Bernard BALAYN

Das Leid des Papstes

=> MARIA HEUTE 367 INHALT

Christus hat der Mutter der beiden Zebedäussöhne — die später Bischöfe wurden — gesagt, daß sie erst die Erfahrung des Kreuzes machen müssen, bevor sie in die Herrlichkeit gelangen. Und bevor er in den Himmel auffuhr, kündete er Petrus, seinem ersten Papst, an: «Wenn du aber alt geworden bist, wird ein anderer dich gürten und führen wohin du nicht willst» (Joh 21,18). Mit dem hl. Stephanus begann das christliche Martyrium. Petrus litt aus Liebe zu Christus und seiner Kirche bis hin zum Blutvergießen, «usque ad effusionem sanguinis». Und so ging es fünfhundert Jahre lang, fast ohne Unterbrechung. In Papst Johannes Paul II. vollzieht sich heutzutage das Opfer des Petrus unserer Tage. Sein ganzes Leben ist von einem zunehmenden und intensiven, manchmal erdrückenden, ja sogar unerträglichen Leid geprägt. Seine erhabene Funktion und seine besondere Bestimmung haben ihn in nicht vergleichbare Prüfungen geführt, die an das Martyrium grenzen. Dieses Martyrium hat seine Gründe und seine Modalitäten, um außergewöhnliche Früchte hervorzubringen.

In der Schule des Kreuzes (1920-1978)

Karol Wojtyla hat das Leid schon sehr früh kennengelernt und ist daran gereift: «Mit zwanzig Jahren hatte ich schon alle verloren, die ich liebte…», vertraute er André Frossard1 an: seine Schwester, seine Mutter, seinen Bruder, seinen Vater. Er litt unter der Einsamkeit seines Vaters, der nachts aufstand, um zu beten. Er litt unter der Härte des Krieges, der ihm seine Professoren, seine Freunde, seine Kameraden aus dem Seminar genommen hatte; er litt unter der harten Arbeit im Steinbruch und in der Sodafabrik, unter der Unsicherheit, da er nun ganz allein war und für sein Überleben sorgen mußte. Er litt unter dem Schrecken des Nationalsozialismus: unter den Razzien und dem Übrigen. Man muß nur das nahe bei Krakau liegende Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau erwähnen…
Nachdem er sich für das Seminar entschieden hatte, hatte er unter einem anderen Totalitarismus zu leiden: dem des Marxismus, der in Fatima vorhergesagt worden war — mit Schikanen, Demütigungen und Verfolgungen, die bis zur Verhaftung seines Kardinal-Primas, Stefan Wyszynski, gingen.
Karol Wojtyla war im Licht der heiligen Märtyrer Polens wie dem hl. Bischof Stanislaus oder dem Priester Maximilian Kolbe aufgewachsen; als Nachahmer der Tugenden eines Johannes vom Kreuz oder eines heiligen Pfarrers von Ars bot er in Anlehnung an ein Wort des hl. Paulus seinen freiwilligen Beitrag an: seine Armut grenzt an Askese, seine Entbehrungen und Opfer, seine beispielhafte Selbstbeherrschung, sein ausgefülltes Amt, seine langen Stunden des Gebetes, der Wachen und der Studien2. Häufig betet er den Kreuzweg.
Das Wesentliche ist, daß er seit der Zeit, als die Besatzer die Reihen seiner Umgebung lichteten, in sich einen Anruf zur Hingabe und zur Heiligkeit verspürt — aus Solidarität und aus Berufung. Dieser Ruf führt ihn mit sicherer Hand durch Leiden, ohne daß er bereits den noch in weiter Ferne liegenden Grund kennt, den Gott ihm in seinem geheimnisvollen Plan zugedacht hat. Es läßt sich in einem Satz zusammenfassen, den er über seinen Landsmann, Bruder Albert, ausgesagt hat: «Durch das beeindruckende Vorbild seines Opfers hat er viele zu seinen Schülern gemacht»3.

