Maria, die Mutter Jesu
|
![]() |
In Monat Mai, der Maria in besonderer Weise gewidmet ist, sind wir eingeladen, unter dem mütterlichen Geleit Mariens, der Mutter Jesu und Mutter der Kirche, der Liebe Gottes näherzukommen.
Innerhalb der Menschheitsgeschichte leben wir in einer Zeit besonderer Gnaden. Die Kirche hat das Heilige Jubiläumsjahr 2000 ausgerufen, vollkommenen Ablaß gewährt und uns zu einer wirklichen Bekehrung aufgerufen.
Seit mehreren Jahrzehnten erscheint Maria an verschiedenen Orten der Welt. Ihre Botschaft, die von Gott kommt, ist schlicht und läßt sich mit einigen Schlüsselworten zusammenfassen, die wir in unserem Leben immer wieder erklingen lassen sollen (Gebet, Fasten, Eucharistie, Versöhnung, Lesen der Bibel, Treue zum Papst, zur Kirche, Bekehrung
).
Schauen wir mit Vertrauen auf unsere zärtlich liebende Mutter, damit wir uns immer mehr für die Gabe Gottes öffnen.
Maria, die Mutter des Herrn, spielt eine unermeßlich große Rolle im Heilsplan. Man kann nicht zur Kirche gehören, ohne sie zu lieben. Wir schulden Maria alles, denn unser Glaube an die heilige Dreifaltigkeit und an das von Christus geschenkte Heil ist nur möglich, weil sie uns den Retter, das Licht der Völker, geboren hat. Die heilige Jungfrau Maria daß sie jungfräulich und heilig ist, ist eine unbestreitbare Wahrheit der Schrift1 ist unsere Mutter, Mutter der Kirche. Deshalb trägt Jesus seinem geliebten Apostel auf, Maria als seine Mutter zu sich zu nehmen:
«Siehe, deine Mutter» (Joh 19, 27). Das gilt für alle Christen. Um geliebte Jünger des Herrn zu werden, muß man seine Mutter Maria im Herzen aufnehmen. Die Mutter des Erlösers, die Mutter Gottes denn Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch hat die innigste Vereinigung mit Gott erreicht. Sie ist ganz nah bei Gott, den sie getragen, den sie genährt hat, dem sie die ersten Schritte als Mensch beigebracht und den sie unvergleichlich geliebt hat. Maria hat den Sohn Gottes in einem Stall geboren. Durch ihr entscheidendes «Ja» hat sie Gott ermöglicht, auf sichtbare Weise in unsere Mitte zu kommen. Die «Gnadenvolle» hat den Urheber der Gnade empfangen, und durch Gottes Gnade sind wir gerettet. Die göttliche Gnade hat sich mit der Gnade, die in Maria gelegt worden war, vereint, um uns Gnade zu schenken und um uns voll Freude zum Himmel zu ziehen.
Die Vereinigung Gottes mit seiner Braut Maria ermöglicht uns, eine größere Vereinigung mit dem Herrn zu erlangen. Maria steht ganz nah am Herzen Gottes. Sie ist gewissermaßen im Herzen Gottes. Sie spricht mit ihm, er spricht mit ihr. Sie bittet den Herrn für uns und mit uns. In der Gemeinschaft der Heiligen beten wir füreinander. Wir vertrauen uns dem Gebet unserer Geschwister im Glauben an. Wir bitten sie, für uns einzutreten. Umso mehr sollen wir dann die Heiligen des Himmels und besonders Maria bitten, für uns Sünder zu beten. Unsere Brüder und Schwestern, die auf der Erde oder im Himmel leben, um ihre Fürsprache zu bitten, ist ein Akt der Demut, der Gott gefällt; er möchte, daß zwischen all seinen Geschöpfen, die ihn lieben, Gemeinschaft besteht. All das hat große Bedeutung. Lobte Jesus nicht den großen Glauben des römischen Hauptmanns, der ihn durch die Vermittlung anderer Menschen bat, weil er sich nicht würdig fühlte, auf Jesus zuzugehen (vgl. Lk 7, 1-10)? Er war sehr demütig und hatte großen Glauben. Daher wies uns Jesus auf seinen Glauben hin und erhörte ihn
