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Von René Lejeune Die Heilige Maria Goretti
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Am 6. Juli 2002 feiert die Kirche den hundertsten Jahrestag des Martyriums einer zwölfjährigen Jugendlichen. Ein Martyrium, das unzählige junge und weniger junge Frauen im Lauf eines Jahrhunderts voll blutigen Grauens durchgemacht haben.
Sie machen es auch heute noch durch. Wie zum Beispiel jene jungen, algerischen Frauen, die jedes Jahr zu Hunderten von den Terroristen entführt werden, die sich in den Bergen verschanzen. Dort werden sie Tag für Tag von Dutzenden von Scheusalen vergewaltigt. Sobald eine von ihnen krank wird oder schwanger wird, wird ihr unerbittlich die Kehle durchgeschnitten... Ja, das sind Märtyrerinnen!
Maria Goretti wurde am 16. Oktober 1890 in einer armen, doch zutiefst christlichen Familie mit vier Kindern geboren. Ein fünftes Kind, Tonino, starb mit acht Monaten.
Ihr Vater Luigi Goretti war 41 Jahre alt, als Maria zur Welt kam. Er war eine biblische Gestalt, «ein Gerechter, der Gott fürchtete». Er bestellte ein kleines Stück Land, dem er jedes Jahr buchstäblich abrang, was seine kleine Familie zum Leben brauchte.
Ihre Mutter Assunta war bei Marias Geburt 35 Jahre alt. Sie war jene starke Frau, die im Buch der Weisheit beschrieben wird. Stark in ihrer Sanftheit und ihrer Demut. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend arbeitete sie an der Spindel, hantierte mit dem Rechen oder der Jäthacke und ernährte ihre Kinder. Eines von ihnen, Theresia, wurde später Franziskaner-Missionsschwester Mariens.
Eine Familie also, in der der Friede und die Freude Jesu herrschten, und die trotz ihrer Armut glücklich war. Eine Familie von Heiligen.
Maria wurde am Tag nach ihrer Geburt in der Pfarrkirche San Pietro de Corinaldo getauft. Dieses Dorf liegt den Winden ausgesetzt auf einer Anhöhe zwischen den Bergen Nevalo und Cesano im Süden von Ancona. In diesem Dorf verehrten die Bewohnen eine «Madonna, Königin der Märtyrer». Schon als kleines Kind kniete Maria abends mit ihrem Brüdern und Schwestern neben ihren Eltern und betete den Rosenkranz, die Litaneien und das «Gedenke, o gütige Jungfrau
».
In dem Maß wie die Kinder heranwuchsen und ihr Appetit zunahm, konnte Luigi sie nicht mehr ernähren. Der Vater war unglücklich, wenn er seine kleinen hungrigen Kinder weinen sah. Am Abend stiegen die Bittgebete zum Kruzifix empor, das an einer Wand in der kleinen, blitzblanken Küche hing, die Assunta wie ein Schmuckstück in Ordnung hielt.
Eines Tages kam ein Landstreicher an diesem Häuschen vorbei. Assunta gab ihm eine Handvoll Kastanien. Auch die schlimmste Armut hindert nicht am Teilen...
War die Durchreise dieses Armen ein Werk der Vorsehung? Er erzählte ihnen von verlassenen Bauernhöfen mit fruchtbarer Erde in der Umgebung von Rom. «Warum steigt ihr nicht von diesen ungastlichen Bergen hinunter in die Ebene, die euch erlauben würde, dank eurer Mühe etwas Wohlstand zu erlangen?»
Nachdem der Landstreicher wieder gegangen war, sprachen Assunta und Luigi über diesen Traum. Doch wo sollten sie das Geld für eine solche Reise hernehmen? Und Assunta hing doch so sehr an ihrem kleinen Haus und ihrem Stückchen Land! Doch die Tränen der Kinder, wenn sie sich vom Tisch erhoben, erinnerten sie an die harte Wirklichkeit.
Der Landstreicher hatte ihnen von Bauernhöfen auf dem Land erzählt, wo er im Dienst des Grafen Mazzoleni, einem Großgrundbesitzer, gearbeitet hatte. «Ein wahres Paradies», hatte er hinzugefügt.