«Der Heilige Vater wird viel zu leiden haben»

Dieses Leben voller Prüfungen und Kämpfe machte keinen Halt vor dem Bischof, der er 1958, und auch nicht vor dem Kardinal, der er 1967 geworden war. Die Verteidigung seiner Diözese vor den kommunistischen Schikanen anläßlich der Tausendjahrfeier (der Taufe Polens) und des Kirchenbaus von Nowa Huta; sein Beitrag beim Konzil vor der «Aura» der westlichen Prälaten bezeugen es.
All das war nur eine Vorbereitung auf seine Bestimmung zum Papst, der er 1978 wird — so wie sich auch Jesus und dann der hl. Paulus in der Wüste auf die Evangelisierung vorbereiteten.
Diese Bestimmung zum «leidenden Gottesknecht», zum «Diener der Diener Gottes» war sogar angekündigt — schriftlich und eingraviert.
Angekündigt, weil am 13. Juli 1917, drei Jahre vor der Geburt von Karol Wojtyla, die Muttergottes den drei Hirtenkindern von Fatima durch eine berühmte Prophezeiung gesagt hatte: «Die Guten werden zu Märtyrern werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben…» Im Heideland von Aljustrel hat die kleine Jacinta, die unlängst seliggesprochen wurde, den künftigen Johannes Paul II. «weinend und betend» gesehen. Sie hatte ein besonderes Charisma und machte ihre Gefährten — und auch uns — auf dieses Leid aufmerksam: «Schaut, man muß viel für ihn beten!»
Eine schriftliche Vorherbestimmung: das hat Sr. Lucia später in ihren Memoiren festgehalten und im dritten Teil des nun veröffentlichten Geheimnisses präzisiert.
Eingraviert, weil Karol Wojtyla bei seiner Ernennung zum Bischof den Wahlspruch wählte: «Totus tuus ego sum et omnia mea tua sunt» in Anlehnung an einen Ausspruch des hl. Bonaventura, den Montfort aufgegriffen hat; diesen Wahlspruch ließ er sich als Zeichen seiner Weihe, seiner völligen und unwiderruflichen Hingabe an Christus durch Maria auf sein Wappen eingravieren. Dieses Totus Tuus war auch in den Goldring eingraviert, den Kardinal Wyszynski ihm schenkte und am 13. Mai 1981 wurde es auf dem Petersplatz noch tiefer eingraviert und mit seinem Blut besiegelt. Die Modalität dieser Weihe ist das Kreuz, das sich neben dem M von Maria erhebt; ein Kreuz, das das ganze Wappen ausfüllt.

«Der Jünger steht nicht über seinem Meister»

Die Hauptgründe der Prüfungen von Johannes Paul II. sind also in seiner umfassenden Weihe zu suchen, durch die er dem leidenden Christus gleichgestaltet wird, der gestorben ist, um alle Menschen zu retten. Jenem Christus, dessen Nachfolger er durch sein Fiat und in seinem Petrusamt geworden ist, das ihn seinen Brüdern und Schwestern ausliefert. Jesus hat zu seinen Aposteln gesagt: «Wer mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir… Der Jünger steht nicht über seinem Meister; sie haben mich gehaßt und sie werden euch hassen! Sie haben mich verfolgt und sie werden euch verfolgen! Sie werden euch vor die Gerichte bringen und euch töten…» (aber es folgen die Seligpreisungen).
Wir wollen, ohne bis zur Urkirche zurückzugehen, nur die zeitgenössische Epoche genauer anschauen: das Leid von Pius IX. angesichts der Widerstände in seiner Zeit, vor allem 1870 — und noch mehr den Kalvarienberg von Pius VI., der 1799 im Exil von Valencia starb. Mit einigen Federstrichen hat Kardinal Etchegaray, der Legat von Johannes Paul II. zur Zweihundertjahrfeier, auf meisterhafte Weise die Lektion aufgezeigt, die aus diesem dramatischen Ereignis zu ziehen war. Er sagte: «Je erhabener der Dienst ist, zu dem ein Papst berufen ist, umso mehr ist dieser Dienst durch das Kreuz erleuchtet, wie es der Hirtenstab zeigt, der von Paul VI. an Johannes Paul II. vererbt wurde». Diese Identifizierung mit dem Erlöser ist das Thema der Miterlösung, in Verbindung mit der Enzyklika Redemptor hominis.
Wie der Erlöser muß auch der Papst die Vergebung des Vaters für die Vielzahl an Sünden erflehen und als Stellvertreter seine eigene Wiedergutmachung anbieten. Das ist der Geist von Dives in Misericordia.
1976 hat Karol Wojtyla vor Paul VI. von der Notwendigkeit gesprochen, daß der Pontifex auch die Sünde der Verleugnung durch den hl. Petrus in Gethsemani4 wiedergutzumachen habe; eine Wiedergutmachung, die er derzeit vollzieht, da er sie vorgeschlagen hat. Und je intensiver die Kreuzigung des Papstes ist, desto mehr Seelen «erkauft» er dem Erlöser. Johannes Paul II. hat den tiefen Sinn des priesterlichen Ganzopfers, das der Pfarrer von Ars vollzogen hat, sehr gut verstanden.
Deshalb hat Maria von ihm gesagt: «Johannes Paul II., der Papst meiner Liebe und meines Schmerzes»5.