Maria ist wirklich wichtig, damit unser Glaube Gott immer mehr gefällt. Und das Eingreifen Mariens ist wirksam (Joh 2, 1-12). Sie berührt das Herz Gottes, der sie liebt. Sie empfängt von Gott die Gnaden, die wir benötigen und teilt sie aus. Sie ist die Gnadenvermittlerin. Gott schenkt seine Gnade wem er will und wie er will. Er kann heilen, handeln und er tut es ohne Vermittler in Anspruch zu nehmen. Er ist der oberste Richter aller Dinge und was er tut, ist immer gut. Aber oft bedient sich Gott seiner Heiligen, zu denen auch Maria gehört, um uns seine Wohltaten zu gewähren. Die Heiligen des Himmels bleiben nicht passiv. Sie empfangen sehr gerne göttliche Aufträge, um die Gaben des Himmels über uns auszugießen. Das ist eine Realität, an die wir oft denken sollen. Die Heiligen des Himmels, die heiligen Engel, unsere Schutzengel, die unablässig das Antlitz des Vaters im Himmel sehen (vgl. Mt 18, 10), stehen an unserer Seite. Die zärtliche Fürsorge Mariens übersteigt die der anderen Geschöpfe in allem. Sie hegt für jeden von uns eine unermeßlich zarte Fürsorge. Ob wir nahe bei Gott, oder weit von ihm entfernt sind, sie liebt uns. In ihr erfüllt sich die Liebe Gottes, der seine Sonne über Guten und bösen scheinen läßt (vgl. Mt 5, 45), auf vollendete Weise. Wir sollen sie also voll Bewunderung betrachten. Wir sollen sie voll Achtung verehren. Die heilige Jungfrau ist immer ein Vorbild an Demut geblieben, obwohl sie sich hätte rühmen können: sie war ganz rein, unbefleckt empfangen, Jungfrau, Mutter des Herrn, des ewigen Wortes, durch das alles geschaffen wurde (vgl. Joh 1, 1f), sie ist Miterlöserin, denn in Übereinstimmung mit den Prophezeiungen (vgl. Lk 1, 33-35) hat sie am Fuß des Kreuzes unseres Erlösers Anteil an der Erlösung der Welt (vgl. Joh 19, 25-27), sie ist Mutter der Kirche, usw
Ja, Maria hätte sich rühmen können, aber sie ist im Hintergrund geblieben. Sie verharrte in einem demütigen, beständigen Kontakt mit dem Herzen Gottes; sie, die alles in vollendeter Treue in ihrem Herzen bewahrte (vgl. Lk 1, 19.51). Maria ist das Vorbild jener Vollkommenheit, zu der Gott alle Menschen beruft: «Ihr sollt vollkommen sein wie euer himmlischer Vater vollkommen ist» (Mt 5, 48). Es geht hier nicht um eine äußerliche Vollkommenheit, wie sie sich die Menschen oft vorstellen, sondern es geht um eine Vollkommenheit des Herzens und des Lebens, die darin besteht, in Demut heilig zu leben. Genau das zeigt uns Maria. Sie ist die neue Eva, die die erste Eva, die keine so erhabene Mutterschaft hatte, an Heiligkeit übertrifft. Außerdem blieb die erste Eva, die zunächst sündenfrei war, nicht rein, während Maria, die von der Sünde der Welt umgeben war, von aller Sünde, von aller Beschmutzung unversehrt blieb. Das ist eine Heldentat, die uns alle übertrifft. Marias Vollkommenheit, ihre Heiligkeit, hat in der ganzen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Menschheitsgeschichte nicht ihresgleichen. Natürlich ist sie geringer als Gottes Vollkommenheit, die unendlich erhaben über allem steht. Maria gleicht ihrem Sohn Jesus Christus, dem Heiligen, dem Vollkommenen, dem Sündelosen, dem Unbefleckten, dem lebendigen Gott, sehr. Ja, Maria ist das funkelnde Kleinod der göttlichen Schöpfung. Und der hl. Josef, ihr keuscher Bräutigam, der Erwählte Gottes, strahlt in wundervoller Weise am Firmament der Heiligen.