Luigi ist überzeugt. Er muss nur noch seine Frau überzeugen. Sie beschließen endlich, ihr Glück zu wagen. Sie verkaufen ihr Haus und ihr Feld und machen sich im Vertrauen auf die Hilfe der Madonna auf den Weg.
Anstelle eines Paradieses entdeckten sie jedoch die Sümpfe der Pontinischen Ebene mit ihren feuchten, ungesunden Feldern. Der Graf Mazzoleni verpachtete ihnen ganz billig einen seiner Bauernhöfe in Ferriere di Conca. Im Erdgeschoß waren die Ställe, im ersten Stock, in den man über eine steinerne Außentreppe gelangte, die Wohnung des Bauern.
Luigi krempelte die Ärmel hoch und machte sich an die Arbeit, um die Sümpfe urbar zu machen und trockenzulegen. Doch leider war dieses Gebiet ein Herd von Sumpffieber! Nach einem Jahr ist Luigi erschöpft, am Ende seiner Kräfte und vom Fieber zermürbt. Die Malaria, der Typhus und die Lungenentzündung haben ihn niedergestreckt. Der Arzt senkte die Arme. Assunta rief den Priester. Gemeinsam beteten sie den Rosenkranz. Maria wich nicht vom Bett ihres Vaters. Sie flehte zur Madonna, dass sie ihren Vater erhalte. Vergeblich. Luigi Goretti starb am 6. Mai 1900 als treuer Diener, ein Jahr nachdem er dem Trugbild des unseligen Landstreichers gefolgt war.
Maria war beim Tod ihres Vaters zehn Jahre alt. Sie tröstete ihre Mutter, die vom Kummer zermürbt war. Sie übernahm ihre Arbeit im Haus, wenn die Mutter zur harten Arbeit auf die Felder ging. Sie brachte ihren Brüdern und Schwestern die Gottesfurcht und die Abscheu vor der Sünde bei. «Maria ist ein Engel», sagten die Leute zu Assunta.
Dieser Engel hatte nur noch eines im Sinn: Im Alter von zehn Jahren wollte sie zur Erstkommunion gehen, obwohl sie noch ein Jahr warten müsste. «Ich will Jesus, ich will nicht mehr ohne Jesus sein», sagte sie oft. Aber ihre Mama hatte kein Geld, um das Kleid, den Schleier und die Schuhe zu kaufen. Schließlich gab sie jedoch nach und stellte Maria dem Erzpriester von Nettuno vor. Dieser prüfte das Mädchen. Er staunte über ihr Wissen, über die Reinheit ihrer Seele und ihre glühende Liebe zu Gott.
Am 29. Mai 1902, dem Fronleichnamsfest, gingen Maria, ihr Bruder Angelo und etwa zwölf andere Kinder in der kleinen Kirche von Ferriere zur Erstkommunion. Als Maria Jesus in der Hostie empfing, sagte sie Ihm, dass sie Jungfrau bleiben wolle.
Sie betete ohne Unterlass, nicht nur beim Rosenkranzbeten, sondern auch während sie den häuslichen Pflichten nachging, bei denen sie ihre Mama ersetzte. «Warum betest du so viel», fragte sie Theresia eines Tages. «Ich bete, um Jesus und Maria über so viele Sünden hinwegzutrösten», antwortete sie, während ihr Tränen über die Wangen liefen.
Seit dem Tod des Vaters musste Familie Goretti die Arbeit auf dem Hof und ihre Wohnung mit der ziemlich groben und wenig arbeitsfreudigen Familie Serenelli teilen. Der Vater war ein Taugenichts und Trunkenbold. Die Mutter war wahnsinnig geworden und im Irrenhaus von Ancona gestorben. Sie benützten die Küche gemeinsam. Das Laster kam mit der Tugend in Berührung. Der 19-jährige Sohn Alessandro war grob und verderbt. Die Wände seines Zimmers waren mit obszönen Bildern bedeckt.
Assunta würde diese Gegend gern verlassen, aber sie war durch ihren Vertrag gebunden. Sie erinnerte sich an eines der letzten Worte ihre Mannes: «Assunta, kehre nach Corinaldo zurück.» Ihre Ankunft in den Sümpfen der Pontinischen Ebene war eine Katastrophe gewesen...