«Der weißgekleidete Bischof fällt zu Boden»

Wie läßt sich das Leid des Papstes, das zugleich so verschiedenartig, intensiv, beständig, oftmals verborgen und daher teilweise unzugänglich ist, beschreiben? Und das seit fast 22 Jahren, denn seines ist eines der längsten Pontifikate der Geschichte. Nur eine so robuste Konstitution wie die seine — ungeachtet des Schutzes durch Maria — kann seine Widerstandskraft und seine Gewöhnung an die Prüfungen erklären.
Jede Dichotomie ist sicher gewagt. Aber gewiß stimmt man darin überein, daß der Heilige Vater zuerst in seinem Körper getroffen ist, der schneller geschwächt ist als sein Geist. Es ist wie eine diabolische Herausforderung an den «Sportsmann Gottes»6.
Als Papst war er sechsmal im Krankenhaus und wurde fünfmal operiert. Meistens waren es schwere Operationen — ohne von seinen anderen gesundheitlichen Einschränkungen zu sprechen. Er hat zwei Attentate erlitten, von denen das erste Gegenstand der Offenbarung von Fatima7 ist, die unlängst veröffentlicht wurde und aufzeigt, daß sich der Angriff vom 13. Mai 1981 sehr wohl auf Johannes Paul II. bezog, denn «der weißgekleidete Bischof, tief betrübt durch Leiden und Nöte, halb zitternd, mit schwankendem Schritt, ist am Gipfel des Berges angelangt und warf sich zu Füßen des Kreuzes nieder…» — dieser Bischof ist einzig: es kann niemand anderer sein als unser Pontifex8.
Das «Ereignis vom Petersplatz» zeigte und bestätigte die richtige Beobachtung von Kardinal Etchegaray in Valencia: «Im gesamten Leben des Papstes, so ruhmreich seine Herrschaft auch sein mag, wird das Kreuz von Dauer sein».

«Das Evangelium vom Leiden»

