott ist an diesem Ort / die Geburt des Erlösers Jesus Christus, der Gott ist; Vers 7b: Gott wird angebetet / Jesus, der wahre Mensch und wahre Gott, wird von den Hirten und den Sterndeutern angebetet; Vers 8: Gott und die Bundeslade in Jerusalem / Christus und Maria im himmlischen Jerusalem; Vers 17a: der Stammbaum Davids / die Kirche ist aus Jesus, dem König und Messias hervorgegangen; Vers 17b: die für den Messias bereitgemachte Lampe / der prophetische Dienst (2Kön 8, 20; 2Petr 1, 19; Offb 11, 4); es ist die Ankündigung von Johannes dem Täufer, der von Jesus mit den Worten bestätigt wird: «Jener war die Lampe, die brennt und leuchtet» (Joh 5, 35 zu vergleichen mit Mt 13, 1).
Seit langem drückt es die Kirche so aus: «Maria, in der der Herr selbst Wohnung nimmt, ist in Person die Tochter Zion, die Bundeslade und der Ort, wo die Herrlichkeit des Herrn thront»2. Gott hat uns eine wundervolle Zuflucht geschenkt: Maria, unsere Mutter. Vertrauen wir ihrer Macht, die jene der Engel und Erzengel, die sich vor ihr verneigen, übersteigt. Nach Gott ist Maria die Mächtigste und Ruhmreichste.
Wir leben in einer sehr bedeutsamen Zeit! In bezug auf die letzten Zeiten sagte Jesus, um uns heute zu leiten, zu seinen Aposteln:
Mt 24, 37-38: «Denn wie es in den Tagen des Noach war, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein
»
Dieser Vergleich ist eine prophetische Unterweisung, um uns im Glauben zu stärken und um uns zu zeigen, was wir tun sollen: «uns unter den Schutz Mariens stellen. Jenseits aller Unwetter, aller Spötteleien, jenseits von Haß, Stürmen und Fluten aller Art sind wir in Maria, der Bundeslade, die Gott uns sendet, gelassen in der Hoffnung und der Freude des Himmels. Glauben wir ihren Worten, den Worten des Herrn.»
Danken wir Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist für die Jungfrau Maria, unsere himmlische Mutter, die Mutter der Kirche.3
Jacques Magnan
Anmerkungen:
1) Die Schlußredaktion der Noacherzählung besteht aus zwei Traditionen: dem Jahwisten und der Priestertradition, die zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Milieus verfaßt wurden. Das erklärt, warum manche Details unterschiedlich sind, was dem Gesamten und seiner bewundernswerten Kohärenz keinen Abbruch tut. Man findet im Pentateuch die Spuren von zwei weiteren Dokumenten: dem sogenannten Eloisten und dem Deuteronomisten.
2) Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2676. Auch die griechischen Väter und die Verfasser der marianischen Litaneien haben Maria mit der Bundeslade gleichgesetzt.
3) In seiner Ansprache zum Abschluß der 3. Session des II. Vatikanischen Konzils erklärte Paul VI. Maria am 8. Dezember 1965 zur «Mutter der Kirche» (vgl. Joh 19, 26).
Johannes Paul II. sagte in seiner Enzyklika «Redemptor Hominis» von Maria, daß sie die «himmlische Mutter der Kirche» sei. Diese Worte verweisen uns auf Maria, die himmlische Bundeslade, das himmlische Zeichen (Offb11, 19; 12, 1).
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