Alessandro schlich um Maria herum. Er machte Annäherungsversuche. «Das ist Sünde. Gott verbietet das», antwortete sie ihm. Eine Sünde? Alessandro wusste nicht einmal, was das ist. «Wenn du deiner Mutter auch nur ein Wort sagst, bringe ich dich um», drohte er.
Maria hatte Angst. Sie floh ins Gebet, zu Jesus in der Hostie, zur Madonna, zum heiligen Josef, dem Hüter der Keuschheit.
An jenem 5. Juli 1902 wachte sie über dem kleinen Bett, in dem Theresia schlummerte. Plötzlich wurde sie von einem Schrei aus ihrem Gebet gerissen, der ihr das Blut in den Adern stocken ließ. Alessandro schrie: «Folge mir!» Er ließ nicht locker: «Komm!» Er zog sie mit Gewalt in die Küche, während sie um Hilfe rief. Aber der Lärm des Dreschens draußen erstickte ihre Stimme. Alessandro knebelte das Kind, doch es gelang ihr, den Knebel herauszureißen. Sie schrie: «Tu das nicht! Das ist eine Sünde! Du wirst in die Hölle kommen!»
Gereizt zog das wütende Scheusal ein Messer hervor und ging auf Maria los. Das Mädchen stöhnte: «Mein Gott, Mama, ich sterbe!»
Der Rohling glaubte, dass Maria tot sei. Er schloss sich in seinem Zimmer ein. Doch da er sie stöhnen hörte, ging er in die Küche zurück und stach nochmals zu. «Diesmal ist sie wirklich tot. So kann sie nichts mehr sagen», sagte er sich. Theresia erwachte in ihrem kleinen Bett. Da sie Maria nicht sah, begann sie durchdringend zu schreien.
Maria konnte sich noch bis zum Eingang schleppen. Der alte Serenelli sah sie und rief Assunta. Diese eilt herbei. «Mama!» stöhnte Maria, «Es war Alessandro. Er wollte, dass ich eine schreckliche Sünde begehe. Aber ich wollte nicht.»
Man rief den Arzt, der sie wegen ihrer schweren Verletzungen ins Krankenhaus von Nettuno bringen ließ. Inzwischen hatten sich die Dorfbewohner um das Haus versammelt, in dem das Verbrechen geschehen war. «Bringt ihn um! Bringt ihn um!», schrieen sie. Der Rohling hatte sich in seinem Zimmer verschanzt. Zwei Polizisten drangen gewaltsam ein, verhafteten den Mörder, fesselten ihn und führten ihn hinaus. Die Menschenmenge tobte, als sie ihn sah und wollte ihn lynchen. Aber die Polizisten beschützten ihn und zogen ihn zwischen ihren Pferden mit.
Maria wurde auf einen offenen Pferdewagen gelegt, dessen Stöße die Leiden des jungen Mädchens unerträglich machten. Erst um 6 Uhr Abends kam der Pferdewagen im Krankenhaus an. Die tödlich Verletzte wurde von den Ärzten untersucht. Diese zählten 14 Messerstiche, von denen neun sehr tief waren. Das Herz, der Herzbeutel, der Darm und die linke Lunge waren verletzt. Sie hätte ihren Verletzungen schon längst erliegen müssen.
Mit bleichem Gesicht lag sie auf dem Operationstisch, ihr dichtes Haar krönte ihren Kopf wie ein Kranz. Maria hat noch die Freude, bei einem Priester beichten zu können. Dann wühlte der Chirurg zwei Stunden lang in ihrem verwundeten Fleisch. Sie war nicht eingeschläfert worden, weil man eine Bauchfellentzündung fürchtete. Maria erduldete Leiden, die denen des Gekreuzigten ähnlich waren. Und wie Jesus hatte sie Durst: «Mama, gib mir ein bisschen Wasser.» «Meine arme Kleine, der Doktor hat es verboten. Es würde dir noch mehr schaden.» Zwanzig Stunden lang wurde sie vom Durst verzehrt, während ihre Wunden ihr unaufhörlich schreckliche Schmerzen verursachten. Maria konnte sich wirklich mit dem gekreuzigten Jesus vergleichen, den sie so sehr liebte. Daher ertrug sie ihren Leidensweg wie ein Gottesgeschenk!
Bevor sie starb wurden ihr zwei große Gnaden gewährt. Sie wurde in die «Kongregation der Kinder Mariens» aufgenommen, und man legte die Medaille auf ihre keuchende Brust.