Indem Satan den Leib des Heiligen Vaters getroffen hat, wollte er bereits seine Seele angreifen. Auch später tat er es immer wieder, um den Preis außerordentlicher Leiden.
Hier beginnen nun seine großen seelischen und geistlichen Schmerzen. In seinem berühmten Angelus vom 29. Mai 1994, den er bei seiner Entlassung nach dem fünften Krankenhausaufenthalt (im Anschluß an jenen vom November 93) sprach, haben wir ein rührendes Echo davon: «…Um die Kirche in das neue Jahrtausend eintreten zu lassen, genügt nicht mehr nur das Gebet, sondern man muß mit dem Leid eintreten und mit diesem neuen Opfer. Der Papst muß angegriffen werden und leiden, damit jede Familie und die Welt sieht, daß das höhere Evangelium das des Leidens ist, mit dem man die Zukunft vorbereiten soll. Vor den Mächtigen bleibt mir das Argument des Leidens…» Nun, was war das Umfeld, in dem diese packende, vertrauliche Mitteilung, die den Höhepunkt einer Prüfung verriet, gemacht wurde? 1994 war der Libanonkonflikt durch das Gemetzel in Bosnien, besonders in Sarajewo, abgelöst worden — ein Jahr vor dem schrecklichen Genozid in Ruanda; es war mitten in der Auseinandersetzung zum Thema Familie, während sich am Horizont die berüchtigte Pekinger Konferenz über die Frauen vom Herbst 1995 abzeichnete, auf der es zu einer offiziellen und universellen Legitimierung der Abtreibung kommen sollte, als die Enzyklika Evangelium Vitae erschien. Wie sollte der Papst bei einer solchen Konzentration an persönlichem und seelischem Leid nicht aufs Äußerste betroffen gewesen sein? Diese schmerzliche Ereignis hat, so könnte man sagen, als zweiten Pol die Leiden seines Pontifikates herauskristallisiert. Die Fotografien zeigen in der Tat, daß der Papst von jenem Augenblick an gebeugter, gebrechlicher aussieht und auf seinem Gesicht, aber auch an seinem Körper die tiefen Stigmata eines furchtbaren inneren Leidens trägt. Und dennoch: wenn es jemanden gibt, der allergisch gegenüber jeglichem Dolorismus ist, so ist es gerade er!

Das Zentrum der Leiden des Papstes

Was Pius VI. erlitten und ihn schließlich ins Grab gebracht hat, war der Sturm der französischen Revolution9. Johannes Paul II. lebt Ähnliches auf weltweiter Ebene, denn die satanische Subversion ist überall am Werk. Die höllischen Mächte haben sich gegen seine Person und sein lichtvolles Lehramt, das ohnegleichen «glitzernd doktrinär» ist, wie André Frossard zu Recht gesagt hat, verbündet .
Wie viele Angriffe — versteckt oder frontal —, wie viele diffamierende Kampagnen in allen Bereichen der Medien, einschließlich der religiösen — besonders im Fernsehen — haben die Seele und die große Sensibilität des Heiligen Vaters tief verletzt! Marxistische Slogans bei der Messe in Managua 1983, niederländische Punks bei seinem Besuch 1985 («Papst raus! Papst, geh nach Rom zurück!») bis hin zu aktuellen, karnevalsartigen Karikaturen.