Wir müssen an dieser Stelle auch für die Eltern von Maria danken. Der kirchlichen Tradition zufolge sind Joachim und Anna2 unsere geistlichen Großeltern. Sie haben durch ihre innige und reine Vereinigung die allheilige Jungfrau Maria hervorgebracht. Die gesamte Kirche ist in besonderer Weise mit den Eltern von Maria und also mit den Großeltern des Erlösers verbunden. Die Kirche kennt die Größe der Gemeinschaft der Heiligen, die verschiedenste Arten von Heiligkeit umfaßt. Für die Heiligen gibt es eine Ordnung der Herrlichkeit. Manche haben die Gipfel erreicht und stehen dem Herzen Gottes und seiner Liebe näher als andere. Alle Heiligen sind jedoch ihrem Grad entsprechend gleich erfüllt. In der Gemeinschaft der Heiligen gibt es eine Kraft der Fürsprache, die bei jenen, die Gott näherstehen, größer ist. Maria steht auf dem Gipfel, dann folgen die Erzengel und die Heiligen aus allen Zeiten. Nennen wir die Erzengel Michael, Gabriel, Raphael, die Seraphim, die Kerubim,
Johannes, den Täufer, die Altväter, die Apostel, die Propheten, die Kirchenlehrer, usw
und unter allen diesen ruhmreichen Gestalten Anna und Joachim und natürlich auch den hl. Josef, der dem Herrn ganz nahesteht. Maria, an der Gott Großes getan hat, ist selig und wir sind glücklich, sie mit den Worten des Magnifikat auch so zu preisen. Maria, die Dienerin (doulos, griech: Sklave) des Herrn, hat sich in einer vollständigen Hingabe an die göttliche Vorsehung ganz und gar hingeschenkt. Deshalb hat Gott sie über alle Geschöpfe erhöht. Er hat ihr eine furchterregendere Macht gegeben als ganzen Bataillonen (vgl. Hld 6, 10; Offb 12, 1f). Durch sie und ihren Nachkommen wurde Satan und seine Engel besiegt (vgl. Gen 3, 15f). Um den hochmütigen Widersacher, der sich erheben wollte, zu erniedrigen und ihn zu besiegen, hat Gott die demütige Magd erwählt, die er erhob und mit seiner strahlenden Herrlichkeit bekleidete. Maria läßt die Dämonen erzittern, weil auch sie ein Geschöpf ist, aber ein Geschöpf, das auf der entgegengesetzten Seite der gefallenen Engel steht. Maria hat sehr große Macht im Kampf gegen die Mächte der Finsternis, die eines Tages im ewigen Abgrund eingeschlossen werden. Wir sollen Maria sehr oft anrufen, damit sie uns im Kampf verteidigt, damit sie uns vor dem Widersacher und vor den Widrigkeiten verteidigt. Sie tut es wunderbar. Allein durch ihren Blick, allein durch ihre Gegenwart treibt Maria die Dämonen in die Flucht. Sie beschützt uns, besonders in dieser Zeit, die in den Geburtswehen einer neuen Zeit liegt, einer Zeit, wo alles in der Kirche herrlich neu erblüht, einer Zeit, wo die Welt den Herrn erkennen wird.
Wir leben in einer Zeit der Gnade, während der wir viel beten sollen. Nach der Messe ist der meditierte Rosenkranz das machtvollste Gebet, wenn man ihn von ganzem Herzen betet. Der Gläubige, der täglich den Rosenkranz (15 Gesätze) betet, erlebt, wie in seinem Leben und im Leben der Menschen, für die er betet, Wunder geschehen. Der Rosenkranz ist das Gebet der Demütigen und Gott hört dieses Gebet mit Aufmerksamkeit. Gott ist es, der unsere Gebete erhört, aber Maria hat die große Freiheit, für ihre treuen Kinder, die sie liebt, einzutrefen. Gott schenkt ihr volles Vertrauen. Er ist mit ihr herzinniglich verbunden. Das heiligste Herz Jesu und das unbefleckte Herz Mariens sind gewissermaßen nur ein einziges Herz. Und wir sind eingeladen, unsere Herzen mit den ihren zu vereinen. Gott hat uns eine Mutter geschenkt. Damit Maria uns helfen kann, braucht sie unsere ausdauernden Gebete. Wir sollen mit Beharrlichkeit und Nachdruck beten, ohne uns jemals entmutigen zu lassen. Alles liegt in den Händen des Herrn, der unsere Gebete immer auf die beste Weise erhört, auch wenn das nicht unbedingt die Weise ist, wie wir es uns beim Gebet vorstellen.