Die zweite Gnade war die heilige Kommunion sowie das Sakrament der Krankensalbung. Bevor der Priester ihr die Hostie reichte, fragte er das Opfer, ob sie ihrem Mörder vergebe, wie Jesus am Kreuz seinen Henkern vergeben hat. «Ja», sagte sie, «um der Liebe Jesus willen vergebe ich ihm. Ich will, dass auch er mit mir ins Paradies kommt. Möge Gott ihm vergeben, denn ich habe ihm vergeben.»
Zwei Polizisten befragten dann die Sterbende zum Tathergang. Assunta war bei diesem Gespräch anwesend. Nachdem die Polizisten wieder gegangen waren, fragte sie Maria, warum sie ihr nichts von den Annäherungsversuchen Alessandros gesagt habe. Maria antwortete, dass er ihr gedroht habe, sie umzubringen, wenn sie ihrer Mutter etwas sage.
Dann kam das Delirium und der Todeskampf. Sie wiederholte die Worte, die sie vor und während des Verbrechens zu Alessandro gesagt hatte. Dann sagte sie: «Papa!» wohl um ihn zu der direkt bevorstehenden Begegnung zu rufen. Dann richtete sie ihren Blick auf eine Statue der Heiligen Jungfrau und rief voller Liebe aus: «Oh Madonna!» Hatte sie die Madonna kommen sehen, die sie im Moment ihres Todes empfing?
Dann kam das Ende. Maria warf den Kopf nach hinten und ihre Hände verkrampften sich auf ihrer Brust. Genau um 15 Uhr 45 hauchte sie ihr Leben aus. Ihre Seele flog in den Himmel. Es war der 6. Juli 1902, der erste Samstag des Monats, das Fest des Kostbaren Blutes.
Die Menschenmenge eilte herbei, um den leblosen Leib dieser Heiligen zu verehren, die wie die heilige Agnes als Märtyrerin gestorben war.
Sie wurde am 8. Juli beerdigt. Es war ein Triumph. Das Requiem wurde im Beisein des gesamten Kapitels vom Erzpriester zusammen mit zwei anderen Priestern in der übervollen Kollegialkirche von Nettuno gefeiert. Dann wurden ihre sterblichen Überreste im Friedhof von Nettuno beigesetzt und später nach Unsere Liebe Frau von den Gnaden von Nettuno überführt, die Maria besonders verehrt hatte.
Am 18. Oktober 1902 wurde Alessandro zu dreißig Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Nach den Aussagen der Gefängniswärter war er derselbe obszöne und unflätige Mann geblieben, ein Rohling, als er das erste Jahr in der Strafanstalt Noto in Sizilien verbrachte...
Maria Goretti wachte im Himmel. Sie gab dem Bischof Blandini jener Diözese ein, den Mörder im Gefängnis zu besuchen. Er ging hin. «Sie verlieren Ihre Zeit, er ist hart wie Stein, Sie werden schon sehen!», sagte der Gefängnisdirektor.
Der Bischof trat in den finsteren, feuchten und ekelerregenden Kerker ein, während ein Wärter draußen wartete, um allen Eventualitäten vorzubeugen.
«Was wollen Sie von mir?», brummte der Häftling.
«Mein Sohn, Ihr Bischof kommt, um Sie zu grüßen und zu stärken.»
«Ich habe nicht um Ihren Besuch gebeten, ich will keinen Trost und keine Predigt», antwortete der Mörder und spuckte auf den Boden.
«Sie werden mir zuhören, wenn Sie wissen, wer mich schickt. Ich komme, um mit Ihnen über Maria Goretti zu sprechen.»
«Maria Goretti!», rief Alessandro verblüfft aus. Der Bischof fand die richtigen Worte, um das Herz des Verbrechers anzurühren. Er erzählte ihm über den Tod Marias, über ihre letzten Worte vor dem Tod und ihren Wunsch, ihren Mörder bei sich im Paradies zu haben.