Sind das nicht jene heftigen Schmerzen, die Jacinta andeutete, als sie zu Lucia sagte: «Hast du nicht all diese Menschen gesehen, die dem Heiligen Vater böse Worte entgegenschleudern und sogar mit Steinen nach ihm werfen…?»
Die Prüfungen des Papstes sind die Prüfungen der Welt. Wer kennt nicht die Leidenschaft Johannes Pauls II. für den Menschen — und sei es auch nur durch sein philosophisches Werk, seine Artikel, seine Bücher, sein Theaterstück, seine Gedichte? Er hat unablässig gesagt: «Der Weg der Kirche ist der Mensch». Johannes Paul II. ist vor allem ein Mensch, der seinen Nächsten leidenschaftlich liebt, und er leidet mit seinem ganzen Sein unter all den Nöten, die die Menschheit bedrücken. Es ist überflüssig, sie aufzuzählen. Sein Herz fließt über vor beständigem Schmerz. Als er in Israel beim Mahnmal von Yad Vaschem war, konnte er trotz seiner großen Selbstbeherrschung ein Schluchzen nicht unterdrücken, als er an die Schoah dachte…
Seine Prüfungen sind aber auch die Prüfungen der Kirche, die er am 1. November 1946 und in noch tieferer Weise 1978 «geehelicht» hat. Nicht seine Kirche, wie manche anfangs glaubten, sondern die Kirche Christi, deren Dogmen, Ethik und grundlegende Disziplin er nicht ändern darf.
Er leidet unter der Gegnerschaft und der Gleichgültigkeit, die man seiner Lehre entgegenbringt; es schmerzt ihn, den theologischen und sittlichen Streit zu sehen und daß trotz all seiner Schriften, seiner Reisen und seines Vorbildes Christus so wenig bekannt, wenn nicht sogar von vielen abgelehnt wird — wie er eines Tages Kindern anvertraute, die ihn fragten, was sein größter Schmerz sei. Der «Glaubensabfall», von dem Maria in der Marianischen Priesterbewegung10 sprach.
Er leidet sehr unter all den Angriffen auf das Leben, auf die Würde der menschlichen Person, auf die Hoheitsrechte der Familie.
Er leidet unter den Spannungen und der Uneinigkeit, von der die Kirche gebeutelt wird, unter den Verzögerungen im Ökumenismus, wenngleich er sich auch über große Fortschritte freuen kann, die bereits erreicht wurden.
Und dann sind da all seine verborgenen Schmerzen, die man nicht ergründen kann und die nur sein Herz allein verspürt. Schmerzen, die er am 26. März 2000 in Jerusalem am Heiligen Grab niedergelegt hat. Hier muß man von jener Meditation berichten, die aus dem Mund eines italienischen Priesters in der Capelinha von Fatima am 13. August 1999 vernommen wurde: «Auf dem Grabtuch von Turin hat man festgestellt, daß rund um den Kopf des Gekreuzigten 13 Verletzungen von der Dornenkrone verursacht wurden. Wegen der Sünden der Menschen hat sich dieser Dornenkranz im Laufe der Jahrhunderte so ausgedehnt, daß er das Herz seiner Mutter umschnürt hat, wie die Hirtenkinder es am 13. Juni 1917 gesehen haben.
Und jetzt hat das Meer der Schmerzen, das von diesen Sünden herrührt, die Dornen noch weiter ausgedehnt, so daß sie das Herz des Papstes umschließen.»
Wenn die Welt sein Leid nicht verstanden hat, wird sie es nie verstehen.