Beten wir zu Maria. Indem wir zu ihr beten, erheben wir uns mit ihr in Christus durch diese «Jakobsleiter», die der Rosenkranz auch ist. Nähern wir uns dem Allerhöchsten, der uns doch ganz nahe ist. Er allein ist anbetungswürdig und in seinen Heiligen vor allem in Maria verehren wir die lebendige Emanation seiner eigenen Herrlichkeit, seiner Liebe, die im Herzen der Heiligen aufgenommen wurde. Indem wir Maria verehren, verherrlichen wir Gott, der sie unter allen Frauen auserwählte, um in unserer Welt Mensch zu werden und die Welt zu retten. In Maria schaut die Kirche die vollendete Gestalt ihrer eigenen Heiligkeit. In Maria wird auf sichtbare Weise die Liebe, die die Kirche ihrem göttlichen Bräutigam entgegenbringt, gepriesen. Mit Maria vereint, geht die gesamte Kirche voll Gewißheit zum Thron der Gnade. Wie eine zärtliche Mutter umhüllt uns die Allreine mit ihrer Zuneigung und ihrem Schutz; sie wacht über jedes ihrer Kinder. Durch ihr unvergleichliches Licht, das sie von Gott, dem Vater des Lichtes, empfangen hat, leitet uns Maria, die von der göttlichen Sonne umkleidet ist; sie erleuchtet uns in dieser Zeit, wo der Fürst der Finsternis mit unerhörter Heftigkeit die Welt ins Verderben treiben will. Nutzen wir die Zeit der Gnade, während der wir das Licht sehen können, gut! Schon bald werden wir den dunklen Tunnel erreichen
Mit Maria an unserer Seite und dem Heiligen Geist in unserem Herzen sind wir nicht in Gefahr, sondern bewahren den Glauben und die Freude.
Bitte für uns, heilige Mutter Gottes, lebendiger Tempel der heiligen Dreifaltigkeit. Gepriesen seist du, Herr, für die Jungfrau Maria, die schönste und zärtlichste aller Mütter!
Jacques Magnan
Anmerkungen:
1) Vgl. Mt 1, 18.23// Jes 7, 14; Lk 1, 27-38f. Die Brüder und Schwestern Jesu sind seine Cousins. Die griechischen Worte «adelphos und adelphè» (Brüder und Schwestern) werden auch verwendet, um die Gemeinschaft der Glaubenden zu bezeichnen.
Von Jesus wird immer als von dem Sohn Marias (und nicht als von einem ihrer Kinder) gesprochen; damit soll ihre Jungfräulichkeit betont werden. Außerdem übt Maria eine geistliche Mutterschaft gegenüber der ganzen Kirche aus. Sie ist Mutter der Kirche (vgl. Joh 19, 25-27; Apg 1, 14f; Offb 12, 1.2.4.5.13.17).
Der Name «Maria» (Miryam, hebr.; Mariam oder Maria, griech., soll von dem hebräischen Wort «mar yam» (Meerestropfen) kommen. Auf lateinisch wird dieses Wort mit «stilla maris» wiedergegeben, das dann häufig durch den Ausdruck «Stella Maris» (Meerstern) weiterentwickelt wurde. Verschiedensten semitischen Wurzeln zufolge kann der Name «Maria» bedeuten: «Die Starke», «diejenige, die sich erhebt», «die Erhobene»; «die Seherin», «die Prophetin» oder sogar «die Herrin».
2) Die kirchliche Tradition nennt die Eltern Marias Joachim und Anna. Diese Tradition, die von zahlreichen Mystikern bestätigt wird, schöpft aus dem apokryphen Evangelium des Jakobus. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Genealogie von Jesus (siehe Lk 3, 23-38) die von Maria ist. Alle diese Namen werden mit Jesus, der als der Sohn des Josef gilt, verbunden, denn in Israel ging die Genealogie von der des Vaters aus. Jesus wird der Sohn des Eli genannt, was eine Abkürzung für Eljakim oder Joachim ist («Gott oder Jahwe erhöht»).
Dieser Eli wäre niemand anderer als Joachim, der Vater von Maria. Wir finden in der Bibel ein Beispiel für die Änderung des Namens Eljakim zu Joachim (vgl. 2Kön 23, 34; 2Chron 36,4). Der Herr schenkt uns immer alles, was wir brauchen, um sein Wort in der Tiefe zu verstehen.
|
Copyright © 1999 - 2009 - Alle Rechte vorbehalten für Text und Fotos
PARVIS-VERLAG - MARIA HEUTE - CH-1648 HAUTEVILLE / SCHWEIZ. TEL.: 0041 (0)26 915 93 93 // FAX: 0041 (0)26 915 93 99 // E-MAIL buchhandlung@parvis.ch HOMEPAGE PARVIS // ZEITSCHRIFT MARIA HEUTE |