Als Alessandro, der sich in seinem Verbrechen verschanzt hatte, das hörte, fiel er in die Arme des Bischofs. Die Ergriffenheit hatte ihn gebrochen, er weinte. Und auch nachdem Bischof Blandini gegangen war, weinte er zum großen Erstaunen der Wärter immer noch. Von da an war er ein neuer Mensch. Er war durch die Vergebung seines Opfers und ihre Fürbitte vor Gott im Himmel erneuert worden. Eines Nachts erschien ihm Maria. Sie war ganz in Weiß gekleidet. Sie pflückte Blumen im Paradiesgarten und schenkte sie ihrem Mörder. Alessandro begriff im Licht der Vergebung und des Wunsches Marias, auch ihn im Paradies zu sehen, das ganze Ausmaß dieser Tragödie... Er schrieb einen Reuebrief an Bischof Blandini.
Im 27. Jahr seiner Haftstrafe wurde Alessandro wegen vorbildlichen Verhaltens entlassen. 1937 kam er nach Corinaldo, wohin Assunta inzwischen zurückgegangen war. Sie hielt ihn für einen Bettler. Doch der Fremde warf sich ihr zu Füßen.
«Ich bin Alessandro! Ich bitte Sie, vergeben Sie dem Mörder Ihrer Tochter.
«Maria hat Ihnen vergeben. Wie könnte nicht auch ich vergeben.»
Am nächsten Tag war Weihnachten. Assunta begleitete Alessandro zum Heiligen Tisch des Herrn. Dann wurden beide vom Erzpriester zum Essen eingeladen.
Am 31. März 1935 wurde der Seligsprechungsprozess von Maria Goretti eingeleitet. Während der Prüfung wurde Alessandro als Zeuge vernommen. Er lobte sein Opfer und betonte ihre Güte, ihre Bescheidenheit und ihre Reinheit: «Ich war von der brutalen Leidenschaft geblendet. Sie ist eine echte Märtyrerin.»
Am 28. Januar 1929 waren die sterblichen Überreste von Maria Goretti in einem triumphalen Zug nach Unsere Liebe Frau von den Gnaden in Nettuno überführt worden.
Am 27. April 1947 kam ein Menschenmeer auf den Petersdom in Rom, um der Seligsprechung von Maria beizuwohnen, deren Reliquien auf den Altar des Petersdomes gelegt worden waren. In der Basilika war auch die 81-jährige Assunta in Begleitung ihrer Kinder und Enkelkinder. Als Pius XII. sie sah, rief er aus: «Eccola la Mamma!» «Das ist die Mama!» «Wie haben Sie es gemacht, ein so heiliges Kind zu haben?» Assunta zeigte zum Himmel: «Ich habe Maria die Gottesfurcht und die Abscheu vor der Sünde gelehrt. Alles andere hat Jesus getan.» Als Kommentar zu diesen Worten sagte Pius XII.: «Ach, die gute alte Erziehung! Sie kann durch nichts ersetzt werden. Wenn die Familien sie aufgeben, zerstören sie ihr Glück.»
Im Jahr 1950 sprach Pius XII. fünf Selige heilig, darunter auch Maria Goretti. Der Papst stellte sie als «das Vorbild und die Beschützerin der weiblichen Jugend» vor.
Bereits bei der Seligsprechungsfeier hatte er sich gegen die «bewussten und willentlichen Verderber des Romans, der Zeitung, der Zeitschriften, des Theaters und des Films sowie die schamlose Mode» gewandt... «Auf ihnen, den bewussten Verderbern oder ihren passiven Mittätern lastet furchtbar das Gericht Gottes».
Seit Pius XII. und dem Heiligen Jahr haben die Laster, die Vergewaltigung der privaten und öffentlichen Moral und Abscheulichkeiten aller Art beträchtlich zugenommen. Der Abgrund, der die echten Christen von «der Welt» trennt, ist größer geworden. Man darf die Welt jedoch nicht fliehen, man muss sie ändern. Wenn sich der Glaube von Maria Goretti verbreiten würde, dann würde die Welt mit Sicherheit verändert. Pius XII. war streng mit den lauen Christen: «Wehe ihnen, sie könnten sich erheben und erleben, dass Legionen von unbescholtenen Personen ihnen folgen und bereit sind, gegen den Skandal zu kämpfen.» Aber sie sehen tatenlos zu...
Heilige Maria Goretti, bitte den Herrn, den du von Angesicht zu Angesicht siehst, dass Er uns deine Liebe zur Reinheit und deine Abscheu vor der Sünde eingibt, die das Herz des Gottes der Liebe zutiefst verletzt!
René Lejeune
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