«Wenn das Weizenkorn stirbt, bringt es reiche Frucht» (vgl. Joh 12, 24)

Glaubt man den Verleumdern des Papstes, so hat er umsonst gelitten. Genauso gut könnte man sagen, Jesus sei umsonst gestorben!
Das Paradox des christlichen Lebens besteht darin, daß man durch den Tod gehen muß, um zum Leben zu gelangen. Der Weggefährte der Emmausjünger sagte: «Mußte der Messias nicht all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit einzugehen?» Und bereits Jesaja hat prophezeit: «Durch seine Wunden sind wir geheilt»; durch seinen Tod sind wir gerettet.
Johannes Paul II. setzt in den Fußstapfen Jesu die Linie jener fort, die dem Leiden einen Sinn gegeben haben11.
Die unmittelbarsten Früchte sind seine Gemeinschaft mit den Leiden der anderen. Daher auch sein Apostolischer Brief Salvifici Doloris (über den christlichen Sinn von Leid) und seine unermüdliche, aktive Nächstenliebe für die Kranken, «den bevorzugten Teil des Gottesreiches», wie er sie nennt. Für sie hat er auch den Weltgebetstag für die Kranken12 eingesetzt, der jedes Jahr am 11. Februar begangen wird.
Da er selber nicht mehr als seine Liebe und seine Prüfungen hinschenken kann, hat er die Welt oftmals Maria geweiht. «Trösterin der Betrübten, Hilfe der Christen»… Er hat die Leiden aller Menschen mit dieser Weihe verbunden, wie er es beispielsweise am 13. Mai 1982 an der Cova da Iria und am 25. März 1984 in Rom tat, damit die Leiden aller mit den Leiden des Erlösers verbunden sind und so zum Heil aller wie auch zur Neuevangelisierung beitragen: «Das Leid ist durch seinen erlösenden Wert ein wertvolles Werkzeug der Evangelisierung» (1984).
Auf lange Sicht gesehen ist das außerordentliche Werk von Johannes Paul II. unvergänglich, und zwar nicht nur aufgrund seiner besonderen Begabung und der Gaben des Heiligen Geistes, sondern auch durch die Fruchtbarkeit, die jedem Leid innewohnt, das durch die Weihe weit wird. So hat er das prophetische Wort seines Kardinal-Primas, Stefan Wyszynski, verwirklicht: «Wenn dich der Herr berufen hat, sollst du die Kirche an die Schwelle des dritten Jahrtausends führen».
Man muß jedoch noch weiter gehen. In der Nachfolge Jesu ist der Heilige Vater mehr als nur ein Weg für seine Brüder und Schwestern; er ist wie die Tür, die öffnet und die für das dritte Jahrtausend die Fundamente gelegt hat, wobei erst die zukünftigen Generationen — durch den Abstand der Zeit und die Beruhigung der leidenschaftlichen Debatten — das Erbe seines außergewöhnlichen Lehramtes in ihrem wirklichen Wert ermessen können.
Deshalb hat Maria, der er sich wie Stefan Wyszynski13 als «Diener der Liebe» hingegeben hat, ihrerseits sagen können:
«Betet für den Papst; er durchlebt die Ölbergstunde und den Kalvarienberg, die Kreuzigung und sein Ganzopfer.
Der Herr betrachtet ihn als das kostbarste Opfer…
Geliebte Söhne, bleibt immer bei mir unter dem Kreuz, an dem der von mir erzogene, geleitete und so sehr geliebte Papst sein größtes Opfer der Liebe und des Schmerzes vollzieht.
Gerade durch das Opfer meines besonders geliebten Sohnes, meines ersten Sohnes, vermählt sich die göttliche Gerechtigkeit mit der größtmöglichen Barmherzigkeit14.»
Bernard Balayn
26. Juni 2000, dem Tag, an dem das dritte Geheimnis von Fatima veröffentlicht wurde.

Anmerkungen:
1) Vgl.: «Habt keine Angst»
2) «Mein Freund, Karol Wojtyla», M. Malinski
3) «Meine Berufung», Johannes Paul II.
4) Seine Predigtansprachen im Vatikan: «Zeichen des Widerspruchs»
5) Botschaft an Don Gobbi in Salzburg, 13. Mai 1991.
6) Ein Ausdruck von Kardinal F. Marty im Prinzenpark (2. Juni 1980)
7) Siehe unser früherer Artikel «Fatima — dem Sieg entgegen»
8) «halb zitternd»: er zittert mit einer seiner beiden Hände; «mit schwankendem Schritt»: er muß mühsam an einem Stock gehen; «am Gipfel des Berges angelangt»: der heilige Berg: das ist Jerusalem, der Höhepunkt seiner Reise; «sich zu Füßen des Kreuzes niederwerfend»: er hat sich am Heiligen Grab, am Grab Christi niedergeworfen.
9) Kardinal Etchegaray sagt von diesem Pontifex: «Warum diesen Kranz an Demütigungen, den es in der Geschichte der Päpste des ersten Jahrtausends nicht gegeben hat?»
10) Die Marianische Priesterbewegung wurde von Maria 1972 ins Leben gerufen.
11) Im Gegensatz zum dialektischen Atheismus, der nur das Nichts und Verzweiflung hervorbringt.
12) Er wurde am 13. Mai 1992 ins Leben gerufen und am 11. Februar 1993 zum ersten Mal begangen.
13) Brief des Kardinals an den Autor (Dezember 1980)
14) Botschaft vom 13. Mai 1995 in Perpignan.

HOCH

Copyright © 1999 - 2009 - Alle Rechte vorbehalten für Text und Fotos
PARVIS-VERLAG - MARIA HEUTE - CH-1648 HAUTEVILLE / SCHWEIZ.
TEL.: 0041 (0)26 915 93 93 // FAX: 0041 (0)26 915 93 99 // E-MAIL buchhandlung@parvis.ch
HOMEPAGE PARVIS // ZEITSCHRIFT MARIA HEUTE